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Graf Zeppelin (Schiff, 1938)

Deutscher Flugzeugträger

Der Flugzeugträger Graf Zeppelin war ein Schiff der deutschen Kriegsmarine, das unvollendet blieb. Namensgeber war der Luftschiffpionier Ferdinand von Zeppelin. Als Typschiff der Graf-Zeppelin-Klasse handelt es sich bei dem Schiff um den bis heute einzigen deutschen Flottenflugzeugträger.

Graf Zeppelin
Die Graf Zeppelin nach dem Stapellauf
Die Graf Zeppelin nach dem Stapellauf
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Flugzeugträger
Klasse Graf-Zeppelin-Klasse
Bauwerft Deutsche Werke, Kiel
Baunummer 252
Baukosten 92.700.000 Mark
Kiellegung 28. Dezember 1936
Stapellauf 8. Dezember 1938
Verbleib Am 18. Juni 1947 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
262,5 m (Lüa)
250,0 m (KWL)
Breite 36,2 m
Tiefgang max. 8,5 m
Verdrängung Standard: 23.200 tn.l.
Konstruktion: 28.090 t
maximal: 33.550 tn.l.
 
Besatzung 1.760 Mann zzgl. Flugpersonal
Maschinenanlage
Maschine 16 Dampfkessel
4 Satz BBC-Getriebeturbinen
2 Ruder
Maschinen-
leistung
200.000 PS (147.100 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
33,8 kn (63 km/h)
Propeller 4 vierflügelig ⌀ 4,4 m
Bewaffnung
  • 43 Flugzeuge

Nach der Planung von 1939:

Nach der Planung von 1942:

Panzerung

GeschichteBearbeiten

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 begann sich abzuzeichnen, dass die im Friedensvertrag von Versailles auferlegten Rüstungsbeschränkungen vom Deutschen Reich nicht mehr beachtet werden würden. Neben dem Bau von Schlachtschiffen und U-Booten rückte damit auch der Bau von Flugzeugträgern in greifbare Nähe. Die Marineleitung beauftragte daher die Konstruktionsabteilung der Marine, einen Amtsentwurf anzufertigen. Die militärischen Anforderungen waren dabei wie folgt angegeben:[1]

  • Einsatzraum: Nordsee und Atlantik
  • Verdrängung: 15.000 Tonnen
  • Geschwindigkeit: 33 Knoten
  • Bewaffnung: 9 × 15-cm-Geschütze oder 6 × 20,3-cm-Geschütze und Flugabwehr
  • Einsatzreichweite: 12.000 Seemeilen
  • Panzerschutz wie Leichte Kreuzer.
  • 60 Bordflugzeuge (wobei faltbare Tragflächen nur für ein Drittel der Flugzeuge gefordert waren)
  • Zwei Katapulte
  • Minimale Flugdecklänge: 180 Meter

Federführend für das Projekt war der Diplomingenieur Wilhelm Hadeler. Der Entwurf des Flugzeugträgers erfolgte aus dem Nichts heraus, da es keinerlei Erfahrungen gab, auf denen der Entwurf aufgebaut werden konnte. Die Unterlagen des Ausonia-Projekts aus dem Ersten Weltkrieg konnten nicht genutzt werden, da sie unauffindbar waren.

Um Basiswissen für den Entwurf zu bekommen, zog man die öffentlich einsehbare Informationen über ausländische Flugzeugträger zu Rate. Das Vorbild für den ersten Entwurf waren die britischen Flugzeugträger der Courageous-Klasse. Um die grundlegende Frage, ob der Entwurf zweckmäßig war, zu beantworten, besuchte ein Mitarbeiter des Konstruktionsbüros den Flugzeugträger Furious im Rahmen einer Publikumsvorführung, was aber kaum verwertbare Informationen brachte. Parallel wurde es möglich, im Herbst 1935 den japanischen Flugzeugträger Akagi zu besichtigen. Die Japaner waren im Bezug auf die Weitergabe von Konstruktionsunterlagen großzügig, da die Konstruktion der Akagi veraltet war und ihr Totalumbau kurz bevorstand.[1]

Erste BauphaseBearbeiten

Nachdem Adolf Hitler den Vertrag von Versailles am 16. März 1935 aufgekündigt hatte, war der Weg zum Bau eines Flugzeugträgers frei. Der deutsche Wunschbündnispartner Großbritannien vereinbarte, um bei der Aufrüstung ein Mindestmaß an Kontrolle zu wahren, ein Flottenabkommen, das Deutschland insgesamt 47.000 tn.l. Flugzeugträgertonnage zugestand. Daraufhin wurde am 16. November 1935 der Bauauftrag für den Flugzeugträger A, die spätere Graf Zeppelin, an den Werftbetrieb Deutsche Werke in Kiel vergeben. Da die vorgesehene Helling zu dem Zeitpunkt noch mit dem Schlachtschiff Gneisenau belegt war, verzögerte sich die Kiellegung bis zum 28. Dezember 1936. Den Bauauftrag für das Schwesterschiff, den Flugzeugträger B, erhielt gleichzeitig die ebenfalls in Kiel ansässige Friedrich Krupp Germaniawerft AG. Es war üblich, dass der Bauauftrag für Schiffe noch nicht deren künftigen Namen enthielt. Der Grund liegt nicht in der Geheimhaltung; vielmehr wollte sich der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine das Recht der Namensvergabe vorbehalten. Die Namensfestlegung erfolgte meistens erst vor dem Stapellauf.

Der Stapellauf fand am 8. Dezember 1938 statt. Getauft wurde das Schiff von Hella von Brandenstein-Zeppelin, der Tochter des Grafen Zeppelin. Die Taufrede hielt Hermann Göring.

Zu Kriegsbeginn war das Schiff etwa zu 90 % fertig gestellt. Der weitere Ausbau des Schiffes wurde ab September 1939 aber zugunsten des U-Boot-Baues zunächst verlangsamt und im Juni 1940 schließlich gestoppt. Der Grund war, dass selbst nach einer Fertigstellung der Flugzeugträger für Monate nicht einsatzbereit gewesen wäre.[1] Auch Entwicklung und Bau der für den Flugzeugträger vorgesehenen Trägerflugzeuge Messerschmitt Bf 109 T als Jagdflugzeug, Junkers Ju 87 C als Sturzkampfbomber und Fieseler Fi 167 als Torpedobomber und Aufklärer wurden mit der Baueinstellung des Schiffes angehalten.[2]

Am 12. Juli wurde der Flugzeugträger, eskortiert von der Nautilus, von Kiel über Saßnitz nach Gotenhafen geschleppt. Dort lag sie fast ein ganzes Jahr; erst mit dem bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion wurde der Befehl erteilt, den Flugzeugträger wieder nach Westen zu befördern, um ihn vor sowjetischen Luftangriffen in Sicherheit zu bringen. Daraufhin wurde sie nach Stettin geschleppt. Erst am 17. November 1941 kehrte sie nach Gotenhafen zurück und wurde als Edelholzlager der Kriegsmarine genutzt.[1]

Zweite BauphaseBearbeiten

Nachdem sich mit dem britischen Angriff auf Tarent, dem Untergang der Bismarck und zu guter Letzt dem Angriff auf Pearl Harbor gezeigt hatte, was für eine schlagkräftige Waffe ein Flugzeugträger darstellt, drängte die Seekriegsleitung 1942, den Flugzeugträger doch noch fertig zu stellen.[1] Dazu wurde der Träger im November 1942 zurück nach Kiel geschleppt, wo die Deutschen Werke mit den Arbeiten begann.[1] Durch die technische Weiterentwicklung ergaben sich einige Änderungen am Gesamtentwurf, die vor allem die Inselaufbauten betrafen. Um das dadurch entstehende Mehrgewicht aufzufangen und einer Schlagseite entgegenzuwirken, erhielt der Rumpf außen in der Wasserlinie unterschiedlich groß gestaltete Torpedowulste, die mit zusätzlichen Treibstoffbunkern versehen waren und so neben der verbesserten Schutzwirkung auch noch die Reichweite erhöhten. Die Turbinenanlage des Schiffes wurde für die Inbetriebnahme vorbereitet. Die Umbauphase sollte aber nur 61 Tage dauern. Mit Hitlers Befehl vom 26. Januar 1943, sämtliche großen Kriegsschiffe außer Dienst zu stellen, erfolgte am 2. Februar 1943 der endgültige Baustopp.[1]

Auch die 1942 begonnene Entwicklung der Trägerflugzeuge Junkers Ju 87 E als Stuka, Torpedobomber und Aufklärer und Messerschmitt Me 155 A als Jagdflugzeug[3] wurde mit dem endgültigen Baustopp an den im Bau befindlichen Flugzeugträgern aufgegeben.

VerbleibBearbeiten

Am 21. April 1943 wurde der zu über 90 % fertiggestellte Flugzeugträger nach Stettin geschleppt und in einem Seitenarm der Oder festgemacht.[1] An seinem neuen Liegeplatz diente die Graf Zeppelin als Ersatzteillieferant für andere Kriegsschiffe der Kriegsmarine. Am 25. April 1945 setzte ein Sprengkommando das Schiff auf Grund und zerstörte seine Antriebsanlage, um den Träger als Beute für die vordringenden sowjetischen Truppen unbrauchbar zu machen.

Im März 1947 wurde das Schiff dann von der Roten Armee gehoben und diente als Wohnschiff für eine Spezialabteilung, die mit der Auswertung der Konstruktionsunterlagen der Graf Zeppelin und anderer Beuteschiffe betraut war. Sie testete Bombenflugzeuge und Sprengladungen am Flugzeugträger, um zu ergründen, wie diese am wirksamsten zu bekämpfen seien.

Am 18. Juni 1947 wurde während der Kampfmittelversuche an der Graf Zeppelin kurz vor einem Sturm die Vertäuung gelöst, um einem Reißen der Leinen und einem Stranden des Schiffes zuvorzukommen. Das Schiff wurde anschließend mit zwei Torpedos 30 Seemeilen nördlich vor Großendorf vor der Danziger Bucht versenkt, wo es bis heute liegt.

Als Liegeplatz für die beiden Flugzeugträger wurde in Bremerhaven der Nordhafen gebaut. Die Flugzeuge sollten auf der anderen Weserseite gewartet werden. Die als Bauernhäuser getarnten Gebäude stehen noch heute.

EntdeckungBearbeiten

Wo genau der Flugzeugträger sein Ende fand, war lange Zeit unklar. Das Schicksal war an sich bekannt, so gab der Autor Siegfried Breyer die Position des Wracks bereits im Jahre 1994 mit nur sehr geringer Abweichung an, doch durch eine unklare Quellenlage war das Schicksal nicht sicher festzustellen. So gab es Berichte, das Schiff wäre nach Leningrad geschleppt und dort abgewrackt worden. Andere Quellen berichteten von einem Untergang im finnischen Meerbusen, einige gaben als Grund einen Minentreffer während der Überführungsfahrt an, andere berichteten von sowjetischen Waffentests.[4] Die Entdeckung des Wracks am 12. Juli 2006 durch die polnische Ölgesellschaft Petrobaltic bestätigte die Position vor der Danziger Bucht, ungefähr 55 Kilometer vom polnischen Ostseehafen Großendorf (Władysławowo) entfernt. Das Wrack liegt nahe der Ölplattform B3 in einer Tiefe von 80 Metern. Zuständig für das Wrack ist heute die Regierung der Russischen Föderation als Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion. Die Koordinaten der Fundstelle lauten: 55° 16′ 59,8″ N, 18° 25′ 33,1″ OKoordinaten: 55° 16′ 59,8″ N, 18° 25′ 33,1″ O

Das SchiffBearbeiten

Die Graf Zeppelin war eine bemerkenswerte Konstruktion und brach mehrere Rekorde. Die Seitenhöhe des Trägers betrug 22,5 Meter. Dieser Wert war bisher im deutschen Schiffsbau unerreicht. Der Hangar war konstruktionstechnisch ein Teil des Schiffskörpers und trug, im Gegensatz zu ausländischen Konstruktionen, bei denen Hangars als normale Aufbauten behandelt wurden, zur Steifigkeit des Schiffes bei. Durch die Höhe hatte der Träger eine immense Seitenfläche, was die Gefahr erhöhte, zum Beispiel bei der Passage des Kaiser-Wilhelm-Kanals vom Wind gegen das Ufer gedrückt zu werden, deswegen erhielt die Graf Zeppelin im Bug zwei Voith-Schneider-Propeller. Als Ausgleich für das Gewicht der Insel auf der Steuerbordseite waren die Hangardecks um 0,5 Meter nach Backbord verschoben, was dazu führe, dass die Seitenwand an der Backbordseite einen Meter weiter überhing als auf der Steuerbordseite.[1]

Die Antriebsanlage leistete bis zu 200.000 PS. Dies war der leistungsfähigste Antrieb, der bis zu diesem Zeitpunkt auf einem europäischen Schiff verbaut worden war. Er wurde benötigt, um das Schiff auf die geforderte Geschwindigkeit von 33 Knoten zu beschleunigen.[1]

Flugtechnische EinrichtungenBearbeiten

Die Graf Zeppelin hatte zwei Hallendecks mit einer Höhe von je etwa 6 m und einer maximalen Breite von 15,5 m; das obere war 185 m, das untere 172 m lang, was eine Gesamtgrundfläche von knapp 5500 m² ergab. Zum Vergleich: Andere zeitgenössische Flugzeugträger wie die Yorktown-Klasse hatten nur etwa 3200 m²[5], während die japanische Shōkaku-Klasse bis zu 7000 m² erreichte.[6] Die britische Ark Royal hatte etwa 5700 m².[7]

Das Flugdeck war 240 m lang und maximum 30 m breit. Insgesamt waren drei Aufzüge mit einer Nutzlast bis zu 6500 kg eingelassen, die ein Verlegen der Flugzeuge ermöglichten, zusätzlich noch zwei kleinere Aufzüge für die Flugzeugstartwagen. Der Start sollte hauptsächlich mithilfe der beiden Katapulte am Bug des Schiffes erfolgen. Dafür war vorgesehen, dass die Flugzeuge im oberen Hangar mit eingezogenem Fahrwerk auf einen Startwagen gesetzt wurden. Die Junkers Ju 87 (Stuka) konnten mit ihren starren Fahrwerken von den Katapulten starten. Mithilfe eines Schienensystems wurden die Wagen zu den Katapulten gebracht. Für den wechselseitigen Betrieb waren Weichen in das Schienensystem integriert, die Rückführung der Wagen erfolgte über eine Vorrichtung an der Stirnseite des Flugdecks. Mit dem Startwagensystem wollte man auf einen Start pro Minute kommen.[1] Der Start erfolge mittels Druckluft und der Vorrat reichte für insgesamt neun Flugzeuge pro Katapult. Das Wiederauffüllen dauerte 50 Minuten, was es dem Träger erlaubt hätte, maximal 18 Flugzeuge pro Intervall in die Luft zu bringen.[1] Zur Landung waren vier Bremsseile vorhanden und ein Fangzaun zum Auffangen von Flugzeugen, falls die Bremsseile verpasst wurden.

US-amerikanische Luftaufnahme der Graf Zeppelin

BilderBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ulrich H.-J. Israel: Einziger deutscher Flugzeugträger Graf Zeppelin. Koehlers Verlagsgesellschaft, Herford 2002, ISBN 3-7822-0786-6.
  • Stephen Burke, Adam Olejnik: Freedom of the Seas. The Story of Hitler's Aircraft Carrier – Graf Zeppelin. Selbstverlag, 2012, ISBN 978-0-9564790-0-6.
  • Stephen Burke: Without Wings, the story of Hitler's aircraft carrier. Trafford Publishing; 3rd Revised edition 2007, ISBN 978-1425122164.
  • Wilhelm Hadeler: Der Flugzeugträger. Lehmann Verlag, München 1968.
  • Frank Omeda: Die deutschen Flugzeugträger. Von den Anfängen bis 1945. Kindle Edition, 2018 E-Buch und Buch.
  • Richard Wagner, Manfred Wilske: Flugzeugträger Graf Zeppelin. Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen 2007, ISBN 978-3-7883-1127-8.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Graf Zeppelin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l Siegfried Breyer: Marinearsenal Sonderband 1
  2. Richard Wagner/Manfred Wilske: Flugzeugträger Graf Zeppelin. Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen 2007, ISBN 978-3-7883-1127-8, Seiten 99–110.
  3. Richard Wagner/Manfred Wilske: Flugzeugträger Graf Zeppelin. Neckar-Verlag, Villingen-Schwenningen 2007, ISBN 978-3-7883-1127-8, Seiten 112–114.
  4. Mike J. Whiteley: Deutsche Grosskampfschiffe. S. 87/88.
  5. http://navypedia.org/ships/usa/us_cv_yorktown.htm
  6. http://navypedia.org/ships/japan/jap_cv_shokaku.htm
  7. ARK ROYAL fleet aircraft carrier (1938). In: navypedia.org.