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Gus Van Sant

US-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent, Fotograf und Musiker
Gus Van Sant (2015)

Gus Green Van Sant, jr. (* 24. Juli 1952 in Louisville, Kentucky) ist ein US-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent, Fotograf und Musiker. Er gilt als Spezialist für Filme über unangepasste Jugendliche und junge Erwachsene.

LebenBearbeiten

Gus Green Van Sant schloss ein Studium an der Rhode Island School of Design ab. Seinen ersten Spielfilm drehte er 1985: Mala Noche ist ein Film über die unerwiderte Liebe eines Amerikaners zu einem jungen mexikanischen Einwanderer.

1989 entstand Drugstore Cowboy, ein Roadmovie über kriminelle jugendliche Drogenabhängige (Matt Dillon, Kelly Lynch). In My Private Idaho (1991) geht es um die Freundschaft eines Strichers zum Sohn des Bürgermeisters (Keanu Reeves und River Phoenix). In Even Cowgirls Get the Blues übernehmen zwei junge Mädchen (Uma Thurman, Rain Phoenix) die Macht auf einer Schönheitsfarm und in To Die For (1995) überredet eine junge Fernsehmoderatorin (Nicole Kidman) drei Teenager, ihren Ehemann zu töten.

Seinen kommerziellen Durchbruch erzielte Van Sant 1997 mit Good Will Hunting, in dem ein College-Professor die wissenschaftlichen Talente eines jungen Putzmanns entdeckt (Robin Williams und Matt Damon). Dafür wurde er für einen Oscar als „Bester Regisseur“ nominiert. Es folgte 1998 ein Remake des Hitchcock-Klassikers Psycho. In Forrester – Gefunden! (2000) übernimmt ein alternder Schriftsteller die Rolle des Mentors für einen afro-amerikanischen Studenten (Sean Connery und Rob Brown).

Nach diesen Ausflügen in den Hollywood-Mainstream folgte eine Trilogie, die sich, inspiriert von Avantgarde-Regisseuren wie Philippe Garrel und Béla Tarr, mit dem Thema des Todes auseinandersetzt. Gerry folgt zwei jungen Männern (Casey Affleck und Matt Damon) auf eine Reise in die Wüste, aus der nicht beide zurückkehren werden. Elephant (2003) ist ein bedrückender Film mit langen Kameraeinstellungen, der sich mit Vorgeschichte und Ablauf eines Schulmassakers beschäftigt. Van Sant wurde dafür mit der Goldenen Palme beim Filmfestival in Cannes 2003 ausgezeichnet. Den Abschluss der Trilogie bildete 2005 das Rock-and-Roll-Drama Last Days, für das er sich von den letzten Tagen von Kurt Cobain inspirieren ließ.

2007 war Van Sant mit seinem Film Paranoid Park erneut im Wettbewerb der 60. Filmfestspiele von Cannes vertreten und erhielt für den Film dort den Jubiläums-Sonderpreis (Prix Du 60th Anniversaire). 2009, mehr als zehn Jahre nach Good Will Hunting, erhielt er für die Regie an der Politikerbiografie Milk seine zweite Oscar-Nominierung.

Van Sant drehte Literaturcollagen mit William S. Burroughs (Thanksgiving Prayer, 1991) und Allen Ginsberg (Ballad of the Skeletons, 1997), Musikvideos für David Bowie (1993, 2002) und Candlebox (1996). Außerdem stammen die Videos zu Under the Bridge und Desecration Smile sowie die Booklet-Fotografie für das Album Stadium Arcadium der Band Red Hot Chili Peppers von ihm.

Er wurde 1992 mit dem Preis der American Civil Liberties Union (ACLU) im US-Bundesstaat Oregon für Mut und kreative Perspektiven für die Meinungsfreiheit ausgezeichnet.

Van Sant schrieb die Drehbücher für die meisten seiner früheren Filme selbst. Aus seiner Feder stammt auch der Roman Pink. Eine Zusammenstellung seiner Fotografien erschien unter dem Titel 108 Portraits. Er veröffentlichte mehrere Musik-Alben: Gus Van Sant (1985) und 18 Songs About Golf (1997).

Er lebt offen schwul in Portland, Oregon.[1]

FilmografieBearbeiten

Jahr Filmtitel Medium/Form Regisseur Drehbuchautor Produzent Exec. Prod. Darsteller Anmerkungen
1967 Fun with a Bloodroot Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 2 Minuten, 20 Sekunden; 8-mm-Farbfilm
1971 The Happy Organ Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 20 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1972 Little Johnny Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 40 Sekunden; 16-mm-Schwarzweißfilm
1973 1/2 of a Telephone Conversation Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 2 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1975 Late Morning Start Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 28 Minuten; 16-mm-Farbfilm
1978 The Discipline of DE Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 9 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm; Adaption von William S. Burroughs’ gleichnamiger Kurzgeschichte; Erzähler: Ken Shapiro
1981 Alice in Hollywood Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 45 Minuten; 16-mm-Farbfilm
1982 My Friend Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 3 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1983 Where’d She Go? Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 3 Minuten; 16-mm-Farbfilm
1984 Nightmare Typhoon Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 9 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1984 My New Friend Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 3 Minuten; 16-mm-Farbfilm
1985 Ken Death Gets Out of Jail Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 3 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1986 Five Ways to Kill Yourself Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 3 Minuten; 16-mm-Schwarzweißfilm
1991 Thanksgiving Prayer Kurzfilm   Ja   Ja   Ja Länge: 2 Minuten; 35-mm-Farbfilm; Drehbuchautor und Hauptdarsteller: William S. Burroughs
1996 Four Boys in a Volvo Kurzfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Länge: 4 Minuten; Farbfilm
2006 Paris, je t’aime Episodenfilm   Ja   Ja   Ja   Ja Segment Le Marais
2007 To Each His Own Cinema Episodenfilm   Ja   Ja   Ja   Ja (→en); Segment First Kiss (Länge: 3 Minuten)
2008 8 Episodenfilm   Ja   Ja   Ja   Ja (→en); Segment Mansion on the Hill[2]
1990 Thanksgiving Prayer
von William S. Burroughs
Musikvideo   Ja   Ja
1990 Fame ’90
von David Bowie
Musikvideo   Ja   Ja
1991 I’m Seventeen
von Tommy Conwell & The Young Rumblers
Musikvideo   Ja   Ja
1992 Under the Bridge
von den Red Hot Chili Peppers
Musikvideo   Ja   Ja
1992 Bang Bang Bang
von Tracy Chapman
Musikvideo   Ja   Ja
1992 Runaway
von Deee-Lite
Musikvideo   Ja   Ja
1992 The Last Song
von Elton John
Musikvideo   Ja   Ja
1993 San Francisco Days
von Chris Isaak
Musikvideo   Ja   Ja [3]
1993 Just Keep Me Moving
von k.d. lang
Musikvideo   Ja   Ja
1993 Creep (Alternate Version)
von Stone Temple Pilots
Musikvideo   Ja   Ja
1995 Understanding
von Candlebox
Musikvideo   Ja   Ja
1996 Ballad of the Skeletons
von Allen Ginsberg
Musikvideo   Ja   Ja mit Paul McCartney, Philip Glass, Lenny Kaye u. a.
1998 Weird
von Hanson
Musikvideo   Ja   Ja
2005 Who Did You Think I Was (turntable version)
von John Mayer Trio
Musikvideo   Ja   Ja
2007 Desecration Smile
von Red Hot Chili Peppers
Musikvideo   Ja   Ja
2017 Ain’t It Funny
von Danny Brown
Musikvideo   Ja   Ja
2001 Jay und Silent Bob schlagen zurück (Jay and Silent Bob Strike Back) Fernsehserie   Ja Gastauftritt als er selbst
2008 Entourage Fernsehserie   Ja Gastauftritt als er selbst, Folge 5x12 Return to Queens Blvd.
2011 Portlandia Fernsehserie   Ja Gastauftritt als er selbst
2013 The Canyons Spielfilm   Ja als Dr. Campbell
2015 The Devil You Know Fernsehfilm (Pilotfilm)   Ja   Ja (→en)
2017 When We Rise Miniserie   Ja (→en); Regisseur der ersten beiden Teile (von acht, je 1 Std.); dritte Zusammenarbeit mit dem oscarprämierten Drehbuchautor D. Lance Black nach Milk (2008) und Virginia (2010)
1995 Kids Spielfilm   Ja
1999 Speedway Junky   Ja
2003 Tarnation Dokumentarfilm   Ja
2006 Wild Tigers I Have Known   Ja   Ja
1985 The Elvis of Letters mit William S. Burroughs
1990 Millions of Images mit William S. Burroughs
2006 Lightfield’s Home Videos   Ja
2010 Howl Spielfilm   Ja
2010 Virginia Spielfilm   Ja (→en); zweite Zusammenarbeit mit dem oscarprämierten Drehbuchautor D. Lance Black (nach Milk 2008)
2012 Act Up! Spielfilm   Ja
2012 Laurence Anyways Spielfilm   Ja
2013 Revolution Spielfilm   Ja
2015 I Am Michael Spielfilm   Ja (→en)
1985 Mala Noche Spielfilm   Ja   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 95 %, Fresh!
1989 Drugstore Cowboy Spielfilm   Ja   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 100 %, Fresh!; Einnahmen: $4,729,352
1991 My Private Idaho (My Own Private Idaho) Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 82 %, Fresh; Einnahmen: $6.401.336
1993 Even Cowgirls Get the Blues Spielfilm   Ja   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 21 %; Einnahmen: $1.708.873
1995 To Die For Spielfilm   Ja Rotten Tomatoes: 87 %, Fresh; Einnahmen: $21.284.514
1997 Good Will Hunting Spielfilm   Ja Rotten Tomatoes: 97 %, Fresh!; Einnahmen: $225.933.435
1998 Psycho Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 37 %; Einnahmen: $37.141.130
2000 Forrester – Gefunden! (Finding Forrester) Spielfilm   Ja Rotten Tomatoes: 74 %; Einnahmen: $80.701.064
2002 Gerry Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 61 %; Einnahmen: $236.266
2003 Elephant Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 73 %; Einnahmen: $10.020.543
2005 Last Days Spielfilm   Ja   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 57 %; Einnahmen: $2.456.454
2006 Le Marais (in Paris, je t’aime) Spielfilm   Ja
2007 Paranoid Park Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 76 %; Einnahmen: $4.545.747
2007 Chacun son Cinema (Folge French Kiss) Spielfilm   Ja
2008 Milk Spielfilm   Ja Rotten Tomatoes: 94 %, Fresh!; Einnahmen: $54.586.584
2011 Restless Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 35 %; Einnahmen: $163.265
2011 Boss Fernsehserie   Ja Folge 1x01 Wie lange noch? (Listen)
2012 Promised Land Spielfilm   Ja Rotten Tomatoes: 51 %; Einnahmen: $8.138.788
2015 The Sea of Trees Spielfilm   Ja (→en); Rotten Tomatoes: 11 %, Rotten; Einnahmen: $825.577
2018 Don’t Worry, weglaufen geht nicht (Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot) Spielfilm   Ja   Ja Rotten Tomatoes: 80 %, Fresh

LiteraturBearbeiten

  • Stéphane Bouquet, Jean-Marc Lalanne: Gus Van Sant. Cahiers du cinéma, Paris 2009, ISBN 978-2-86642-538-8.
  • Christian Weber: Gus Van Sant: Looking for a Place Like Home. Berlin: Bertz + Fischer, 2015. ISBN 978-3-86505-321-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://web.archive.org/web/20030416174709/http://gaylife.about.com/cs/gaythemedmovies/a/gusvansant.htm
  2. Biography. In: Gus Van Sant. Geocities. Archiviert vom Original am 26. Oktober 2009. Abgerufen am 17. August 2012.
  3. Alex S. Garcia: Gus van Sant. In: mvdbase.com. Alex S. Garcia. 1998–2012. Archiviert vom Original am 7. Oktober 2012.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mvdbase.com Abgerufen am 17. August 2012. –– Anmerkung: Bei Chris Isaaks Solitary Man (ebenfalls 1993) führte Larry Clark und nicht van Sant die Regie.