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Georgenkirche (Berlin-Mitte)

Kirchengebäude in Berlin
1898 errichtete Georgenkirche auf einer historischen Postkarte

Die Georgenkirche in der Georgenvorstadt im Berliner Ortsteil Mitte, eine evangelische Kirche, war das 1898 eingeweihte dritte Kirchengebäude an gleicher Stelle. Sie wurde, wie viele andere Gotteshäuser Berlins[1], im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und nicht wieder aufgebaut, sondern 1949 gesprengt. Der Kirchturm der Georgenkirche war mit 105 Metern Höhe nach der alten Kuppel des Berliner Doms (114 Meter) die größte Höhendominante im historischen Berlin.[2]

Inhaltsverzeichnis

BaugeschichteBearbeiten

Erstes KirchengebäudeBearbeiten

 
Erste Georgenkirche, 1736

Im Jahr 1278 wurde – damals weit vor den Toren Berlins errichtet – ein Georgenhospital urkundlich erwähnt, in dem Arme und Kranke Hilfe fanden. Im Jahr 1331 wurde eine dazugehörige Kapelle genannt. Diese wurde Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem die Einwohnerzahl der Umgebung auf 600–700 Familien angestiegen war, zur Kirche mit einem eigenen Prediger aufgewertet. 1779–1780 wurde das Kirchenschiff von August Gotthilf Naumann zu einer Saalkirche verbreitert und verlängert, wobei der alte Kirchturm stehen blieb.

Zweites KirchengebäudeBearbeiten

 
Zweite Georgenkirche der Georgenvorstadt / Königsstadt

Die Finanzierung eines Kirchenneubaus erfolgte durch eine umfangreiche Spendensammelaktion, an der sich viele Gemeindemitglieder, aber auch ganze Gewerke beteiligten. So ist überliefert, dass sich die Berliner Glaserinnung bereit erklärte, die Kirchenfenster zu stiften. Der Neubau der Georgenkirche wurde am 29. Oktober 1780 eingeweiht, wobei der Pfarrer die zahlreichen Spender in seiner Predigt besonders bedachte. Der Sage nach soll besonders den Glasern ein „himmlischer Dank“ versprochen worden sein. Dies solle sich bald bewahrheitet haben, als nach einem ungeheuren Unwetter über Berlin Tausende von Fensterscheiben zu Bruch gingen und die Glaser nun ein gutes Einkommen hatten.[3] – Dieses Gotteshaus hatte nur wenig mehr als 100 Jahre Bestand.

Dritte St. Georg-KircheBearbeiten

Bereits 1894 wurde der Bau einer neuen Kirche beschlossen, der nach Plänen und unter Leitung des Architekten Johannes Otzen ausgeführt wurde. Otzen hatte schon die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg (1888) und die Lutherkirche in Schöneberg (1894, heute: American Church) gebaut. Reiche und farbenprächtige Glasmosaiken mit Ornamenten und Symbolen des Christentums sowie Darstellungen der zwölf Apostel, ausgeführt von der Firma Puhl & Wagner, bedeckten die Wände des fünfteiligen Chores. Das aus drei Glocken bestehende Gussstahlgeläut der Georgenkirche wurde vom Bochumer Verein geliefert und war mit der ersten bekannten elektrischen Läutanlage versehen.[4]

Eine Inventarliste der Gießerei enthält folgende Angaben zu den Glocken: das Ensemble aus Glocken mit Klöppel, Lager, Achsen und Läutehebel kostete in der Herstellung 24.667,60 Mark.[5]

Glockenplan
Größe Schlag­ton Gewicht
(kg)
unterer
Durch­messer
(mm)
Höhe
(mm)
Inschrift
größte f 9553 2790 2430 unbekannt
mittlere as 5618 2354 2055 unbekannt
kleinste b 3265 1988 1750 unbekannt

Die Georgenkirche wurde im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Luftangriffe schwer beschädigt, der Turm war nur wenig versehrt. Einen Wiederaufbau genehmigte der damalige Ost-Berliner Magistrat nicht. So wurde die Ruine der Georgenkirche 1949 – 51 Jahre nach ihrer Fertigstellung – gesprengt.

Der Georgenkirchplatz (der ehemalige Georgenfriedhof), auf dem die Georgenkirche stand, lag nordöstlich vom Alexanderplatz. Der Platz existiert nicht mehr, weil auch er der Neubebauung des Stadtzentrums weichen musste.

Heute erinnert an das ehemalige evangelische Gotteshaus lediglich die stark verkürzte Georgenkirchstraße, an deren Ende am Volkspark Friedrichshain die St.-Bartholomäus-Kirche und das Berliner Konsistorium der Berlin-Brandenburgischen Kirche stehen.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Liste auf kirchensprengung.de
  2. Höchste Bauwerke im Bereich von Groß-Berlin vor 1945 – Höhendominanten im Stadtbild
  3. Der Lohn der Glaser. In: Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Verlag Neues Leben Berlin 1987, ISBN 3-355-00326-3; S. 140.
  4. Schrey: Die elektrisch geläuteten Glocken der Georgenkirche in Berlin. In: Centralblatt der Bauverwaltung, 18. Jg. 1898, Nr. 8 (vom 19. Februar 1898, online als PDF-Dokument), S. 91 f.
  5. Zusammenstellung der nach Berlin und Umgegend gelieferten Geläute; Bochumer Verein, um 1900. Im Archiv der Köpenicker Kirche St. Josef, eingesehen am 6. August 2019.

Koordinaten: 52° 31′ 20,7″ N, 13° 24′ 59,2″ O