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Generatorwagen

Hilfsfahrzeug als mobile Energieversorgung
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Spanischer Talgo-Generatorwagen
Generator am Drehgestell eines chinesischen Reisezugwagens

Generatorwagen sind Eisenbahnwagen, die in Reisezüge eingestellt werden, um deren Energieversorgung sicherzustellen.

Inhaltsverzeichnis

FunktionBearbeiten

Reisezugwagen werden bei vielen Bahnen durch die Lokomotive mit elektrischer Energie über eine Zugsammelschiene versorgt. Ist das nicht möglich, insbesondere wenn die Lokomotive nicht genügend Energie liefern kann oder keine Zugsammelschiene hat, wird ein Generatorwagen in den Zug eingestellt. Dort läuft ein Dieselmotor ausschließlich, um einen elektrischen Generator zu betreiben, der elektrische Energie für die Wagen erzeugt. Dieses System wird hauptsächlich bei nichtelektrifizierten Bahnen und Zügen eingesetzt, die einen hohen Energieverbrauch haben, etwa durch Klimaanlagen.

Eine Sonderform des Generatorwagens ist so ausgelegt, dass ein elektrisches Triebfahrzeug mit Strom versorgt werden kann. Damit handelt es sich insgesamt um ein dieselelektrisches Triebfahrzeug, dessen Anlagen auf zwei Fahrzeuge verteilt sind. Diese Form kommt zur Anwendung, wenn elektrische Triebfahrzeuge nachträglich für den Betrieb auf nicht elektrifizierten Strecken hergerichtet werden sollen (siehe unten Beispiele Dortmund und RTM) oder weil Achslast- und Profilbeschränkungen eine Aufteilung nahelegen (z. B. auf der Bahnstrecke Diakopto–Kalavryta).

EuropaBearbeiten

DeutschlandBearbeiten

 
Generatorwagen der neg (vorher OHE) an einem Intercity in Dagebüll Mole im Jahr 2013

Die Tegernsee-Bahn hatte einen Generatorwagen im Einsatz, bis der Personenverkehr von der Bayerischen Oberlandbahn übernommen wurde.

Weit verbreitet sind Generatorwagen auch bei Museums- und Touristikbahnen, die sich oftmals ehemaliger oder aktueller Güterzuglokomotiven für ihre Züge bedienen (die keine Energieversorgung für die Zugsammelschiene besitzen) oder in historischen Fahrzeugen elektrische Anlagen nachgerüstet haben, die nicht von der Lokomotive versorgt werden können.

Die Museumsstraßenbahnen des Nahverkehrsmuseums Dortmund werden durch Generatorwagen mit Strom versorgt, weil sie auf einer nicht elektrifizierten Strecke fahren.

Seit dem Einsatz von klimatisierten Kurswagen bei der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft (neg) kommt auf deren Strecke Niebüll–Dagebüll seit 2008 ein Generatorwagen zum Einsatz, da die vorhandenen Triebwagen nicht genug elektrische Leistung erzeugen. Dieses aus einem Güterwagen umgebaute Fahrzeug wurde früher bei der AKN Eisenbahn zur Energieversorgung von Militärtransportzügen verwendet, weil die dort eingesetzten Lokomotiven die Personenwagen in solchen Zügen nicht versorgen konnten. Für den gleichen Zweck besaßen die Osthannoverschen Eisenbahnen seit 1985 drei Generatorwagen. Einer wurde aus einem zweiachsigen Postwagen umgebaut, die anderen beiden aus dreiachsigen Umbauwagen. Einer wurde inzwischen verschrottet, der andere wurde 2012 an die neg abgegeben. Der dritte Wagen ist 2013 noch bei der OHE.

Die Railroad Development Corporation Deutschland (RDCD) beabsichtigt in ihren Zügen im Sylt-Shuttle-Verkehr Generatorwagen einzusetzen, die ihre Züge mit Energie und Druckluft versorgen sollen und dem Zugbegleiter als Aufenthaltsraum dienen. Die zweiachsigen Wagen tragen die Bezeichnung Uks. Sie wurden aus Energieversorgungswagen von Hilfszügen der Deutschen Reichsbahn in der DDR umgebaut.[1]

ÖsterreichBearbeiten

 
Steuerwagen der GKB mit Generator

Die Steuerwagen der Doppelstockzüge der Graz-Köflacher Bahn sind mit einem Dieselgenerator ausgestattet, da die Diesellokomotiven der GKB nicht mit Zugenergieversorgung ausgerüstet sind. Für Sonderzüge betreibt die GKB zweiachsige Generatorwagen, die aus Begleitwagen umgebaut wurden und auch bei Ausfall eines Steuerwagens mit Doppelstockwagen zusammen eingesetzt werden.

Der Flascherlzug der Stainzerbahn, der von einer Dampflok gezogen wird, verfügt über einen Generatorwagen. Dieser wird vor allem für den Büffetwagen Schilcherschaukel und die selten verwendete Innenbeleuchtung benötigt.

FrankreichBearbeiten

Die SNCF setzte Generatorwagen z. B. im TEE Mistral oder dem TEE Aquitaine ein. Die Klimaanlagen der INOX-DEV-Wagen, INOX-TEE-Wagen und Grand-Confort-Wagen dieser Züge benötigten Dreiphasenwechselstrom 380 V / 50 Hz, diese Stromart wurde von Lokomotiven nicht zur Verfügung gestellt und eine Mehrsystemausrüstung zur Versorgung mit Gleichstrom oder Einphasenwechselstrom unterschiedlicher Spannung und Netzfrequenz in den verschiedenen europäischen Netzen galt damals als zu komplex, daher erfordern diese Wagen zum Betrieb einen Generatorwagen. Die aufwendige Energieversorgung führte zur Abstellung dieser Wagen in den 1990er Jahren, wohingegen die teils nur wenige Jahre jüngeren Corail-Wagen über statische Umrichter von der Lokomotive mit Energie versorgt werden und bis heute im Betrieb stehen.

GriechenlandBearbeiten

 
Generatorwagen in der Mitte des Zuges auf der Bahnstrecke Diakopto–Kalavryta

Auf der Bahnstrecke Diakopto–Kalavryta in Griechenland dienten bis vor kurzem Generatorwagen sogar dazu, den Betriebsstrom für die Elektrotriebwagen zu erzeugen.

ItalienBearbeiten

Die FS setzte Generatorwagen z. B. im TEE Mediolanum ein.

NiederlandeBearbeiten

Der dieselelektrische Triebwagenzug RTM M 17 in den Niederlanden wird ebenfalls von einem mittig laufenden Generatorwagen mit Strom versorgt.

NorwegenBearbeiten

Auch in Norwegen sind Generatorwagen heute noch im Einsatz.

UngarnBearbeiten

Die ungarische Eisenbahn MÁV setzt ihre Generatorwagen ein, wenn Reisezüge mit Diesellokomotiven der Baureihe M62 bespannt werden, die keine eigene Zugheizeinrichtung haben.

AmerikaBearbeiten

Die meisten speziell für den Personenverkehr gebauten Dieselloks in Nordamerika sind mit einem Generator zur Stromversorgung der Reisezugwagen ausgerüstet. In einigen Fällen wurden aber auch ältere Dieselloks zu Steuerwagen für den Wendezugbetrieb im Agglomerationsverkehr umgebaut. Diese Steuerwagen erhielten einen Dieselmotor mit Generator zur Versorgung der Wagen; dafür konnte bei der Zuglok auf den Generator verzichtet werden.

AsienBearbeiten

 
Israelischer Halb-Generatorwagen

In Israel verfügt keine Streckenlokomotive über einen Heizgenerator. Sämtliche lokbespannten Reisezüge verkehren wegen der Klimatisierung ganzjährig mit Generatorwagen. Auch in indischen Fernzügen mit klimatisierten Wagen und Dieselbespannung sind Generatorwagen üblich.

AustralienBearbeiten

In den Fernzügen in Australien sind Generatorwagen üblich, so etwa im Indian Pacific, The Ghan oder The Overland.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. stm/schr: Der neue Sylt-Verkehr von DB und RDC Deutschland. In: Eisenbahn-Revue International 2/2016, S. 96f.