Behrendorf (Werben)

Siedlung in Deutschland
(Weitergeleitet von Giesenslage)

Behrendorf ist ein Ortsteil der Hansestadt Werben (Elbe) im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Behrendorf
Koordinaten: 52° 49′ 29″ N, 11° 57′ 39″ O
Höhe: 23 m ü. NHN
Fläche: 23,64 km²
Einwohner: 477 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 20 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39615
Vorwahlen: 039390, 039393
Behrendorf (Sachsen-Anhalt)
Behrendorf
Behrendorf
Lage von Behrendorf in Sachsen-Anhalt

GeografieBearbeiten

Der Wischeort Behrendorf liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 23 m ü. NHN südlich der Einmündung der Havel in die Elbe. Die Siedlungsstruktur ist durch sehr aufgelockerte Bebauung gekennzeichnet.

GeschichteBearbeiten

Behrendorf wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1317 verpfändet Anna, Herzogin von Breslau dem Comtur drei Hufen in Behrendorf, 1319 überlässt sie der Comturei einen Hof in Behrendorf. 1349 verkauft das Kloster Dambeck dem Ordenshaus Werben Hebungen in Behrendorf. 1351 bestätigt Herrenmeister Hermann von Werberg Widmung eines vom Kloster Dambeck erkauften Zinses Behrendorfs anlässlich eines Gastmahls im Ordenshaus Werben. 1355 verpfändet Markgraf Ludwig der Römer Komtur Albrecht von Dannenberg das Dorf Behrendorf. 1470 kaufen Rat und Kirchenvorsteher eine beständige Geldhebung von einem Zweihufenhof in Behrendorf für die Pfarrkirche. 1579 liegt ein Leibgedingebrief der Frau des Osterburger Bürgermeisters Steffen Boldemann über eine halbe Hufe in Behrendorf vor. 1613 erwirbt Bauer Hans Köhn zu Rethausen ein Zehnt an Prigges Hof gegen ein Darlehen von 225 rt. Dieses ist noch 1777 als Hypothek eingetragen. 1617 versetzt Andreas Goldbeck dem Schulzen Chim Meinicke ein Wendtland für 100 rt (Taler) à 24 sgr (Silbergroschen). 1652 kommen Zuzügler aus dem Stift Bremen und aus Holstein nach Behrendorf. Am 20. Dezember 1695 tritt die Deichordnung für die Wische in Kraft. 1700 standen laut Urbar der Komturei Werben Abgaben von drei Amtsuntertanen zu. 1717 wird die Onera (Abgaben und andere Lasten) nach Ausmessung von sechs Amtsuntertanen durch die Kammer im Rahmen der Egalisierung neugeregelt. Außerdem besteht für Behrendorf kein Mahlzwang. 1727 bestehen folgende öffentliche Lasten der sechs zum Amt Tangermünde gehörenden Bauern: 12–20 rt (Taler) Bedegeld und die Wischerhufe zu je 4 Wsp (Wispel) Aussaat auf Acker der 1. Steuerklasse. 1745 erscheint der Richter zu Behrendorf nicht zum Bodding, Verwirkung einer Wette von 4 rt 12 gr. 1747 werden die besonderen Gerichte in der Wische Bodding und Lodding[1] aufgelöst.

Am 1. Februar 1974 werden der Gemeinde Behrendorf die Gemeinden Berge und Giesenslage zugeordnet. Bis zum 31. Dezember 2009 war Behrendorf eine selbständige Gemeinde mit den zugehörigen Ortsteilen Berge und Giesenslage.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag haben die Gemeinderäte der Gemeinde Behrendorf (am 5. Mai 2009) und der Hansestadt Werben (Elbe) (am 26. Mai 2009) beschlossen, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Werben (Elbe) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[2]

Am 5. Oktober 2017 zog der Schnellläufer Xavier über Behrendorf hinweg: In Behrendorf nahm der Wind kurz nach 15 Uhr zu, die höchste Böe wurde um 15.41 Uhr mit 91,8 km/h erreicht (Windstärke 10), eine erneute Böe gab es um 15.51 Uhr mit 85,7 km/h (Windstärke 9), bis 16.11 Uhr wurden noch Böen der Stärke 8 gemessen, danach ging die Böigkeit langsam zurück. Gegen 16.30 frischte der Wind in Böen nochmals auf Stärke 7 auf.[3]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Behrendorf war Joachim Lange.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Die Landstraße von Werben (Elbe) in Richtung Osterburg (Altmark) bzw. Stendal führt durch Behrendorf. Der nächste Bahnhof befindet sich in Goldbeck (Altmark) an der Strecke Magdeburg–Wittenberge; die über Behrendorf führende Kleinbahn Goldbeck–Werben (Elbe) wurde 1971 stillgelegt.

ReligionenBearbeiten

 
Ehemalige kath. Kirche in Giesenslage

In Berge und Giesenslage befinden sich evangelische Kirchen, sie gehören zum Kirchspiel Werben im Kirchenkreis Stendal der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die katholische Kirche „Unbefleckte Empfängnis“ in Giesenslage wurde 1928 in einer ehemaligen Molkerei eingerichtet, die in Konkurs gegangen war und von der katholischen Kirche für die in der Wische wohnenden Katholiken gekauft worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Zahl der Katholiken in den seit der Reformation evangelischen Wischeorten weiter durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches. 1947 wurde in Giesenslage eine Pfarrvikarie eingerichtet. Der letzte Priester, Winfried Schreiber, verließ Anfang der 1980er Jahre das Pfarrhaus. Von dort an wurde die Pfarrvikarie von Goldbeck aus betreut. Spätestens seit 2006 gehörte die Kirche zur Pfarrei St. Anna (Stendal). Um 2012 wurde die Kirche geschlossen und verkauft. Die einstige Glocke der Kirche läutet heute auf dem Friedhof in Salzwedel.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Goetze und G. W. von Raumer: Über die Verfassung und Geschichte der Bodding- und Lodding-Gerichte in der Altmark. In: Neues Allgemeines Archiv für die Geschichte des Preußischen Staats. Band 3, Heft 3, Berlin Posen Bromberg 1836, S. 193–205
  2. Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt. 19. Jahrgang, Nr. 17. Stendal 12. August 2009, S. 201 ff. (landkreis-stendal.de [PDF; 6,8 MB; abgerufen am 2. Dezember 2015]).
  3. Wischekurier: Wetterdienst Wischekurier. Sturmlage 5. Oktober 2017. (Nicht mehr online verfügbar.) 6. Oktober 2017, archiviert vom Original am 8. Oktober 2017; abgerufen am 7. Oktober 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wischekurier.de

Quellen zur GeschichteBearbeiten

  • Polthier: Altmärkische Bauern im Bezirk Arneburg
  • Lieselott Enders: "Die Altmark"
  • Böhme: "Die altmärkische Wische" 1926
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv
  • Kataster des Kreises Arneburg 1692
  • Gemeinde Giesenslage