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Das Grosse Moos vor der Juragewässerkorrektion: im Hintergrund die Mündung der Broye in den Neuenburgersee

Das Grosse Moos (frz.: „Grand-Marais“) ist ein Teil des schweizerischen Seelands und liegt zwischen dem Murtensee, dem Broyekanal, dem Neuenburgersee, Gampelen, Ins, dem Seerücken vor dem Bielersee, dem Hagneckkanal, und einem Landrücken zwischen Aarberg und Kerzers. In ihm floss in der Eiszeit der nördliche Arm des Rhonegletschers. Seit dem 17. Jahrhundert versumpfte die Gegend, woran die Bezeichnung Grosses Moos erinnert. Die Entwässerung in die Aare nördlich von Aarberg wurde durch Geschiebeablagerungen der Aare zunehmend behindert.[1] Infolge der Juragewässerkorrektionen wurde das Grosse Moos zu einem der wichtigsten Gemüse-Anbaugebiete der Schweiz. Es ist auch eine der grössten Ebenen der Schweiz.

GeschichteBearbeiten

Bis zu den Juragewässerkorrektionen war das Grosse Moos ein unwegsames Sumpfland. Während Jahrhunderten diente es fahrendem Volk wie z. B. den Jenischen als Aufenthalts- und Rückzugsgebiet. Die fahrenden Korber fanden hier auch das für ihre Arbeit notwendige Rohmaterial, die Weiden. Der 1879 als Nachfahre zwangsassimilierter Fahrender geborene jenische Schriftsteller Albert Minder verbrachte seine ersten Lebensjahre teils im Grossen Moos, teils in Bern.

StrafanstaltenBearbeiten

Im Gebiet des Grossen Moos befinden sich die Strafanstalten Bellechasse (FR), Witzwil (BE) und St. Johannsen (BE). In der 1898 gegründeten Anstalt Bellechasse wurden bis 1970 neben Kriminellen auch Minderjährige und vom fürsorgerischen Freiheitsentzug Betroffene inhaftiert. Das Hilfswerk Kinder der Landstrasse platzierte eine grosse Zahl jenischer Kinder, die ihren Eltern entrissen wurden, in dieser Strafanstalt.

Die 1883[2] als Strafanstalt für Männer und Frauen eröffnete Anstalt Massnahmezentrum St. Johannsen diente 1911 bis 1956 als Kant. Arbeitsanstalt für Trinker, Arbeitsscheue und Liederliche. Diese Anstalt hat noch heute Korbwaren im Verkaufsangebot, ein Sortiment, das ursprünglich von freien Jenischen selbst hergestellt und vertrieben, später von denselben als sogenannte „arbeitsscheue“ Insassen auf Rechnung der staatlichen Anstalten produziert wurde.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anne-Marie Dubler: Grosses Moos – 3 Juragewässerkorrektionen und Urbarisierung. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 17. September 2010, abgerufen am 8. Juni 2019.
  2. Bundesamt für Statistik - Katalog der Einrichtungen des Freiheitsentzuges. (Nicht mehr online verfügbar.) In: portal-stat.admin.ch. Archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 12. August 2015.

Koordinaten: 46° 58′ 39,3″ N, 7° 6′ 36,3″ O; CH1903: 575001 / 203000