Großkochberg

Ortsteil von Uhlstädt-Kirchhasel

Großkochberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel im thüringischen Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Großkochberg
Koordinaten: 50° 46′ 28″ N, 11° 21′ 21″ O
Höhe: 346 m ü. NN
Fläche: 12,21 km²
Einwohner: 547 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 2007
Postleitzahl: 07407
Vorwahl: 036743
Großkochberg Dorf und Schloss
Großkochberg Dorf und Schloss

GeografieBearbeiten

Nordöstlich des Dorfs erhebt sich der 515 m hohe Hummelsberg mit dem Luisenturm.

GeschichteBearbeiten

 
Kirche St. Michael

Das Dorf Großkochberg wurde am 21. Februar 1125 erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsteile Clöswitz und Kleinkochberg wurden erstmals 1378 schriftlich genannt.[1] Im oberen Teil des Haselbachtales liegt das Wasserschloss Großkochberg. Nach der hier erbauten Wasserburg nannte sich ein Herrengeschlecht. Dieses verkaufte die Burg an die Herren von Berlepsch. 1517 wurden die Herren von Schönfeld, darunter Siegfried von Schönfeld, Besitzer. Diese bauten das Schloss so, wie es sich heute noch darstellt. 1733 erwarb der kaiserliche Reichshofrat Freiherr Friedrich Christian Ludwig von Stein das Rittergut samt größerer umliegender Ländereien. Späterer Eigentümer war der Herzoglich Weimarer Oberstallmeister Freiherr Gottlob Ernst Josias Friedrich von Stein (1735–1793), der seit 1764 mit Freifrau Charlotte Albertine Ernestine von Stein, geb. von Schardt, verheiratet war.

Bekannt wurde Großkochberg durch häufige Besuche Goethes, der vermutlich am 6. Dezember 1775 im Alter von 26 Jahren erstmals dort weilte, weil der Weimarer Herzog Karl August einige Tage im nahe gelegenen Rudolstadt verbrachte.[2] Auf dem Schreibtisch seiner Vertrauten und Geliebten Charlotte von Stein hinterließ Goethe eine Gravur mit dem Datum. Die Inschrift ist bis heute in Großkochberg zu sehen.[3] An Frau von Stein schrieb Goethe in seinem Leben ca. 1700 Briefe, was die enge Beziehung der beiden belegt. Das Landgut Großkochberg liegt ca. 28 Kilometer von Weimar entfernt, ein Weg, für den Goethe nach eigener Aussage zu Fuß etwa vier Stunden brauchte. Zum letzten Mal kam Goethe am ersten September-Wochenende 1788 nach Großkochberg, als sein Verhältnis zur Frau von Stein bereits zerrüttet war. Sie soll ihn „ohne Herz“ empfangen haben: „Das verstimmte ihn den ganzen Tag“.[4] Auch Friedrich Schiller kam im Sommer 1788 nach Großkochberg.

1775 oder 1780 soll Goethe, als Bauer verkleidet, in Großkochberg seinen Herzog, der auf der Durchreise war, begrüßt und ihm eine „Regierungsanleitung“ in Knittelversen vorgelesen und überreicht haben.[5]

Carl von Stein, Charlotte von Steins ältester Sohn, wurde Erbe des Ritterguts und richtete sich einen „Musenhof“ nach dem Weimarer Vorbild ein. Um 1800 wurde ein privates Liebhabertheater mit klassizistischer Fassade am Eingang zum Schlosspark eingeweiht. Carl von Stein ließ dafür das ursprünglich am Eingang zum Park stehende zweigeschossige barocke Gartenhaus umbauen. Von 2009 bis 2011 sanierte die Klassik Stiftung Weimar[6] das Gebäude umfassend. Seitdem finden im Theater wieder regelmäßig Veranstaltungen statt.[7]

Die Michaelskirche wurde im 15. Jahrhundert spätgotisch umgestaltet. Der spätromanische Chorturm stammt aus den Jahren um 1200.[8]

Der Ort war bis 1920 eine zum Landkreis Saalfeld des Herzogtums Sachsen-Meiningen gehörende Enklave.[9]

Seit dem 1. Dezember 2007 ist die ehemals verwaltungstechnisch selbständige Gemeinde ein Ortsteil der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel.[10]

Verwaltung und PolitikBearbeiten

Zur ehemals selbständigen Gemeinde Großkochberg gehörten die Ortsteile Clöswitz und Kleinkochberg.

Vor der Eingemeindung war die Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel bereits erfüllende Gemeinde für Großkochberg.

GemeinderatBearbeiten

Der letzte Gemeinderat Großkochbergs setzte sich aus acht Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

  • CDU: 1 Sitz
  • SV: 7 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

BürgermeisterBearbeiten

Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister vor der Eingemeindung war der parteilose Jürgen Ryll. Er wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Wilhelm Heinrich Schultze (1724–1790), Oberkonsistorialrat und Waisenhaus-Direktor in Weimar und Jena
  • Johann Adolf Jacobi (* 9. August 1769 in Großkochberg, † . August 1847), evangelischer Theologe[11]
  • Hilmar Scherf (1861–1951), Politiker (Meininger Bauernverein) und ehemaliger Abgeordneter des Landtags des Freistaates Sachsen-Meiningen in der Weimarer Republik

WeblinksBearbeiten

Commons: Großkochberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 102, 49 und 145
  2. Johann Wolfgang von Goethe: Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Band 3: 8. November 1775 – Ende 1779. Teil 2, A: Kommentar. Herausgegeben von Georg Kurscheidt und Elke Richter. de Gruyter, Berlin u. a. 2014, ISBN 978-3-05-006504-5, S. 97.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 161.
  4. Caroline Herder in einem Brief an ihren Mann vom 12. September 1788, abgedruckt in: Renate Grumach (Hrsg.): Goethe. Begegnungen und Gespräche. Band: 3: 1786–1792. de Gruyter, Berlin u. a. 1977, ISBN 3-11-006836-2, S. 231.
  5. Johann Wolfgang von Goethe: Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. Band 3: 8. November 1775 – Ende 1779. Teil 2, B: Kommentar. Herausgegeben von Georg Kurscheidt und Elke Richter. de Gruyter, Berlin u. a. 2014, ISBN 978-3-05-006504-5, S. 1099.
  6. klassik-stiftung.de, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  7. Liebhabertheater Schloss Kochberg, ein Musenhof en miniature, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  8. Lieselotte Swietek, Wolfgang Swietek: Dorfkirchen in Thüringen (= Kleine Thüringen-Bibliothek. Bd. 27). Verlagshaus Thüringen, Erfurt 1993, ISBN 3-86087-014-9, S. 44 f.
  9. Herzogtum Sachsen-Meiningen auf deutsche-schutzgebiete.de, abgerufen am 24. Oktober 2016.
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  11. Gustav Moritz RedslobJacobi, Johann Adolf. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 592 f.