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Goethe-Denkmal (Berlin)

Denkmal in Berlin
Das Goethe-Denkmal in Berlin

Das Goethe-Denkmal im Berliner Großen Tiergarten ist eine Arbeit des Bildhauers Fritz Schaper (1841–1919), eines prominenten Vertreters der Berliner Bildhauerschule. Die Figurengruppe aus Carrara-Marmor wurde 1880 eingeweiht, gegen Ende des 20. Jahrhunderts zum Schutz vor schädlichen Witterungseinflüssen vorübergehend durch eine Kopie aus Betonguss ersetzt und 130 Jahre nach ihrer Einweihung an der ursprünglichen Stelle wieder aufgestellt.

EntstehungsgeschichteBearbeiten

Das Berliner Goethe-Komitee hatte schon 1860 für die Errichtung eines Goethedenkmals geworben, zunächst aber wenig Resonanz gefunden. So erbrachte beispielsweise ein Aufruf zur finanziellen Unterstützung des Vorhabens durch die Mitglieder der Preußischen Akademie der Wissenschaften im Januar 1861 nur den geringen Betrag von 26 Reichstalern.[1] Dennoch beschloss man 1861, Denkmäler für die Dichter Goethe, Schiller und Lessing zu errichten. Nachdem 1868/71 das Schillerdenkmal auf dem Gendarmenmarkt realisiert war, folgten 1880 das Goethe-Denkmal und 1890 das Lessing-Denkmal im Tiergarten.

Nach einem offiziellen Wettbewerb wurden im Mai 1872 fünfzig Entwürfe öffentlich vorgestellt und begutachtet. Der Entwurf von Fritz Schaper, der damals noch relativ unbekannt war, erhielt beim Publikum große Zustimmung. Das Denkmal-Komitee konnte sich jedoch nicht entscheiden, sondern empfahl die Überarbeitung der vier besten Entwürfe. 1873 erging dann der Auftrag an Schaper, die Ausführung erfolgte in den Jahren 1876 bis 1880. Der Bildhauer hatte zunächst einen jugendlichen Goethe modelliert, in der Endfassung zeigte er ihn in fortgeschrittenem Alter von etwa 40 Jahren. Am 2. Juni 1880 wurde die Enthüllung des Denkmals gefeiert, anwesend waren zahlreiche maßgebliche Persönlichkeiten aus Kultur und Politik.

Auf die Frage, ob ihm denn überhaupt noch etwas gefalle, erwähnte Theodor Fontane am Schluss eines Gedichtes auch das Goethe-Denkmal im Berliner Tiergarten: "... ein Spaziergang durch die Laesterallee, Paraden, der Schapersche Goethekopf und ein Backfisch mit einem Mozartzopf."[2]

Das DenkmalBearbeiten

Das Denkmal steht an der Ebertstraße am östlichen Rand des Tiergartens, zwischen Brandenburger Tor und Lennéstraße, gegenüber dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Es erreicht eine Höhe von insgesamt sechs Metern, das Standbild des Dichters auf rundem Sockel ist 2,72 Meter hoch. Auf dem abgestuften Unterbau sind drei allegorische Figurengruppen angeordnet: Für die lyrische Dichtkunst eine Muse mit Leier und einen Eros; für die dramatische Dichtkunst eine sitzende Frauengestalt mit Schreibwerkzeug, neben ihr ein Genius mit der abwärts gewandten Fackel des Todes; für die Forschung eine lesende weibliche Gestalt.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Denkmal einige Schäden, aber keine schwerwiegenden Zerstörungen. 1959/60 wurde es erstmals restauriert. 1982 verbrachte man das Marmor-Original in das Lapidarium am Landwehrkanal, um es vor aggressiven Witterungsbedingungen zu schützen, 2009 wurde die dort verwahrte Sammlung in die Zitadelle Spandau umgelagert. Eine Kopie des Goethe-Denkmals, angefertigt von dem Bildhauer und Restaurator Harald Haacke (1924–2004), ersetzte 1987 das ausgelagerte Original. Diese Betonkopie befand sich mehr als 20 Jahre später durch Luftverschmutzung, Witterungseinflüsse und Materialfehler in stark angegriffenem Zustand. Daher wurde am 12. November 2010 das weitaus besser erhaltene Original wieder aufgestellt.[3] Möglich war das wegen der inzwischen stark verbesserten Qualität der Luft im Tiergarten; sie enthält zwar mehr Feinstaub und Stickoxide als zuvor, aber etwa 90 % weniger schwefelsaure Bestandteile, die für den besonders schädlichen sauren Regen verantwortlich waren und Marmore angriffen.[4]

Vor der Rückführung des Denkmals in den Tiergarten wurde es eingehend untersucht und restauriert. Dazu gehörten Ultraschallprüfungen zur Bestimmung des inneren Zustands der aus 60 Einzelteilen zusammengefügten Figuren und deren gründliche Reinigung mit heißem Dampf. Fehlende Teile ersetzte man anhand historischer Aufnahmen, die eine „verlässliche Rekonstruktion“ erlaubten.[5] Eine Reihe von Schussspuren an Statuen und Sockel blieben sichtbar und erinnern an die Kriegsschäden. Abschließend wurde das ganze Ensemble mit einer speziellen Behandlung witterungsbeständiger gemacht. Die Gesamtkosten betrugen rund 250.000 Euro. Die Arbeiten waren Teil eines Programms, in dessen Rahmen alle etwa 60 Denkmäler im Tiergarten gründlich überprüft und wenn nötig restauriert oder vollständig ersetzt werden sollen.[4]

Bronzekopie in SeoulBearbeiten

Für das Hauptquartier des Lotte-Konzerns im Park hinter dem 555 m hohen Lotte World Tower in Seoul wurde im Jahr 2016 eine detailgetreue Kopie des Goethe-Denkmals in Bronze angefertigt. Der Lotte-Konzern erhielt seinen Namen nach der Hauptperson „Lotte“ (Charlotte) im Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1774, den der Firmengründer Shin Kyuk-ho 1941 im Alter von 19 Jahren verschlungen und innig geliebt hatte.

Da der Zustand des Marmor-Denkmals im Berliner Tiergarten keinen direkten Abguss zuließ, wurde zunächst ein 3D-Scan mit einem mobilen 3D-Scanner angefertigt. Dieser wurde als 3D-Druck aus Quarzsand mit Furan-Direkt-Bindung ausgedruckt. Anschließend wurden Kratzer und Defekte mit Spachtelmasse ausgebessert. Von der ausgebesserten Kopie aus Quarzsand wurde ein Silikonabdruck als Negativ abgenommen, das nach dem Aushärten des Silikons mit Bienenwachs ausgegossen wurde. Dieses Positiv aus Bienenwachs wurde mit Sand und Gips umhüllt und im Wachsausschmelzverfahren mit Bronze aufgefüllt. Die Bronzeskulptur wurde anschließend poliert und patiniert.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Otto Brahm: Goethe in Berlin. Festschrift zur Enthüllung des Berliner Goethe-Denkmals. Berlin 1880.
  • Adolph Schulze: Das Goethe-Denkmal im Thiergarten zu Berlin. Berlin 1880.
  • Brigitte Schmitz: Dichterdenkmäler in Berlin. In: Literarisches Leben in Berlin 1871–1933. Studien. Hrsg. von P. Wruck, Berlin 1987, S. 334–366.
  • Knut Brehm: Das Goethe-Denkmal in Berlin. In: Fritz Schaper. Die Wiederentdeckung des Denkmals. Ausstellungskatalog. Goch 2000, S. 38–53.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten