Gertrud von Hohenberg

Stammmutter der Familie von Habsburg

Gertrud von Hohenberg (* um 1230; † 16. Februar 1281 in Wien) war als Gemahlin Rudolfs von Habsburg ab 1253 Gräfin von Habsburg, Kyburg und Löwenstein und ab 1273 als Anna von Habsburg römisch-deutsche Königin.

Sarkophag im Basler Münster. Inschrift: Gertrud Anna Gemahlin Rudolfs von Habsburg. Geborene Gräfin von Hohenberg † 1281. Graf Karl von Habsburg, deren Söhnlein † 1276 Tumba Gertruds von Hohenberg und ihres Sohns Karl von Habsburg im Basler Münster, sie zeigt neben dem österreichischen Bindenschild den römisch-deutschen Königsadler und den steirischen Panther
Sarkophag im Basler Münster
Sarkophag im Basler Münster. Inschrift: Gertrud Anna Gemahlin Rudolfs von Habsburg. Geborene Gräfin von Hohenberg † 1281. Graf Karl von Habsburg, deren Söhnlein † 1276 Tumba Gertruds von Hohenberg und ihres Sohns Karl von Habsburg im Basler Münster, sie zeigt neben dem österreichischen Bindenschild den römisch-deutschen Königsadler und den steirischen Panther
Sarkophag von Gertrud von Hohenberg mit Sohn Karl von Habsburg im Basler Münster

Anna von Habsburg gilt als Stammmutter der Dynastie der Habsburger.

LebenBearbeiten

Klärung ihrer AbstammungBearbeiten

Gertrud von Hohenberg war die älteste Tochter des Grafen Burkhard V. von Hohenberg und dessen Ehefrau Pfalzgräfin Mechthild von Tübingen, Tochter von Pfalzgraf Rudolf II. von Tübingen. Die schwäbischen Grafen von Hohenberg waren eine früh abgespaltene Seitenlinie der Grafen von Zollern.

Die Acta Murensia nennen sie “uxor Gertrudis, quae et Anna, Ludovici, Comitis Froburgi et Hochbergi Comitis filia” (die Ehefrau Gertrud, die auch unter dem Namen Anna erscheint, die Tochter Ludwigs, des Grafen von Frohburg und Hochberg). Der Schweizer Historiker Aegidius Tschudi († 1572) stellte folglich die These auf, dass Gertrud von Hohenberg, die Ehefrau Königs Rudolf von Habsburg, aus dem Hause Homberg-Frohburg stamme.[1] Gemäß Tschudi wäre Gertrud Tochter († 1274) des Grafen Ludwig und Schwester von Graf Hartmann und Graf Herman IV. Die Grafschaft Homberg kam jedoch erst durch Heirat ihres (von Tschudi vermuteten) Bruders Herman IV. mit der Erbtochter des Grafen Werner III. von Homberg an die Frohburger.[2]

Die ältere Auffassung wurde 1758 durch Johann Friedrich Herbster zweifelsfrei widerlegt, der Gertrud oder Anna dem schwäbischen Hause Hohenberg zuordnen konnte.[3] Grundlage dafür war ihm eine Urkunde vom 27. Februar 1271. Darin verkauft ihr Ehemann Rudolf, Graf von Kyburg[4] und Habsburg dem Kloster St. Märgen einen Hof in Tiengen (Freiburg im Breisgau), der ihm als Heiratsgut seiner Gemahlin Gertrud (“Nobilis mulieris Gertrudis uxoris”) verpfändet war. Dieser Transaktion stimmten die Brüder Gertruds “… nobilium virorum fratrum suorum Alberti, Burchardi et Vlrici Comitum de Hohinberg” ausdrücklich zu. Der Sachverhalt ist in drei Urkunden bezeugt.[5] Demzufolge stammte Gertrud mit Gewissheit aus dem Haus der schwäbischen Hohenberg.

Ehe und NachkommenBearbeiten

Gertrud heiratete um 1253 im Elsass Graf Rudolf von Habsburg, Sohn des Grafen Albrecht IV. und dessen Gemahlin Gräfin Heilwig von Kyburg.

Zwanzig Jahre lang war Gertrud von Hohenberg Burggräfin auf der Burg Stein. Am 1. Oktober 1273 wählten die Kurfürsten ihren Mann in Frankfurt am Main einstimmig zum deutschen König. Nach dessen Krönung in Aachen nannte sie sich Königin Anna.

Aus der Ehe mit Rudolf gingen vierzehn Kinder hervor (sechs Söhne und acht Töchter), unter anderem:

Tod und BestattungBearbeiten

Die Gemahlin König Rudolfs I. hatte das Basler Münster zu ihrer Grabstätte bestimmt.[6] Ausführlich schildert der Chronist von Colmar die Vorbereitungen für ihren letzten Weg sowie die Umstände der Leichenkonservierung: "Ihrem Leichnam wurden die Eingeweide entnommen, die Bauchhöhle wurde mit Sand und Asche gefüllt, das Gesicht einbalsamiert. Dann übergab man den Körper mit einem Wachstuch und hüllte ihn in prächtige seidene Gewänder. Eine goldene Kette zierte das verschleierte Haupt. Dann legte man die tote Königin in den Sarg, der aus Buchenholz gefertigt war, ihre Arme waren über die Brust gekreuzt. So sah der König seine Gemahlin zum letzten Male, ehe der Sarg mit eisernen Bändern verschlossen wurde." Der Leichenzug kam am 20. März 1281 in Basel an. „Drei Bischöfe zelebrierten das Totenamt, bei dem der Sarg senkrecht aufgestellt wurde und der Deckel geöffnet war, damit alle Anwesenden die hohe Verstorbene noch einmal sehen konnten.“[7][8]

GrabstätteBearbeiten

Im Chorgang des Basler Münsters befindet sich ihr Sarkophag und der ihres jüngsten Sohns Karl. Ihr Grab wurde zusammen mit dem Grab ihres Sohnes Karl nach dem Erdbeben von 1356 auf die linke Chorseite verlegt. Erstmals nach dieser Umbettung wurde das Grab 1510 durch die Basler Chorherren geöffnet. Dabei wurden die Königskrone, ein Ring und eine Halskette entnommen. Eine weitere Öffnung der Gruft folgte 1770. Dabei wurden ihre Gebeine, sowie die Gebeine ihrer verstorbenen Söhne Karl und Hartmann durch die Feierliche Übersetzung der kaiserlich-königlichen-auch-herzoglich-österreichischen höchsten Leichen in das Kloster St. Blasien verlegt; heute ruhen sie im Stift St. Paul im Lavanttal in Kärnten. In Basel verblieb ein Kenotaph.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Gertrud von Hohenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aegidius Tschudi: Chronicon Helveticum, Band I., S. 141 und 182
  2. Möglich erscheinen diverse Verwechslungen des zu der Zeit häufigen Namens, so war die Gemahlin des Ludwig Grafen von Froburg-Homberg – und Mutter der nämlichen Gertrude – die Tante des Rudolf I., Gertrude von Habsburg († 1241).
  3. Johann Friedrich Herbster: Nachricht von Kaiser Rudolphs von Habsburg erster Gemahlinn (so!). In: Juristisches Wochenblatt, 1. Jg., Leipzig 1772, S. 118–136 (Nachdruck aus Carlsruher nützliche Sammlungen auf das Jahr 1758).
  4. Die ursprünglichen Kyburger wie auch die habsburgischen Grafen von Kyburg aus der Nebenlinie Laufenberg waren eigentlich immer Widersacher der österreichischen Habsburger; das Haus (Alt-)Kyburg erlosch aber 1264 im Mannesstamme, der Laufenburger Eberhard I. begründete das Haus Neu-Kyburg 1273 durch die Hochzeit mit der Erbtochter Anna von Kyburg. Dazwischen war aber Rudolph I. der gesetzliche Vormund, und damit war er 1271 auch der amtierende Graf von Kyburg.
  5. Ludwig Schmid: Geschichte der Grafen von Zollern-Hohenberg und ihrer Grafschaft, nebst Urkundenbuch, Stuttgart, Gebrüder Scheitlin, 1882, Bd. [2], S. 37 Nr. 60, S. 39 Nr. 61, S. 41 Nr. 62.
  6. Basler Münster: Grabmal der Königin Anna von Habsburg und ihres Sohnes Karl. Abgerufen am 12. April 2020.
  7. Johann Franzl: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen Thron. Verlag Styria 1986, S. 60, 201-204; siehe auch hier
  8. Die Odyssee einer toten Königin
VorgängerinAmtNachfolgerin
InterregnumRömisch-deutsche Königin
1273–1281
Isabella von Burgund