Färber-Ginster

Art der Gattung Ginster (Genista)
(Weitergeleitet von Genista tinctoria)

Der Färber-Ginster (Genista tinctoria) ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Heil- und Färberpflanze war besonders in der Vergangenheit als Lieferant eines gelben Farbstoffes bedeutend.

Färber-Ginster
Färber-Ginster (Genista tinctoria)

Färber-Ginster (Genista tinctoria)

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Genisteae
Gattung: Ginster (Genista)
Art: Färber-Ginster
Wissenschaftlicher Name
Genista tinctoria
L.

Die im Folgenden aufgeführten Charakteristika gelten insbesondere für die weiter verbreitete Unterart Genista tinctoria subsp. tinctoria, den Gewöhnlichen Färber-Ginster.

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration
 
Blütenstand mit zygomorphen Blüten

Insgesamt ist diese Art sehr variabel.

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Der Färber-Ginster wächst als aufrechter oder aufsteigender und buschig verzweigter Halbstrauch, der Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern erreicht. Die kräftige Pfahlwurzel weist eine Länge von bis zu 1 Meter auf. Die tief gefurchten Zweige besitzen eine grüne, angedrückt behaarte oder kahle Rinde und sind immer dornenlos.

Die wechselständigen Laubblätter sind wintergrün. Die einfache und ganzrandige Blattspreite ist bei einer Länge von etwa 45 (50) Millimetern und einer Breite von etwa 10 Millimeter lanzettlich bis elliptisch. Die kurzen Nebenblätter sind lineal-pfriemlich.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit reicht von Mai bis August. In endständigen, 3 bis 6 Zentimeter langen, traubigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist kahl bis behaart. Die 8 bis 16 Millimeter lange, gelbe Krone ist kahl.

Die Hülsenfrüchte sind kahl. Fruchtreife ist von August bis September.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48 oder 96.[1]

ÖkologieBearbeiten

Der Färber-Ginster ist ein Chamaephyt und ein Halbstrauch, das bedeutet der untere, verholzte Teil der Sprossachse trägt die Erneuerungsknospen und überdauert den Winter.

Wurzelknöllchen mit symbiontischen, Stickstoff bindenden Knöllchenbakterien sind vorhanden. Der Färber-Ginster wurzelt bis einen Meter tief.[1]

Blütenbiologisch handelt es sich um nektarlose „Schmetterlingsblumen mit Schnellmechanismus“. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen, Zweiflügler, Schmetterlinge und Käfer. Auch Selbstbestäubung ist erfolgreich.

Die zur Reifezeit schwarzen Hülsenfrüchte erwärmen sich relativ schnell und springen bei Trockenheit auf, sie sind also Austrocknungsstreuer.

ToxikologieBearbeiten

Der Färber-Ginster ist in allen Pflanzenteilen giftig. Hauptwirkstoffe sind: etwa 0,3 % Alkaloide wie Anagyrin, Cytisin, N-Methylcitisin, Lupanin, Spartein und Isospartein.

Die Vergiftungserscheinungen entsprechen denen des Besenginsters (Cytisus scoparius).

Die Lupinenblattlaus (Macrosiphon albifrons) kann Toxine des Färber-Ginsters sequestrieren und so ihre Population teilweise vor Prädation bewahren.[2]

 
Habitus und Blütenstände
 
Frischer Herbarbeleg

VorkommenBearbeiten

Der Färber-Ginster kommt im Großteil von Europa vor. Er fehlt jedoch in Irland, Skandinavien sowie im Großteil der Iberischen Halbinsel und Griechenlands. Im Osten reicht das Areal bis zum Ural. In den Alpen fehlt er fast ganz. In Österreich fehlt er in Vorarlberg, in Tirol ist er ausgestorben. Er kommt in ganz Deutschland und auch in der Schweiz vor.

Der Färber-Ginster wächst auf trockenen Wiesen, Heiden und in lichten Eichen- und Kiefern-Wäldern und Trockenwäldern. Vom Flachland steigt er bis in Höhenlagen von etwa 1800 Metern. Er zeigt Grundfeuchte an und wächst auf Kalk- und Urgestein, bevorzugt aber kalkarmen, lehmigen Böden. Er kommt in Mitteleuropa in Pflanzengesellschaften der Ordnung Molinietalia, der Klassen Nardo-Callunetea und Trifolio-Geranietea, des Unterverbands Genisto-Quercenion und in Mesobrometen vor.[1]

SystematikBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Genista tinctoria erfolgte 1753 durch Carl von Linné.[3]

Je nach Autor werden bei Genista tinctoria mehrere Unterarten oder Varietäten unterscheiden:[3]

  • Die Unterart Küsten-Färber-Ginster (Genista tinctoria L. subsp. littoralis (Corb.) Rothm.) kommt in Deutschland nur in feuchten Heiden der Nordseeküste und der Nordsee-Inseln vor. In Schleswig-Holstein gilt er als stark gefährdet. Diese Unterart erreicht nur eine Wuchshöhe von rund 20 Zentimetern und die Hülsenfrüchte sind behaart.
  • Genista tinctoria var. ovata (Waldst. & Kit.) F.W.Schultz (Syn.: Genista ovata Waldst. & Kit.): Sie ist im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und hat die Chromosomenzahl 2n = 48.[1]
  • Genista tinctoria var. tinctoria (Syn.: Genista anxantica Griseb., Genista multibracteata Tausch, Genista tinctoria var. virgata W.D.J.Koch): Sie ist in Weißrussland, Estland, Litauen, Lettland, Moldawien, in weiten Gebieten Russlands, in der Ukraine, im nordwestlichen Iran, in der nördlichen Türkei und im westlichen Kasachstan weitverbreitet.[3]

NutzungBearbeiten

Bereits die Römer verwendeten den Färber-Ginster zum Färben von Leinen und Wolle. Eine bedeutende Rolle spielte er auch in England. Als Farbstofflieferant werden Zweige, Blätter und Blüten verwendet. Sie enthalten die gelben Farbstoffe Genistein und Luteolin. Die Ernte erfolgt meist vor der Blüte. Die Farbe ist lichtecht. Die Färbung erfolgt auf vorgebeizter Wolle. Durch Beizen mit Alaun wird die Wolle zitronengelb, durch Nachbehandlung mit Eisen(II)-sulfat dunkelbraun, mit Kupfersulfat olivgrün.[4] Durch eine Überfärbung von Färberwaid stellte man in England das „Kendalgrün“ her. Die Malfarbe „Schüttgelb“ wurde durch Anrühren mit Alaun und Schlämmkreide hergestellt.

Verwendung als HeilpflanzeBearbeiten

Als Heildroge werden die getrockneten, zur Blütezeit geernteten Zweige verwendet.

Als Wirkstoffe werden genannt: Chinolizidinalkaloide wie Cytisin, Methylcytisin, Anagyrin; Flavonoide; Isoflavone wie Genistein; Gerbstoffe und ätherische Öle in geringen Mengen.

Der Färber-Ginster wirkt als Diuretikum und wird daher unterstützend zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt, bei denen eine erhöhte Harnmenge erwünscht ist, wie beispielsweise bei Nierengrieß oder zur Vorbeugung gegen Harnsteine. Der Gehalt an Genistein, einem Phytoöstrogen, das an den Östrogen-Rezeptor von Brustkrebszellen bindet, hat diese Pflanzenart in neuerer Zeit wieder interessant gemacht: Über eine möglicherweise vorbeugende Wirkung des Isoflavons bei der Entstehung von Brustkrebs wird diskutiert; ebenso über die potentiell schützende Eigenschaften bei der Entstehung von Osteoporose.

In der Homöopathie gehören Kopfschmerzen, Verdauungsschwäche und Hautausschläge zu den Anwendungsgebieten des Färber-Ginsters.

TrivialnamenBearbeiten

Für den Färber-Ginster bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Färbekraut (Bayern), Farbblumen, Farbkraut (Bern), Frauenschüchel, Galeise (Ostpreußen), Galleisen, Geelfarbblumen, Gehlfarrblom (Mecklenburg), Genist (Thüringen), Genster (Thüringen), Gilbblum, Gilbe (Eichstätt, Tirol bei Lienz), Gilbkrut (Mecklenburg), Gillkrut (Eichstätt), Gilve, Ginster, Gölleisen, Glösen (Mecklenburg, Pommern), Grintsche, Grünholz (Schlesien), Grünling (Sachsen), Heidenschmuck (Württemberg), Holheide (Schlesien), Mägdekrieg, Pfingstenblumen, Rohrheide (Schlesien), Schachkraut (Schlesien) und Witschen (Schlesien).[5] Weitere Trivialnamen sind: Brandblume, Eierplatzeln, Färberkraut, Gilbkraut, Gillblumen, Gilve, Hasenheide, Heidenschmuck, Hohlheide, Jonist, Streichblumen, Teufelsbesen und Wilder Ginster.

Quellen und weiterführende InformationenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • Peter Schütt, Hans Joachim Schuck, Bernd Stimm (Hrsg.): Lexikon der Baum- und Straucharten. Das Standardwerk der Forstbotanik. Morphologie, Pathologie, Ökologie und Systematik wichtiger Baum- und Straucharten. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-53-8 (Nachdruck von 1992).
  • Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1. (Abschnitt Ökologie)
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen, Franckh-Kosmos Verlagsgesellschaft, 2011, ISBN 3-440-09387-5.
  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 6., überarbeitete Auflage, Sonderausgabe. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6.
  • Thomas Schöpke, 2006: Färberginsterkraut - Genistae herba - Datenblatt bei medizinalpflanzen.de. (Abschnitte Beschreibung und Trivialnamen)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 583.
  2. M. Wink, P. Römer: Acquired toxicity — the advantages of specializing on alkaloid-rich lupins to Macrosiphon albifrons (Aphidae). In: Naturwissenschaften, Band 73, Nr. 4, 1986, S. 210–212 (PDF).
  3. a b c Genista tinctoria im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 13. November 2015.
  4. Botanisches Museum Hamburg
  5. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 128.(online).

WeblinksBearbeiten

Commons: Färber-Ginster (Genista tinctoria) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien