Georgi Nikolow Deltschew

Bulgarische Revolutionär

Georgi Nikolow Deltschew genannt Goze Deltschew (bulgarisch Георги Николов Делчев, bzw. Гоце Делчев, bis 1945 Георги bzw. Гоце Дѣлчевъ; * 23. Januarjul. / 4. Februar 1872greg. in Kukuš (heute Kilkis), damals Osmanisches Reich; † 4. Mai 1903 in Banitza (heute: Karié) bei Serres, heute in Griechenland) war ein bulgarischer[1] Revolutionär und gilt als eine führende Persönlichkeit der BMARK (Bulgarische Makedonisch-Adrianopeler Revolutionäre Komitees/Български Македоно-Одрински революционни комитети). Aus der Geheimkorrespondenz der BMARK sind seine Decknamen Achil (bulg. Ахил) und Mindizot (bulg. Миндизот) überliefert.[2] Ihm zu Ehren wurde die bulgarische Stadt Newrokop in Goze Deltschew umbenannt. Ferner ist er Namensgeber für den Delchev Peak und mittelbar auch für den Delchev Ridge in der Antarktis.

Georgi Deltschew

LebenBearbeiten

Goze Deltschew war der Sohn von Nikola Deltschew und Sultana Nurdschiewa Deltschewa und wurde in der makedonische Stadt Kukuš im Osmanischen Reich geboren. Er besuchte das Bulgarische Männergymnasium Hl. Kyrill und Method in Thessaloniki. Nach dessen Verlassen ging er 1891 zur Militärakademie in Sofia, von der er allerdings wenig später wegen „sozialistischer Umtriebe“ im monarchistischen Bulgarien unehrenhaft entlassen wurde. 1894 ging er als Lehrer der bulgarischen Sprache nach Štip, wo er Dame Gruew kennenlernte, der Deltschew zum ersten Mal in Kontakt mit den BMARK brachte. 1895 wurde Deltschew deren Vorsitzender. Unter seiner Führung wurde der Ausbau der Organisation, besonders in den Gebieten Ost-, und Westthrakiens vollzogen. Die letzten Gebiete besuchte er zwischen März und April 1900. In dieser Zeit richtete er im Hinterhof der Minkow-Gaststätte eine Sprengstofffabrik in der Hafenstadt Burgas ein und wählte Michail Gerdschikow als Führer der Organisation in diesem Gebiet aus.[3]

1903 unterstützte Deltschew stark die Vorbereitungen zum Ilinden-Preobraschenie-Aufstand, den er selbst allerdings nicht mehr miterlebte. Deltschew wurde am 4. Mai 1903 während einer Auseinandersetzung mit der osmanischen Polizei getötet. 43 Jahre nach seiner Beerdigung, wurde sein Leichnam 1946 exhumiert, nach Mazedonien überstellt und in einem Sarkophag in Skopje beigesetzt.

Deltschew gilt heute als einer der Nationalhelden in Bulgarien und Nordmazedonien. Er wird unter anderem in der mazedonischen Nationalhymne erwähnt. Beide Nationen sehen in Deltschew einen „nationalen Helden“. Deltschew selbst kämpfte und starb für die Befreiung von Makedonien von den Osmanen. Eines seiner bekanntesten Zitate:

„Ich verstehe die Welt als Feld für einen Wettkampf der Kulturen.“

Sein Gefährte und enger Freund Pejo Jaworow verfasste 1904 die erste Biographie über Deltschew. Der mazedonische Kulturverein in Russe trägt seinen Namen.

Über Jahrzehnte trug ein Boulevard in Belgrad, die Hauptstadt des ehemaligen Jugoslawiens den Namen Goze Deltschews. 2015 wurde er von der Belgrader Stadtverwaltung umbenannt, da Deltschew ein Bulgare sei und kein Bezug zur Geschichte Serbiens hat.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Antoni Giza: The Balkan States And The Macedonian Question. Makedonski Naučen Institut, Sofia 2001. ISBN 954-81-87-523-1

WeblinksBearbeiten

Commons: Goze Deltschew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. … wenn wir alle Bulgaren sind … Brief von Goze Deltschew an Nikola Malaschewski auf wikisource.org
  2. Boris Nikolow: Die IMORO Pseudonyme und Chiffren 1893–1934 (aus dem Bulg. ВМОРО - псевдоними и шифри 1893–1934), Verlag Zwezda, Sofia 1999, ISBN 954-951-417, S. 13, 65.
  3. Iwan Karajotow, Stojan Rajtschewski, Mitko Iwanow: История на Бургас. От древността до средата на ХХ век (zu dt. „Geschichte der Stadt Burgas. Von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts'“). Verlag Tafprint OOD, Plowdiw, 2011, ISBN 978-954-92689-1-1; S. 192
  4. Улица Војводе Косте Пећанца. 22. јула 2015, Србска Акција.