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Großdeuben ist ein Stadtteil der Stadt Böhlen im Landkreis Leipzig, in die es 1997 eingemeindet wurde. Zu Großdeuben gehören die Orte Großdeuben, Probstdeuben und Debitzdeuben sowie die Flur des 1957 durch den Tagebau Espenhain abgebrochenen Orts Zehmen.

Großdeuben
Stadt Böhlen
Koordinaten: 51° 14′ 0″ N, 12° 23′ 0″ O
Höhe: 122 m
Eingemeindung: 1. Juli 1997
Postleitzahl: 04564
Vorwahl: 034299
Großdeuben (Sachsen)
Großdeuben

Lage von Großdeuben in Sachsen

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

LageBearbeiten

Das ehemalige Dorf liegt südlich von Leipzig und erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung etwa auf 2 Kilometern direkt entlang des Westufers der Pleiße in der Leipziger Tieflandsbucht. Direkt durch den Ort verläuft die Staatsstraße 72, die südlich Anschluss an die B 2 und die B 95 hat. Westlich des Ortes befindet sich die sogenannte Neue Harth, ein rekultivierter Bereich auf ehemaligem Bergbau-Abraumgelände, der sich bis Zwenkau, Markkleeberg und Böhlen zieht. Östlich des Ortes, an der dort verlaufenden Bundesstraße 2, liegt das Rückhaltebecken Stöhna, das ein Teil des Hochwasserschutzsystems der Pleiße bildet. In vier Kilometern Entfernung befindet sich das Kraftwerk Lippendorf, das als eines der modernsten Braunkohlekraftwerke Europas gilt.

NachbarorteBearbeiten

Zöbigker Gaschwitz Wachau
Zwenkau   Großpösna
Böhlen Rötha

GeschichteBearbeiten

 
Großdeuben in der Pleißenaue um 1920 vor der Tagebauerschließung

Um 600 n. Chr. legten Altsorben Debitzdeuben als Rundweiler am Fluss Pleiße an. Am 4. November 1017 wurde der Ort erstmals, in einer Urkunde des Domarchivs zu Merseburg, erwähnt.[1] Im 11. und 12. Jahrhundert entstand das Dorf Probst-Deuben, das von zugezogenen deutschen Bauern gegründet wurde. Um 1403 gehörte das Dorf Friedrich von Döbitz. 1415 bekamen die Gebrüder Hans und Nickel von Zehmen Probst-Deuben vom Dompropst zu Merseburg zu Lehen. Noch 1631 war Probst-Deuben in Besitz von Hans Georg von Zehmen. Aus dem Jahre 1503 stammt die älteste Glocke des Dorfes, eine Marienglocke. Und 37 Jahre später, also 1540 hatte Großdeuben eine eigene Pfarrkirche. Im Jahre 1606 gehörte Debitzdeuben zum Rittergut Gaschwitz. Für Probstdeuben hingegen ist ein eigenes Rittergut bezeugt.

Im Dreißigjährigen Krieg litt das Dorf große Not und wurde teilweise geplündert. 1652 kaufte Friedrich Brand von Lindau, der Besitzer von Gaschwitz, das Rittergut Großdeuben auf und stiftete ein Epitaph für seine Frau Elisabeth Brand von Lindau, welches noch in der Kirche zu sehen ist. 1681 trat die Pest in Großdeuben auf und forderte viele Opfer. Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte die Errichtung des Torhauses zum Rittergut Großdeuben und die Anlage des Parks. Im selben Zeitraum entstand zwischen den Orten der Gottesacker. Im Jahre 1703 ging Großdeuben in den Besitz von Georg Ferdinand von Hopfgarten, dem Kommandanten der Pleißenburg, über. Unter ihm wurde um 1715 die Schule neu errichtet. Nur ein Jahr später wurde die Kirche nach den Plänen von David Schatz neu aufgebaut. Im selben Jahr verkaufte von Hopfgarten das Rittergut an den Leipziger Kaufmann Peter Hohmann. Um das Jahr 1730 erfolgte der Bau des Herrenhauses in Probstdeuben. Im Pestjahr 1741 wurde der Gasthof „Zum weißen Roß“ errichtet.

 
Der Gasthof Großdeuben auf einer historischen Postkarte

In der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 lag Großdeuben direkt in der Aufmarschroute der preußischen und österreichischen Truppen. Vor der Schlacht verließen viele Bewohner die Dörfer. Im Verlauf der Schlacht wurde die Katharinenkirche zu einem Feldlazarett umfunktioniert und die beiden Orte nahmen großen Schaden durch die Requirierung von Vieh.

Im Jahre 1854 stand Großdeuben nach einem dreitägigen Regen unter Wasser. Großdeuben, Probstdeuben und Debitzdeuben lagen bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[2] Ab 1856 gehörten die drei Orte zum Gerichtsamt Zwenkau und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[3] 1876 wurde in Deuben zwischen Gaschwitz und Debitzdeuben die erste Villa errichtet, damit begann der „Aufschwung der Gemeinde“. Ein Jahr später wurde die Schule abgebrochen und neu erbaut. Um 1888 wurde die Kirche das erste Mal renoviert.

Von etwa 1900 bis 1920 verdoppelte sich die Großdeubener Bevölkerung und viele reiche Leipziger Bürger ließen sich hier nieder, was noch heute in den prächtigen Villen zu erkennen ist. Am 1. Oktober 1904 wurde der Haltepunkt der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen (Bahnstrecke Leipzig–Hof) in Probstdeuben feierlich eröffnet. Im Jahre 1905 wurde Debitzdeuben nach Großdeuben eingemeindet. 1910 zählte Großdeuben 1355 und Probstdeuben 643 Einwohner. Ab diesem Jahr kamen beide Orte zum Amtsgericht Rötha. Ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde am 13. August 1922 auf den Vorplatz der Kirche eingeweiht. 1934 wurde Probstdeuben nach Großdeuben eingemeindet.

 
Hauptstraße in Großdeuben heute
 
Die Pleiße bei Großdeuben

Durch Ausbau der Braunkohlenindustrie entwickelte sich Großdeuben in den 1950er Jahren zu einem Arbeiterwohnort. 1956–1963 wurden infolge des Braunkohleabbaus (Tagebau Zwenkau) 1331 Menschen aus den westlichen Teilen des Ortes umgesiedelt. In den folgenden Jahren fielen auch Häuser am östlichen Rand, darunter das Freibad, dem Kohleabbau im Tagebau Espenhain zum Opfer.[4] Um 1964 hatte Großdeuben 2014 Einwohner. Im gleichen Jahr wurde die Flur des 1957 devastierten Nachbarorts Zehmen eingemeindet. Im Jahre 1970 erhielt die Kirche die Orgel aus Cröbern, das vom Tagebau Espenhain überbaggert wurde. In dieser Zeit verlor Großdeuben aufgrund des extensiven Braunkohle-Tagebaus wohl für immer seinen Ruf als ein bedeutendes Naherholungsgebiet im Süden Leipzigs.

1990 hatte Großdeuben 1356 Einwohner. Von 1992 bis 1995 wurden mehrere Straßen des Ortes renoviert. Die Bürgerinitiative „Pro Markkleeberg“ forderte ein Bürgerbegehren gegen die Pläne, Großdeuben nach Böhlen einzugemeinden. Am 1. Juli 1997 wurde jedoch der Eingemeindungsvertrag mit Böhlen wirksam und der Ort ein Stadtteil von Böhlen.[5] Großdeuben hatte inzwischen 1791 Einwohner. Im September desselben Jahres brannte das denkmalgeschützte Herrenhaus viermal. Zwei Jahre später, 1999, erhielt das vom Verfall bedrohte Herrenhaus ein neues Dach. Des Weiteren wurden in den folgenden Jahren weitere Straßen saniert und der Radwanderweg entlang des westlichen Pleißenufers entstand.

Des Weiteren wurde im Jahre 2005 das Stadtteilzentrum auf dem Gebiet des ehemaligen "Stahl- und Behälterbau Großdeuben" errichtet und das bereits 1999 teilrenovierte Herrenhaus und das Torhaus saniert, um dem drohenden Verfall entgegenzuwirken. 2012 wurde das Herrenhaus an einen privaten Eigentümer verkauft und seit dem, zusammen mit dem angrenzenden Torhaus und dem Park grundlegend saniert.[6] Im Oktober 2014 brannte der 1741 errichtete und unter Denkmalschutz stehende Gasthof "Weißes Roß" zum Teil aus[7] und wurde kurze Zeit später, aufgrund der Einsturzgefahr, zur Gänze abgerissen.

Die Katharinenkirche zu GroßdeubenBearbeiten

Am Gedenktag der heiligen Katharine (25. November) des Jahres 1403 stifteten der Ritter Peter von Deuben, die Junker Günther und Petermann von Deuben sowie Friedrich von Dobitz auf Gaschwitz das Kirchen- und Pfarrlehen zu Deuben. Damit war die wirtschaftliche Grundlage für ein örtliches Gotteshaus und die dazugehörige Pfarrstelle geschaffen. Zuvor hatten die Gemeindemitglieder den relativ langen Weg von Deuben bis zur Kirche St. Laurentius in Zwenkau zurückzulegen.

Der Standort der Kirche in der Mitte der Dörfer Debitz-, Groß- und Probstdeuben erklärte sich wohl vor allem daraus, dass hier mehrere auf verschiedenen Gütern ansässige Familien als Kirchengründer auftraten, deren Gleichberechtigung so am ehesten zu wahren war.

Die Kirchenpatrone machten nach den Gepflogenheiten des Eigenkirchwesens von dem Vorrecht Gebrauch, die Kirche einem Schutzheiligen zu widmen, den sie persönlich besonders verehrten. Die heilige Katharina von Alexandria, die in Großdeuben als Schutzherrin verehrt wurde, hatte im Jahr 307 den Märtyrertod erlitten. Sie soll sich neben der heiligen Barbara einer auffallenden Beliebtheit beim Rittertum erfreut haben.

Das jetzige Gotteshaus ist im Jahre 1716 an gleicher Stelle wie die alte Kirche gebaut worden. Als Baumeister trat David Schatz in Erscheinung. Bemerkenswert ist die kühne Konstruktion des Turmes, der mit seiner östlichen Seite auf den die Empore tragenden Holzsäulen ruht.

Nach zwischenzeitlichen Erneuerungsarbeiten an Turm und Dach (besonders 1750) wurde 1888 das Kircheninnere einer stark romantisch beeinflussten Farbfassung unterworfen. Außerdem fügte man die Sakristei an der Ostseite des Kirchenschiffes an. Die Gruft für die Patronatsherrschaften wurde zugewölbt. 1889 baute man neue Bänke in die Kirche ein.

Nachdem am 5. Juli 1905 Turm und Langhaus durch Blitzschlag starke Schäden erlitten hatten, war eine umfassende Instandsetzung der Kirche notwendig. Um außerdem zusätzliche Sitzplätze und Raum für Orgelerweiterung zu erhalten, schuf man 1906 einen an der Westseite vorgelagerten Anbau. Darin verlaufen seitdem die Emporentreppen. Mit der elliptischen Form gelang es dem Architekten, Baurat Zeißig, die Kirche zu vergrößern ohne das Gebäudeensemble von Kirche und Kantorat optisch zu sehr zu beeinträchtigen.

Die beiden Räume, die im Norden an das Kirchenschiff angrenzen, vereinigte man 1948 zu einem kirchlichen Versammlungsraum, der sogenannten Lutherstube, der auch heute noch als Winterkirche genutzt wird.

Die jetzige Orgel der Großdeubener Kirche stammt ursprünglich aus der Kirche zu Cröbern, welche in den 1960er Jahren dem Tagebau zum Opfer fiel. Das Instrument wurde 1755 von Christian Ernst Friederici gebaut und besitzt 15 Register auf 1 Manual und Pedal.[8]

Die Kirche gehört heute zur Kirchgemeinde Großstädteln/Großdeuben und wird von der Frau des ehemaligen Studentenpfarrers der Evangelischen Studentengemeinde Leipzig Stephan Bickhardt vertreten, welcher selbst Ende 2007 die Gemeinde verließ, als er zum Polizeiseelsorger für den Bereich Leipzig berufen wurde.[9]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Böhlen (Abschnitt Großdeuben)

 
Herrenhaus Probstdeuben
 
Apelstein

Vereine und VerbändeBearbeiten

  • SC Eintracht 09 Großdeuben e.V.
  • Großdeubener Karnevalsverein e.V. (GKV)
  • Freiwillige Feuerwehr Großdeuben
  • Verein Kleine Hände e.V.

PersönlichkeitenBearbeiten

Wirtschaft & VerkehrBearbeiten

Großdeuben liegt verkehrsgünstig an der Zusammenführung der B 2 und B 95. Seit dem Jahre 2006 ist ebenfalls eine Anbindung an die A 38 vorhanden, welche die Autobahnen A 9 (BerlinMünchen) und A 14 (NossenMagdeburg) verbindet und eine südliche Umgehung für Leipzig schafft. Des Weiteren ist der Ort durch den MDV zu erreichen. So werden unter anderem zwei Haltestellen durch die Regionalbus Leipzig bedient, sowie ein S-Bahn-Haltepunkt durch die S-Bahn Mitteldeutschland als Teil der Eisenbahnstrecke Leipzig–Hof.

Zwischen 1991 und 2006[10] war das Unternehmen „Stabe Stahl- und Behälterbau GmbH“ in Großdeuben beheimatet. Weiterhin besitzt das international tätige Unternehmen Thyssen Krupp Xervon GmbH in Großdeuben einen Standort zur Aufbereitung und Lagerung von Gerüstbauteilen.[11]

Über den Pleiße-Radweg Leipzig-Böhlen ist Großdeuben mit dem Fahrrad auf verkehrsfreier und landschaftlich schöner Route zu erreichen.

LiteraturBearbeiten

  • Im Pleisse- und Göselland zwischen Markkleeberg, Rötha und Kitzscher Herausgegeben von PRO LEIPZIG e.V., Leipzig 1999.
  • Cornelius Gurlitt: Grossdeuben. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 27.
  • Hanns-Moritz von Zehmen: Genealogische Nachrichten über das Meißnische Uradelsgeschlecht von Zehmen, 1206 bis 1906. Wilhelm Baensch, Dresden 1906; mit Schilderungen über Probst-Deuben von 1415 bis 1631.
  • Matthias Donath: Schlösser in Leipzig und Umgebung. edition Sächsische Zeitung Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2013, S. 10, Probstdeuben S. 79.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Großdeuben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Markus Cottin, Václav Vok Filip, Holger Kunde, Vereinigte Domstifter: 1000 Jahre Kaiserdom Merseburg. Michael Imhof Verlag GmbH & Co.KG, Petersberg 2015, ISBN 978-3731902287, S. 124
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Der Tagebau Espenhain auf www.devastiert.de (Memento des Originals vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.devastiert.de
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  6. Webseite der Stadt Böhlen
  7. Präsenz der Polizei Sachsen (Memento des Originals vom 6. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.polizei.sachsen.de
  8. Orgel-Porträt auf der Website Orgelstraße Leipziger Land, abgerufen am 7. Januar 2012.
  9. Offizielle Kirchenchronik der Kirchgemeinde Großstädteln/Großdeuben (für den gesamten Abschnitt)
  10. Handelsregistereintrag
  11. Nationale Standortübersicht der Thyssen Krupp Xervon GmbH