Gravina in Puglia

italienische Gemeinde

Gravina in Puglia (früher Gravina in Apulia; Lateinisch Silvium, griechisch Σιλούϊον) ist eine süditalienische Stadt mit 43.816 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2018) in der Metropolitanstadt Bari; sie liegt am gleichnamigen Fluss in der westlichen Murgia in Apulien. Gravina ist der Verwaltungssitz des Parco Nazionale dell'Alta Murgia.

Gravina in Puglia
Wappen
Gravina in Puglia (Italien)
Gravina in Puglia
Staat Italien
Region Apulien
Metropolitanstadt Bari (BA)
Koordinaten 40° 49′ N, 16° 25′ OKoordinaten: 40° 49′ 14″ N, 16° 25′ 24″ O
Höhe 338 m s.l.m.
Fläche 381,36 km²
Einwohner 43.816 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte 115 Einw./km²
Postleitzahl 70024
Vorwahl 080
ISTAT-Nummer 072023
Volksbezeichnung gravinesi
Schutzpatron Erzengel Michael, Philipp Neri (Kopatron)
Website Gravina in Puglia
Panorama von Gravina in Puglia
Panorama von Gravina in Puglia

GeschichteBearbeiten

Die Stadt wurde von den Griechen zur Zeit der Kolonisation Magna Graecias im Hinterland als polis mit Münzrecht gegründet. Diodor schreibt, dass die Römer sie den Samniten während des 3. Samnitenkriegs (305 v. Chr. oder 306 v. Chr.) abnahmen[2]. Strabon erwähnt sie als Grenzstand von Peuketien[3] und Plinius der Ältere listet ihren Namen unter den Städten Apuliens[4]. Die Via Appia von Rom nach Brindisi führte durch den Ort. Später wurden Gravina von den Byzantinern, Langobarden und den nordafrikanischen Muslimen regiert.

Zur Zeit der Normannen (die den Ort Garagnone oder Garaynone nannten) und der Könige aus dem Haus Anjou war Gravina Sitz einer Grafschaft. Die Grafen kamen aus der Familie Gravina und von etwa 1420 bis 1816 aus der Familie Orsini, die 1436 zu Herzögen von Gravina erhoben wurden. 1649 wurde hier Papst Benedikt XIII. als Pietro Francesco Orsini geboren.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die Kathedrale von Gravina (11.–12. Jahrhundert), von den Normannen im romanischen Stil gebaut. Sie wurde Mitte des 15. Jahrhunderts durch Brände und Erdbeben zerstört. Sie beherbergt einen Arm Thomas Beckets, den Bischof Roberto 1179 erhielt, als Reliquie.
  • Die Ruinen einer Burg Kaiser Friedrichs II.
  • Die Kirche San Francesco (spätes 15./frühes 16. Jahrhundert)
  • Die Kirche Sant'Agostino
  • Die Barockkirche Madonna delle Grazie
  • Die Renaissancekirche San Sebastiano
  • Die Kirche Santa Sofia mit Mausoleum von Angela Kastrioti († 1518) aus der Nebenlinie des albanischen Nationalhelden Skanderbeg; Frau von Ferdinand Orsini, 5. Duca di Gravina und Conte di Muro Lucano[5]
  • Die aus dem Fels geschnittene Kirche San Michele delle Grotte (10. Jahrhundert)
  • Die gut erhaltene römische Brücke
  • Das Museo Ettore Pomarici Santomasi
  • Die Sankt-Georgs-Messe, eine der ältesten Messen Europas, die seit 1294 im April stattfindet.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

  • Pietro Francesco Orsini (* 2. Februar 1649 in Gravina in Puglia; † 21. Februar 1730 in Rom) war ab 1675 Erzbischof von Manfredonia, ab 1680 auch Bischof von Cesena und ab 1686 schließlich Erzbischof von Benevent. Nach einem 70 Tage dauernden Konklave wurde er am 29. Mai 1724 von den Kardinälen zum Papst gewählt.

SonstigesBearbeiten

In Gravina wurde der Film Maria, ihm schmeckt’s nicht! gedreht, allerdings heißt die Stadt in diesem Film „Campobello“.

Auf der Römischen Brücke wurden im Jahr 2019 die spektakulären Filmszenen zum James Bond Film „Keine Zeit zu sterben“ gedreht.[6]

VeranstaltungenBearbeiten

  • seit 2013 Passio Christi

WeblinksBearbeiten

Commons: Gravina in Puglia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2018.
  2. Diod. xx. 80
  3. vi. p. 283
  4. Plin. iii. 11. S. 16
  5. Johann Hübner: Genealogische Tabellen: Nebst denen darzu gehörigen Genealogischen Fragen, Zur Erläuterung der politischen Historie, Vierter Theil. Leipzig 1733, S. 1111 (Online-Version in der Google-Buchsuche).
  6. Jennifer Geminiani: Hollywood in Italien: In diesem kleinen Ort dreht James Bond, auf reisereporter.de