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GeographieBearbeiten

Todtnau liegt im Südschwarzwald zwischen Feldberg und Belchen in 570 bis 1390 Metern Höhe im Wiesental. Mehr als 60 % des Gemeindegebiets ist von Wald bedeckt.

StadtgliederungBearbeiten

Zur Stadt Todtnau mit den früher selbständigen und in den 1970er Jahren eingemeindeten Gemeinden Aftersteg, Geschwend, Muggenbrunn, Präg, Schlechtnau und Todtnauberg gehören die Stadt Todtnau und 25 weitere Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuser:

  • Aftersteg: Dorf Aftersteg, Weiler Hasbach
  • Geschwend: Dorf Geschwend, Häuser Gisiboden (auch Dießenboden) und Grafenmatte
  • Muggenbrunn: Dorf Muggenbrunn
  • Präg: Dörfer Präg (Hinter- und Vorderdorf) und Herrenschwand, Hof Präger Böden und Haus Weißenbach
  • Schlechtnau: Dorf Schlechtnau und Häuser Kressel
  • Todtnau (in den Grenzen von 1971): Stadt Todtnau, Stadtteile Brandenberg und Fahl, Siedlung Auf der Säge, Weiler Poche, Haus Notschrei
  • Todtnauberg: Dorf Todtnauberg, Weiler Ennerbach, Hangloch und Rütte, Zinken Büreten, Hof Ebenehof, Häuser Hornmatt und Radschert

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Präg liegt die Wüstung Schloß.[3]

Einwohnerzahl der zehn Stadtteile am 2. Januar 2019[4]:

Stadtteil Einwohnerzahl
Todtnau 2231
Todtnauberg 713
Geschwend 393
Schlechtnau 353
Brandenberg 301
Aftersteg 306
Präg 253
Muggenbrunn 232
Herrenschwand 106
Fahl 30
Stadt Todtnau 4918

NachbargemeindenBearbeiten

Todtnau grenzt (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend) an die Gemeinden:

GeschichteBearbeiten

 
Todtnau im Jahre 1873, drei Jahre vor dem Stadtbrand

Bis zum 18. JahrhundertBearbeiten

Die Besiedlung der Gegend begann im 6. Jahrhundert durch die Alamannen. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Todtnau im Jahre 1025 in einer Urkunde Kaiser Konrads II. Seit 1125 unterstand der Ort der Gerichtsbarkeit der Zähringer, nach dem Erlöschen des Geschlechts ging das Recht 1218 an die Staufer über. 1288 war das Gründungsjahr als Pfarrei. Bereits 1283 wurde Todtnauberg erwähnt, das, ebenso wie das 1352 erwähnte Aftersteg, als Bergbausiedlung entstanden war. Todtnau war um diese Zeit das Zentrum des Silberbergbaus im Südschwarzwald und gehörte mit seiner Umgebung damals als Vogtei zum Kloster St. Blasien. Während die Bauernsiedlung Aftersteg 1352 aus drei Häusern und Scheunen bestand, waren in diesem Jahr in Todtnau bereits zehn Häuser um die Kirche, 23 Einsiedlerhöfe und 23 Erzmühlen zu finden. Im 17. Jahrhundert war die Blütezeit des Silberbergbaus bereits vorbei, und spätestens durch den Dreißigjährigen Krieg verarmten die ehemals reichen Bergleute und waren gezwungen, ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft zu bestreiten.

Von 1366 bis 1805 gehörte Todtnau zu Vorderösterreich, danach wurde es badisch.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Am 24. Juli 1809 erlangte Todtnau das Stadtrecht.

1876 verwüstete ein Großbrand den Ortskern mit der damals im Tal stehenden Kirche und das sogenannte Oberdorf (Oberstraße). Das heutige Ortsbild mit der über dem Tal stehenden Kirche ist ein Ergebnis des darauf folgenden Wiederaufbaus.

Inzwischen sind Todtnau und die Umgebung ein beliebtes Ferienziel im Südschwarzwald. Außerdem war es bis 1967 Endpunkt des „Todtnauerli“, einer Schmalspurbahn, die in Zell im Wiesental begann.

EingemeindungenBearbeiten

1939 wurde Brandenberg-Fahl eingemeindet. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden die folgenden Gemeinden nach Todtnau eingemeindet:

  • 1. April 1972: Schlechtnau[5]
  • 1. April 1974: Aftersteg, Geschwend, Muggenbrunn, Präg, Todtnauberg[6]

Wappen der ehemaligen Gemeinden

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Kommunalwahl 2019[7]
Wahlbeteiligung: 70,2 % (2014: 58,6 %)
 %
50
40
30
20
10
0
49,4 %
24,2 %
26,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,7 %p
-1,1 %p
+5,7 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b Freie Wählervereinigung

Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 24 Mitglieder an. Die Wahl führte bei einer Wahlbeteiligung von 58,6 % (+ 11,6) zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil +/- %p Sitze +/−
CDU 49,4 % −- 4,7 12 + 2
SPD 26,4 % + 5,7 6 + 2
FWV 24,2 % - 1,1 6 + 2
Gesamt 100 18

BürgermeisterBearbeiten

Im Juni 2015 wurde Andreas Wießner mit 84,4 % im Amt bestätigt, damit beginnt seine dritte Amtszeit.[8] Edmund Keller war von 1975 bis 1999 der Bürgermeister. Sein Vorgänger war Franz Dietsche.[9]

WappenBearbeiten

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Gold auf grünem Boden ein linkshin schreitender Bergmann in silbern geschmückter grüner Gewandung mit schwarzer Kappe; mit der Rechten einen schwarzen Schlägel schulternd, in der Linken eine brennende Fackel haltend; an den Armen hängen rechts ein schwarzer Beutel, links zwei schwarze Steigeisen.“

Die Wappenbeschreibung ist ein Hinweis auf die historische Bedeutung des Silberbergbaus in der Umgebung der Stadt. Auch die Wappen von eingemeindeten Gemeinden zeigen Elemente, die auf den Bergbau verweisen (Aftersteg, Brandenberg, Todtnauberg).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Todtnauer Wasserfälle, Hauptstufe

NaturBearbeiten

Zwischen Todtnau und Aftersteg befinden sich die Todtnauer Wasserfälle, in denen der Stübenbach 97 Meter in die Tiefe stürzt. Sie sind von Parkplätzen bei Todtnauberg und Aftersteg aus erreichbar. Im oberen Talschluss des Wiesentales finden sich die Fahler Wasserfälle mit einer Gesamthöhe von rund 40 Metern. Große Teile des Stadtgebietes von Todtnau sind von den beiden größten Naturschutzgebieten Baden-Württembergs eingenommen, dem Natur- und Landschaftsschutzgebiet Feldberg und dem Gletscherkessel Präg.

Auf einem historischen Rundgang[10] durch Todtnau-Muggenbrunn bietet sich die Möglichkeit, eine geschichtliche Reise zu unternehmen. Das Dorf und dessen Vergangenheit können Interessierte auf insgesamt 21 Informationstafeln, die sich unterwegs befinden, kennenlernen. Die Natur des Ortes und ein Ausblick über Muggenbrunn gehören bei dieser Wanderung ebenso dazu wie ein Besuch im ältesten Haus des Dorfes.

Im März 2019 stürzte im Ortsteil Geschwend ein 5,5 Tonnen schwerer Felsbrocken aus 800 Metern Höhe beinahe auf ein Haus am Fuße des Berges. Sieben Monate später, am 23. Oktober, ließ Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner 15 Häuser evakuieren. Auch die Kirche St. Wendelin darf nicht betreten werden. Einige Wochen später durften sechs der Häuser wieder bewohnt werden. Inzwischen wird der Hang mit Ankern und Stahlnetzen gesichert.[11][12]

SportBearbeiten

Auf dem südöstlich gelegenen Hasenhorn befindet sich neben einer Mountainbike-Downhill-Strecke und einer im Winter präparierten Schlitten-Rodelpiste mit 3500 m Länge[13], eine 2900 Meter lange Allwetter-Rodelbahn (Sommer- und Winterbetrieb). Die Bahn überwindet einen Höhenunterschied von 385 Metern.

In der Schwarzwald-Kaserne in Todtnau-Fahl gibt es eine Sportfördergruppe der Bundeswehr.

In Todtnau wurde 1891 der erste deutsche Skiclub gegründet, der Skiclub Todtnau 1891.[14]

In Todtnauberg gibt es fünf Schlepplifte und ein Förderband mit einer Pistenlänge von 13 Kilometern. Immer mittwochs bis freitags gibt es Flutlichtfahren ab 17 Uhr. Mit der Hochschwarzwald-Card können diese Lifte kostenlos genutzt werden, da sie zum Liftverbund Feldberg gehören.[15]

Das ebenfalls in Todtnau ansässige Nordic Center Notschrei[16] mit seiner Nordic Arena ist als DSV-Bundesstützpunkt für Ski Nordisch/Biathlon eine Anlaufstelle für Bundes- und Landeskader-Athleten sowie ergänzend durch Verbands-Kader und Vereine. Auch der Deutsche Behinderten-Sportverband (DBS) und internationale Trainingsgruppen nutzen die Anlage. Die Arena stellt den einzigen Wettkampf-tauglichen Standort für Biathlon in Baden-Württemberg dar, sodass hier nationale und internationale Wettbewerbe durchgeführt werden können. Zum Nordic Center Notschrei gehören außerdem das angrenzende Loipenzentrum und eine Nordic-Schule.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Seit 1975 findet jährlich das Städlifest statt. Bei diesem Stadtfest betreiben Todtnauer Vereine Verkaufsstände für verschiedene Spezialitäten und Festzelte. Ein Teil des dabei erwirtschafteten Gewinns geht an jährlich wechselnde Wohltätigkeitsorganisationen.

Seit 2002 wird in Todtnauberg, wo Martin Heidegger viel Zeit in seiner Hütte verbrachte, ein „Philosophischer Herbst“ veranstaltet, dessen Thematik vom Werk des Philosophen inspiriert ist. Ebenfalls in Todtnauberg werden seit 2005 unter dem Motto „Lesen auf dem Berg“ im November und Dezember die Literaturtage Todtnauberg veranstaltet, eine Plattform für Begegnungen mit oberrheinischen Autoren. Zudem findet seit 2006 alle zwei Jahre das Schwarzwälder Kirschtortenfestival statt, bei dem jeweils Amateure und Profis mit ihren Schwarzwälder Kirschtorten im Wettbewerb stehen.[17][18]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die Bundesstraße 317 (Weil am Rhein – Feldbergpass – Titisee-Neustadt) bindet Todtnau an das überregionale Straßennetz an. Ferner gibt es eine Straßenverbindung in den Raum Freiburg auf der Landesstraße 126 über den Notschrei nach Kirchzarten im Dreisamtal und ab Notschrei auch über den Schauinsland direkt nach Freiburg (L 124). Der Bahnhof Todtnau lag an der heute stillgelegten Bahnstrecke Zell im Wiesental–Todtnau. Über Geschwend erreicht man über den Weißenbachsattel und die Gemeinde Todtmoos im benachbarten Landkreis Waldshut.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Die größten Industrieunternehmen und Arbeitgeber sind die Textilwerke Todtnau Bernauer KG sowie die Firmen Zahoransky Group (der weltweit größte Hersteller von Maschinen zur Bürstenproduktion), Ebser (ebenfalls traditionsreicher Hersteller von Bürstenmaschinen) und die Bürstenhersteller Faller, Huber, Keller, Knotz und Sättele. Ein Teil der örtlich ansässigen Unternehmen bemüht sich seit dem Jahr 2002 als Initiativkreis Oberes Wiesental (IOW) um die Verbesserung der ökonomischen und sozialen Infrastruktur des oberen Wiesentals.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Weitere PersönlichkeitenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. http://www.todtnau.de/buergerservice/statistiken/einwohner.htm
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 901–906
  4. Einwohnerstatistik 2019 auf der Webseite der Stadt Todtnau, abgerufen am 17. März 2019.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 498.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 521.
  7. Badische Zeitung online, 28. Mai 2019, abgerufen am 8. September 2019
  8. http://www.badische-zeitung.de/todtnau/todtnau-andreas-wiessner-im-amt-bestaetigt--106862450.html
  9. http://www.badische-zeitung.de/todtnau/vieles-voran-gebracht--45140775.html
  10. Todtnau Muggenbrunn – historischer Rundgang. Abgerufen am 25. Januar 2019.
  11. Frank Zimmermann: In Todtnau-Geschwend herrscht die Angst vor der Steinlawine. Badische Zeitung, 16. November 2019, abgerufen am 8. Dezember 2019.
  12. Martin Klabund: So werden die Felsen in Geschwend vor dem Absturz gesichert. Badische Zeitung, 4. Dezember 2019, abgerufen am 8. Dezember 2019.
  13. Internetpräsenz der Hasenhorn-Rodelbahn, abgerufen am 22. November 2012.
  14. Homepage des Vereins
  15. Stilecht Designagentur: Skilifte Todtnauberg. Abgerufen am 9. Oktober 2017.
  16. Nordic Center Notschrei. Trägerverein Schwarzwald Nordic-Center Notschrei e. V., abgerufen am 25. Januar 2019.
  17. Kirschtortenfestival. In: bergwelt-suedschwarzwald.de. Abgerufen am 6. Juli 2012.
  18. 7. Kirschtortenfestival. Hochschwarzwald Tourismus GmbH. Abgerufen am 20. März 2016.
  19. http://www.mopo.de/news/gesellschaft-museum-ueber-dauerwellen-erfinder-karl-nessler-eroeffnet,5066732,5744870.html

WeblinksBearbeiten

  Commons: Todtnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Todtnau – Reiseführer