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Höringhausen ist der nach Einwohnerzahl drittgrößte von insgesamt zehn Stadtteilen der Stadt Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen.

Höringhausen
Stadt Waldeck
Koordinaten: 51° 16′ 22″ N, 8° 59′ 10″ O
Höhe: 348 m ü. NHN
Fläche: 18,55 km²[1]
Einwohner: 1106 (30. Sep. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05634

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Den Namen soll der Ort, so ist einer alten Dorfchronik zu entnehmen, durch den Hof des „Sachsen Horo“ erhalten haben. Dies lässt sich, auch wie die damit verbundene erste Erwähnung um 1042, urkundlich allerdings bisher nicht belegen, aber an der Westseite des Dorfes lässt die Flurbezeichnung das „alte Haus“ auf eine mögliche Wohnstätte schließen.[2] Bis 1314 war der Ort im Besitz der Grafen von Ziegenhain. In diesem Jahr gaben diese das Dorf den Herren von Itter als Lehen. Schon 1326 verpfändeten die Herren von Itter Vogtei, Gericht und Kirchenpatronat Höringhausen an die Grafen von Waldeck. Durch einen Vertrag mit dem Erzbistum Mainz im Jahre 1357 kam der Ort dann in den Besitz der Landgrafen von Hessen. 1383 wurde der Ort, mit der hessischen Hälfte der Herrschaft Itter, Pfandbesitz der Herren Wolff von Gudenberg.

 
Reste der ehemaligen Wasserburg
 
Wappenstein

Im frühzeitlichen, später von den Franken eroberten sächsischen Ittergau gelegen, verblieb Höringhausen, mitten in der entstehenden Grafschaft Waldeck, bei der Herrschaft Itter. Es war damit jahrhundertelang eine Enklave in der Grafschaft und dem späteren Fürstentum Waldeck.

Im Jahre 1866 kam Höringhausen mit der ehemaligen Herrschaft Itter an Preußen. Erst mit dem Anschluss des Freistaates Waldeck am 1. April 1929 an Preußen gehörte Höringhausen zum Kreis des Eisenbergs. Dieser wurde 1942 mit zwei anderen ehemals waldeckischen Kreisen zum Landkreis Waldeck vereinigt.

Am 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Höringhausen in die Stadt Waldeck eingegliedert.[3]

WasserburgBearbeiten

 
Grenzstein von 1753: Waldeck / Hessen-Darmstadt
 
Grenzstein Hessen-Darmstadt / Waldeck

1314 wurde die Wasserburg Höringhausen erstmals erwähnt. Von wem und wann sie erbaut wurde, ist nicht eindeutig, aber vermutlich durch die Grafen von Ziegenhain. 1383 werden die Herren von Eppe und später die Herren von Cratzenstein als Besitzer erwähnt.

Es handelte sich um ein befestigtes Steinhaus, eine Kemenate, die von einem Wassergraben (Graft) umgeben war. Um 1500 wird sie noch urkundlich erwähnt. Danach scheint sie allmählich verfallen zu sein. Der Keller war 1910 noch vorhanden und wurde als Eiskeller genutzt. Der Wappenstein stammt von dem 1971 abgebrochenen Tor des zur Burg gehörenden Gutes; die Wappen auf dem Stein sind die der Adelsgeschlechter „Wolff von Gudenberg“ und „von Schachten“.

EnklaveBearbeiten

1326 verpfändeten die Edelherren von Itter Vogtei, Gericht und Kirchenpatronat Höringhausen an die Waldecker Grafen. Höringhausen war in dieser Zeit ein größerer Ort mit Sitz eines Gerichts und einer Vogtei, zu dem die Orte Wammeringhausen, Rissinghausen und Herzhausen gehörten. Die in der Gemarkung des Dorfes gelegenen und im Mittelalter verlassenen Siedlungen Wammeringhausen, Rissinghausen, Eltrichhausen, Brüninghausen, Neudorf, Altenhagen, Rudolfshagen, Rickersbruch und Schiebenscheid gehörten ebenfalls zum Ort. Urkunden und die überlieferten Flurnamen belegen dies.

Die Waldecker Grafen verpfändeten 1362 Höringhausen an Arnold IV. Wolff von Gudenberg, dessen Sohn Thile nach dem Aussterben der Herren von Itter als Lehnsmann der Landgrafen von Hessen die Herrschaft Itter 1381/1383 als Pfandbesitz erwarb. Nachdem die Wolff von Gudenberg im 16. Jahrhundert ihre Pfandherrschaft über die Herrschaft Itter auf Druck der Grafen von Waldeck und der Landgrafen von Hessen endgültig aufgeben mussten, zogen sie sich auf ihre Güter in Höringhausen zurück. 1568 gab ihnen Landgraf Wilhelm V. das halbe Dorf Höringhausen als Mannlehen und erlaubte ihnen, den itterschen Löwen ihrem Wappen zuzufügen. Später besaßen sie das ganze Dorf Höringhausen.

Noch heute wird gerne die Geschichte erzählt, dass der Graf von Waldeck Höringhausen bei einem Kartenspiel verloren haben soll, aber das ist eine Legende. Die Waldecker Grafen verpfändeten Höringhausen schon 1362 (siehe vorigen Abschnitt) und lösten dieses Pfand nie ein, so dass Höringhausen bis zur Auflösung des späteren Fürstentums Waldeck 1918 im Besitz der Landgrafen von Hessen blieb.

Grenze und Grenzsteine von 1753Bearbeiten

Wiederholte Grenzstreitigkeiten zwischen dem Fürstentum Waldeck und den Landgrafen von Hessen-Darmstadt führten 1753 dazu, Grenzsteine um die Gemarkung zu setzen und somit die Landesgrenze zu markieren. Entlang der etwa 28 km langen Grenze wurden 177 dieser Grenzsteine gesetzt. Sie sind zum größten Teil noch heute vorhanden und stehen unter Denkmalschutz.

KircheBearbeiten

 
Kirche Höringhausen

Erste KircheBearbeiten

Die erste Kirche ist entstand wahrscheinlich bereits Mitte des 11. Jahrhunderts. In der Dorfchronik wird zwar erwähnt: „Am 27. Juli 1043 begabt Abt Druthmar (1015–1046) von Corvey die von ihm erbaute Kirche des „Heiligen Magnus“ zu Horohusen...“, allerdings ist an dieser Angabe zu zweifeln, denn es gibt Hinweise, dass hier der Ort „Horohusen“ bei dem heutigen Niedermarsberg, einem Stadtteil von Marsberg, gemeint ist. Zudem wird bei der zweiten Kirche erwähnt, die Kirche sei „Johannes dem Täufer“ gewidmet gewesen. (Weitere Nachforschungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen.)

Zweite KircheBearbeiten

1735 wurde die erste Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen, zudem war sie für die wachsende Bevölkerung zu klein geworden. Die neue Kirche wurde an der gleichen Stelle errichtet. Vom Vorgängerbau ist nur der untere Teil des Glockenstuhls erhalten geblieben. Der im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) abgebrannte und zerstörte Kirchturm wurde 1674 neu aufgebaut. Im Kirchenbuch von 1731 ist dieser Bau durch den damaligen Pfarrer Johann Henrich Moebius ausführlich dokumentiert. Die hölzerne Kanzel ist ein Werk des Immighäuser Holzbildhauers Josias Wolrat Brützel.[4]

Am 1. Februar 1739 bat der Patron der Kirche und Lehnsinhaber des Dorfes, der kurkölnische Obrist Johann Caspar Wolff von Gudenberg, den Landgrafen von Hessen-Darmstadt (der Ort gehörte seit 1639 zu Hessen-Darmstadt) um die Erlaubnis einer feierlichen Kirchweihe für den 24. Juni, den Tag Johannes des Täufers, weil an diesem Tage das Dorf das Recht eines Freischießens habe[5] und die erste Kirche Johannes dem Täufer gewidmet gewesen war.

SynagogeBearbeiten

 
Gedenktafel ehem. Synagoge

Der Bau der ersten Synagoge wird im Jahr 1792 erwähnt. 1841 wurde festgestellt, dass das Gebäude baufällig und nicht mehr zu reparieren war. Die jüdischen Familien sammelten daraufhin für einen Neubau. 1854 konnte dieser als jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge, Schule und Lehrerwohnung verwirklicht werden. Nach dem Rückgang der jüdischen Bevölkerung wurde das Gebäude 1937 an die Spar- und Darlehenskasse Höringhausen (später Raiffeisenbank Freienhagen-Höringhausen, heute Waldecker Bank) veräußert. Durch diesen Verkauf entging es der Zerstörung beim Novemberpogrom 1938. Heute erinnert eine Gedenktafel an dem inzwischen mehrfach stark veränderten Gebäude an die ehemalige Synagoge.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Heimatmuseum
  • Rudolfshagen (ca. 75 ha großes Waldstück zwischen Höringhausen und Ober-Waroldern – eine der größten Kolonien der kleinen Roten Waldameise in Mitteleuropa)

BildungBearbeiten

  • Grundschule
  • Städtischer Kindergarten

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Höringhausen lag am 1995 stillgelegten Mittelabschnitt Bad WildungenKorbach der Bahnstrecke Wabern–Brilon Wald.

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 120.
  • Bau- und Kunstdenkmäler Kreis des Eisenberges, S. 93.
  • Gerhard Menk: Dörfliche Eigenständigkeit und Initiative am Beispiel Höringhausens. Quellen und Traditionen kommunalen Verhaltens in der Neuzeit. In: Geschichtsblätter für Waldeck 77, 1989, S. 45–79
  • Karin Kern, Margarete Krause und Karl-Anton Krause: Höringhausen. Arolsen: Waldeckischer Geschichtsverein 2016 (= Waldeckische Ortssippenbücher 92)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Der Ort im Internetauftritt der Stadt Waldeck, abgerufen im Februar 2016
  2. Entsprechende Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossen.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  4. Kirche Höringhausen (Memento vom 19. Juli 2009 im Internet Archive)
  5. Der Schützenverein Höringhausen wurde 1665 gegründet.