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Gerichtslaube (Berlin)

Die originale Berliner Gerichtslaube in gotischer Fassung im Park Babelsberg

Die Gerichtslaube ist ein historisches Gebäude in Berlin, das im 13. Jahrhundert als Anbau zum Alten Rathaus entstand. Jahrhunderte später bekam das Gebäude ein Eigenleben, wobei der Originalbau in den Park von Babelsberg versetzt und dort später überformt wurde. Im wiederaufgebauten Berliner Nikolaiviertel befindet sich eine aus modernen Materialien nachempfundene Kopie.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Gedenktafel der Gerichtslaube im Park Babelsberg

Die originale Gerichtslaube zählte bis zu ihrer Abtragung zu den ältesten Profanbauten der Stadt und gilt als Zeugnis städtischer Rechtsprechung und Selbstverwaltung im mittelalterlichen Berlin. Die zum Alten Rathaus gehörende Laube ist 1871 in ihrer hochmittelalterlich-gotischen Fassung in den Park von Babelsberg (Potsdam) versetzt worden. Ebenso wird als Gerichtslaube ein rekonstruiertes Gebäude bezeichnet, das an der Poststraße 28 im Berliner Nikolaiviertel steht.

Bau und FunktionBearbeiten

 
Die Kopie (in barocker Erscheinung) im Nikolaiviertel
 
Skulptur des Kaaks an der Außenwand der Gerichtslaube

Die Gerichtslaube wurde um 1270 in gotischen Formen aus Backstein errichtet. Ursprünglich war das Gebäude mit dem Rathaus an der Spandauer Straße Ecke Rathausstraße verbunden. Die beiden Geschosse waren jeweils über einem Mittelpfeiler vierjochig eingewölbt. Im Erdgeschoss stand der Schöffenstuhl, im Obergeschoss der Ratsstuhl. Am zentralen Rundpfeiler des Erdgeschosses symbolisierte ein umlaufender Fries in noch romanischer Formensprache die menschlichen Laster und Torheiten in Gestalt von Tieren. Die das Rippengewölbe des Obergeschosses tragende Stütze wurde 1555 durch eine Renaissancesäule mit Wappen von Berliner Bürgermeistern ersetzt. Neben dem Galgen war der Gerichtslaube auch ein Pranger angeschlossen. Dieser befand sich außen neben der Eingangstür an der Stelle, wo heute die Gedenktafel angebracht ist. Der Kaak, eine Vogelskulptur mit grinsendem Menschengesicht und Eselsohren, war ehemals als Sinnbild für Schimpf und Spott auf den Pranger bezogen.

Abbruch, Wiederaufbau und RekonstruktionBearbeiten

 
Kreuzrippengewölbe im Erdgeschoss der Gerichtslaube im Nikolaiviertel

Bei der Erweiterung des alten Rathauses 1692–1695 nach Plänen von Johann Arnold Nering wurde das Äußere der Gerichtslaube barockisiert. 1871 erfolgte der Abbruch im Zusammenhang mit dem Bau des Roten Rathauses. Der Abriss der Gerichtslaube war ein zeitgenössisches Politikum und führte u. a. zur Gründung des Vereins für die Geschichte Berlins. Die gesicherten Originalteile der Gerichtslaube wurden Wilhelm I. zum Geschenk gemacht und das Bauwerk 1871/1872 durch Johann Heinrich Strack im Park Babelsberg wiedererrichtet. Dort präsentiert sich der Bau heute als freistehender Pavillon in sichtbarem Backstein, wobei sich das mittelalterliche Material deutlich von dem des 19. Jahrhunderts abhebt. Die großen Maßwerkfenster wurden beim Wiederaufbau ebenso wie der obere Fassadenabschluss mit Fialen frei rekonstruiert.

Beim Bau des Roten Rathauses wurde eine Kopie der Mittelsäule in das Fundament des Turms eingebaut. Ein Abguss des Figurenfrieses wird im Märkischen Museum aufbewahrt. Bereits 1896 erfolgte ein erster Nachbau der Gerichtslaube auf dem Gelände der Berliner Gewerbe-Ausstellung in Treptow. Zu DDR-Zeiten wurde sie von 1985 bis 1987 schließlich bei der Neugestaltung des Nikolaiviertels auf Beschluss des Magistrats von Ost-Berlin von Günther Stahn als verputzter Betonfertigteilbau noch einmal errichtet.

Während die im Park Babelsberg wiederaufgebaute, überwiegend aus Originalteilen bestehende Gerichtslaube von Heinrich Strack regotisiert wurde, nähert sich die freie Rekonstruktion Günter Stahns in Berlin der barocken Fassadengestaltung des 17. Jahrhunderts an.

Aktuelle NutzungBearbeiten

Die überwiegend originale Gerichtslaube steht dekorativ im Babelsberger Park und ist nach den Grundsätzen der Landschaftsarchitektur Peter Joseph Lennés in die Grünfläche eingebunden. Die Flächen im Gebäude sind ungenutzt.

In der Kopie von Günter Stahn befindet sich seit dem 750. Stadtjubiläum Berlins im Jahr 1987 das Restaurant Zur Gerichtslaube mit einem für Berlin typischen Speisenangebot, im Sommer mit Biergarten.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Berliner Gerichtslaube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

Koordinaten: 52° 24′ 17,7″ N, 13° 5′ 15,3″ O