Hauptmenü öffnen

Gesundheitskommunikation

Gesundheitskommunikation (englisch Health Communication) ist ein interdisziplinärer Forschungszweig, welcher sich aus der Gesundheitswissenschaft und der Kommunikationswissenschaft zusammensetzt.

Hauptgegenstand der Forschung sind allgemeine gesundheitliche Themen, wie zum Beispiel Gesundheitsförderung, Krankheitsprävention und Krankheitsverbreitung (Epidemiologie). Hinzu kommen kommunikative Aspekte, die sich mit der Aufbereitung und Vermittlung der gesundheitsrelevanten Informationen beschäftigen, um sie medienwirksam einem Publikum zu präsentieren. Die Relevanz der Gesundheitskommunikation – also des übergreifenden Austausches über gesundheitsbezogene Themen – hat in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen und ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsforschung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher HintergrundBearbeiten

Die Anfänge der Gesundheitskommunikation lassen sich auf die Gründung der Therapeutic Communication Interest Group zurückführen, die im Jahre 1975 von der International Communication Association in Amerika etabliert wurde. Die Therapeutic Communication Interest Group wurde später zur Health Communication Division umbenannt und beschäftigt sich unter anderem mit der Arzt-Patienten-Beziehung und Gesundheitskampagnen zur Aufklärung und der Gesundheitspolitik.

1984 erschienen erste Bücher, die sich mit dem Thema Gesundheitskommunikation beschäftigten.[1] 1996 wurde das Journal of Health Communication gegründet, das über neue Erkenntnisse im Bereich Gesundheitskommunikation informiert. Es befasst sich vor allem mit den Themen Risikokommunikation, soziales Marketing und Kommunikation als Wissenschaft, die genutzt werden muss, um die Menschen über gesundheitlich relevante Themen aufzuklären. Das National Cancer Institute gründete 1999 eine Forschungsgruppe, die sich mit Problemen der breiteren Informationen über die Prävention und Intervention von Krebserkrankungen befasst.

ZieleBearbeiten

  • Information und Aufklärung der Bevölkerung über gesundheitsrelevante Themen,
  • Vermittlung und der Austausch von Wissen über verschiedene Bereiche des Gesundheitswesens,
  • Gesundheitsförderliche Verhaltensweisen sollen initiiert, beeinflusst und unterstützt werden.

Ansatzpunkte für die Gesundheitskommunikation befinden sich in den Bereichen direkter, personaler Kommunikation im Gesundheitswesen (Arzt–Patient), der Massenmedien (Hörfunk, Fernsehen, Zeitungen) und der interaktiven Medien (Internet).

Methoden und VorgehensweisenBearbeiten

Im Arbeitsfeld der Gesundheitskommunikation vereinen sich in Gesundheitsberufen Beschäftigte sowie Personen mit verschiedenen akademischen Hintergründen und Spezialgebieten zu einer Berufsgruppe, wie Soziologen, Medizinern, Physiotherapeuten, Experten für Umwelt, Kommunikation und Wirtschaft.

Diese Spezialisten haben oftmals ihre eigenen Arbeitsmethoden. Um jedoch die komplexen Aufgabenstellungen, die Gesundheitserhaltung und -förderung in den meisten Fällen mit sich bringen, bewältigen zu können, ist die Verbindung der fachspezifischen Methoden entscheidend. Derartige Zusammenschlüsse sind beispielsweise bei der Ausarbeitung von Gesundheitskampagnen zu beobachten. Kommunikationswissenschaftler, Psychologen, Grafiker und weitere Fachexperten arbeiten dabei gemeinsam an einer bestimmten Zielsetzung. Dies kann die Aufklärung einer breiten Bevölkerungsgruppe über ein ausgewähltes, gesundheitswissenschaftliches Thema aber auch ein präventives Vorgehen sein. Die weitreichendsten und größten Kampagnen dieser Art entstehen in Deutschland im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Gesundheitskommunikation im Allgemeinen hat auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Auswirkungen auf den Rezipienten. Zum einen gibt es die Individualebene, in der sich affektive, kognitive, konative und physiologische Wirkungen feststellen lassen. Zum anderen hat die Gesundheitskommunikation Auswirkungen auf der Mesoebene. Hier wird Kommunikation zwischen Personen oder Institutionen suggeriert.[2] In erster Linie treten vor allem positive Folgen, wie die Steigerung des Gesundheitsbewusstseins des Rezipienten auf. Allerdings können auch negative Folgen, wie Verunsicherung, zum Vorschein kommen.[3]

Lehre und BerufBearbeiten

Gesundheitskommunikation hat sich aus einer starken Praxis- und Anwendungsorientierung entwickelt.[4] An der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld wird seit 2002 der Bachelorstudiengang Health Communication angeboten. Er verbindet die Fachgebiete Gesundheitswissenschaften und Kommunikationswissenschaften. Neben gesundheits- und kommunikationswissenschaftlichen Grundlagen werden folgende Schwerpunkte gelehrt:

Dieser Studiengang wird bisher ausschließlich an der Universität in Bielefeld angeboten. Andere Universitäten bieten aber ähnliche Studiengänge an, in denen andere Schwerpunkte gesetzt werden.

An der Universität Bielefeld ist es möglich, den Master in Public Health und European Public Health zu studieren. Der Studiengang Master in Public Health wird sowohl in Bielefeld als auch beispielsweise in München, Wilhelmshaven, Düsseldorf und Fulda angeboten.

Das Postgraduate Center der Universität Wien bietet mit dem berufsbegleitenden Masterprogramm Health Communication zudem eine systematische Weiterbildung im Bereich der Gesundheitskommunikation. Neben einer Einführung in die Grundlagen der Gesundheitskommunikation und die Grundlagen der Gesundheit stehen folgende Inhalte im Fokus:

Tätigkeitsfelder und -bereicheBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kreps & Thornton (1984), Sharf (1984), and Northhouse & Northhouse (1985).
  2. G. L. Kreps, D. O’Hair, M. Clowers: The Influences of Human Communication on Health Outcomes. In: American Behavioral Scientist. 38, 1994, S. 248–256.
  3. E. M. Rogers: The Field of Health Communication Today. In: American Behavioral Scientist. 1994. 38, 208 – 214.
  4. Hurrelmann / Leppin 2001, S. 11.
  5. Schnabel 2006, S. 134ff.

LiteraturBearbeiten

  • Constanze Rossmann, Matthias R. Hastall (Hrsg.): Handbuch der Gesundheitskommunikation. Kommunikationswissenschaftliche Perspektiven. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-10948-6.
  • Doreen Reifegerste, Alexander Ort: Gesundheitskommunikation. Studienkurs Medien & Kommunikation. Nomos, Baden-Baden 2018, ISBN 978-3-8487-3859-5. (online)
  • Klaus Hurrelmann, Eva Baumann (Hrsg.): Handbuch Gesundheitskommunikation. Verlag Hans Huber, Bern 2014, ISBN 978-3-456-85432-8. (online)
  • Dietmar Jazbinsek (Hrsg.): Gesundheitskommunikation. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2000, ISBN 3-531-13427-2.
  • Klaus Hurrelmann, Klaus Leppin (Hrsg.): Moderne Gesundheitskommunikation. Verlag Hans Huber, Bern, 2001, ISBN 3-456-83640-6.
  • Peter Ernst Schnabel: Gesundheitskommunikation auf dem Weg zum Beruf? In: Johanne Pundt (Hrsg.): Professionalisierung im Gesundheitswesen. Verlag Hans Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84232-5.
  • Gary Kreps u. a.: The History and Developments of the Field of Health Communication. Greenwood 1998.
  • Hans Strohner: Kommunikation: kognitive Grundlagen und praktische Anwendungen. 2006, ISBN 3-525-26534-4.
  • Bettina Fromm, Eva Baumann, Claudia Lampert: Gesundheitskommunikation und Medien. Ein Lehrbuch. Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-020683-0.

WeblinksBearbeiten