Großer Preis der Schweiz 1936

Die Bremgarten-Rundstrecke in ihrer befahrenen Version.
Lage im Stadtgebiet

Der III. Große Preis der Schweiz fand am 23. August 1936 auf der Bremgarten-Rundstrecke in Bremgarten bei Bern statt. Als Grande Épreuve zählte er zur Grand-Prix-Europameisterschaft 1936 und wurde nach den Bestimmungen der Internationalen Grand-Prix-Formel (Rennwagen bis maximal 750 kg Leergewicht; 85 cm Mindestbreite; Renndistanz mindestens 500 km) über 70 Runden à 7,280 km ausgetragen, was einer Gesamtdistanz von 509,60 km entsprach.

Sieger wurde Bernd Rosemeyer auf einem Auto Union Typ C[1], der damit seinen zweiten Grand-Prix-Erfolg in unmittelbarer Folge und zusammen mit Achille Varzi und Hans Stuck den ersten Dreifachsieg für die Auto Union erzielte.

Das RennenBearbeiten

Vor dem dritten Grande Épreuve der Saison 1936 war die Ausgangslage so ungewiss wie schon lange nicht mehr. Zwar war Mercedes-Benz zu Saisonbeginn beim Grand Prix von Monaco noch erfolgreich gewesen, doch spätestens beim Großen Preis von Deutschland waren die Unzulänglichkeiten des Mercedes-Benz W25 K so eklatant geworden, dass das Team im Anschluss die Rennen von Livorno und Pescara ausließ, um zunächst erst einmal eine Standortbestimmung vorzunehmen. Unter Regie der neu gegründeten Rennabteilung unter Leitung von Rudolf Uhlenhaut wurden die Wagen in zahlreichen Details überarbeitet, so dass die Mannschaft in der Stammbesetzung mit Rudolf Caracciola, Luigi Fagioli und Manfred von Brauchitsch in Bern wieder einigermaßen zuversichtlich an den Start gehen konnte. Louis Chiron war nach seinem Unfall beim Deutschland-Grand-Prix noch nicht wieder vollständig fit, so dass er nur als Reservefahrer mit dabei sein konnte. An seiner Stelle ging daher Nachwuchsfahrer Hermann Lang – mit bandagierter Hand, weil er sich am Nürburgring den kleinen Finger gebrochen hatte – als vierter regulärer Teilnehmer für das Team an den Start.

Angesichts des Formtiefs bei Mercedes-Benz bei den Frühjahrsrennen hatte es danach ausgesehen, dass die Auto Union nun stattdessen die Favoritenrolle übernehmen würde, was sich durch die Erfolge des neuen Publikumslieblings Bernd Rosemeyer beim Eifelrennen und im Großen Preis von Deutschland eindrucksvoll zu bestätigen schien. Allerdings hatten anschließend die Duelle mit Alfa Romeo mit einem Dreifachsieg für die Italiener in Livorno und für die Auto Union in Pescara überraschenderweise nur unentschieden geendet und obendrein gab es Probleme mit der Fahrerbesetzung. Rosemeyer war natürlich nach seinen beiden Nürburgring-Erfolgen gesetzt, doch Hans Stuck – als aktuell Führender in der Europameisterschaftswertung – musste mit einer Armverletzung antreten, die er sich im Training in Pescara zugezogen hatte. Noch unsicherer war die Verfassung von Achille Varzi, dem ursprünglich als Nummer 1 verpflichteten Fahrer des Teams, dessen Saison von starken Formschwankungen geprägt wurde. Während einer Trainingssitzung in Bern hatte Rennleiter Dr. Feuereissen eine Durchsuchung seines Hotelzimmers vorgenommen und dabei Drogen gefunden. Dennoch hatte der Italiener hier eine seiner besseren Phasen und konnte sich zusammen mit Rosemeyer neben dem Mercedes von Caracciola für die erste Startreihe qualifizieren. Das vierte Auto des Teams wurde von Nachwuchsfahrer Rudolf Hasse gesteuert, der damit sein Grand-Prix-Debüt gab.

Für Alfa Romeo, wie immer bei den Rennen von der Scuderia Ferrari repräsentiert, hatte Tazio Nuvolari mit seinem Sieg in Livorno bewiesen, dass die deutschen Silberpfeile zumindest nicht unschlagbar waren. Zudem gab es hier aktuell keine Probleme mit dem Personal, so dass das Team mit ihm und René Dreyfus in den beiden neuen Alfa Romeo 12C-36 Zwölfzylinder-Rennwagen und Giuseppe Farina im älteren Alfa Romeo 8C-35 Achtzylinder in Bestbesetzung antreten konnte.

Gar nicht erst gemeldet hatte dagegen die Scuderia Torino, das andere Quasi-Werksteam für Maserati, wo man es schließlich aufgegeben hatte, den aktuellen Grand-Prix-Typ Maserati V8-RI doch noch irgendwie konkurrenzfähig zu bekommen. So war die Marke nur mit Philippe Étancelin auf seinem persönlichen V8-RI und einigen weiteren Privatfahrern mit älteren Modellen vertreten. Bei Bugatti schließlich hatte Jean-Pierre Wimille als einziger Vertreter des Werks wieder einmal die Auswahl zwischen einem älteren zweisitzigen Modell Bugatti Type 59 – mit einem solchen ging auch der britische Privatfahrer Earl Howe an den Start – und dem neuen Type-59/50B-Monoposto, dem er für das Rennen dieses Mal auch den Vorzug gab.

Nachdem zuvor Richard Seaman mit seinem zehn Jahre alten Grand-Prix-Delage das Rennen der Voiturette-Klasse um den Prix de Berne gewonnen hatte, versammelten sich im Anschluss die 17 Grand-Prix-Rennwagen zum Start. Von der besten Startposition aus ging Caracciola mit dem Mercedes-Benz direkt in Front, doch Rosemeyer auf dem Auto Union lieferte ihm rundenlang einen packenden Kampf um die Spitze, bei dem sich beide allmählich vom Rest des Felds absetzten. Auf dem dritten Platz lag zunächst Nuvolari auf Alfa Romeo, musste aber später mit Überhitzungsproblemen aufgeben, nachdem auch Fagioli seinen Mercedes mit überdrehtem Motor und Farina seinen Alfa Romeo mit gerissenem Zylinderkopf schon frühzeitig abgestellt hatten.

Mehrfach konnte Caracciola sich der Angriffe des jungen Grand-Prix-Stars nur dadurch erwehren, dass er diesen bei seinen Überholversuchen abblockte. Eine solche Fahrweise war damals im Grand-Prix-Sport noch nicht üblich, so dass Caracciola schließlich sogar die blauen Flaggen als Aufforderung gezeigt bekam, dem Verfolger Platz zu machen. Dennoch dauerte es bis zur neunten Runde, bevor Rosemeyer endlich vorbeiziehen konnte. Dieser konnte danach die Führung kontinuierlich ausbauen, zumal Caracciola bald Probleme mit einem hängenden Gasgestänge bekam. Wenig später musste er den Mercedes mit einem Defekt der hinteren Achsaufhängung schließlich ganz aufgeben.

In der Zwischenzeit war auch Varzi an Lang vorbeigegangen, so dass die Auto Union ab der 30. Runde nun eine Doppelführung vor dem Mercedes-Duo Lang und von Brauchitsch innehatte. Auf dem fünften Platz folgte bereits Stuck, obwohl dieser aufgrund seiner Verletzung kein allzu hohes Tempo gehen konnte und zur Halbzeit des Rennens dann schon zweimal von seinem jungen Teamkollegen überrundet worden war.

Zur Rennmitte waren die üblichen Tank- und Reifenstopps fällig, und während Fagioli das Auto des ebenfalls angeschlagenen Lang übernahm, setzte das Team bei von Brauchitsch alles auf eine Karte und verzichtete auf das Wechseln der Reifen, um mit der eingesparten Zeit vielleicht doch noch einmal an die beiden Auto Union an der Spitze heranzukommen. Doch in der 41. Runde musste der Mercedes mit einem Plattfuß dann doch zum Wechsel hereinkommen. Damit war das Rennen praktisch entschieden, zumal Varzi von Attacken gegen den nun in der Meisterschaft führenden Teamkollegen absah. Schließlich wurde von Brauchitschs Auto mit überhitztem Motor und festsitzender Bremse noch ganz aus dem Rennen genommen, so dass nur noch der Mercedes von Fagioli übrig blieb. Dieser lieferte nach einem längeren Reparaturstopp Stuck zum Ende des Rennens noch einmal einen Kampf um Platz drei, musste sich aber dann doch mit dem vierten Rang endgültig begnügen, während das Team der Auto Union mit Rosemeyer vor Varzi und Stuck nicht nur einen eindrucksvollen Dreifachsieg feiern konnte, sondern mit der fünftplatzierten Mannschaft Hasse/von Delius sogar alle Wagen in Wertung ins Ziel gebracht hatte. Alle weiteren Teilnehmer waren dagegen ausgefallen.

MeldelisteBearbeiten

Nr. Fahrer Konstrukteur Fahrzeug Team Bemerkung
02 Deutsches Reich NS  Rudolf Hasse Deutsches Reich NS  Auto Union Auto Union Typ C Auto Union AG
04 Deutsches Reich NS  Bernd Rosemeyer Deutsches Reich NS  Auto Union Auto Union Typ C Auto Union AG
06 Deutsches Reich NS  Hans Stuck Deutsches Reich NS  Auto Union Auto Union Typ C Auto Union AG
08 Italien 1861  Achille Varzi Deutsches Reich NS  Auto Union Auto Union Typ C Auto Union AG
10 Deutsches Reich NS  Manfred von Brauchitsch Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz Mercedes Benz W 25 kurz Daimler-Benz AG
12 Deutsches Reich NS  Rudolf Caracciola Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz Mercedes Benz W 25 kurz Daimler-Benz AG
14 Italien 1861  Luigi Fagioli Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz Mercedes Benz W 25 kurz Daimler-Benz AG
16 Deutsches Reich NS  Hermann Lang Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz Mercedes Benz W 25 kurz Daimler-Benz AG
18 Dritte Französische Republik  Philippe Étancelin Italien 1861  Maserati Maserati V8RI P. Étancelin
20 Dritte Französische Republik  Raymond Sommer Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo Tipo B/P3 R. Sommer
22 Dritte Französische Republik  Jean-Pierre Wimille Dritte Französische Republik  Bugatti Bugatti T59/50B Automobiles E. Bugatti
24 Vereinigtes Konigreich  Earl Howe Italien 1861  Bugatti Bugatti T59 Earl Howe
26 Vereinigtes Konigreich  Charles Martin Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo Tipo B/P3 C. Martin nicht angetreten
28 Dritte Französische Republik  René Dreyfus Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo 12C-36 Scuderia Ferrari
30 Italien 1861  Antonio Brivio Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo 8C-35 Scuderia Ferrari
32 Italien 1861  Tazio Nuvolari Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo 12C-36 Scuderia Ferrari
34 Italien 1861  Alfa Romeo Alfa Romeo 8C-35 Scuderia Ferrari nicht angetreten
36 Italien 1861  Clemente Biondetti Italien 1861  Maserati Maserati 6C-34 Scuderia Maremmana
38 Schweiz  Jacques de Rham Italien 1861  Maserati Maserati 8CM Scuderia Maremmana
38 Schweiz  Hans Stuber Italien 1861  Maserati Maserati 8CM Scuderia Maremmana nicht gestartet (Reservefahrer)
40 Schweiz  Hans Ruesch Italien 1861  Maserati Maserati 6C-34 H. Ruesch nicht gestartet

StartaufstellungBearbeiten

1 2 3
Deutsches Reich NS  Caracciola
2:37,9 min
Deutsches Reich NS  Rosemeyer
2:39,3 min
Italien 1861  Varzi
2:39,5 min
4 5
Deutsches Reich NS  von Brauchitsch
2:40,2 min
Deutsches Reich NS  Lang
2:40,4 min
6 7 8
Italien 1861  Nuvolari
2:41,5 min
Dritte Französische Republik  Dreyfus
2:45,2 min
Italien 1861  Fagioli
2:45,6 min
9 10
Deutsches Reich NS  Stuck
2:45,8 min
Deutsches Reich NS  Hasse
2:46,3 min
11 12 13
Dritte Französische Republik  Wimille Italien 1861  Farina Italien 1861  Biondetti
14 15
Dritte Französische Republik  Sommer Dritte Französische Republik  Étancelin
16 17
Vereinigtes Konigreich  Howe Schweiz  de Rham

RennergebnisBearbeiten

Pos. Nr. Fahrer Konstrukteur Runden Zeit Ausfallgrund EM-Punkte
1 04 Deutsches Reich NS  Bernd Rosemeyer Deutsches Reich NS  Auto Union 70 3:09:01,6 h 1
2 08 Italien 1861  Achille Varzi Deutsches Reich NS  Auto Union 70 + 52,6 s 2
3 06 Deutsches Reich NS  Hans Stuck Deutsches Reich NS  Auto Union 69 + 01 Runde 3
4 16 Deutsches Reich NS  Hermann Lang /
Italien 1861  Luigi Fagioli
Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz 69 + 01 Runde 4 / –
5 02 Deutsches Reich NS  Rudolf Hasse /
Deutsches Reich NS  Ernst von Delius
Deutsches Reich NS  Auto Union 67 + 03 Runden 4 / –
DNF 20 Dritte Französische Republik  Raymond Sommer Italien 1861  Alfa Romeo 51 Kraftübertragung 5
DNF 10 Deutsches Reich NS  Manfred von Brauchitsch Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz 50 Bremsen / Überhitzung 5
DNF 18 Dritte Französische Republik  Philippe Étancelin Italien 1861  Maserati 34 Gaszug 6
DNF 12 Deutsches Reich NS  Rudolf Caracciola Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz 29 Hinterachse 6
DNF 28 Dritte Französische Republik  René Dreyfus Italien 1861  Alfa Romeo 26 Mechanik 6
DNF 24 Vereinigtes Konigreich  Earl Howe Italien 1861  Bugatti 24 Unfall 6
DNF 32 Italien 1861  Tazio Nuvolari Italien 1861  Alfa Romeo 18 Mechanik 6
DNF 36 Italien 1861  Clemente Biondetti Italien 1861  Italien 10 Kraftübertragung 7
DNF 14 Italien 1861  Luigi Fagioli Deutsches Reich NS  Mercedes-Benz 10 Ölleitung 7
DNF 30 Italien 1861  Antonio Brivio Italien 1861  Alfa Romeo 6 Mechanik 7
DNF 22 Dritte Französische Republik  Jean-Pierre Wimille Dritte Französische Republik  Bugatti 3 Getriebe 7
DNF 38 Schweiz  Jacques de Rham Italien 1861  Italien 1 Mechanik 7

Schnellste Rennrunde: Deutsches Reich NS  Bernd Rosemeyer (Auto Union), 2:34,5 min = 169,6 km/h

WeblinksBearbeiten

Commons: Automobilsport 1936 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. die Typenbezeichnung der Auto-Union-Rennwagen wurde von Fachautoren erst nachträglich zur Unterscheidung der einzelnen Modelle eingeführt