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Grafschaft von Lechsgemünd-Graisbach

Historisches Adelsgeschlecht
Das Wappen von Berthold II. von Lechsgemünd; in nahezu unveränderter Form heute als Wappen der Gemeinde Marxheim genutzt
Leodegar von Lechsgmünd stiftet 1035 das Kloster St. Walburg Eichstätt. Pergamentmalerei um 1360

Die Grafen von Lechsgemünd waren ein mächtiges fränkisch-bayerisches Adelsgeschlecht im Mittelalter, das seinen Sitz ursprünglich in Marxheim hatte. Sie regierten ursprünglich von ihrer in der Nähe der Lechmündung gelegenen Burg Lechsend (Lechsgemünd), später von der Burg Graisbach aus den Sualafeldgau, dessen Kerngebiet die heutige Gemeinde Marxheim war.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der GrafenfamilieBearbeiten

Die Ursprünge des Geschlechts sind nicht genau bestimmbar.[1] Einige Quellen sprechen dafür, dass es im 11. Jahrhundert durch Kuno I. († 1092), der selbst Sohn von Heinrich II., des Grafen an der Pegnitz, war, begründet wurde.[2] Kuno hatte jedoch noch nicht die Gaugrafenwürde inne. Ob tatsächlich eine genealogische Verbindung zwischen Kuno und dem Lechsgemünder Geschlecht bestand, ist jedoch umstritten.[1] Belegt ist auch ein Heinrich (I.) von Lechsgemünd, der 1078 starb; über Vorfahren und Nachkommen gibt es jedoch keine Belege.[1] In seine Zeit fällt auch der erste Beleg für die Burg Lechsgemünd als Stammsitz des Adelsgeschlechts.[1]

Die Grafen von Lechsgemünd waren die ganze Familiengeschichte über treue Anhänger der Stauferkaiser. 1035 ist ein Leodegar urkundlich als Gaugraf im Sualafeldgau erwähnt. Ob und wie dieser Leodegar zu den Lechsgemündern gezählt werden darf ist nicht beweisbar.[3] Dieser stiftete 1035 das Kloster St. Walburg in Eichstätt.[4]

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren die Grafen im 11. und 12. Jahrhundert, als sie nicht nur über den Sualafeldgau, sondern auch über Besitzungen im Alpenraum verfügten. Diese Besitzungen brachte vermutlich Gräfin Willibirg von Treffen (aus dem Geschlecht der Grafen von Veringen) in die Ehe mit Heinrich von Lechsgemünd ein.[5] Im 12. Jahrhundert verwalteten die Grafen von Lechsgemünd außerdem den Oberpinzgau als Lehen vom Herzogtum Bayern und gründeten in dieser Zeit auch das Schloss Mittersill. Zeitweise hatten die Grafen auch das Bischofsamt in Eichstätt inne. 1133 wurde das Kloster Kaisheim von Graf Heinrich II. von Lechsgemünd gegründet; die Abstammung Heinrichs ist jedoch nicht sicher bekannt.[1]

1240/41 gründete Berthold/Berchtold I. von Lechsgemünd in Niederschönenfeld das Zisterzienserinnenkloster, in dem sich heute eine Justizvollzugsanstalt befindet. 1248 ließ er an der Marxheimer Donaubrücke eine Zollstation errichten. Die Regensburger Kaufleute waren jedoch nicht mit den Zollgebühren einverstanden und ließen die Burg zerstören, worauf die Grafenfamilie ins benachbarte Graisbach umzog. Die Marxheimer Burganlage wurde nicht wieder aufgebaut. Seit dieser Zeit nannten sie sich Grafen von Lechsgemünd-Graisbach.

1327 starb der letzte männliche Nachkomme des Hauses Lechsgemünd mit Gebhard III. von Graisbach als Bischof von Eichstätt. Bereits 1324 war mit Berthold III. von Graisbach der letzte weltliche männliche Vertreter des Geschlechts verstorben.[1] 1342 fiel der gesamte Besitz der Grafen von Lechsgemünd an die Wittelsbacher.

 
Das Hochgrab des Stifters Graf Heinrich I. von Lechsgemünd im Hauptschiff der Klosterkirche Kaisheim

Grablege des Grafenhauses und einigen Ministerialenfamilien war das Kloster Kaisheim.

Erbschenken von Graisbach waren aufgrund der Verlehnung des Amtes durch die Pfalzgrafen bei Rhein seit 1753 die Freiherren von Hacke. Ihr Amtsgut war das in der Grafschaft gelegene Schweinspoint, das 1629 zur Herrschaft erhoben worden war.

Ministeriale und HofämterBearbeiten

Von ihren Burgen aus geboten die Grafen von Lechsgemünd-Graisbach über eine ungewöhnlich große Zahl von Ministerialen und adeligen Dienstleuten (Möhren, Otting, Fünfstetten, Burgheim, Hütting, Straß u. a.).

Die vier gräflichen Hofämter hatten die sogenannten Knollen von Gansheim als Erbkämmerer, die Ritter von Graisbach und Altisheim als Erbtruchsesse, die Edlen von Schweinspoint als Erbschenken und die Herren von Meilenhart als Erbmarschälle inne.[6]

QuellenBearbeiten

  • Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 700,219 (Familienarchiv Koppenstein-Hacke) Nr. 200–201, 206–207

LiteraturBearbeiten

  • Lexikon von Baiern I, Ulm 1796 im Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Seite 709–710 →Graisbach
  • Lexikon von Baiern II, Ulm 1796 im Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Seite 172 →Lechsgemünd
  • Dr. Hermann Hoffmann (Bearb.): Die Urkunden des Reichsstiftes Kaisheim 1135–1287 (= Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte, Reihe 2a, Bd. 11), Augsburg 1972.[7]

TriviaBearbeiten

Rollen: Wallhaide, die schöne Jägerinn, in verschiedenen Gestalten; Ein Genius; Herrmann von Tollenstein, Gaugraf und Herr auf Lechsgmund und Greisbach; Kunigilde von Luppburg, Wittwe, seine Verlobte; Razo von Meikenhart, Erbmarschall des Gaugrafen; Popo von Gansheim, Erbkämmerer des Gaugrafen; Udalschalk von Schweinisbuendo, Erbschenk des Gaugrafen; Helmbrecht von Alzheim (blind), Erbtruchses des Gaugrafen; Theolinde, dessen Tochter; Dietpold von Eichen, genannt der Stürmer, sein Pflegesohn; Hanns Dampf, Diepolds Knappe; Wolf, Burgvogt; Gumpold, Knappe zu Alzheim; Rüdiger, Knappe zu Alzheim; Käthi, Maid daselbst; Wasserhinz, Wirth zu Kaisersheim; Trude, seine Tochter; Korbinian Stier, Methschenk in Donauwörth, ihr Bräutigam; Veit, ein Bauer; u. a.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Doris Pfister, Lechsgemünd-Graisbach, Grafen von, Historisches Lexikon Bayerns vom 15. Mai 2012; Zugriff am 20. April 2019
  2. Burg Lechsgemünd, Manfred Hiebl, 2011
  3. Historisches Lexikon Bayerns
  4. Leodegar im Heiligenlexikon, abgerufen am 27. Januar 2013
  5. Muffat, Karl August: Die Grafen von Treffen in Kärnthen als ein Zweig des alemannischen Dynastengeschlechtes der Grafen von Veringen-Alshausen. München 1855. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften (München) / Historische Klasse: Abhandlungen der Historischen Klasse der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften; 7. Band, 3. Abteilung, Seite S. 545–600. [1]
  6. Lexikon von Baiern I, Ulm 1796 im Verlag der Stettinischen Buchhandlung, S. 709–710.
  7. Die Original Urkunden aus diesem Buch liegen im Staatsarchiv Augsburg unter der Sign. KU Reichsstift Kaisheim.