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Kardinalinquisitor Don Fernando Niño de Guevara in einem Gemälde von El Greco (um 1600)

Ein Großinquisitor, auch Generalinquisitor, war im Mittelalter ein Inquisitor mit besonderen territorialen Befugnissen oder in der Frühen Neuzeit der Vorsteher der Inquisition für ein Land. Im heutigen Sprachgebrauch wird der negative Assoziationen weckende Begriff auch außerhalb seiner eigentlichen historischen Bedeutung metaphorisch gebraucht.

GeschichteBearbeiten

Ein Groß- bzw. Generalinquisitor wurde üblicherweise vom Heiligen Stuhl eingesetzt und bevollmächtigt, im Rahmen von kirchlichen Inquisitionsverfahren gegen so genannte Ketzer vorzugehen. Die Befugnisse eines Großinquisitors reichten über die eines einfachen Inquisitors hinaus. Im Mittelalter gab es nur zeitweilig Großinquisitoren.

In den deutschen Landen wird für das frühe 13. Jahrhundert Konrad von Marburg aufgrund seiner Machtfülle als Großinquisitor angesehen, wohingegen als erster offizieller Großinquisitor für Deutschland der 1348 in dieses Amt berufene Johann Schadland gilt.[1] Der erste Großinquisitor Spaniens war Tomás de Torquemada (1420–1498).

Für die in der Frühen Neuzeit staatlich institutionalisierten Inquisitionsbehörden in Spanien und Portugal wurden dauerhafte Großinquisitorenämter geschaffen. Die Großinquisitoren wurden hier vom jeweiligen König ernannt. Sie leiteten die Behörde und standen hierarchisch über den Inquisitoren. Erster Großinquisitor (spanisch Inquisidor general) der Spanischen Inquisition war Tomás de Torquemada. Mit dem Großinquisitorenamt ausgestattete Kardinäle wurden auch als Kardinalinquisitoren bezeichnet. Großinquisitor der römischen Inquisition war von 1602 bis 1908 (Umbenennung der Behörde in Sanctum Officium) bzw. 1965 (Ende der Ausübung des Präfektenamtes durch den Papst) der Papst selbst.

GegenwartBearbeiten

In der Gegenwart bildet das Wort Großinquisitor überwiegend eine politische, mediale oder literarische Metapher, die auf kollektive klischeehafte Assoziationen im Zusammenhang mit der Inquisition oder der Hexenverfolgung abzielt, die im Kern die negative Vorstellung einer Person gemeinsam haben, die im öffentlichen Auftrag Andersdenkende in böser Absicht oder Verblendung verfolgt und dabei von Grausamkeit und Machtmissbrauch geleitet wird.

Aufgrund der Plakativität des Begriffes ist er für die mediale Verwendung besonders attraktiv. Die Bezeichnung wurde und wird deshalb dazu verwendet, Personen in polemischer Weise mit der negativen Konnotation des Begriffs in Verbindung zu bringen. Beispielsweise wird der jeweilige Präfekt der Glaubenskongregation (Nachfolgeorganisation der Römischen Inquisition) manchmal mit kritischem oder auch ironischem Unterton als „Großinquisitor“ bezeichnet. Beispiele von Personen, die mit diesem Begriff belegt wurden (siehe in den jeweiligen Artikeln): Abraham Calov, Ettore Majorana und Heinrich Himmler.

Die eher literarischen oder Bühnenbearbeitungen, in denen der Begriff aufgegriffen wird, behandeln zumeist schlimme Erfahrungen mit Diktatur, Überwachungsstaat und totalitärer Herrschaft (z. B. Zarenherrschaft, Ostblock, Nationalsozialismus).

Künstlerische RezeptionBearbeiten

 
Die Organisationsstruktur der spanischen Inquisition, Tribunal del Santo Oficio de la Inquisición

LiteraturBearbeiten

  • Alfons Motschenbacher: Katechon oder Großinquisitor? Eine Studie zu Inhalt und Struktur der politischen Theologie Carl Schmitts. Tectum-Verlag, Marburg 2000, ISBN 3-8288-8149-1 (Zugleich: Bamberg, Universität, Dissertation 1997).
  • Tim Heilbronner: El Greco als Porträtmaler: Das Bildnis des Kardinals Don Fernando Niño de Guevara, München/Ravensburg 2004, ISBN 978-3-638-71209-5
  • Michael Scholz-Hänsel: El Greco, Der Großinquisitor. Neues Licht auf die Schwarze Legende (= Fischer-Taschenbücher 10128 Kunststück). Original-Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10128-X.
  • Hans Hagen (d. i.: Hans Müller): Konrad von Marburg, deutscher Ketzermeister und Großinquisitor. Trauerspiel in fünf Akten. Frei nach der Geschichte bearbeitet. Leopold & Bär, Leipzig 1890.
  • Julius von Voß: Der Großinquisitor von Portugal oder das Erdbeben in Oporto. Letzter Roman. Curths, Berlin 1833 (Mikrofiche-Ausgabe. (= Bibliothek der deutschen Literatur 12264). Saur, München u. a. 1994, ISBN 3-598-53065-X).

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alexander Patschovsky: Straßburger Beginenverfolgungen im 14. Jahrhundert
  2. Programmheft Philharmonisches Staatsorchester Hamburg vom 2./3. Februar 1969.