Grindavík

Gemeinde in Island
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Grindavík (dt. „Gitterbucht“) ist eine Stadt in Südwestisland auf der Halbinsel Reykjanesskagi.

Grindavík
(Grindavíkurbær)
COA Grindavik.png
Basisdaten
Staat: IslandIsland Island
Region: Suðurnes
Wahlkreis: Suðurkjördæmi
Sýsla: kreisfrei
Einwohnerzahl: 3427 (1. Januar 2019)
Fläche: 425 km²
Bevölkerungsdichte: 8,06 Einwohner/km²
Postleitzahl: 240
Politik
Gemeindenummer 2300
Bürgermeister: Ólafur Örn Ólafsson
Kontakt
Website: www.grindavik.is
Karte
Lage von Grindavík

Koordinaten: 63° 50′ 31″ N, 22° 26′ 16″ W

AllgemeinesBearbeiten

Die Stadt verfügt über einen der wenigen Häfen an der flachen Südküste. Die meisten der etwa 3000 Einwohner arbeiten in der Fischindustrie. Am 1. Januar 2019 hatte Grindavík 3427 Einwohner. Die Entfernung nach Reykjavík beträgt 51 km.[1]

GeschichteBearbeiten

Die Gegend wurde schon bei der Landnahme im Jahr 934, gemäß dem Landnahmebuch, besiedelt. Eine Kirche in Grindavík wurde bereits im Jahre 1200 in der Aufzählung der Kirchen Islands von Bischof Pál erwähnt.[2] Als 1602 das dänische Handelsmonopol eingeführt wurde, machte man Grindavík zum Handelshafen. Der Ort hatte allerdings keinen natürlichen Hafen, sondern die Boote wurden jahrhundertelang an Land gezogen.

Im Jahre 1627 fand der so genannte Türkenüberfall statt. Algerische Piraten überfielen mit vier Schiffen isländische Küstenorte, darunter Grindavík, vor allem aber die Vestmannaeyjar und raubten insgesamt über 300 Frauen und Kinder. Diese wurden nach Nordafrika verschleppt und in die Sklaverei verkauft. Etwa ein Drittel von ihnen konnte nach Jahren freigekauft werden. 1703 zählte Grindavík 214 Einwohner, und im Jahre 1900 waren es 357.[3] Die Einwohnerzahl von Grindavík lag 1930 bei 257, 1940 bei 267, 1950 bei 492, 1960 bei 740, 1970 bei 1 169 und 1980 bei 1 929.[4] Mit dem Bau eines neuen Hafens in Hópið 1939 erleichterten sich auch die Fischereibedingungen und die Fischindustrie siedelte sich an. Stadtrechte erhielt Grindavík am 10. April 1974, in diesem Jahr hatte es rund 1 600 Einwohner.[5] 1989 zählte die Stadt 2 161 Einwohner.[6]

Fischerei und WirtschaftBearbeiten

Die Mehrzahl der Einwohner lebt von Fischfang, -verarbeitung und -handel. Es befinden sich sehr gute Fischgründe direkt vor Grindavík auf dem Schelfsockel des Reykjanesrückens. Infolgedessen hat der inzwischen ausgebaute Hafen eine große Bedeutung für die Wirtschaft des Landes.

Der vor der Küste gefangene Fisch – meist Hering, Lodde, Seewolf und Kabeljau – wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts getrocknet und auf diese Weise konserviert. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hingegen wurde er in Salz gelegt und seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingefroren.

Außerdem gibt es das Salzfischmuseum Grindavík, das Fang- und Verarbeitungsmethoden darstellt.

Inzwischen pendeln immer mehr Menschen nach Reykjavík und die Grundstückspreise tendieren entsprechend nach oben.

SportBearbeiten

 
Grindavík
 
Grindavík, links die Sendemasten, rechts im Hintergrund die Blaue Lagune
 
Alte Kirche in Grindavík

In Grindavík gibt es den Sportverein UMF Grindavík (UMFG).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Etwa vier Kilometer nördlich von Grindavík befindet sich die Blaue Lagune (Isländisch: Bláa Lónið), eine Geothermalquelle, welche heißes Mineralwasser des nahegelegenen Svartsengi-Kraftwerks nutzt.
Auf der südöstlich des Ortes gelegenen Halbinsel Hópsnes steht der grellorangene Leuchtturm Hópsnesviti von 1928. In der Umgebung des Turms liegen einige stark verrostete Wracks von Schiffen, die in der gefährlichen Brandung der Küste verunglückten.
Darüber hinaus befinden sich in Grindavík zwei Kirchen: Die ältere, traditionell wellblechverkleidete Grindavíkurkirkja eldri aus dem Jahre 1909 wurde am 12. September 1982 profaniert, und das Gebäude wird seitdem als Kindergarten genutzt.[7] Die größere Betonkirche Grindavíkurkirkja yngri wurde 1982 nach zehnjähriger Bauzeit eingeweiht und bietet 240 Menschen Platz.[8]

Im Kulturzentrum Kvikan ist die Dauerausstellung „Saltfiskur í sögu þjóðar“ (Salzfisch in der Geschichte des Nation) über die für Grindavík nach wie vor sehr bedeutsame Salzfischverarbeitung mit Erläuterungen auf Isländisch, Englisch, Deutsch und Französisch zu sehen.[9]

InfrastrukturBearbeiten

Grindavík verfügt über mehrere Restaurants, ein Hotel, Gästehaus, Campingplatz, mehrere Geschäfte, Banken, Gesundheitszentrum, Schulen, Bibliothek, Freibad, Sporthalle, Sportplatz, Golfplatz. Mehrere Unternehmen bieten Mietwagen an und organisieren Ausflüge mit Pferd oder PKW.

Sender der US-StreitkräfteBearbeiten

In Grindavik existiert ein Längstwellensender der US-Streitkräfte. Er besitzt 2 Sendemasten, die 182,9 Meter bzw. 304,8 Meter hoch sind und 1983 bzw. 1993 errichtet wurden. Letzterer ist das zweithöchste Bauwerk in Island.[10]

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Grindavík – Sammlung von Bildern

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Grindavík-Reykjavík. Abgerufen am 19. März 2021 (isländisch).
  2. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/grindavikurkirkja-eldri_0173.html
  3. https://www.grindavik.is/v/54
  4. Ewald Gläßer: Island, S. 179. Darmstadt 1986.
  5. Vilhelm G. Kristinsson: Íslensk Samtíð, S. 175. Reykjavík 1990.
  6. Vilhelm G. Kristinsson: Íslensk Samtíð, S. 174. Reykjavík 1990.
  7. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/grindavikurkirkja-eldri_0173.html
  8. http://www.kirkjukort.net/kirkjur/grindavikurkirkja-yngri_0170.html
  9. https://www.visitgrindavik.is/is/places/place-25
  10. Naval Radio Transmitter Facility (NRTF) Grindavik