Grégory Baugé

französischer Radrennfahrer

Grégory Benoît Baugé (* 31. Januar 1985 in Maisons-Laffitte bei Paris) ist ein französischer Radrennfahrer. Er ist neunfacher Weltmeister in Kurzzeitdisziplinen auf der Bahn (Stand 2017).

Grégory Baugé Straßenradsport
Grégory Baugé (2020)
Grégory Baugé (2020)
Zur Person
Vollständiger Name Grégory Benoît Baugé
Spitzname Tigre
Geburtsdatum 31. Januar 1985
Nation FrankreichFrankreich Frankreich
Disziplin Bahn (Kurzzeit)
Wichtigste Erfolge
Olympische Spiele
2016 Bronze medal-2008OB.svg – Teamsprint
2012 Silver medal-2008OB.svg – Sprint, Teamsprint
2008 Silver medal-2008OB.svg – Teamsprint
Letzte Aktualisierung: 6. Juni 2020

Sportliche KarriereBearbeiten

Grégory Baugé, dessen Familie aus Guadeloupe stammt, begann mit acht Jahren Fußball zu spielen. Nach kurzer Zeit entschied er sich jedoch gegen Fußball, da er dabei friere. Daraufhin meldete ihn sein Vater in einer Radsportschule an, und Baugé begeisterte sich für diesen Sport und fuhr auch (trotz Kälte) Rennen auf der Straße.

Baugé konzentrierte sich jedoch bald auf Bahnrennen. 2002 wurde er Junioren-Weltmeister im Sprint. 2006 wurde er erstmals Weltmeister, im Teamsprint bei den Bahn-Weltmeisterschaften. Diesen Erfolg konnte er dreimal in den folgenden Jahren wiederholen und 2009 mit einem Einzelsieg im Sprint krönen. Damit war er 100 Jahre nach dem WM-Sieg von Major Taylor im Jahre 1899 der zweite dunkelhäutige Sprint-Weltmeister. Zudem errang Baugé bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Silbermedaille im Teamsprint. 2010 errang Baugé erneut den WM-Titel im Sprint. Bei der Bahn-WM 2011 in Apeldoorn konnte er diesen Erfolg wiederholen und zudem die Goldmedaille im Teamsprint erringen. Damit war er zunächst der erfolgreichste männliche Sportler dieser Weltmeisterschaften, bis ihm die Medaillen aberkannt wurden.

Bei den UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2012 in Melbourne wurde Baugé Weltmeister im Sprint und Vize-Weltmeister im Teamsprint mit Kévin Sireau und Michaël D’Almeida. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London errang er jeweils die Silbermedaille im Teamsprint, gemeinsam mit Kévin Sireau und Michaël D’Almeida, und im Sprint.

2016 wurde Baugé für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro nominiert, wo er gemeinsam mit François Pervis und Michaël D’Almeida die Bronzemedaille im Teamsprint errang. Im Sprint belegte er Rang sieben.

Aberkennung der WM-TitelBearbeiten

Im Januar 2012 gab der Weltradsportverband Union Cycliste Internationale (UCI) bekannt, dass Baugé seine beiden Weltmeistertitel von 2011 aberkannt wurden, weil er mehrfach gegen die Melde-Auflagen der Welt-Dopingagentur WADA verstoßen habe. Dies wird als Dopingvergehen gewertet.[1] Sein Anwalt gab an, dass Baugé bei einem der Termine krank gewesen sei und sich deshalb an einem anderen Ort als angegeben aufgehalten habe. Der französische Radsportverband FFC hatte die Verstöße von Baugé schon im Dezember 2010 angezeigt und kritisierte den Weltradsportverband Union Cycliste Internationale (UCI) für die Verzögerung in ihrer Entscheidung als „leichtfertig“.[2]

Da Baugé nachträglich von Dezember 2010 bis Dezember 2011 offiziell von der UCI gesperrt wurde, war sein Start bei den Olympischen Spielen in London nicht gefährdet.[3]

Kritische Äußerungen von BaugéBearbeiten

Im Dezember 2016 übte Baugé Kritik am französischen Radsportverband FFC. Dass er bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio nur Rang sieben belegt habe, hätte an schlechter Vorbereitung und Rahmenbedingungen gelegen. Die Arbeit der früheren Trainer Daniel Morelon, Gérard Quintyn und Florian Rousseau sei vom Verband „mit Füßen getreten“ worden, und das „französische Wissen“ habe sich in Luft aufgelöst. Vier Jahre zuvor habe man mit weniger Mitteln und ohne das inzwischen bestehende Vélodrome National größere Erfolge erzielt.[4] In einem weiteren Interview erklärte er, er habe vor, bis zu den Olympischen Spielen in Tokio weiter aktiv bleiben zu wollen.[5]

2019 errang er bei den Bahnweltmeisterschaften mit Quentin Lafargue, Sébastien Vigier und Michaël D’Almeida Silber im Teamsprint. Bei den Europaspielen in Minsk holte er ebenfalls Silber im Teamsprint (mit Rayan Helal, Quentin Caleyron und Quentin Lafargue). Das französische Team mit Lafargue, Vigier und Melvin Landerneau belegte bei den Europameisterschaften Rang drei im Teamsprint.

Im Juni 2020 äußerte sich Grégory Baugé zu den Protesten in der Folge des Todes von George Floyd, dass dunkelhäutige Fahrer wie er selbst auch an der Spitze des Radsports täglich mit rassistischer Diskriminierung umgehen müssten. Zwar habe er im Radsport-Profibereich kaum rassistische Diskriminierung erfahren, doch insgesamt sei sie ein täglicher Begleiter eines dunkelhäutigen Bürgers: „Rassismus war immer ein Teil unseres Lebens, schon immer. Wir haben gelernt, damit zu leben, auch wenn das natürlich bedauernswert ist. Es ist einfach unglückselig.“ Er verwies auf seinen Landsmann Kévin Réza, der zu Beginn seiner Karriere mit rassistischen Bemerkungen konfrontiert worden sei. Für Baugé sind diese Vorfälle keine Überraschung, auch wenn die Athleten üblicherweise die Anschuldigungen stillschweigend hinnehmen aus Angst, nicht genügend Unterstützung zu erhalten: „Wir leiden und wir sind allein. Wir sehen es im Fußball. Sie sagen immer wieder, dass sie gegen Rassismus seien, aber sie tun nichts dagegen. [...] solange es kein Geld einbringt, wird sich auch nichts ändern.“[6]

ErfolgeBearbeiten

 
Baugé (l.) bei den Olympischen Spielen 2016 im Lauf gegen Denis Dmitrijew
2002
2003
  •   Junioren-Weltmeisterschaft – Sprint
  • Europa  Europameister – Teamsprint (mit Mathieu Mandard und François Pervis)
  • Europa  Junioren-Europameister – Sprint
  •   Französischer Junioren-Meister – Sprint
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2019

WeblinksBearbeiten

Commons: Grégory Baugé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bauge und französische Sprinter müssen WM-Gold abgeben auf radsport-news.com v. 6. Januar 2012
  2. Baugé : la FFC tacle l'UCI auf eurosport.fr v. 6. Januar 2012 (Memento des Originals vom 9. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eurosport.fr (frz.)
  3. Jason Kenny named world sprint champion after Bauge ban auf news.bbc.co.uk v. 6. Januar 2012 (engl.)
  4. Cédric Callier: Grégory Baugé : «Tout le savoir-faire français est parti en fumée». In: sport24.lefigaro.fr. 23. Dezember 2016, abgerufen am 2. August 2017 (fr_FR).
  5. Grégory Baugé – Un tigre ne dort jamais [Bonus numérique de Couleurs Sport] – outre-mer 1ère. In: la1ere.francetvinfo.fr. 8. April 2017, abgerufen am 2. August 2017 (französisch).
  6. Grégory Baugé: Rassismus als ständiger Begleiter. In: rad-net.de. 4. Juni 2020, abgerufen am 15. Juni 2020.
  7. Die Weltmeistertitel wurden Baugé aberkannt, wegen Verstosses gegen die Meldeauflagen der Welt-Dopingagentur WADA, im Falle des Teamsprints auch Sireau und D’Almeida. s. oben.