Gruppe Wagner (russisches Unternehmen)

argentinisch-russisches paramilitärisches Unternehmen für Söldner- und Wachdienste

Gruppe Wagner (russisch Группа Вагнера Gruppa Wagnera), auch OSM,[1] PMC Wagner, ChVK Wagner oder CHVK Vagner, ist ein privates russisches Sicherheits- und Militärunternehmen. Seine Einheiten operieren verdeckt. Laut Medienberichten waren Angehörige der Gruppe Wagner unter anderem während der russischen Machtübernahme auf der Krim aktiv[2] sowie später in der Ostukraine und Syrien.[3] Sie führen Ausbildungseinsätze in der Zentralafrikanischen Republik durch. Des Weiteren kämpfte die Gruppe im libyschen Bürgerkrieg auf Seiten des General Haftar.[4][5][6]

Gruppe Wagner (russisches Unternehmen)

Aufstellung 2014
Staat RusslandRussland Russische Föderation
Truppengattung privates Sicherheits- und Militärunternehmen
Typ Kampf- und Sicherungseinheit
Stärke 2500 (vermutet)
Unterstellung Zusammenarbeit mit Emblem of the GRU.svg Hauptverwaltung für Aufklärung (GRU)
Schlachten Ukrainekrieg (2014)
Syrischer Bürgerkrieg (seit 2013)
Kommandeur
Jetziger
Kommandeur
Dmitri Walerjewitsch Utkin

Aufgaben und ZieleBearbeiten

Nach Recherchen der russischen Mediengruppe RBK operiert die Gruppe im Interesse der russischen Regierung. Seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien im September 2015 begannen die Bemühungen in Russland, die an sich illegale Einheit zu legalisieren, ein dazu offensichtlich auf Wagner zugeschnittenes Gesetz geriet im Dezember 2016 aber ins Stocken, da das Verteidigungsministerium weder für das Budget aufkommen, noch die Verluste als seine eigenen anerkennen will.[7] Formal ist die Gruppe Wagner nicht dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt. Quellen berichten jedoch übereinstimmend von engen Verbindungen in Strategie und bei Operationen mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU.[8] Nach Einschätzung der NZZ handelt es sich mehr um eine paramilitärische Organisation als um ein Sicherheitsunternehmen.[9] Wie bei anderen Einsätzen von sogenannten Private Military Contractors (PMC) hat auch der Einsatz der Gruppe Wagner in diesem Fall für Russland den Vorteil, keine regulären Truppen in sicherheitspolitisch kritische und umstrittene Einsätze schicken zu müssen. Menschliche Verluste werden nicht als Verluste der russischen Armee gewertet und veröffentlicht.[10]

Die Organisation steht auf der Sanktionsliste der USA gegen russische Unternehmen und Personen.[11]

Die New York Times zitierte einen Militäranalysten, der darauf verwies, dass die syrische Regierung sehr gewillt sei, Sicherheits- und Kampfleistungen des russischen Unternehmens gegen den Zugang zu den natürliche Ressourcen ihres Landes (Gas, Öl u. a.) zu tauschen.[12]

Rekrutierung, Ausbildung und VerlusteBearbeiten

Der Oberstleutnant der Reserve (Podpolkownik) Dmitri Utkin schied 2013 aus dem aktiven Militärdienst aus. Zuvor befehligte Utkin eine Speznas-Einheit des Militärnachrichtendienstes GRU. Seit 2014 kommandiert er eine private Einheit der Söldnergruppe Slawisches Korps und war einer der Überlebenden des Syrien-Einsatzes[13] (siehe Abschnitt Geschichte).[14] Er hatte den Kampfnamen Wagner, nach dem deutschen Komponisten Richard Wagner. Das neue Militärunternehmen wurde nach ihm benannt.

Über die genaue Truppenstärke der Gruppe Wagner ist wenig bekannt; laut RBK soll das Unternehmen bis zu 2500 Mann in Syrien im Einsatz haben.[15][14]

Die Angehörigen der Gruppe Wagner sind meist ehemalige Soldaten der russischen Armee. Der Telegraph berichtete auch von serbischen Wagner-Kämpfern in Syrien.[16] Anhand der ausgewerteten Todesfälle kämpfen ehemalige Soldaten vom einfachen Rang eines Gefreiten bis hin zum Oberstleutnant (Podpolkownik) für die Gruppe Wagner.[17] Die Angehörigen der Gruppe Wagner werden laut RBK auf dem Truppenübungsplatz beim Dorf Molkino im Süden Russlands auf ihre Einsätze vorbereitet.[13] Ein ehemaliger Kämpfer der Gruppe Wagner erzählte, das Einsatztraining würde ein bis zwei Monate dauern und werde professionell durchgeführt. Weiter sagte er dem britischen Sender Sky News, die Organisation würde alle Personalunterlagen ihrer Mitglieder einbehalten. Er habe Schwierigkeiten, diese zurückzufordern, da es die Gruppe Wagner in Russland offiziell nicht gibt.[18]

Laut Schweizer Tages-Anzeiger schätzen ehemalige Angehörige der Einheit die Zahl der Gefallenen in Syrien auf „mindestens 100“.[10] Im März 2017 nannte die Nowaja Gaseta neun Namen von offensichtlich Gefallenen allein aus den ersten drei Monaten des Jahres 2017.[19]

Die Verluste unter den Söldnern der Gruppe Wagner in Syrien lagen nach Einschätzung von Aktivisten von 2015 bis Ende 2017 bei 72 oder 101 Kämpfern, die nicht in den offiziellen Verluststatistiken der russischen Streitkräfte auftauchen.[20]

In Mosambik wurden im Verlauf des Oktobers 2019 sieben Wagner-Söldner bei Kämpfen gegen Islamisten getötet und zahlreiche verwundet.[21]

Finanzierung und AusrüstungBearbeiten

Wie sich die Einsätze der Gruppe Wagner finanzieren, ist bisher nicht bekannt.

Die Besoldung eines Angehörigen der Gruppe Wagner liegt laut The Moscow Times zwischen 80.000 Rubel pro Monat (1380 $) für den Dienst in einer Basis in Russland und 250.000 Rubel (4300 $) für den aktiven Kampfeinsatz in Syrien.[17] Die Angehörigen erhalten demnach eine Wiedergutmachung beim Tod eines der Kämpfer.[17]

Rechtlicher Rahmen und GeheimhaltungBearbeiten

Die Gruppe Wagner ist als Unternehmen in Argentinien registriert.[22]

Private Militärunternehmen waren in Russland per Gesetz bis 2017 grundsätzlich verboten. Die Teilnahme an bewaffneten Konflikten auf dem Gebiet eines anderen Staates war mit bis zu sieben Jahren Haft geahndet worden (Paragraf 359). Auf das Bewerben, Trainieren und Finanzieren einer solchen Gruppe stand bis zu 15 Jahre Gefängnis.[23] Kurz vor dem Jahreswechsel 2016/2017 unterschrieb Wladimir Putin eine Gesetzesänderung und am 9. Januar 2017 trat das Gesetz Nummer 53 über die Militärdienstpflicht in Russland in Kraft. Seit diesem Zeitpunkt gilt jeder Russe, der den Militärgrundwehrdienst absolviert hat oder Reservist ist, als russischer Militärangehöriger, wenn er „internationale terroristische Aktivitäten außerhalb des Territoriums der Russischen Föderation verhindert“.[24] Da fast jeder männliche Russe nach der Schule den Grundwehrdienst abgeleistet hat, betrifft das Gesetz fast alle. Mit dem Gesetz wird es möglich, russische Söldner weltweit einzusetzen, und es schafft laut Zeit die Voraussetzung, das russische Militär mit privaten Militärunternehmen legal auszubauen.[24]

Offizielle Stellen äußern sich nicht zur Existenz privater russischer Kombattanten. Es existiert eine Aussage von Wladimir Putin (als Ministerpräsident im Jahr 2012), wonach diese „ein Werkzeug für die Durchsetzung nationaler Interessen ohne direkte Beteiligung des Staates“ sein könnten.[25][22] Die meisten Informationen zur Gruppe Wagner stammen aus Recherchen der Mediengruppe RBK. Sie wertete öffentliche Ausschreibungen des Verteidigungsministeriums aus, sprach mit Informanten aus Ministerien und Militär sowie ehemaligen Angehörigen der Gruppe.[10] RBK arbeitete mit dem „Collective Conflict Intelligence Team“ zusammen, das vor allem soziale Medien auswertet.[17] Informationen zur Existenz und Einsätzen der Gruppe werden teilweise bei Beerdigungen gefallener Angehöriger sichtbar.[13] Die Zeitung „Fontanka“ aus Sankt Petersburg veröffentlichte Dokumente, die belegen, dass zwei russische Kämpfer der Einheit mit staatlichen Orden ausgezeichnet wurden. Sie starben im Winter 2015 bei der in diesem Zeitraum umkämpften ukrainischen Stadt Debalzewe. Demnach erhielten auch in Syrien getötete Kämpfer der Gruppe Wagner einen Tapferkeitsorden.

Überraschend äußerte sich im Januar 2018 Außenminister Lawrow zur Übernahme militärischer Aufgaben im Ausland durch private Sicherheitsunternehmen und zum Fehlen eines rechtlichen Rahmens dazu.[9] Ein Publizist, der die Legalisierung der Söldnerunternehmen in Russland befürwortete, wurde Anfang November 2018 verhaftet und der Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen angeklagt.[26]

Grigori Jawlinski berichtete im November 2018, dass Veteranen, die vom russischen Staat „angeheuert, ausgebildet, bewaffnet und heimlich in den Krieg geschickt“ wurden, eine rechtliche Anerkennung anstreben würden, um beim Staat dessen finanzielle und soziale Verantwortung einzufordern.[27]

GeschichteBearbeiten

Zur Sicherung von Anlagen zur Erdölgewinnung und -verarbeitung der Regierung von Baschar al-Assad in Syrien wurden für das Jahr 2013 vermutlich 267 Männer in Sankt Petersburg rekrutiert.[28] Als Arbeitgeber trat ein in Hongkong registriertes Unternehmen namens „Slawisches Korps“ auf. Der Einsatz in Syrien endete nach den vorliegenden Berichten desaströs, da die schlecht ausgerüsteten Söldner von Kämpfern des IS bei Homs[29] umzingelt wurden. Die Männer waren in As-Suchna, östlich von Palmyra, eingesetzt. Der Ort liegt an der Straße von Deir ez-Zor nach Homs. Die Einheit verlor die Kontrolle über die Erdöl-Anlagen und konnte nur knapp entkommen.[29] Wadim Gussew und Pawel Sidorow wurden 2014 wegen des Aufbaus einer 250-köpfigen Söldnertruppe als erste russische Söldner überhaupt von einem russischen Gericht verurteilt.[30]

ArmenienBearbeiten

Im Konflikt um Nagorno-Karabakh 2020 sollen an die 500 Wagner-Söldner Anfang November auf der Seite Armeniens gegen Aserbaidschan gekämpft haben, an die 300 von ihnen sollen an der Schlacht um Shusha, kommandiert von Hauptmann Viktor Zlobov, teilgenommen haben.[31] Der Einsatz wird von der Wagner-Gruppe bestritten.

DonbassBearbeiten

Nach der aus Sicht Russlands erfolgreichen Krim-Operation wurden Angehörige der Gruppe Wagner in der Region des Donbass in der Ukraine aktiv. Hier soll die Gruppe auch für Disziplinierungsmaßnahmen der Volksmiliz eingesetzt worden sein und hätte damit eine Art militärpolizeiliche Aufgaben übernommen.[14] Die NZZ wies auf Angaben des Ukrainischen Sicherheitsdienstes hin, welcher bis zu 2000 Personen ermittelt haben will, die unter dem Dach von Wagner gekämpft hätten.[9]

SyrienBearbeiten

Anschließend kam die Gruppe Wagner in Syrien zum Einsatz. Die ersten Wagner-Kämpfer tauchten kurz vor dem offiziellen Ausbau der russischen Basen in Syrien im Oktober 2015 auf, gibt die RBK-Quelle im russischen Verteidigungsministerium an.[32] Zunächst seien dort 1000 bis 1600 Angestellte der Wagner-Gruppe gleichzeitig anwesend gewesen.[32] Gleichzeitig begannen Bemühungen, die Einheit zu legalisieren.[7] Die Kämpfer nehmen an Operationen im Syrischen Bürgerkrieg teil,[13][17] Angehörige der Einheit sollen aber auch Kampftruppen von Präsident Assad trainieren. Auch eine Wagner-Einheit mit Kämpfern aus Serbien soll laut Telegraph in Syrien aktiv sein. Sie wird von dem bosnischen Serben Davor Savicic (Kampfname „Elvis“) geführt, der im jugoslawischen Bürgerkrieg gekämpft hat.[16] In Syrien ist auch die Ausstattung der Gruppe mit schwerem Gerät belegt: Die Gruppe Wagner operierte mit russischen T-90-Panzern und Panzerhaubitzen.

Von den beiden russischen Unternehmen Evro Polis und Stroytransgaz ist bekannt, dass sie Verträge mit der syrischen Regierung abgeschlossen haben und private Söldner einsetzen. Evro Polis profitiert von den Öl- und Gasquellen, die aus den Händen des IS erobert wurden und lässt sie laut New York Times durch Söldner bewachen. Die Phosphat-Mine von Stroytransgaz war zeitweise unter der Kontrolle von Aufständischen und wurde von Söldnern befreit.[15]

Angehörige der Gruppe Wagner spielten bei der Rückeroberung der Stadt Palmyra aus der Hand des IS eine wichtige Rolle.[15] Ein ehemaliger Kämpfer der Gruppe Wagner erzählte dem britischen Sender Sky News, er und seine russischen Mit-Kombattanten hätten an vorderster Front gekämpft, es habe viele Verluste gegeben und die syrische Armee sei erst in zweiter Reihe nachgerückt.[18]

Am 7. Februar 2018 wurde bei Deir ez-Zor nahe Khusham (35°18′03″N 40°17′31″E) ein Kampfverband durch die amerikanische Luftwaffe zerschlagen, der gegen kurdische Truppen vorgerückt war, darunter, wie sich später herausstellte, auch Kämpfer der Gruppe Wagner. Das russische Außenministerium bestätigte Tage später den Tod von fünf russischen Bürgern[33] sowie die Behandlung von mehreren Dutzend Verletzten, welche in russischen Spitälern behandelt würden.[34] Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete jedoch von 300 Toten und Verwundeten der Einheit. Drei Transportflugzeuge hätten im fraglichen Zeitraum Verwundete aus Syrien nach Russland gebracht und 80 Männer seien nach einer Quelle aus der Gruppe Wagner getötet worden.[35] Den US-Medien wurden kommentarlos geheimdienstliche Telefonmitschnitte aus dem Vorfeld des Vorfalls zur Verfügung gestellt: Prigoschin hätte demnach die Aktion mit Personen auf Ministerebene in Russland sowie solchen in der russischen Präsidialverwaltung vorbereitet.[36]

Im April 2018 starb der russische Investigativjournalist Maxim Borodin bei einem gemäß Ermittlern „unglücklichen Vorfall“: Der Journalist, der Recherchen über Aktivitäten der Söldnertruppe Wagner in Syrien anstellte, war in Jekaterinburg von seinem Balkon im fünften Stock gefallen.[37]

Im November 2019 identifizierten Journalisten der Nowaja Gaseta auf einem Video im Internet einen russischen Staatsbürger als Wagnersöldner, der dabei zu sehen ist, wie er gemeinsam mit Kameraden im Jahr 2017 in einer Tankstelle bei Homs einen Syrer zu Tode foltert. Der Syrer war vermutlich zuvor desertiert und wurde von den offenbar betrunkenen Wagnerleuten mit einem Vorschlaghammer geschlagen und anschließend mit einem Feldspaten geköpft. Der Leiche wurden die Arme abgetrennt und der Körper wurde mit einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet.[38]

SudanBearbeiten

Gemäß einem Bericht der BBC ist die Gruppe Wagner auch im Sudan im Einsatz.[9] Die Söldner sollen die Regierung des damaligen sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir im Konflikt gegen den Südsudan unterstützen. Dabei sollen die Wagnerkräfte die Bedingungen für gute Geschäfte russischer Unternehmen gewährleisten und besonders Gold-, Uran- und Diamantminen schützen. Wladimir Putin pflegte ein gutes Verhältnis zu al-Bashir und bot sich als Schutzmacht gegen die USA an.[39] Die Zahl der Wagner Truppen werden Anfang 2021 auf 300 geschätzt[40]

Zentralafrikanische RepublikBearbeiten

Anfang 2018 wurde der Einsatz von mindestens rund 170 Angehörigen der Wagner-Gruppe in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) bekannt. Dokumentiert sind Lieferungen von Waffen, Munition, Militär-LKWs vom Typ Ural-4320 und logistisches Equipment in den Staat. Dort bilden die Söldner u. a. Truppen der Regierung aus.[41][42] Der Ableger nennt sich laut Le Monde offenbar Sewa Security Services.[43] Die Filmemacher Orhan Dschemal, Kirill Radchenko und Alexander Rastorgujew wurden im Juli 2018 während der Dreharbeiten zu einem Film über russische Söldner in der Zentralafrikanischen Republik von Unbekannten getötet.[44][45][46] Mehrere Varianten der angeblichen Umstände widersprachen sich, insbesondere der überlebende Fahrer der Journalisten erzählte unglaubliche Details.[47][48] Ein Zeuge verstarb unter ungeklärten Umständen, während Pjotr Wersilow (Ex-Ehemann von Nadeschda Tolokonnikowa), der eigene Recherchen im Fall angestellt hatte, einen Tag nach Erhalt von Informationen am 11. September 2018 in Moskau mit Medikamenten vergiftet wurde.[49]

Im April 2019 sagte US-General Stephen J. Townsend vor dem US-Senat aus, dass Wagner-Söldner in der ZAR die Leibwache für Präsident Faustin Archange Touadéra stellten und bei der Ausbildung von Milizen helfen würden.[50] 2021 werden an die 450 Wagner-Söldner gezählt, deren Basis befindet sich im Berego Palace[40]

LibyenBearbeiten

Schon im Jahr 2015 soll Chalifa Haftar Russland darum gebeten haben, Waffen und Personal zu senden sowie für ein halbes Jahr jegliche Resolutionen des Sicherheitsrats zu blockieren, da er überzeugt war, das Land in einer solchen Zeit blutig erobern zu können, was in Russland zunächst nicht als glaubwürdig eingestuft wurde.[51] Schon ab Frühjahr 2018 gab es Informationen, dass Wagner auch in Libyen eingesetzt werden könnte.[52] Im November 2018 machte die Nowaja Gaseta publik, dass Jewgeni Prigoschin bei einer Zusammenkunft des russischen Verteidigungsministers Schoigu mit dem von Russland unterstützten Machthaber im östlichen Libyen, Chalifa Haftar, zugegen war.[53] Nachdem die Nowaja Gaseta dies offen gelegt hatte, gab die Staatliche RIA eine Erklärung heraus, welche die Anwesenheit Prigoschins, „Putins Koch“, mit einem Kulinarischen Programm zu rechtfertigen suchte – was wiederum die Nowaja Gaseta mit der Feststellung der Kürze des Treffens als höchst unglaubwürdig bezeichnete.[54] Als Chalifa Haftar sich Ende März 2019 anschickte, seine Truppen gegen die Hauptstadt Tripolis in Marsch zu setzen, um sich als Militärmachthaber an die Spitze des Landes zu putschen, gingen Beobachter davon aus, dass er rund 300 Söldner der Gruppe Wagner neben seinen Milizen einsetzte.[55][56] Im November 2019 berichtete die New York Times, dass sich die Präsenz der Russen auch in den Feldspitälern hatte feststellen lassen; anstelle von großen Wunden hatten Verletzte und Tote vermehrt kleine Eintrittslöcher und keine Austrittswunden aufgewiesen, was ein Markenzeichen der russischen Scharfschützen sei.[57] Die russische Recherche-Seite Meduza hatte schon im Oktober von mindestens zehn getöteten Russen berichtet und auf aufgefundene persönliche Gegenstände von Russen hingewiesen sowie auf Aussagen zu über 30 Gruz dvésti.[51]

Die libysche Regierung dokumentierte nach einer Stellungnahme von Anfang Dezember 2019 zwischen 600 und 800 russische Söldner, die sich bisher auf Seite des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar im Bürgerkrieg betätigt hatten.[58]

Ein Vertraulicher UN-Bericht spricht von 122 Wagner-Angehörigen, die sich in Libyen befinden. 39 Söldner sollen Scharfschützeneinheiten angehören. Auch wurden in den Jahren 2018 und 2019 Flüge direkt von oder im Auftrag der Wagner-Gruppe durchgeführt, die als Ziel den Osten Libyens hatten. Damit umgingen sie ein Waffenembargo der UN.[59] Im Januar 2020 war von mehr als 500 Wagner-Kämpfern die Rede, im Frühling 2020 wurde die Anzahl mit 800 bis 1200 angegeben.[60][61]

Ebenfalls in Zusammenhang mit der Gruppe Wagner gebracht wurde der Aufbau eines etwa 70 Kilometer langen Systems an Schützengräben und Befestigungsanlagen von Sirte bis zur Luftwaffenbasis Al-Dschufra.[62] Bis Ende 2020 wurde die Truppenstärke auf ca. 2000 Mann gebracht und haben ihre Basen in Sirte und Jufra.[40] Wo sie große militärische Anlagen bauen.[63]

MosambikBearbeiten

Ende August 2019 wurden 160 bis 200 Wagner-Söldner in den Norden Mosambiks entsandt. In der Provinz Cabo Delgado gibt es einen muslimischen Aufstand, die Ahlu Sunnah Wa-Jama führt dort seit 2017 einen Guerilla-Krieg. Im September landete ein Antonov An-124-Transporter am Flughafen Nacala und lud mindestens einen Mi-17-Helikopter aus, drei Mi-17 sollen dort im Einsatz gewesen sein. Im Oktober und November 2019 wurden die Wagner-Söldner in mehrere Gefechte verwickelt, zwölf Männer fielen und wurden teilweise geköpft, eine größere Anzahl wurde verletzt. Im Dezember 2019 wurde die Wagner-Söldner-Einheit, die für diese Art von Kriegsführung nicht richtig ausgestattet war, aus den umkämpften Gebieten wieder abgezogen.[21][64][65]

Weitere afrikanische LänderBearbeiten

Es gibt Hinweise, dass sich Abteilungen von Wagner in Madagaskar, Guinea, Guinea Bissau, Angola, Ägypten, Kongo, Eritrea und Simbabwe befinden, wo sie unter anderem russische Unternehmen beschützen, die dort verschiedene Tätigkeiten von Bergbau bis Bau betreiben. Sie treten dort auch als Regierungsberater auf.[40] Die Moskauer Zeitung „Kommersant“ berichtete im April 2018, Jewgenij Prigoschin finanziere russische Politikberater für afrikanische Länder, in denen Wahlen bevorstehen.[66]

MenschenrechtsverletzungenBearbeiten

Im Jahr 2021 erstatteten Hinterbliebene eines Syrers Anzeige in Russland wegen Mordes und Folter gegen mehrere Personen der Wagner Gruppe. Ihre Vorwürfe stützen sich auf Videoaufnahmen, in denen mehrere Personen schwerste Körperverletzungen begehen, ehe sie ihr Opfer enthaupten und verbrennen. Rund um den Einsatz russischer Söldner in Syrien gibt es zahlreiche Berichte über Folter und Morde an Zivilisten. Zumeist werden sie Mitgliedern der Wagner-Gruppe zugeschrieben.[67]

WeblinksBearbeiten

   die story: Russlands Schattenarmee (WDR Fernsehen – FSK ab 12 freigegeben) in der ARD-Mediathek, abrufbar bis 07. Oktober 2021

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Up to Nine Russian Contractors Die in Syria, Experts Say Incident shows how the country is using private groups to avoid deploying uniform troops, they say. Wall Street Journal, 18. Dezember 2015
  2. Сирийские потери „Славянского корпуса“. In: Radio Swoboda, 13. Dezember 2016.
  3. Dominik Peters, Maximilian Popp, Christoph Sydow: Bürgerkrieg in Syrien: Idlib steht vor einem Inferno. In: Spiegel Online. 23. Juli 2019 (spiegel.de [abgerufen am 18. August 2019]).
  4. Jok/dpa: Russische Söldner kämpfen laut Uno in Libyen gegen die Regierung. In: Spiegel Online. Abgerufen am 26. Mai 2020 (deutsch).
  5. Ute Weinmann: Wagner machts möglich. Jungle World, abgerufen am 26. Mai 2020 (deutsch).
  6. Enes Canli: Libya: Mayor says Wagner Group left country Anadolu, 24. Mai 2020.
  7. a b Sie existieren einfach nicht. Eine Untersuchung., Nowaja Gaseta, 9. Oktober 2017; „Die Diskussion über die Legalisierung des „Wagner PMC“ läuft praktisch seit dem Beginn des Einsatzes der russischen Gruppe in Syrien – seit dem 30. September 2015.“
  8. Willi Neumann, Steffen Dobbert: Russia: Putin’s Mercenaries. In: Die Zeit. 6. Februar 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 18. August 2017]).
  9. a b c d Andreas Rüesch: Russlands Privatarmeen operieren im rechtsfreien Raum. In: Neue Zürcher Zeitung. 18. Januar 2018, S. 5
  10. a b c Julian Hans Moskau: Putins inoffizielle Syrien-Söldner. In: Tages-Anzeiger, Tages-Anzeiger. 30. August 2016, ISSN 1422-9994 (tagesanzeiger.ch [abgerufen am 18. August 2017]).
  11. Die USA verhängten Sanktionen gegen PMCs ‚Wagner‘ und Unternehmen des Geschäftsmanns Prigoschin, Nowaja Gaseta, 20. Juni 2017
  12. Andrew E. Kramer: Russia Deploys a Potent Weapon in Syria: The Profit Motive. In: The New York Times. 5. Juli 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 18. August 2017]).
  13. a b c d Die russische „Wagner-Einheit“ zieht in den Syrien-Krieg. Abgerufen am 18. August 2017.
  14. a b c Die „Wagner“-Truppe: Putins Geheimsöldner im Kreml? In: stern.de. 26. Januar 2017 (stern.de [abgerufen am 18. August 2017]).
  15. a b c Andrew E. Kramer: Russia Deploys a Potent Weapon in Syria: The Profit Motive. In: The New York Times. 5. Juli 2017, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 18. August 2017]).
  16. a b Where are the Syrians in Assad’s Syrian Arab Army? In: The Telegraph. (telegraph.co.uk [abgerufen am 22. August 2017]).
  17. a b c d e More Russian Fighters from Private ‘Wagner Group’ Die in Syria. (themoscowtimes.com [abgerufen am 18. August 2017]).
  18. a b Revealed: Russia’s 'Secret Syria Mercenaries'. In: Sky News. (sky.com [abgerufen am 19. August 2017]).
  19. Es wurde der Tod von mindestens zehn Russen in Syrien in den letzten Monaten bekannt, Nowaja Gaseta, 22. März 2017
  20. Natalja Vasiljewa: „Russische Söldner erobern Ölfelder – und eine Firma verdient daran“ Welt/N24 vom 13. Dezember 2017
  21. a b Russian mercenaries allegedly killed in Mozambique. In: defenceweb.co.za. 1. November 2019, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  22. a b Allison Quinn: Vladimir Putin sent Russian mercenaries to „fight in Syria and Ukraine“. In: The Daily Telegraph. 20. März 2016, abgerufen am 27. Januar 2019.
  23. Julian Hans: Putins inoffizielle Syrien-Söldner. In: Tages-Anzeiger. 30. August 2016, abgerufen am 27. Januar 2019.
  24. a b Willi Neumann & Steffen Dobbert: Russland: Putins Söldner. In: Zeit Online. 6. Februar 2017, abgerufen am 27. Januar 2019.
  25. Putin hat die Einrichtung privater Militärunternehmen in Russland unterstützt, RIA, 11. April 2012
  26. „Nowaja Gaseta“ fand eine Verbindung zum Experten Nejelow, der wegen Offenlegung von Staatsgeheimnissen zur PMC Wagner verhaftet wurde, Nowaja Gaseta, 3. November 2018
  27. Sie sind da!, Echo Moskwy, 16. November 2018
  28. Die erste und letzte Schlacht des „Slawischen Korps“, Nowaja Gaseta, 5. Oktober 2017
  29. a b The Last Battle of the “Slavonic Corps”, The Interpretmag, abgerufen am 18. August 2017
  30. 2 Jailed in Russia’s First-Ever Mercenary Conviction. Moscow Times, 28. Oktober 2014
  31. ЧВК «Вагнер» сыграла немалую роль – эксперт о ситуации в Нагорном Карабахе. In: regnum.ru. 2020, abgerufen am 12. April 2021 (russisch).
  32. a b RBC Magazine: Russian private military company ‘spotted’ in Syria. In: Russia Beyond The Headlines. 26. August 2016 (rbth.com [abgerufen am 21. August 2017]).
  33. Marc Bennetts: „Families ask Kremlin to admit Russian mercenaries killed in Syria“ The Guardian vom 16. Februar 2018
  34. NZZ, 21. Februar 2018, Seite 2; „Das russische Aussenministerium hat eingeräumt (…), mehrere Dutzend Russen und Bürger aus ehemaligen Sowjetrepubliken“
  35. Russian toll in Syria battle was 300 killed and wounded: sources. About 300 men working for a Kremlin-linked Russian private military firm were either killed or injured in Syria last week, according to three sources familiar with the matter. In: Reuters. 15. Februar 2018, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  36. „Ich bereitete vom 6. bis 9. Februar eine Überraschung für Assad vor und besprach dies mit dem Kreml.“, Nowaja Gaseta, 23. Februar 2018
  37. In Zentralafrika erschossene russische Journalisten wurden nicht gefoltert, Die Welt, 2. August 2018
  38. Andrew Roth: Man who filmed killing of Syrian identified as Russian mercenary. The Guardian vom 21. November 2019
  39. 3 countries where Russia’s shadowy Wagner Group mercenaries are known to operate. In: Business Insider. (businessinsider.de [abgerufen am 29. Mai 2018]).
  40. a b c d Russia’s Wagner Group’s presence in Africa goes beyond Libya. 5. März 2021, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  41. Russian presence in the Central African Republic — Conflict Intelligence Team. Abgerufen am 18. Juli 2018 (ru-RU).
  42. Mercenaries from Russian Wagner Private Military Company appear in Central African Republic. In: uawire.org. (uawire.org [abgerufen am 18. Juli 2018]).
  43. Die Zentralafrikanische Republik – eine Spielfigur auf dem russischen Schachbrett, Le Monde, 7. Dezember 2018
  44. Где было опасно, там был он – Wo es gefährlich war, da war er. Nowaja Gaseta, 31. Juli 2018 (russisch).
  45. RuNet Echo: Russian journalists killed in Central African Republic. In: GlobalVoices. globalvoices.org, 31. Juli 2018, abgerufen am 1. August 2018 (englisch).
  46. Reporter bei Recherche für Kreml-Kritiker in Afrika getötet orf.at, abgerufen 1. August 2018.
  47. Mord in der Zentralafrikanischen Republik: „Russische Journalisten hatten Waffen“? Unglaubliche Details vom afrikanischen Fahrer der Crew erzählt., Nowaja Gaseta, 18. August 2018
  48. Turbiert. Nowaja Gaseta, 1. August 2018; „Die Legende von den zehn Turban-Trägern“; „In allen russischen Medien heißt es jetzt: 'Russische Journalisten von Arabern getötet' oder 'Es waren zehn Araber in Turbanen'. Aber warum erzählt man die Geschichte eines Menschen [des Fahrers, der überlebt hat], der das Team wohl in eine Falle gelockt hat?“
  49. Chodorkowski erzählte über den Tod „unter merkwürdigen Umständen“ eines Zeugen im Falle der Ermordung von Journalisten in der Zentralafrikanischen Republik, Nowaja Gaseta, 20. September 2018
  50. Richard Sisk: US General Troubled by Russian Mercenaries in Africa. military.com vom 3. April 2019
  51. a b Sie selbst wussten nicht wirklich, wohin sie wollten: Im Bürgerkrieg in Libyen starben 10 bis 35 russische Söldner., Meduza, 9. Oktober 2019
  52. Russia’s Favorite Mercenaries, The Atlantic, 27. August 2018
  53. In dieser Küche wird etwas vorbereitet, Nowaja Gaseta, 9. November 2018
  54. Feldküche, Nowaja Gaseta, 10. November 2018
  55. Alec Luhn, Dominic Nicholls: Russian mercenaries back Libyan rebel leader as Moscow seeks influence in Africa. telegraph.co.uk vom 3. März 2019
  56. Patrick Wintour und Chris Stephen: Battle for Tripoli escalates as fighting nears Libyan capital. The Guardian vom 7. April 2019
  57. Russian Snipers, Missiles and Warplanes Try to Tilt Libyan War. New York Times, 5. November 2019
  58. Libyan officials cite evidence of Russian mercenaries in war. aljazeera.com vom 5. Dezember 2019
  59. Russische Sicherheitsfirma kämpft in Libyen gegen Regierung. Laut UN-Experten kämpft eine mit Russland verbundene Militärfirma im libyschen Bürgerkrieg gegen die von den Vereinten Nationen unterstützte Regierung. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 7. Mai 2020, abgerufen am 7. Mai 2020.
  60. In Libyen sprach man über den Rückzug der Söldner von „PMC Wagner“ von der Front in Tripolis, Nowaja Gaseta, 13. Januar 2020
  61. UN confirms Russian mercenaries are fighting in Libya: diplomats, AFP, 7. Mai 2020
  62. Foreign fighters were meant to leave Libya this week. A huge trench being dug by Russian-backed mercenaries indicates they plan to stay. In: CNN. 22. Januar 2021, abgerufen am 23. Januar 2021.
  63. Nick Paton Walsh, Sarah El Sirgany: Foreign fighters were meant to leave Libya this week. A huge trench being dug by Russian-backed mercenaries indicates they plan to stay. 22. Januar 2021, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  64. Pjotr Sauer: 7 Kremlin-Linked Mercenaries Killed in Mozambique in October — Military Sources. Army sources told The Moscow Times about two separate incidents involving ambushes by Islamic State-linked insurgents. 31. Oktober 2019, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  65. Pjotr Sauer: In push for Africa, Russia’s Wagner mercenaries are ‘out of their depth’ in Mozambique – The Moscow Times. The secretive Kremlin-linked group is growing in scope and ambition, winning contracts normally reserved for local security firms. Many believe it is not up to the job. 20. November 2019, abgerufen am 12. April 2021 (englisch).
  66. Auf der Jagd nach Diamanten und Uran. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Januar 2019
  67. Fidelius Schmid: Syrien: Strafanzeige gegen Wladimir Putins Söldner wegen Folter und Mordes. In: Der Spiegel. Abgerufen am 15. März 2021.