Hauptmenü öffnen

Gerhard Heilfurth

deutscher Volkskundler

WerdegangBearbeiten

Heilfurth stammt aus einer alten erzgebirgischen Bergmanns-, Handwerker- und Pfarrersfamilie. Ab 1920 besuchte er das Gymnasium in Schneeberg. Danach studierte er Germanistik, Soziologie, Volkskunde, Geschichte und Religionswissenschaft an den Universitäten Leipzig, Heidelberg und Palermo.

Heilfurth war – nach Angaben der Zeitung Neues Deutschland[1] – in den dreißiger Jahren im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund und in der Schulungsarbeit der Hitlerjugend tätig. Am 31. Mai 1933 trat er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei. Im Jahr 1935 wurde er mit der Dissertation Das erzgebirgische Bergmannslied promoviert. 1936 war er Assistent am Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg im Breisgau, 1937 wechselte er an die volkskundliche Abteilung des Germanistischen Instituts der Leipziger Universität. 1938 erhielt er vom Ruhrbergbau einen weitreichenden Forschungsauftrag zur volkskundlichen Gesamtdarstellung des Bergbaus.

Während des Zweiten Weltkrieges war Heilfurth Regimentsadjutant einer Kroatischen Infanteriedivision und am 1. März zum Leutnant ernannt worden. Die Beförderung – fand der Heimatforscher Mehlhorn aus Kriegstagebüchern dieser Einheit heraus – erfolgte, während sich die Truppe in Operationen namens »Weiß I« und »Weiß II« befand. Dabei wurden von Januar bis Mitte März 1943 insgesamt 2506 Partisanen gefangen genommen und 616 standrechtlich erschossen. Inwieweit sich Heilfurth selber Kriegsverbrechen zuschulden kommen ließ, ist nicht ermittelt worden.[2]

1949 folgte seine Berufung als Dozent an die Sozialakademie Friedewald. 1952 wurde er dort zum Studiendirektor, 1954 zum Akademiedirektor ernannt. 1959 wurde er zum Professor auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Volkskunde an die Philipps-Universität Marburg berufen, nachdem er bereits einige Jahre an der Universität Gießen als Professor für deutsche Philologie, Volkskunde und Soziologie gelehrt hatte. 1960 gründete er in Marburg das Institut für mitteleuropäische Volksforschung. Sein Nachfolger wurde 1980 der Volkskundler Peter Assion.

Preise und AuszeichnungenBearbeiten

PublikationenBearbeiten

  • Das erzgebirgische Bergmannslied. Ein Aufriß seiner literarischen Geschichte. Schwarzenberg/Erzgebirge 1936.
  • Neustädtel im Erzgebirge. Bilder vom Werden und Wesen einer erzgebirgischen Kleinstadt. Glück-Auf-Verlag, Schwarzenberg 1937
  • (Hrsg.) Anton Günther. Gesamtausgabe der Liedertexte, Gedichte, Sprüche und Erzählungen. Glückauf, Schwarzenberg/Erzgebirge 1937.
  • Das Bergmannslied. Wesen, Leben, Funktion. Ein Beitrag zur Erhellung von Bestand und Wandlung der sozialkulturellen Elemente im Aufbau der industriellen Gesellschaft. Bärenreiter, Kassel u. a. 1954.
  • (Hrsg.) Anton Günther: Eine Auswahl seiner Gedichte, Lieder, Sprüche und Geschichten. VEB Friedrich Hofmeister, Leipzig 1956.
  • Glückauf! Geschichte, Bedeutung und Sozialkraft des Bergmannsgrusses. Essen 1958.
  • Volkskunde jenseits der Ideologien. Zum Problemstand des Faches im Blickfeld empirischer Forschung (= Schriften der Universität Marburg. Band 9). Marburg 1961.
  • (Hrsg.) Der erzgebirgische Volkssänger Anton Günther. Leben und Werk. Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main 1962.
  • Das Heilige und die Welt der Arbeit am Beispiel der Verehrung des Propheten Daniel im Montanwesen Mitteleuropas. Marburg 1963.
  • Beiträge zu Brauch, Fest und Feier, Konvention, Sitte sowie Volkskunde/Volksforschung in Wilhelm Bernsdorf (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Enke, Stuttgart 1969.
  • Das Montanwesen als Wegbereiter im sozialen und kulturellen Aufbau der Industriegesellschaft Mitteleuropas (= Leobener Grüne Hefte. Band 140). Wien 1972.
  • "Bergmannslied". In: Handbuch des Volksliedes, hrsg. von R. W. Brednich u. a., Band 1, München 1973, S. 761–778.
  • Der Bergbau und seine Kultur. Eine Welt zwischen Dunkel und Licht. Zürich 1981, ISBN 3-7611-0587-8.
  • Bergbaukultur in Südtirol. Bozen 1984, ISBN 88-7014-363-5.
  • Einzelzüge im geschichtlich-kulturellen Antlitz des Erzgebirges mit Ausblicken auf sein Umfeld. Beiträge zur Erkundung einer regionalen Lebenswelt im ostmitteleuropäischen Grenzbereich (= Schriftenreihe der Kommission für Ostdeutsche Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Band 44). Marburg 1989, ISBN 3-7708-0906-8.
  • Der erzgebirgische Volkssänger Anton Günther. Leben und Werk. Sachsenbuch, Leipzig 1994, ISBN 3-910148-89-1.

LiteraturBearbeiten

  • Den Führer im Herzen. In: Süddeutsche Zeitung, 19. November 2004, S. 10.
  • Ehrenpromotion von Herrn Prof. em. Dr. phil. habil. Gerhard Heilfurth 17. Oktober 1991. Hrsg.: Rektor der PH Zwickau. Zwickau 1991.
  • Katja Margarethe Mieth (Hrsg.): Gerhard Heilfurth (1909–2006) zum 100. Geburtstag. Beiträge des Kolloquiums der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Chemnitz 2011, ISBN 978-3-942780-00-1.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Artikel zu Heilfurth in der Zeitung Neues Deutschland, 1. Februar 2005.
  2. https://www.neues-deutschland.de/artikel/66774.ein-ehrenbuerger-in-unehren.html