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Die Gulfstream G550 ist ein zweistrahliges Geschäftsreiseflugzeug des US-amerikanischen Herstellers Gulfstream Aerospace. Es war der erste Businessjet mit einer Reichweite von über 10.000 km. Mit der G500 wurde später auch eine in den Abmessungen unveränderte Ausführung mit geringerer Tankkapazität angeboten. Von 2000 bis 2002 wurde die G550 als GV-SP bezeichnet. Auch heute noch führt die FAA die G550 als „GV-SP (G550)“ und die G500 als „GV-SP (G500)“ in ihren Zulassungslisten.[3] Im Mai 2019 waren demnach 395 GV-SP-Maschinen in den USA registriert, davon sechs Exemplare der Variante G500. Seit der Einführung der G650 im Jahr 2012 hat Gulfstream die Produktion der G550 stetig heruntergefahren.[4] Aber auch nach dem Auslieferungsstart der neuen G500 und G600 im Jahr 2018 wird das 20 Jahre ältere Muster derzeit (2019) weiterhin produziert.

Gulfstream G550
Gulfstream G550 kurz vor der Landung
Gulfstream G550 im Landeanflug
Typ: Geschäftsreiseflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller:

Gulfstream Aerospace

Erstflug: GV: 28. November 1995
G500: 2003?
G550: 31. August 2001 als GV-SP
Indienststellung: 1998
Produktionszeit:

seit 1998 in Serienproduktion

Stückzahl: G500: 10[1] (Stand: Oktober 2014)
G550: 578[2] (Stand: Oktober 2018)

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

GVBearbeiten

 
Gulfstream V der DaimlerChrysler Aviation

Der Kundenwunsch nach einer erhöhten Reichweite zur Durchführung von Interkontinentalflügen, führte zu einer 1989 begonnenen Weiterentwicklung der GIV. Gulfstream stellte das daraus folgende neue GV-Programm 1992 offiziell auf der Farnborough Air Show vor. Die GV erhielt gegenüber der GIV neue Tragflächen und Triebwerke, sowie eine verlängerte Kabine und ein größeres Cockpit, was eine deutliche Leistungssteigerung erbrachte. Angetrieben von zwei Turbofan-Triebwerken des Typs BMW Rolls-Royce BR700-710A1-10 machte die GV am 28. November 1995 ihren Erstflug. Ihre FAA-Musterzulassung erhielt sie am 11. April 1997 als weiteren Anhang zu der ursprünglichen, bereits seit 1967 für die GII gültigen Zulassung A12EA.[5]

Als Veränderungen gegenüber der G-IV werden dort genannt:

  • ein etwa 15 % vergrößertes maximales Start- und Landesgewicht
  • die maximale Betriebshöhe steigt von 45.000 (13.700 m) auf 51.000 ft. (15.500 m)
  • als Antrieb werden statt Rolls-Royce Tay nun BMW Rolls-Royce BR700 eingesetzt
  • Einsatz von FADEC
  • Vergrößerung der Spannweite von 74,6 ft. (22,75 m) auf 93,5 ft. (28,52 m)
  • Verlängerung des Rumpfes mit einem 5 ft. (1,53 m) langen Teilstück vor dem Einstieg und einem 2 ft. (0,61 m) Teilstück hinter der Tragfläche
  • etwa 30 % größere Leitwerksflächen
  • Verwendung von Verbundwerkstoffen für die Steuerflächen und die Schubumkehreinrichtung

Bis September 2002 lieferte Gulfstream 193 Exemplare der GV aus. Mit der Gulfstream V wurden mehr als 80 Weltrekorde erflogen. Einige Regierungen haben die Maschine auch als Staatsflugzeuge in Verwendung.

GV-SPBearbeiten

Der Mutterkonzern General Dynamics machte im Oktober 2000 öffentlich bekannt, dass Gulfstream an einer weiterentwickelten Variante der GV mit der Bezeichnung GV-SP arbeitet.[6] Die Hauptunterschiede zur GV waren demnach die Honeywell Primus Epic Avionikkomponenten, die sich aus vier 14-Zoll-Mehrfunktionsflachbildschirmen, zwei seitlich im Cockpit angeordneten Cursor Control Devices (CCD) und drei MC-850 Mehrfunktions Steuerungsanzeigen (MCDU) zusammensetzten. Hinzu kamen Veränderungen an der Flugzeugzelle in Form von Maßnahmen zur Verringerung des Luftwiderstandes. Auch der Schub der BR700-Triebwerke konnte erhöht werden und eine Erhöhung der maximalen Abflugmasse um 227 kg erreicht werden. Da die neuen, modular ausgelegten Avionikkomponenten wesentlich kleiner und leichter sind, konnte das Kabinenvolumen vergrößert werden. Dadurch wurde eine Verlegung des Einstiegs um 61 cm nach vorne und ein zusätzliches siebtes Fenster auf jeder Seite möglich.

Der Erstflug des Prototyps T1 der GV-SP erfolgte am 31. August 2001[7] und der der ersten Serienmaschine im Juli 2002.

G550Bearbeiten

Am 9. September 2002 kündigte Gulfstream eine neue Produktlinie sowie ein neues Bezeichnungssystem für seine Flugzeuge an. So wurden aus der GIV und GIV-SP die neuen, leicht modifizierten G300, G400 und G450. Genauso sind die mit BR710 ausgerüsteten G500 und G550 "neue und verbesserte" GV-SP. In diesem Jahr erfolgte auch die Umbenennung der GV-SP zur G550. Die Zulassung der G550 durch die FAA erfolgte am 14. August 2003, die der G500 am 8. Dezember 2003.[8] Die erste G550 wurde im September 2003, die erste G500 im Mai 2004 ausgeliefert.

Verglichen mit der GV-SP ist die G500 etwas leichter und hat eine geringere Tankkapazität, während die G550 geringfügig schwerer ist und eine unveränderte Tankkapazität hat. Sowohl G500 als auch G550 haben ein verbessertes Plane View Cockpit mit den Honeywell-Primus-Epic-Avionikkomponenten und vier 14-Zoll-Bildschirmen als zentrale Bestandteile. Head-up-Displays (HUD) und das auf Infrarotsensoren basierende Enhanced Vision System (EVS) gehören zur Standardausrüstung der G550 und sind für die G500 optional erhältlich. Beide Muster können mit einem IRCM-System (infra-red guided countermeasure devices) ausgestattet werden.

Bis Ende 2018 wurden 578 G550 hergestellt.[2] Wie viele davon als G500 gebaut wurden, ist nicht bekannt. Nach [2] wurde keine einzige als G500 ausgeliefert. Nach einer anderen Quelle entstanden zehn G500.[1]

VersionenBearbeiten

ZivilBearbeiten

GV
Von 1995 bis 2002 gebaute Ausgangsversion
GV-SP
Weiterentwickelte Variante der GV mit längerer Innenkabine und verbesserter Avionik.
G500
wie GV-SP, aber mit geringerer Tankkapazität. Head up display und Enhanced Vision System sind optional.
G550
2002 erfolgte Umbenennung der GV-SP
Atmosphärenforschung
Auf der Basis einer GV betreibt das US-amerikanische National Center for Atmospheric Research eine Maschine in dem HIAPER-Programm.[9]
Die G550 bildet auch die Grundlage für das Atmosphärenforschungsflugzeug HALO.

MilitärischBearbeiten

C-37A
 
C-37A (01-0028) der USAF
Bezeichnung der US-amerikanischen Streitkräfte für die Gulfstream V.[10] Die USAF verfügt seit 1998 über neun C-37A. Diese dienen als VIP-Personentransporter für Stabschefs der USAF. So ist eine fünfköpfige Besatzung zuständig für den Transport von maximal 12 Personen. Hierzu sind die C-37 mit einem System ausgerüstet, welches die sichere Kommunikation von Bild, Ton und Daten über Funk und Satellit erlaubt. Die Maschinen sind auf vier Staffeln in Andrews Air Force Base (AFB), MacDill AFB (beide USA) sowie Joint Base Pearl Harbor-Hickam in Hawaii und Chièvres Air Base in Belgien verteilt. Auch die US Navy und die US Coast Guard beschafften 2002 je eine C-37A, zwei weitere Maschinen befinden sich seit Mitte 2011 im Bestand der US Army.
C-37B
 
C-37B (Bureau Number 166376) der US Navy
Bezeichnung der US-amerikanischen Streitkräfte für die Gulfstream G550. So verfügen die USAF seit 2004 über zwei C-37B. Im Jahr 2005 begann die US Navy mit der Beschaffung von drei Maschinen. Auch die US Army besitzt eine C-37B.
RQ-37 UAV
eine nicht verwirklichte Version der G550 als Unbemanntes Luftfahrzeug[11]
Gulfstream V 'Nachshon Shavit'
 
GV „SEMA“ Shavit
Unter dem Namen Shavit fliegt seit Juni 2005 eine GV-Version (drei Maschinen) als Signals Intelligence (SIGINT) Plattform[12] mit dem Elta-Elektroniksystem EL/I-3001 für die israelischen Luftstreitkräfte. Sie wird als „Special Electronic Mission Aircraft“ (SEMA) bezeichnet. Auch eine unbekannte Anzahl von G55o sollen als SEMA-Flugzeuge eingesetzt werden.
Gulfstream G550 CAEW
 
Singapurs G550 CAEW
Die von der israelischen Luftwaffe als Eitam benannte Variante wird ebenfalls für SIGINT-Aufgaben eingesetzt und als „Conformal Airborne Early Warning“ (CAEW) bezeichnet, da seine Active Electronically Scanned Array-Radarantennen nicht als separater Teller über dem Rumpf liegen, sondern aerodynamisch am Rumpf entlang angebaut sind. Die G550 CAEW ist eine von Israel Aerospace Industries (IAI) mit dem Radarsystem Elta EL/W-2085, Satellitenkommunikationssystemen, vier großen Antennen mit elektronischer Strahlschwenkung und Bedienplätzen für sechs Personen ausgestattete Version. Die Eitam startete am 20. Mai 2006 zu ihrem Erstflug und steht seit Februar 2008 im Dienst der israelischen Luftwaffe (fünf Maschinen).
Vier Exemplare, die auf der israelischen Eitam basieren, werden von der Luftwaffe Singapurs eingesetzt.[13]
Fünf Maschinen setzt die Royal Australian Air Force in der Intelligence Surveillance, Reconnaissance, Electronic Warfare (ISREW)-Rolle ein.
Die Italienischen Luftstreitkräfte werden dritter (zwei Maschinen) und die Royal Australian Air Force vierter Nutzer (vier Exemplare, siehe MC-55A weiter unten) werden.[14]
G550 US Navy
Die Version basiert strukturell auf der G550 CAEW, besitzt jedoch eine Missionsausrüstung für Telemetrie zum Einsatz auf der Testeinrichtungen der US Navy in Point Mugu.[15]
MC-55A
Die MC-55A„Pergrine“ ist eine AEW-Version der G550 für die Royal Australian Air Force.[16]

Militärische NutzerBearbeiten

Griechenland  Griechenland
 
Die von der griechischen Luftwaffe betriebene GV
Israel  Israel
Japan  Japan
zwei GV für die japanische Küstenwache
Kuwait  Kuwait
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten

Technische DatenBearbeiten

 
Gulfstream GV
Kenngröße GV G500 G550
Länge 29,39 m
Spannweite 28,50 m
Höhe 7,87 m
Flügelfläche 105,63 m2
Leergewicht ? 24.721 kg
Besatzung 2
Sitzplätze 8 bei Standardeinrichtung, max. 19
Maximale Nutzlast ? 2.948 kg 2.812 kg
Maximales Startgewicht 41.050 kg 38.601 kg 41.277 kg
Maximale Treibstoffmenge 18.827 kg 18.733 kg
Triebwerke Zwei Rolls-Royce BR710-Triebwerke mit je 68,4 kN
Reichweite 12.040 km (mit 2+8 Passagiere) 10.742 km 12.501 km
Höchstgeschwindigkeit 928 km/h Mach 0,885
Reisegeschwindigkeit 850 km/h Mach 0,85
max. Reiseflughöhe 15.545 m (51.000 ft)
Preis 36 Mio. US-Dollar 48,9 Mio. US-Dollar

LiteraturBearbeiten

  • Francis Rupertson: Classics Compared – Grumman Gulfstream I and Gulfstream Aerospace Gulfstream V. In: AIR International Oktober 1999, S. 220–229
  • René J. Francillon: Success through evolution – Gulfstream and the Grumman connection. In: AIR International Februar 2004, S. 16–21

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Gulfstream had previously delivered 10 aircraft called "G500." Those aircraft, however, were actually GV-SP jets with a different model designation.
  2. a b c Produktionsliste bei rzjets
  3. Bei der FAA in den USA registrierte G550 und G500 (abgerufen am 24. Mai 2019)
  4. [1] (abgerufen am 24. Mai 2019)
  5. FAA-Musterzulassung GII bis GV (abgerufen am 30. Mai 2019)
  6. Gulfstream launches new Gulfstream V-SP (abgerufen am 4. Juni 2019)
  7. Erstflug der GV-SP (abgerufen am 4. Juni 2019)
  8. Gulfstream News Release 2003
  9. HIAPER Gulfstream V (abgerufen am 5. Juni 2019)
  10. E. R. Johnson: American Military Transport Aircraft, 2013, S. 338 f.
  11. Gulfstream G550 Special Mission Aircraft. In: AIR International Januar 2004, S. 59
  12. CAEW/SIGINT - ISRAEL AIR & SPACE FORCE (abgerufen am 4. Juni 2019)
  13. Nigel Pittaway: Gulfstream Special Mission Aircraft. In: AIR International Juli 2016, S. 74 f.
  14. Australia to field special mission G550 aircraft, Flightglobal, 10. Januar 2016 (Memento des Originals vom 6. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.janes.com
  15. US Navy to customise G550 AEW airframe for range telemetry support, Janes, 31. März 2016 (Memento des Originals vom 13. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.janes.com
  16. Australia to field four special mission Peregrine aircraft, Janes, 18. März 2019