Giovanni Spadolini

italienischer Journalist, Historiker und Politiker
Giovanni Spadolini (rechts) mit Staatspräsident Sandro Pertini 1982

Giovanni Spadolini (* 21. Juni 1925 in Florenz; † 4. August 1994 in Rom) war ein italienischer Journalist, Historiker und Politiker des linksliberalen Partito Repubblicano Italiano.

LebenBearbeiten

Spadolini studierte bis 1949 Jura. Mit 25 Jahren wurde er Professor für zeitgenössische Geschichte an der Universität Florenz. Er veröffentlichte viele Bücher politischen und historischen Inhalts. Darin beschäftigte er sich häufig mit dem Risorgimento.

Von 1955 bis 1968 fungierte er als Chefredakteur der Regionalzeitung Il Resto del Carlino in Bologna, von wo er von 1968 bis 1972 zum Corriere della Sera in Mailand wechselte. Er wurde für seine Partei 1972, 1976 und 1979 in den italienischen Senat gewählt. Von 1974 bis 1976 gehörte er dem Kabinett als Minister für Umwelt und Kulturgüter an. 1979 trat er erneut in die Regierung als Minister für Öffentliche Bildung ein. Als der Parteivorsitzende der Republikaner, Ugo La Malfa, im September 1979 starb, wurde Spadolini bis 1988 sein Nachfolger.

Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Arnaldo Forlani wurde Spadolini von Präsident Alessandro Pertini im Juni 1981 mit der Regierungsbildung beauftragt, was ihm nach zähen und hartnäckigen Verhandlungen unerwartet gelang. Am 28. Juni 1981 wurde Spadolini erster Regierungschef einer italienischen Nachkriegsregierung, der nicht der Democrazia Cristiana angehörte; er ist zudem der bislang einzige Ministerpräsident seiner Partei. Das Amt übte er bis November 1982 aus.

Spadolini trat für den NATO-Doppelbeschluss ein und setzte die Stationierung von amerikanischen Cruise Missile auf dem US-Stützpunkt Comiso bei Ragusa auf Südsizilien durch. Als bei Spadolinis früherer Zeitung Corriere della Sera nach einem Besitzerwechsel die Entlassung von 1.230 Beschäftigten drohte, kam es zu einer Staatskrise, bei der Spadolini, dem Unternehmer Olivetti und dem Medientycoon Angelo Rizzoli Manipulation und Verletzung der Kartellgesetzgebung vorgeworfen wurde.

Bettino Craxi, der Chef des Koalitionspartners PSI, zog im August 1982 vorübergehend alle Minister aus dem Kabinett zurück. Spadolini überwand diese Krise und regierte weiter, bis Craxi ihn im November 1982 wegen wirtschaftspolitischer Meinungsverschiedenheiten erneut scheitern ließ. Dessen Kabinett gehörte Spadolini seit von August 1983 bis 1985 als Verteidigungsminister an. 1987 wurde er zum Senatspräsidenten gewählt und blieb es bis April 1994. Nach dem Wahlsieg von Silvio Berlusconis Polo per le Libertà fehlte ihm eine Stimme; Carlo Scognamiglio Pasini wurde sein Nachfolger.

Spadolini starb 1994 im Alter von 69 Jahren an Magenkrebs. Er wurde auf dem Cimitero delle Porte Sante in seinem Geburtsort Florenz bestattet.[1]

Nach Giovanni Spadolini ist die Bibliothek des italienischen Senats benannt.[2]

WeblinksBearbeiten

Commons: Giovanni Spadolini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Giovanni Spadolini – Zitate (italienisch)

FußnotenBearbeiten

  1. knerger.de: Das Grab von Giovanni Spadolini
  2. Offizielle Internetseiten der Bibliothek