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Georg Hohmann

deutscher Chirurg und Orthopäde

LebenBearbeiten

Georg Hohmann war Sohn des Kaufmanns Louis Hohmann (1843–1922) und der Ida Hohmann (1853–1931), geborene Neumann. Er studierte Medizin an der Universität Jena, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.[1] In Würzburg bestand er 1903 das Staatsexamen und promovierte er zum Dr. med.[2][1]

In München war er Assistenzarzt und Oberarzt bei Fritz Lange. Ab 1910 betrieb er eine eigene Arztpraxis.[1] Während des Ersten Weltkriegs baute er zusammen mit Franz Schede, der ihn „Meister der operativen Technik“ nannte, ein erstes „Rehabilitations“-Zentrum für Kriegsversehrte auf. 1918 habilitierte er sich in München.[3] Im Dezember 1918 wurde er der erste Vorsitzende der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Partei und Abgeordneter im Bayerischen Landtag.[1][4] Er galt dabei als Anhänger des im darauf folgenden Jahres verstorbenen Friedrich Naumann (1860–1919)[4] und als Meinungsführer des Linksliberalismus.[4]

Seit 1926 in München a. o. Professor, folgte er 1930 dem Ruf der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main auf ihren Lehrstuhl für Orthopädie. Zugleich wurde er Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim.[1] 1937 übernahm Hohmann den Vorsitz des Fachverbandes Deutsche Orthopädische Gesellschaft (DOG).[1] Für das akademische Jahr 1945/46 zum Rektor ernannt, erreichte er die Wiedereröffnung der Universität.[5] Im April 1946 wechselte er auf den Lehrstuhl in München. Dort wurde er für das akademische Jahr 1946/47 zum Rektor gewählt und bleibt dies bis Oktober 1953.[1] 1950 würdigte die DOG sein Wirken mit der Ehrenmitgliedschaft.[1][6] Weiter bekam er 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.[1] Er wurde 1950 emeritiert, leitete den Lehrstuhl und die Klinik aber bis 1954.[5]

Georg Hohmann war zweimal verheiratet und starb im Alter von 91 Jahren.[1]

WirkenBearbeiten

Georg Hohmann galt neben seiner wissenschaftlichen und hervorragenden ärztlichen Tätigkeit als ein ausgezeichneter Lehrer für seine Assistenten und Studenten sowie als Gestalter für die gesamte Orthopädie in Technik, Krankengymnastik, Massage und orthopädischer Schuhmacherei, die er sinnvoll zur Behandlung einsetzte.

„Ruhe und Bewegung“ waren die Grundlagen seines ärztlichen Handelns. Hohmann beschäftigte sich mit dem ganzen Menschen, dessen Umwelt sowie dessen sozialer Situation. Georg Hohmann wurde geprägt von Friedrich Naumann, der ihn schon als Student faszinierte und sein soziales Empfinden neben nationalen und fortschrittlichen Gedanken zu formen verstand. Auch nachdem er sich in Bergen endgültig zur Ruhe gesetzt hatte, zeigen Fachbücher, Kongreßbesuche, Vorträge und wissenschaftliche Arbeiten sein unermüdliches Potential. Im Jahr 1939 wurde Hohmann zum Mitglied der Leopoldina gewählt.[7] Seit 1982 verleiht die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (frühere DOG) die Georg-Hohmann-Plakette an Menschen, die sich in besonderer Weise um die Entwicklung der Deutschen Orthopädie verdient gemacht haben.[1]

Von 1958 bis 1967 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Bis zu seinem Tod war er Ehrenmitglied des Gremiums.

Stiftung PfennigparadeBearbeiten

Initiiert durch Georg Hohmann gründete sich 1950 eine Bürgerinitiative zugunsten Poliogelähmter.[8] Diese wird zwei Jahre später als Verein eingetragen entwickelt sich zur Stiftung Pfennigparade mit heute (2015) einem Rehabilitationszentrum für körperbehinderte Menschen, dreizehn gemeinnützigen Tochtergesellschaften und einem Förderverein.

EhrungenBearbeiten

Weitere WerkeBearbeiten

  • Fuß und Bein, ihre Erkrankung und deren Behandlung. 1923, 5. Auflage 1951
  • Orthopädische Gymnastik, ein Übungsbuch. 1933, 3. Auflage 1956, mit Lina Jegel-Stumpf
  • Orthopädische Apparate und Bandagen. In: Zeitschrift für orthopädische Chirurgie 1936, 2. Auflage 1938
  • mit Karl Giuliani: Orthopädische Technik. 1941, 4. Auflage 1958
  • Orthopädie. Ein Studienführer. 1947
  • Hand und Arm, ihre Erkrankungen und deren Behandlung. 1949
  • Ein Arzt erlebt seine Zeit. 1954
  • mit Matthias Hackenbroch und Kurt Lindemann (Hrsg.): Handbuch der Orthopädie. 4 Bände, 1957–1961

LiteraturBearbeiten

  • Eduard Güntz: In: FAZ, 2. November 1970
  • Matthias Hackenbroch: In: Zeitschrift für Orthopädie und ihre Grenzgebiete, 108, 1971, S. 550
  • Matthias Hackenbroch: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 96, 1971, S. 558
  • Eduard Güntz: Hohmann, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 507 f. (Digitalisat).
  • Udo Benzenhöfer: Die Universitätsmedizin in Frankfurt am Main von 1914 bis 2014. Kontur, Münster 2014. S. 92, 155, 159, 163.
  • Cornelia Rabe: Die Frankfurter Zeit (1930 bis 1946) des Orthopäden Georg Hohmann. Frankfurt a. M., Univ., Diss., 2014.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m Georg Hohmann (1880–1970). In: ihre-gesundheit.tv. Abgerufen am 20. November 2015.
  2. Dissertation: Studie über Gießfieber.
  3. Habilitationsschrift: Die Pseudarthrosen und die durch Knochendefekte entstandenen Schlottergelenke.
  4. a b c Petrus Müller: Deutsche Demokratische Partei in Bayern (DDP). In: Historisches Lexikon Bayerns. 8. Januar 2007, abgerufen am 17. September 2018.
  5. a b Hohmann, Georg in der Deutschen Biographie
  6. Home: Ehrenmitglieder. Deutsche Orthopädische Gesellschaft, abgerufen am 20. November 2015.
  7. Mitgliederverzeichnis. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 20. November 2015.
  8. Pfennigparade – Über uns. In: pfennigparade.de. Abgerufen am 20. November 2015.