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Halswirbelsäule

Teil der Wirbelsäule zwischen Kopf und Brustwirbelsäule
Wirbelsäule des Menschen, Halswirbelsäule rot

Die Halswirbelsäule (abgekürzt HWS) bezeichnet die Gesamtheit der Wirbel zwischen Kopf und Brustwirbelsäule bei Menschen und den anderen Wirbeltieren.

Die Halswirbelsäule ist in der Regel der beweglichste Wirbelsäulenabschnitt. Die beiden dem Schädel am nächsten liegenden Wirbel haben Eigennamen: Atlas („Nicker“) und der Axis („Dreher“), bedingt durch ihre vom üblichen Aufbau eines Wirbels abweichende Bauform. Dieser obere Teil der Halswirbelsäule samt der Schädelbasis bildet die Kopfgelenke. Es folgen fünf weitere Halswirbel. Die Halswirbelsäule weist beim gesunden Menschen einen Bogen nach vorn auf, was als physiologische Lordose bezeichnet wird.

AnatomieBearbeiten

Die Halswirbelsäule besteht bei fast allen Säugetieren wie auch dem Menschen aus sieben Halswirbeln. Bei der Spitzmaus sind die einzelnen Halswirbel dementsprechend wenige Millimeter lang, während sie bei der Giraffe über 40 cm lang werden können (gesamte HWS zwischen 2 und 3 m). Rundschwanzseekühe und das Hoffmann-Zweifingerfaultier (Choloepus hoffmanni) besitzen als einzige Säuger nur sechs Halswirbel. Bei Dreifinger-Faultieren sind drei bis vier Brustwirbel verlagert, weswegen man lange von bis zu zehn Halswirbeln ausging.[1]

Beim Menschen liegt direkt unter dem Foramen magnum des Schädels der erste Halswirbel, der Atlas. Dieser ist nach Atlas aus der griechischen Mythologie benannt. Der Atlas trägt den Schädel und umfasst dabei den Zahn des zweiten Halswirbels, des Drehers (lat. Axis). Die Gelenke zwischen Schädelbasis und Axis bilden zusammen zwei Kopfgelenke, welche etwa 70 % der Beweglichkeit des Kopfes im Verhältnis zum Rumpf gewährleisten.

Die weiteren Halswirbel haben die übliche Form eines Wirbels mit dem Wirbelkörper und dem das Rückenmark umfassenden Wirbelbogen, an dessen seitlichen Fortsätzen sich jeweils rechts und links des Wirbelkanals die Wirbelbogengelenke oder auch Facettengelenke befinden.

Der 7. Halswirbel der menschlichen Wirbelsäule wird als Vertebra prominens (vorstehender Wirbel) bezeichnet, weil sein Dornfortsatz etwas weiter nach hinten vorsteht als der der anderen sechs Halswirbel. Daher ist der Dornfortsatz des 7. Halswirbels von außen am unteren Ende der Nackenfurche meist gut zu tasten und dient als anatomischer Orientierungspunkt.

Genauso wie bei der restlichen Wirbelsäule befinden sich zwischen den Wirbelkörpern der Halswirbel Zwischenwirbelscheiben (Bandscheiben). Die Halswirbelsäule wird durch die Nacken- und Rückenmuskulatur sowie durch mehrere Bänder gestützt.

Aus dem Rückenmark im Bereich der Halswirbelsäule entspringen auf jeder Seite acht Nervenstränge, die Spinalnerven. Die oberen vier (C1–C4) bilden zusammen das Halsgeflecht (Plexus cervicalis), welches den Hals und die Halsmuskulatur, aber auch das Zwerchfell innerviert. Daraus ergibt sich, dass eine eigenständige Atmung bei Verletzung des Rückenmarks auf Höhe des vierten Wirbelkörpers (oder höher) nicht mehr möglich ist. Die unteren vier (C5–C8; Anm.: Es gibt sieben Halswirbel, aber acht Halsnerven) bilden zusammen mit den Nerven des ersten Brustwirbelkörpers (Th1) das Armgeflecht (Plexus brachialis), welches die Brust- und Armmuskulatur sowie die dazugehörige Haut innerviert.

Weiterhin ziehen durch die Halswirbelsäule die Vertebralarterien (Arteriae vertebrales), die durch die Querfortsätze der HWS verlaufen und zusammen mit den inneren Halsschlagadern (Arteriae carotidiae internae) die Versorgung des Gehirns mit Blut sicherstellen.

Untersuchungen der HalswirbelsäuleBearbeiten

 
Röntgenbild der Halswirbelsäule im seitlichen Strahlengang. Die Wirbel sind mit Nummern markiert. Der Atlas (1) und der Axis (2) sind farbig umrandet.

Wie bei allen Untersuchungen gehört auch zur Untersuchung der Halswirbelsäule eine Anamnese, im Notfallbereich auch eine Fremdanamnese, zum Beispiel zum Hergang eines Autounfalls. Typische Beschwerden bei Auffahrunfällen, dem so genannten Schleudertrauma, sind Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schwindel und Übelkeit.

Bei Fremdverschulden steht dem Geschädigten Schmerzensgeld zu. In besonders leichten Fällen wird gern die Kausalität bzw. auch das Ausmaß der Schmerzen bestritten und es kann zu Gerichtsverfahren kommen. Grenzwerte der Verletzungswahrscheinlichkeit nach Auffahrunfällen sind bekannt.[2] Ein signifikanter Anteil von Probanden klagt nach simulierten Auffahrunfällen, bei denen der Pkw nur vermeintlich, tatsächlich aber gar nicht beschleunigt wurde, über Beschwerden (der Begriff „Verletzungen“ wird von Medizinern in diesem Zusammenhang vermieden) im Bereich der Halswirbelsäule, die einige Tage andauern können. Offensichtlich erwartet man Schmerzen und sie stellen sich auch ein.[3]

Bei Verdacht auf eine Fraktur der Halswirbel ist eine starre HWS-Schiene anzulegen und Untersuchungen wie Palpation (Betasten) auf abnorme Beweglichkeit, Krepitationen oder Stufen zu unterlassen, da die Gefahr einer Rückenmarksverletzung besteht. Rückenmarksläsionen führen – je nach Höhe und Schwere – zu Taubheitsgefühl und Lähmungen in Armen, am Rumpf und bei hohen Querschnitten zur Lähmung des Zwerchfells und somit der Atmung. Während früher zur Untersuchung der Halswirbelsäule nach Traumen ein Röntgen in vier Ebenen der Halswirbelsäule veranlasst wurde, sind heute Computertomografie und Magnetresonanztomografie Mittel der Wahl.

Bei seltenen degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule werden neurologische Untersuchungen durchgeführt, das Blut auf Hinweise einer Erkrankung des rheumatoiden Formenkreises untersucht und bei Osteoporose oder Verdacht auf Tumoren eine Knochenszintigrafie oder eine Computertomografie durchgeführt.

Erkrankungen und Verletzungen der HalswirbelsäuleBearbeiten

Erkrankungen der Halswirbelsäule sind häufig Abnützungen durch den Aufrechten Gang des Menschen. Bandscheibenvorfälle sind die Regel bei über 30 Jährigen, und sehr häufig klinisch stumm. Ebenso werden diese zu 95 Prozent aus Wasser bestehenden Bandscheiben innerhalb von schlimmstenfalls einen Jahr vom Körper ausgeheilt.[4] Nur in Ausnahmefällen ist eine OP nötig, und sollte das letzte Mittel sein. Indikation dazu besteht bei "Red Flag" Symptomen:

  • Unfall
  • Osteoporose und Bagatelltrauma
  • Tumoranamnese
  • Infektion
  • Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Schmerzverstärkung in der Nacht
  • Progrediente Nervenausfälle
  • Nachlassende Schmerzen und Parese
  • Kauda-Syndrom
  • Miktionsstörung (typischerweise Harnverhalt, Überlaufblase, ggf. Inkontinenz)

Siehe dazu Bandscheibenvorfall[5]

Ostenchondrose an der Halswirbelsäule: Abnützung der Bandscheiben und der Wirbelkörper

Unter einer Osteochondrose versteht man eine Veränderung des Bandscheibenknorpels (griech. chondron = Knorpel) mit einer begleitenden Reaktion des Wirbelkörpers (griech. osteon = Knochen). Typischerweise sieht man im Röntgenbild bei einer Osteochondrose eine Höhenminderung des Bandscheibenraums. Ostenchondrose an der Halswirbelsäule. Dies ist eine normale Alterserscheinung und ist bei fast jeden in der zweiten Lebenshälfte zu finden, und häufig ohne Beschwerden verbunden.

Als Ursache kommt ein Verschleiß in Frage, zum Beispiel durch eine langdauernde Überlastung der Bandscheibe. Häufig sieht man Osteochondrosen bei Patienten mit einer Skoliose, also einer Seitverbiegung der Wirbelsäule. Durch diese Seitverbiegung wird die Bandscheibe einseitig zu stark belastet und im Laufe vieler Jahre verschlissen. Weitere Ursachen von Osteochondrosen sind frühere Bandscheibenvorfälle. Auch nach Bandscheibenoperationen kann es als Spätfolge zu Osteochondrosen kommen. Seltener entstehen Osteochondrosen als Folge von Entzündungen der Bandscheibe.[6]

Unkarthrose der Halswirbelsäule: Dies ist ein lebenslanger Umbauprozess der HWS

Bei der Unkarthrose handelt es sich um keine klassische Arthrose, sondern einen Umbau der Knochenverhältnisse im Bereich der Unkovertebralgelenke. Dies kann beispielsweise durch veränderte Belastungen der Halswirbelsäule auftreten. Im Zuge der neu wachsenden Unkovertebralgelenke kann dann das Foramen intervertebrale eingeengt werden. Dies ist ein lebenslanger Umbauprozess der HWS[7]

Weiterhin gibt es angeborene und erworbene Missbildungen der Halswirbelsäule wie Spina bifida, Block- und Keilwirbel sowie erworbene Skoliosen, zum Beispiel durch Morbus Scheuermann oder Morbus Bechterew.

Die weitaus häufigsten Verletzungen der Halswirbelsäule sind durch Unfälle, vor allem durch Verkehrsunfälle, verursacht. Moderate Form einer Verletzung des Rückenmarks in der Halswirbelsäule ist das Schleudertrauma ohne Verletzungen der Bänder. Dieses ist völlig harmlos, auch wenn die Beschwerden durchaus beängstigend seien mögen. Durch diese Unfälle kann das HWS Syndrom ausgelöst werden,[8] das unter anderem Beschwerden der Kopfgelenke beinhaltet:

Beschwerden, die von Beweglichkeits-Störungen und Instabilitäten ohne Vergrößerung des Atlantodentalen Intervalls[9] der Kopfgelenke ausgelöst werden, sind wie eine Sphinx.

Hierzu gehören:

  • Kopfschmerzen und Konzentrationsschwächen
  • Ohrgeräusche, Ohrschmerz, Wattegefühl im Ohr, Schwindel
  • Sehstörungen, Druckgefühl im Auge
  • Zahn- und Kieferschmerzen, Gesichtsschmerzen
  • Pelzigkeit und Schmerzen der Zunge
  • Kloßgefühl im Hals, Schluckstörungen, Heiserkeit

Der Grund dafür, dass die Kopfgelenke solche Beschwerden auslösen können, liegt in ihrer Funktion als 3. Gleichgewichtsorgan.

Besteht kein Zweifel daran das die Ursache die Kopfgelenke sind, und ist das Atlantodentale Intervall normal (< 5 mm), dann sind die Beschwerden völlig harmlos, so lästig und beunruhigend sie auch sein mögen, solange der Patient die Beschwerdeursache nicht kennt. Die Harmlosigkeit beruht sich auf folgenden Sachverhalt:

Der Atlas ist der 1. Halswirbel, der ringförmig angelegt ist und sich um den dens axis, also den Zapfen (dens) des 2. Halswirbels dreht. Dieser liegt im vorderen Abschnitt, weswegen er mit dem knöchernen vorderen Anteil des Atlasbogens artikuliert und das vordere Atlantodentalgelenk bildet. Die hintere Gelenkfläche des dens axis artikuliert nur mit dem kreuzförmigen ligamentum transversum atlantis, das rechts und links am atlas fixiert ist, sowie nach oben und unten am Hinterhaupt und dem 2. HWK (fasciculus longitudinalis superior und inferior). Der dens axis ist außerdem an seiner Spitze am Hinterhauptknochen aufgehängt und hat zwei seitliche flügelförmige Bänder (lig. alare), die ihn in seiner Position halten. Dadurch ist gesichert, dass der dens axis nicht nach hinten auf das Rückenmark drücken kann.

Instabilitäten durch schwere Unfälle können in diesem Bereich schwerwiegende Probleme mit sich bringen und selbst zum Tod führen. Diese Verletzungen beruhen auf Bandschäden, in erster Linie Läsionen oder Rupturen der Alarligamente oder der Gelenkkapseln im Kopfgelenksverbund, vergleichbar mit Aufhängen am Galgen. Dies wäre die Definition für ein instabiles Kopfgelenk, der bildgebende Beweis ein vergrößertes Atlantodentalintervall oder eine Fraktur des Atlas oder Dens axsis, werden im Röntgen oder CT diagnostiziert und müssen sofort operativ versorgt werden. Oben angeführte Beweglichkeitsstörungen und Instabilitäten mit normalem Atlantodentalen Intervall gehören nicht in diese Gruppe und sind vollkommen harmlos.[10]

Zur Diagnostik dieser durch Unfälle bzw. Traumen auftretenden Instabilitäten und deren Symptome siehe Kopfgelenke, Schädigung der selbigen. Ebenfalls sehr selten sind Primärtumoren der Halswirbelsäule und Metastasen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wikibooks: Die Halswirbelsäule – Lern- und Lehrmaterialien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hautier, L. et al.: Skeletal development in sloths and the evolution of mammalian vertebral patterning. In: PNAS 10.1073/pnas.1010335107, 2010.
  2. B. Wielke und T. Wielke: Strittige HWS-Verletzungen nach Auffahrunfällen (Wechselwirkung Richter - medizinischer SV - technischer SV) in: ZVR 5/2000, S. 152 (pdf; 4,7 MB)
  3. T. Donner-Wielke und B. Wielke: Auffahrunfall - Halswirbelsäulenverletzung - Noceboeffekt, in: ZVR 3/2004 S. 81 (pdf; 125 kB)
  4. Mascha Brichta: Gesundheit: Bandscheibenvorfälle heilen oft von selbst. 15. Juli 2009 (welt.de [abgerufen am 13. Oktober 2019]).
  5. DocCheck Medical Services GmbH: Bandscheibenvorfall. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  6. Osteochondrose – Orthopädie Wien – Vienna – Austria. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  7. DocCheck Medical Services GmbH: Unkarthrose. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  8. DocCheck Medical Services GmbH: HWS-Syndrom. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  9. Distanz, atlantodentale. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  10. Spinewell für einen besseren Rücken. Abgerufen am 13. Oktober 2019.