Getriebebau Nord

Getriebebau Nord GmbH & Co KG
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1965
Sitz Bargteheide, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • G.A. Küchenmeister
  • Jutta Humbert
  • Ullrich Küchenmeister
  • Jens Paulsen
Mitarbeiterzahl ca. 4.000 (Februar 2019)
Umsatz 700 Mio. EUR (vorl. Umsatz für das Geschäftsjahr 2018)
Branche Maschinenbau
Website www.nord.com

Die Getriebebau Nord GmbH & Co. KG, international auch als Nord Drivesystems bekannt, produziert mechanische und elektronische Antriebstechnik und ist einer der größten Getriebemotoren-Hersteller der Welt. Nord ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Bargteheide bei Hamburg.

GeschichteBearbeiten

Gegründet wurde Getriebebau Nord im Jahr 1965 von Gustav Adolf Küchenmeister und Günter Schlicht, die beide zuvor bereits in der Antriebsbranche tätig waren. Küchenmeister brachte vor allem Vertriebserfahrung ein, Schlichts besondere Stärke lag im technischen Know-how. In den ersten Jahren produzierte Nord nur Getriebegehäuse, Wellen und Flansche selbst und kaufte alle übrigen Komponenten zu. Hinzu kam zunächst 1977 die eigene Zahnradfertigung in Glinde, anschließend begann man mit dem Ausbau des inzwischen außergewöhnlich breiten Getriebesortiments. 1979 begann Nord mit der Gründung von Tochterunternehmen weltweit. Seit den 1980er Jahren stellt Nord auch Antriebselektronik her. Anfangs beschränkte sich dies auf Frequenzumrichter, wofür man sich im niedersächsischen Aurich mit Enercon zusammentat. Ab 1983 baute man außerdem eine eigene Elektromotorenfertigung auf; durch Übernahme eines Motorenwerks in Italien wurde dieser Bereich ab 1997 noch deutlich verstärkt. Günter Schlicht schied zwischenzeitlich aus dem Unternehmen aus. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts brachte Nord schließlich noch einen Servocontroller (einen elektronischen Regler, der für anspruchsvolle, hochdynamische Antriebsanwendungen benötigt wird) auf den Markt. G.A. Küchenmeister hat sich inzwischen ebenfalls aus der Führung des Unternehmens zurückgezogen und diese an seine Kinder abgegeben: Geschäftsführer sind schon seit 1991 seine Tochter Jutta Humbert und sein Sohn Ullrich Küchenmeister.

Organisation und GeschäftsfelderBearbeiten

Nord hat etwa 4.000 Mitarbeiter weltweit[3] (Stand: Februar 2019) und setzte zuletzt (im Geschäftsjahr 2018) ca. 700 Millionen Euro um.[4] Bereits knapp anderthalb Jahrzehnte nach der Gründung begann die Internationalisierung des Unternehmens. Nach und nach eröffnete man Niederlassungen und Montagewerke auf mehreren Kontinenten. Im Jahr 2010 ist Nord in über 60 Ländern mit eigenen Vertretungen präsent. Produziert wird in vier norddeutschen Werken, nämlich dem Stammsitz in Bargteheide sowie in Glinde (Schleswig-Holstein), Aurich (Niedersachsen) und Gadebusch (Mecklenburg-Vorpommern), und im Ausland in San Giovanni in Norditalien, in Nowa Sol in Polen, im französischen Vieux-Thann, in Waunakee in den USA, in Suzhou im Süden Chinas und in Pune im indischen Bundesstaat Maharashtra. Die kundenspezifische Endmontage und Auslieferung von Antrieben erfolgt durch ein Montagezentrum in der Region des Abnehmers, die es weltweit an rund 36 Standorten gibt.[5] Um schnell und flexibel liefern zu können, basieren die meisten Systeme auf Modulbauweise. Nord hat zum Beispiel das in der Antriebstechnik-Branche verbreitete Baukasten-Konstruktionsprinzip sehr weitreichend bei Schneckengetrieben umgesetzt und bietet eine modulare Baureihe an, die die Konstruktion Zehntausender unterschiedlicher, anwendungsspezifisch abgestimmter Antriebsvarianten aus einer überschaubaren Zahl von Elementen erlaubt, die sich gut am Lager verfügbar halten oder schnell anliefern lassen.[6]

Nord betreut und beliefert Tausende von Maschinen- und Anlagenbauern unterschiedlicher Branchen. Das Spektrum reicht dabei von Lösungen mit eher einfachen Kompakt-Antrieben, zum Beispiel für Förderbänder an Flughäfen, bis zu speziellen Lösungen wie etwa besonders geräuscharmen Antrieben, wie sie hinter den Kulissen für Theaterbühnen, in Opern und Konzerthäusern benötigt werden.[7]

Erfindungen und besondere technische LösungenBearbeiten

Getriebebau Nord erfand 1980/81 das Blockgehäuse-Konzept für Getriebemotoren und bot als erster Hersteller Antriebe im Blockgehäuse an. Bei dieser Innovation besteht das Gehäuse aus einem einzigen Block. Vorher hingegen wurde es üblicherweise aus zwei Halbschalen zusammengesetzt, an deren Verbindungsfläche im laufenden Betrieb wirkende Kräfte zu Verwindungen führen konnten. Mit einem einteiligen Block fällt dieses für die Zuverlässigkeit und Langlebigkeit des Getriebemotors abträgliche Phänomen einfach weg.[8] Da das Prinzip bei der Erfindung nicht umfassend patentiert wurde, setzte sich die Idee schnell in der gesamten Branche durch. Heute sind Getriebemotoren-Modelle so gut wie aller Hersteller in einteiligen Gehäuseblöcken untergebracht.

Im Bereich der Antriebselektronik hat Nord ein ungewöhnliches Konzept beim Hardware-Design des hauseigenen Servoreglers umgesetzt. Anders als bei der bis dahin üblichen Architektur werden in Nords Regler praktisch alle Aufgaben von einem einzigen DSP (digitaler Signalprozessor) erledigt. Das bringt einen Geschwindigkeitsvorteil, weil im Gegensatz zu konventionellen Reglern bei einem solchen Servo nicht intern Daten zwischen unterschiedlichen Subsystemen der Elektronik ausgetauscht und synchronisiert werden müssen.[9]

Am Markt und als technischer Vorreiter war man mit dieser Idee und dem entsprechenden Produkt nicht so schnell erfolgreich wie mit dem Blockgehäuse-Konzept. In der Automatisierungsbranche, der fast alle Kunden von Nord angehören, wurde das Unternehmen, so eine Marktstudie aus dem Jahr 2004, trotz des bis dahin schon breiten Sortiments an Leistungselektronik Anfang des letzten Jahrzehnts noch kaum als Komplettanbieter, sondern weiter vorrangig als Mechanik-Spezialist wahrgenommen.[10]

Produkt- und Leistungsspektrum im ÜberblickBearbeiten

  • Getriebemotoren, Getriebe, Elektromotoren, Industriegetriebe, Asynchronmotoren, Synchronmotoren
  • IE2-Motoren, IE3-Motoren, IE4-Motoren, IE5-Motoren
  • Frequenzumrichter, Motorstarter, dezentrale Frequenzumrichter
  • Antriebstechnische Komplett- und Sonderlösungen, Anwendungsberatung, explosionsgeschützte Antriebssysteme, energiesparende Antriebssysteme, dezentrale Antriebslösungen

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. Impressum
  2. Impressum
  3. NORD – Präsentation der NORD Drivesystems Gruppe – Umsatz, Mitarbeiter. Abgerufen am 17. Dezember 2018.
  4. Vorstellung NORD Gruppe
  5. „Global tätiger Antriebsspezialist mit hanseatischen Wurzeln“. Maschinenmarkt Special Innovativer Norden 2007, S. 10–11. Vogel Industrie Medien, Würzburg 2007.
  6. „Getriebe on demand“. antriebstechnik 2/2006, S. 42–43. Vereinigte Fachverlage, Mainz 2006.
  7. „TR trifft: Jutta Humbert, Getriebebau Nord.“ Technische Revue Nr. 5 Mai 2007, S. 48. Thomas Industrial Media, Hattingen 2007.
  8. „Auf Wachstumskurs.“ cav Chemie Anlagen Verfahren 3/2005, S. 37–38. Konradin Verlag, Leinfelden-Echterdingen, März 2005.
  9. „Dynamische Einprozessor-Intelligenz.“ elektro AUTOMATION 56. Jg. Nr. 4, S. 55–56. Konradin Verlag, Leinfelden-Echterdingen, April 2003.
  10. „Bekanntheitsgrade Frequenzumrichter-Anbieter“. elektro AUTOMATION Online. Konradin Verlag, Leinfelden-Echterdingen, o. J. Im hier veröffentlichten Ranking des Bekanntheitsgrades von Anbietern von Frequenzumrichtern rangiert Getriebebau Nord mit einem Bekanntheitsgrad von 15,1 % auf dem neunten Platz (Memento des Originals vom 28. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ea-online.de.

EinzelnachweiseBearbeiten