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Hagenbach

Gemeinde im Landkreis Germersheim, Rheinland-Pfalz
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hagenbach
Hagenbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hagenbach hervorgehoben

Koordinaten: 49° 1′ N, 8° 15′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Hagenbach
Höhe: 104 m ü. NHN
Fläche: 15,85 km2
Einwohner: 5523 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 348 Einwohner je km2
Postleitzahl: 76767
Vorwahl: 07273
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 008
Adresse der Verbandsverwaltung: Ludwigstraße 20
76767 Hagenbach
Website: www.hagenbach.de
Stadtbürgermeister: Christian Hutter (CDU)
Lage der Stadt Hagenbach im Landkreis Germersheim
Wörth am RheinGermersheimZeiskamOttersheim bei LandauKnittelsheimBellheimScheibenhardtBerg (Pfalz)HagenbachNeuburg am RheinJockgrimNeupotzHatzenbühlRheinzabernSteinweilerErlenbach bei KandelKandel (Pfalz)Winden (Pfalz)VollmersweilerFreckenfeldMinfeldLeimersheimKuhardtRülzheimHördtSchwegenheimLingenfeldFreisbachWeingarten (Pfalz)Westheim (Pfalz)LustadtBaden-WürttembergFrankreichSpeyerRhein-Pfalz-KreisNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKarte
Über dieses Bild
Hagenbach mit alter Überfahrt über den Rhein (Ausschnitt der Rheinstromkarte von Wilhelm Besserer) ca. 1590

Hagenbach ist eine Stadt im Landkreis Germersheim im Südosten von Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Hagenbach und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Hagenbach liegt in der Oberrheinischen Tiefebene östlich des Bienwaldes. Das Stadtgebiet breitet sich etwa 3,5 km westlich des Rheins aus – stromabwärts betrachtet zwischen Neuburg am Rhein im Süden und dem Wörther Stadtteil Maximiliansau im Nordosten. Im Südosten reicht das Stadtgebiet an zwei Stellen innerhalb des Polders Daxlander Au bis an das Rheinufer; das dazwischen liegende Gebiet um die ehemalige Ziegelei Frohnau gehört zu Neuburg am Rhein und ist über die Wasserfläche des Rheins mit dem Rest der Neuburger Gemarkung verbunden. Vom Naturschutzgebiet Stixwörth im Grenzgebiet zu Neuburg in Richtung Norden zieht sich der bei Hagenbach eine u-förmige Schleife bildende und vom Heßbach durchflossene Hagenbacher Altrhein; östlich davon liegt im Wörther Stadtgebiet das Naturschutzgebiet Goldgrund.

NachbargemeindenBearbeiten

Nachbargemeinden von Hagenbach sind im Westen und Norden die Stadt Wörth am Rhein, im Osten jenseits des Rheins die Großstadt Karlsruhe, im Süden die Ortsgemeinde Neuburg am Rhein und im Südwesten die Ortsgemeinde Berg. Neuburg und Berg gehören zur Verbandsgemeinde Hagenbach.

GeschichteBearbeiten

UrgeschichteBearbeiten

 
Teil des Hortfundes von Hagenbach, Historisches Museum der Pfalz

Schon zur Römerzeit war das Gebiet besiedelt. Der vorwiegend aus Silberschmuck bestehende „Hortfund von Hagenbach“ enthält Beute eines germanischen Kriegszugs aus dem 3. Jahrhundert, die vermutlich aus einem römischen Tempelbezirks Aquitaniens stammt. Der Fund wird heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt.

MittelalterBearbeiten

Es folgten die Burgunden und im 6. Jahrhundert auf die Franken. Die älteste erhaltene Erwähnung von Hagenbach stammt aus einer Schenkungsurkunde König Ludwigs des Deutschen von 848.[3] 1281 verlieh der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg Hagenbach das Stadtrecht. Teile der Stadtmauer sind noch heute erhalten.

Hagenbach war der führende Ort der Büttelei Hagenbach.[4] Bei den beiden Landesteilungen der Herrschaft Lichtenberg, die um 1330 und im Jahr 1335 stattfanden, wird die Hälfte des Dorfes Hagenbach als Bestandteil dieser Herrschaft genannt. Diese wird dabei dem Landesteil der „mittleren Linie“, den Nachkommen Ludwigs III. von Lichtenberg, zugeordnet.[5] 1396 wurde die Lichtenberger Hälfte des Dorfes – unter Ausnahme der kleinen örtlichen Burg – dann als Pfand für die Mitgift anlässlich der Heirat von Adelheid von Lichtenberg, Tochter von Johann IV. von Lichtenberg, mit Johann von Finstingen den Herren von Finstingen überlassen.[6] Dieses Pfand gelangte später an Nassau-Saarbrücken.

NeuzeitBearbeiten

Im Bauernkrieg wurde die örtliche Burg 1525 zerstört. Das Pfand Hagenbach wurde erst unter den Nachfolgern der Lichtenberger, den Grafen von Hanau-Lichtenberg, 1544 wieder ausgelöst.[7] 1885 war die Einweihung der Hagenbacher Synagoge, welche in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. Seit dem 22. Januar 2006 besitzt Hagenbach wieder Stadtrechte.[8]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1808[9] 995
1815 1.284
1835 1.644
1871[10] 1.819
1905 1.741
1939 2.338
1950 2.336
Jahr Einwohner
1961 2.729
1970 4.234
1987 4.556
1997 5.493
2005 5.429
2018 5.523[2][1]

ReligionenBearbeiten

2012 waren 48,3 Prozent der Einwohner katholisch und 20,4 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[11]

PolitikBearbeiten

 
Rathaus

StadtratBearbeiten

Der Stadtrat in Hagenbach besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[12]

Wahl SPD CDU FWH FDP Gesamt
2019 7 9 3 3 22 Sitze
2014[13] 8 11 3 22 Sitze
2009 7 12 3 22 Sitze
2004 6 13 3 22 Sitze

Orts- bzw. StadtbürgermeisterBearbeiten

  • 1945–1960: Hermann Meyer
  • 1960–1987: Karl August Vogel (CDU)
  • 1987–1994: Hermann Dreizehnter (CDU)
  • 1994–2019: Franz Xaver Scherrer (CDU)
  • seit 2019: Christian Hutter (CDU)

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber eine bewurzelte grüne Buche.“[14]
Wappenbegründung: Das Wappen wurde 1911 von Prinzregent Luitpold von Bayern genehmigt und geht zurück auf ein Siegel aus dem Jahr 1297.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kreuzigungsgruppe Hagenbach

Im Ortskern finden sich gepflegte Fachwerkhäuser. Die Kirche St. Michael von 1752 hat eine reichhaltige Rokokoausstattung. Hinter der Kirche ist noch ein Rest der alten Ortsbefestigung zu sehen und auf dem alten Friedhof das Denkmal „Kreuzigungsgruppe“ von 1835. Die Lourdesgrotte am Hochufer ist alljährlich das Ziel von Gläubigen.

Nahe Hagenbach (an der Kreuzung der Straße nach Kandel) befinden sich die Reste einer Römerstraße, neben dem Sägewerk wurden sechs römische Leugensteine gefunden[15], eine Reproduktion steht am alten Standort im Bienwald, das Original befindet sich im Historischen Museum der Pfalz.

Zwischen Hagenbach und Scheibenhardt verläuft der Skulpturenweg Hagenbach – Lauterburg.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Hagenbach

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Hagenbach liegt etwas abseits der A 65. Die Stadt hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Wörth–Strasbourg.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Mehrere Automobilzulieferer haben sich in den vergangenen Jahren in der Gemeinde angesiedelt. Größter Arbeitgeber ist das Entwicklungszentrum von Faurecia Innenraumsysteme. Dort werden Instrumententafeln und Cockpits für die Automobilindustrie entwickelt. 2003 hatte der Standort 550 Mitarbeiter. Das Werk ist 18.000 m² groß.[16] Übrige Gewerbetreibende haben sich ein einem lokalen Gewerbeverein organisiert, der in regelmäßigen Abständen eine lokale Leistungsschau ausrichtet, die Hagenbacher Gewerbeausstellung (kurz „HaGa“).

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Als Sitz der Verbandsgemeinde beherbergt Hagenbach deren Verwaltung. Neben der Hainbuchenschule befindet sich das Jugendzentrum.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • 14. Februar 1930: Eduard Eichmann (1870–1946), in Hagenbach geborener deutscher Theologe und Kirchenrechtler. Ernennung zum Ehrenbürger anlässlich seines 60. Geburtstags[17]
  • 21. Januar 1932: Albin Mayer (1874–1936), Pfarrer in Hagenbach von 1907–1936. Ernennung zum Ehrenbürger anlässlich seines 25-jährigen Wirkens in Hagenbach.[18]
  • 14. April 1972: Albert Leicht (1922–1994), in Hagenbach geborener deutscher Politiker (CDU), Bundestagsabgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär. Ernennung zum Ehrenbürger in Anerkennung seiner Verdienste um seine Heimatgemeinde[19]
  • 13. Mai 1999: Anna Doll (Schwester Maria Silvana) (1914–2009), Katholische Gemeindeschwester. Ernennung zrm Ehrenbürgerin in Würdigung ihrer langjährigen Tätigkeit als Leiterin des Hagenbacher Kindergartens von 1945–1984.[20]
  • 16. Januar 2002: Hermann Dreizehnter (1931–2016), Rektor der Grund- und Hauptschule Hagenbach 1968–1994. In Würdigung seines kommunalpolitischen Wirkens, unter anderem als Mitglied des Verbandsgemeiderats 1972–1994 und Ortsbürgermeister von 1987–1994.[21]

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Eduard Eichmann (1870–1946), deutscher Theologe und Kirchenrechtler
  • Albert Leicht (1922–1994), deutscher Politiker (CDU)
  • Gabriele Mehl (* 1967), deutsche Ruderin

Personen, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

  • Hugo Ulm (* 1944), deutscher Fußballspieler

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen über den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts (= Schriften der Erwin von Steinbach-Stiftung. Band 10). 2. Auflage. Bad Neustadt an der Saale 1985, ISBN 3-922923-31-3 (Nachdruck des Werks von 1938).
  • Hermann Dreizehnter: Hagenbach – Stationen seiner reichen Geschichte. Badendruck, 1999.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Christoph Lehmann: Chronika der freyen Reichsstadt Speyer. Buch 3. Frankfurt am Main 1612, Kap. 44.
  4. Eyer, S. 55, 240.
  5. Eyer, S. 79.
  6. Eyer, S. 103.
  7. Eyer, S. 103.
  8. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 187 (PDF; 2,8 MB).
  9. Michael Frey, Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayer. Rheinkreises, Speyer 1836, S. 506.
  10. Die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen.
  11. Ewois, Stand: 31. Juli 2012
  12. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  13. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  14. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Gräber, Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  15. Friedrich Sprater, Funde von Leugensteinen in der Pfalz, Germania, Band 21, Nr. 1 (1937) Online
  16. Faurecia-Pressemitteilung vom 19. September 2003 (PDF; 31 kB), abgerufen am 8. September 2013.
  17. Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Prof. Dr. Eduard Eichmann. Verbandsgemeinde Hagenbach, abgerufen am 6. August 2019.
  18. Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Pfarrer Albin Mayer. Verbandsgemeinde Hagenbach, abgerufen am 6. August 2019.
  19. Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Albert Leicht. Verbandsgemeinde Hagenbach, abgerufen am 6. August 2019.
  20. Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Anna Doll (Schwester Maria Silvana). Verbandsgemeinde Hagenbach, abgerufen am 6. August 2019.
  21. Verleihung der Ehrenbürgerrechte. Hermann Dreizehnter. Verbandsgemeinde Hagenbach, abgerufen am 6. August 2019.