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Gertrud Eysoldt

deutsche Schauspielerin und Regisseurin
Gertrud Eysoldt, um 1888
Porträt Gertrud Eysoldts als Salome von Lovis Corinth 1903
Porträt Gertrud Eysoldts von ihrem späteren Ehemann Benno Berneis 1910
Gedenktafel in der Marktgasse in Pirna
Grabstätte

Gertrud Franziska Gabriele Eysoldt, auch Gertrud Martersteig und Gertrud Berneis (* 30. November 1870 in Pirna; † 5. Januar[1] 1955 in Ohlstadt, Oberbayern) war eine deutsche Schauspielerin und Regisseurin.

Leben und LeistungenBearbeiten

Gertrud Eysoldt, die Tochter des Pirnaer Stadtverordneten und Vertreters der Deutschen Fortschrittspartei Friedrich Arthur Eysoldt sowie von Bertha Wilhelm[2], studierte von 1888 bis 1889 an der königlichen Musikschule. Ihr Theaterdebüt gab sie 1890 am Hoftheater in München.

Sie war u. a. Ensemblemitglied in den Theatern von Max Reinhardt, spielte an verschiedenen Theatern in Meiningen, Dresden, München, Riga, Stuttgart und Berlin. Sie spielte unter anderem die Rollen der Salome, Lulu, Elektra und Penthesilea, in Werken von Hugo von Hofmannsthal, Henrik Ibsen, August Strindberg und Frank Wedekind.

Sie unterrichtete in den 1920er Jahren auch an der Schauspielschule des Deutschen Theaters – wahrscheinlich mehr als 2.000 Schülerinnen. Von 1920 bis 1922 war sie Direktorin des Kleinen Schauspielhauses Berlin-Charlottenburg. Dort setzte sie trotz Zensurverbots die Aufführung von Arthur Schnitzlers (1862–1931) Reigen durch, weswegen sie im „Reigenprozess“ verklagt wurde, weil das Stück damals als unmoralisch galt. Sie stand im Ruf, die „erste Feministin des deutschen Theaters“ zu sein.

Sie erlangte Berühmtheit durch meisterhaft gespielte Vamprollen, auch in mehreren Kinofilmen, unter anderen zuletzt in Nachtwache. Daneben war sie befreundet mit dem in Berlin wohl bekanntesten Psychiater, Theaterarzt und Psychotherapeuten Arthur Kronfeld, der damals am Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld tätig war. Von ihm ist sie später wohl auch angeregt worden, sich im unterstützenden Komitee zur Vorbereitung des großen, von Kronfeld 1930 in Berlin organisierten 5. Internationalen Kongresses für Individualpsychologie zu engagieren, an dem auch Alfred Adler teilnahm. 1945 wurde sie zum Ehrenmitglied des Deutschen Theaters berufen.

In erster Ehe war sie mit dem Schauspieler und Schriftsteller Max Martersteig verheiratet. Aus der Ehe ging 1891 der spätere Dirigent und Komponist Leo Eysoldt hervor. 1910 wurde ihr zweiter Sohn Peter Berneis geboren, der ebenfalls als Schauspieler tätig war und nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem als Drehbuchautor arbeitete. Vater war der Maler Benno Berneis, den Gertrud Eysoldt 1915 heiratete.

EhrungenBearbeiten

Der mit ihr befreundete Theaterkritiker Wilhelm Ringelband stiftete zur Erinnerung an sie den Gertrud-Eysoldt-Ring, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Er wird seit 1986 für hervorragende schauspielerische Leistungen an einem deutschsprachigen Theater von der Stadt Bensheim zusammen mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Wer diese Auszeichnung erhält, entscheidet eine jährlich wechselnde Jury.

In Pirna ist im Stadtteil Jessen eine Straße nach Gertrud Eysoldt benannt. An ihrem Geburtshaus in der Marktgasse 1 erinnert eine Gedenktafel an sie.

FilmografieBearbeiten

Theater (Regie)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gertrud Eysoldt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 6. Januar 1955 als Sterbetag wird z. B. von IMDb, filmportal.de, Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films und rororo Theaterlexikon 2 angegeben. 5. Januar 1955 findet sich dagegen bei dtv Theaterlexikon und Ulrich Liebe (Hrsg.): Von Adorf bis Ziemann. Die Bibliographie der Schauspieler-Biographien 1900-2000. Auf ihrem Grabstein ist zu erkennen, dass sie am 5. Januar starb.
  2. Digitale Bibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum. Abgerufen am 18. März 2018.