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Gerald Höfer

deutscher Lyriker, Prosaist und Herausgeber

Gerald Höfer (* 3. März 1960 in Nordhausen) ist ein deutscher Lyriker, Prosaist und Herausgeber.[1]

Gerald Höfer in einem Interview im Sommer 2014

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Gerald Höfer ist Sohn des Bergarbeiters Paul und der Verkäuferin Gertraud Höfer. Er studierte von 1976 bis 1980 am Institut für Lehrerbildung in Weimar unter anderem bei Jochen Lenke und Paul Saupe und schloss mit dem 2. Staatsexamen in den Fächern Deutsch und Sport ab. Von 1987 bis 1990 studierte er Lyrik und Prosa am Deutschen Literaturinstitut Leipzig bei Klaus Steinhaußen, Hubert Witt, Bernd Leistner, Gerhard Rothbauer, Hans Pfeiffer, Helmut Richter u. a. Von 2004 bis 2013 studierte er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Germanistische Literaturwissenschaft bei Klaus Manger, Gottfried Willems, Gerhard R. Kaiser und Gisela Horn, Volks- und Betriebswirtschaft bei Uwe Cantner, und bei Michael Winkler am Institut für Bildung und Kultur Bildung, Kultur, Anthropologie.

Sein Sohn ist der deutsche Konzept- und Medienkünstler Martin Höfer.

Künstlerischer WerdegangBearbeiten

Erste Texte Gerald Höfers erschienen Anfang der 80er Jahre. 1985 besuchte er auf Empfehlung von Hannes Würtz und Edwin Kratschmer das Poetenseminar in Schwerin als Teilnehmer, im Folgejahr als Seminarassistent von Brigitte Struzyk. In diesen Jahren war er im Literaturzirkel von Anne Wiesigel aktiv und stellte ein Gros von Beiträgen in der von ihr herausgegebenen Anthologie Zeitrad (1987). Im Jahr 1986 startete in Sondershausen das Café-Pille-Experiment als multikulturelle Veranstaltungsreihe, die heute als eines der wenigen von Staat und Kirche unabhängigen und freien Kultur-Projekte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gilt und bis 1989 lief.[2] Höfer lud dazu befreundete Schriftsteller, Liedermacher, Schauspieler und bildende Künstler der von Staat unabhängigen Kulturszene ein. Im Oktober 1989 erarbeiteten und veröffentlichten Höfer und die Unterstützer des Projekts einen Forderungskatalog, der u. a. freie (Neu-)Wahlen, das Ende der Überwachung und Bespitzelung kritischer Bürger und Pressefreiheit in Stadt und Landkreis anmahnte. Die Gruppe um Höfer gilt als Mitbegründer des Neuen Forums in Nordthüringen.[3][4]

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre folgten Beiträge in Anthologien und literarischen Zeitschriften in Verlagshäusern wie Mitteldeutscher Verlag, Verlag Neues Leben, Tribüne Verlag, Verlag Junge Welt u. a.[5][6] Zeitgleich entstanden Musik-Literaturperformances, die in Museen, Bibliotheken und anderen Kultureinrichtungen stattfanden.

1990 erschien in enger Zusammenarbeit mit Andrea Schicker und Karlheinz Sydoruk das Debüt bloß – Fotos und Texte als Lyrik-Kunstband im ersten neugegründeten freien Verlag auf dem Gebiet der DDR, dem Forum Verlag Leipzig. Seit den 1990ern veröffentlichte Höfer bundesweit Lyrik, Kurzprosa und Essays in zahlreichen Anthologien, Jahrbüchern und Zeitschriften.[7][8] 1999 schuf Höfer mit seinem Sohn Martin das Kunst-Projekt Barbara Rossa, das Bildende Kunst, Literatur, Musik und Performances vereinen sollte.[9] Die multimedialen Performances starteten 1999, ab 2002 erschienen der Kurzgeschichtenband Sophie und Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts in der eigens für Barbara Rossa gegründeten ARTE Fakt Verlagsanstalt. Dort gab Barbara Rossa auch Bücher anderer Künstler wie Oswald Henke, Chris Goellnitz, Norbert. K. Engelhardt, Gabriele Stötzer, eine Anthologie sowie Schriften zur Kunsttheorie heraus. Außerdem erschienen Beiträge auf Musiksamplern, DVDs und eine Kunstedition mit CD/DVD in einer Metallbox (Bannkreis Harmagedon – Live in Jena), die 2014 zur 1. NSK Folk Art Biennale in Leipzig ausgestellt wurde. Barbara Rossas Werke wurden in Anthologien und literarische Zeitschriften aufgenommen.[10][11]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

AutorschaftBearbeiten

  • mit Andrea Schicker und Karlheinz Sydoruk: bloß. Forum Verlag, Leipzig 1990, ISBN 3-86151-006-5.
  • mit Petra Lange und Andreas Schaller: Festschrift zum 400. Todestag des M. Johannis Clajus d. Ä. Geschichts- und Altertumsverein für Sondershausen und Umgebung e. V., Sondershausen/ Bendeleben 1992.
  • Schwarze Monologe. Künstlerbuch. Segler, Freiberg 1999.
  • Sophie. ARTE Fakt, 2002, ISBN 3-937364-01-3.
  • Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts. ARTE Fakt, 2003, ISBN 3-937364-02-1.

HerausgeberschaftBearbeiten

AusstellungsbeteiligungenBearbeiten

  • 10 Jahre Galerie Eigenheim – Jubiläumsausstellung, Kunsthalle Harry Graf Kessler Weimar, 2016
  • Jubiläumsausstellung – 10 Jahre Galerie Eigenheim, Galerie Eigenheim Berlin, 2016
  • Das Glücksprinzip. Eine Ausstellung in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Weimar, Galerie Eigenheim und Kunstfest Weimar, 2015
  • 25 Jahre Demokratie, Schloss Sondershausen, 2014
  • 1. NSK Folk Art Biennale, Spinnereigalerien Leipzig, Werkschauhalle, 2014.
  • Künstler auf Zeitreise, Panorama Museum Bad Frankenhausen, 2005

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerald Höfer. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2014/2015. Walter De Gruyter, 2014, ISBN 978-3-11-033720-4, S. 433.
  2. Das Cafe-Pille-Experiment - Ein unabhängiges Projekt außerhalb von Staat und Kirche (1985–1989). In: TLStU (Hrsg.): Die Friedliche Revolution in Sondershausen. Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, 2009, ISBN 978-3-932303-62-3, S. 45–50.
  3. Der Aufstand der unverbesserlichen Weltverbesserer - Die Anfänge des Neuen Forum in Sondershausen. In: TLStU (Hrsg.): Die Friedliche Revolution in Sondershausen. Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen 2009, ISBN 978-3-932303-62-3, S. 98–102, S. 171–172.
  4. Untergang der DDR. Ein Bergbaustädtchen geht auf die Barrikaden. In: Deutschlandradio Kultur. 17. März 2015.
  5. Wir zogen die Gardine vor. In: Die Schublade. Texte aus erster Hand. Band 3, Mitteldeutscher Verlag, Halle/ Leipzig 1988, S. 118–119.
  6. vom roten Teppich. das stinkt zum himmel. Scheidung. In: Temperamente. Blätter für junge Literatur. 3/1987. Verlag Neues Leben, Berlin 1987, ISBN 3-355-00505-3, S. 18–20.
  7. Siebzehnte Nachtwache. In: Der Morgen nach der Geisterfahrt. Verlag Weißer Stein, Greiz 1993, ISBN 3-928681-16-8, S. 40–50.
  8. Barbara Rossas Belphegor 2004. In: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. Quartus-Verlag, Bucha bei Jena 2006, 2. Heft. ISSN 0943-545X, S. 76–79.
  9. Claudia Feger: Individualität trifft Teamwork - Gerald Höfer und sein audiovisuelles Projekt Barbara Rossa. In: LEO - Lingua et Opinio. Onlinezeitschrift für Sprache und Kommunikation.
  10. Ein schönes Gedicht. und Hoffnung? In: Rodrigo Riedrich (Hrsg.): Gedichte - best german underground lyriks 2004. Acheron Verlag, Altenburg 2005, ISBN 3-9810222-0-3, S. 180–182.
  11. Belphegor 2004. In: Norbert Weiß (Hrsg.): Signum - Blätter für Literatur und Kritik. 7. Jahrgang, Heft 1. Verlag Die Scheune, Dresden 2006, S. 84–87.