Graf Recke Stiftung

Die Graf Recke Stiftung, bis 2012 Graf-Recke-Stiftung, ist eine gemeinnützige Stiftung im Sozialbereich mit Sitz in Düsseldorf. Sie wurde von Graf Adalbert von der Recke-Volmerstein gegründet, um sich um die Anfang des 19. Jahrhunderts zahlreichen elternlosen Kinder zu kümmern. Heute besteht die Stiftung aus drei Geschäftsbereichen mit Hilfsangeboten für Kinder, Jugendliche, psychiatrieerfahrene und behinderte sowie pflegebedürftige und alte Menschen. Die Stiftung gehört zur Diakonie Rheinland. Die Zahl ihrer Mitarbeiter beträgt mehr als 2700, welche fast 4300 Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf begleiten.

Graf Recke Stiftung
Rechtsform
Sitz Düsseldorf, DeutschlandDeutschland Deutschland
Branche Sozialwesen

GeschichteBearbeiten

Nachdem er sich bereits seit 1816 um Kinder in Not gekümmert hatte, gründete Graf Adalbert von der Recke-Volmerstein 1819 ein Rettungshaus für Straßenkinder nahe Haus Overdyck in Bochum, Westfalen, das er 1822 in die von ihm erworbene ehemalige Trappistenabtei Düsseltal östlich von Düsseldorf verlegte. Es entstand die Rettungsanstalt Düsseltal für Waisenkinder. Aus der Arbeit seines Bruders ging die Stiftung Overdyck hervor.

Bedingt durch die Industrialisierung Düsselthals wurde 1902 der Lindenhof nahe Wittlaer gekauft und die Einrichtung dorthin verlegt. Ganz in der Nähe befindet sich Theodor Fliedners Kaiserswerther Diakonie.

Im Jahr 1907 errichtete die Stiftung in Wittlaer das Heim Neu-Düsselthal, zu dem eine Kirche und eine Schule gehörten.

NachkriegszeitBearbeiten

Zur Kinder- und Jugendhilfe kamen 1986 die Behindertenhilfe und 1995 die Altenhilfe hinzu.

Aufgrund der systematischen Misshandlung von autistischen Kindern und Jugendlichen in der Einrichtung an der Horster Allee 5 in Hilden und Verurteilung mehrerer Pädagogen 2017 durch das Landgericht Düsseldorf teilweise zu Haftstrafen wurde die selbstständige Tochter Educon gemeinnützige GmbH wieder als Geschäftsbereich „Erziehung & Bildung“ in die Graf Recke Stiftung integriert.[1]

Heutige BereicheBearbeiten

Kinder- und JugendhilfeBearbeiten

 
Campus Hilden
 
Campus Hilden

Der Geschäftsbereich Graf Recke Erziehung & Bildung steht in einer fast zwei Jahrhunderte umfassenden Tradition der Arbeit der Düsselthaler Anstalten, des Dorotheenheims in Hilden und des Mädchenheims Ratingen; er unterstützt als ältester der drei Geschäftsbereiche Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und deren Familien dabei, ihr Leben zu meistern. Zum Angebotsspektrum gehören Wohngruppen, Einzelbetreuung, sozialpädagogisch betreutes Wohnen, heilpädagogische Tagesgruppen, heil- und freizeitpädagogische sowie therapeutische Fachdienste, Familien- und Elternarbeit und andere Angebote für junge Menschen, zum Teil mit Behinderungen.

Gemeinsam mit den privaten Förderschulen mit den Schwerpunkten emotionale, soziale sowie geistige Entwicklung in Düsseldorf-Wittlaer, Ratingen und Wuppertal sowie der Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH in Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr bilden diese Angebote den Geschäftsbereich Graf Recke Erziehung & Bildung mit über 1600 betreuten Kindern, Jugendlichen und Familien. 2017 übernahm die Graf Recke Stiftung den Betrieb der heilpädagogisch-therapeutischen Einrichtungen Grünau in Bad Salzuflen und der Jugendhilfe Bielefeld-Mitte vom Evangelischen Johanneswerk e. V., Bielefeld, und führt diese als Graf Recke Pädagogik gGmbH, Region Westfalen-Lippe, weiter.

Pflege und Service-WohnenBearbeiten

In ihren Senioreneinrichtungen in Düsseldorf, Hilden und Neumünster bietet die Graf Recke Wohnen & Pflege insgesamt über 800 Plätze im stationären Bereich sowie im Service-Wohnen an. Zum heutigen Geschäftsbereich Wohnen & Pflege gehören das Walter-Kobold-Haus in Düsseldorf-Wittlaer, das Seniorenzentrum Zum Königshof in Düsseldorf-Unterrath, das Dorotheenpark Seniorenzentrum in Hilden und die Haus Berlin gGmbH in Neumünster (Schleswig-Holstein). Seit 2014 betreibt die Graf Recke Stiftung außerdem im Düsseldorfer Norden den ambulanten Pflegedienst recke:mobil. Darüber hinaus bietet sie seit 2017 eine Tagespflege und eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in Düsseldorf-Unterrath in der Nähe des Seniorenzentrums Zum Königshof.

Sozialpsychiatrie und HeilpädagogikBearbeiten

Der Geschäftsbereich Sozialpsychiatrie & Heilpädagogik bietet im Sozialpsychiatrischen Verbund Menschen mit Psychiatrieerfahrung und im Heilpädagogischen Verbund Menschen mit geistigen als auch Mehrfachbehinderungen differenzierte Betreuungs- und Wohnformen (Wohnhäuser, Außenwohngruppen und Betreutes Wohnen), sowie unterschiedliche therapeutische Trainings- und Förderangebote im tagesstrukturierenden Bereich (ET, AT, Praxis für Ergotherapie, SPZ, Tagesstätte). Die Angebote sollen es den Betroffenen ermöglichen, in Schritten, die den aktuellen Möglichkeiten des Einzelnen entsprechen, ein selbstbestimmtes Leben zu erlernen oder wieder zu erlernen.

AnstaltskirchengemeindeBearbeiten

Bis 2011 gab es innerhalb der Graf Recke Stiftung noch eine „Anstaltskirchengemeinde“. Am 22. November 2011 hat die Kirchenleitung der rheinischen Kirche die Fusion der Evangelischen Kirchengemeinde bei der Graf Recke Stiftung mit der Evangelischen Kirchengemeinde Kaiserswerth zum 1. Januar 2012 genehmigt. Die seelsorgerische Arbeit der Ehren- und Hauptamtlichen der Graf Recke Kirche blieben der Graf Recke Stiftung erhalten. Auch die Gemeinderäume und die Kirche werden weiter von der Stiftung finanziert. Für die besonderen Belange der seelsorglich-diakonischen Arbeit in der Graf Recke Stiftung wird anstelle des bisherigen Presbyteriums ein kirchlicher Beirat verantwortlich sein. Ihm gehören neben den bisherigen Presbytern und einem Mitglied des bisherigen Kaiserswerther Presbyteriums auch fachkundige Mitarbeitende der Graf Recke Stiftung an. Gottesdienste werden weiterhin regelmäßig in der Graf Recke Kirche gefeiert. Seit dem 1. Januar 2012 ist sie auch Gottesdienstort für die Kaiserswerther Gemeinde. Pfarrer der Stiftung und der bisherigen Kaiserswerther Gemeinde werden die Gottesdienste abwechselnd gestalten.

SchriftenBearbeiten

  • Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an (Offenb. 3,20). Rettungsanstalt, Düsselthal ca. 1840 (Digitalisat)
  • Gerlinde Viertel: Anfänge der Rettungshausbewegung unter Adelberdt Graf von der Recke-Volmerstein (1791–1878). Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Band 110, Rheinland-Verlag GmbH, Köln 1993, ISBN 3-7927-1387-X.
  • Edith Salzmann: Kinder im Abseits. Verlag Presseverband der Evangelischen Kirche im Rheinland e. V., Düsseldorf 1985, ISBN 3-87645-061-5.

WeblinksBearbeiten

Commons: Graf Recke Stiftung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stellungnahme des Vorstandes der Graf Recke Stiftung zum Strafprozess gegen ehemalige Mitarbeitende vor dem Düsseldorfer Landgericht. Pressemitteilung, 6. Juli 2017.