Gemeinschaftskraftwerk Hannover

Heizkraftwerk in Hannover-Stöcken (seit 1989)

Das Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH), auch Kraftwerk Stöcken genannt, ist ein Heizkraftwerk im hannoverschen Stadtteil Stöcken. Es wird von den Stadtwerken Hannover und der VW Kraftwerk GmbH (VWK) betrieben.

Gemeinschaftskraftwerk Hannover
Kraftwerk mit vorgelagertem Umspannwerk
Kraftwerk mit vorgelagertem Umspannwerk
Lage
Gemeinschaftskraftwerk Hannover (Niedersachsen)
Gemeinschaftskraftwerk Hannover
Koordinaten 52° 25′ 12″ N, 9° 38′ 55″ OKoordinaten: 52° 25′ 12″ N, 9° 38′ 55″ O
Land Deutschland
Daten
Typ Heizkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle
Leistung 300 Megawatt elektrisch[1]
425 Megawatt Fernwärme[1][2]
Betreiber Stadtwerke Hannover,
VW Kraftwerk GmbH
Projektbeginn 1984[2]
Betriebsaufnahme 1989[2]
Schornsteinhöhe 100[2] m
Überwachungs- und Steuerungszentrum

BeschreibungBearbeiten

Das Kraftwerk liegt am Nordhafen und nahe der Bundesautobahn 2. Es hat seinen Standort unmittelbar zwischen den Fertigungsanlagen des Volkswagenwerks Hannover (VW Nutzfahrzeuge) und der Continental AG. Auf dem Kraftwerksgelände befindet sich ein Umspannwerk.

Das Gemeinschaftskraftwerk Hannover liefert Strom und Fernwärme. Der Prozess- und Raumwärmebedarf des Volkswagenwerkes wird durch das Heizkraftwerk gedeckt, ebenso die Grundlast an Fernwärme und Strom für das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Hannover. Es ist das größte Kraftwerk der Stadtwerke Hannover. Etwa 50 Prozent des Strombedarfs der Stadt Hannover liefert das Kraftwerk.

Betrieben wird das Kraftwerk mit Steinkohle. Mehr als 90 % der Kohle werden per Schiff über den Mittellandkanal angeliefert, der Rest per Bahn.[2] Das Kraftwerk ist ausgerüstet mit einer Rauchgasentschwefelungs-, Rauchgasentstickungs- sowie einer Staubabscheidungsanlage.

Das Gemeinschaftskraftwerk Hannover besitzt mit seinen beiden rund 80 m[2] hohen Kesselhäusern und dem 80 m[2] hohen Kühlturm eine auffällige Architektur. Die Kesselhäuser haben bogenförmige Dachabschlüsse und eingezogene Ecken erhalten, was den kompakten Baukörpern ein schlankes Aussehen verleihen soll.[3] Die Treppenhäuser sind verglast, einige Fenster weisen die Form eines Bullauges auf. Dadurch erinnert das Gebäude aus vielen Perspektiven an Schiffsaufbauten. Realisiert wurde das Kraftwerk von den Architekten Bertram + Bünemann aus Hannover.[3] Der Kamin verfügt über eine Höhe von 100 m.[2]

Die Generatoren erzeugen Spannungen von 10,5 Kilovolt, die auf die Spannung des 110-kV-Hochspannungsnetzes hochtransformiert werden.[2]

Wirkungsgrade und LeistungenBearbeiten

Das Kraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Die aus dem Prozess ausgekoppelte Wärme wird als Fernwärme für Haushalte eingesetzt. Beim Volkswagenwerk Hannover wird sie auch als Prozesswärme genutzt. Da die gleichzeitige Produktion von Strom und Fernwärme die Ausnutzung der Primärenergie um das Zweifache erhöht, erreicht die Brennstoffausnutzung des Kraftwerkes eine Höhe von bis zu 88 %, im Jahresmittel beträgt der Grad der Brennstoffausnutzung 60 %.[2] Die Feuerwärmeleistung beider Heizblöcke liegt bei 750 Megawatt. Die elektrische Leistung bei maximaler Wärmeauskopplung beträgt 230 MW,[2] die maximal mögliche elektrische Leistung beträgt 300 MW.[1] Die Fernwärmeleistung beträgt maximal 425 MW.[1][2]

GeschichteBearbeiten

Die Entstehung des Kraftwerks beruht darauf, dass Anfang der 1980er Jahre ursprünglich drei Unternehmen (Stadtwerke, VWK und Continental) ihre eigenen Kraftwerksanlagen aufgrund der schärferen Umweltschutzgesetzgebung erneuern mussten.[2] Ein gemeinsames Heizkraftwerk war dabei wirtschaftlicher als drei Einzelanlagen. 1984 wurde der Beschluss zu einem neuen, gemeinsamen Heizkraftwerk gefasst. Innerhalb von rund dreieinhalb Jahren Bauzeit wurde das Projekt realisiert. Um die Versorgungssicherheit zu garantieren, wurde eine Doppelblockanlage konzipiert.[2]

2008 und 2009 wurden nach annähernd 20 Jahren Betriebszeit mehrwöchige große Revisionen und Runderneuerungen des Kraftwerkes durchgeführt, die nach 80.000 Betriebsstunden fällig sind. Die Strom- und Wärmeversorgung von Hannover sowie der angrenzenden Industriebetriebe wurde aufrechterhalten, da jeweils nur an einem der beiden Blöcke gearbeitet wurde. Am 20. September 2009 führte das Kraftwerk aus Anlass seines 20-jährigen Betriebs einen Tag des offenen Kraftwerks durch.

Seit Ende 2008 betreiben die Stadtwerke Hannover hier ihr Enercity HolzenergieCenter Hannover. Jährlich werden rund 2.500 Tonnen Brennholz mit Fernwärme aus dem Kraftwerk vor Ort getrocknet. Innerhalb weniger Tage hat das Holz eine optimale Restfeuchte von 15 bis 20 %.

Im Jahr 2010 ist die Continental AG aus der Kraftwerksgesellschaft ausgestiegen. Die Anteile wurden von den Stadtwerken Hannover übernommen.

Weitere Kraftwerke der Stadtwerke HannoverBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Gemeinschaftskraftwerk Hannover-Stöcken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Heizwerk Hannover. VW Kraftwerk GmbH, abgerufen am 28. Juli 2011.
  2. a b c d e f g h i j k l m n Technik im Dienste der Umwelt. (PDF-Broschüre; 2,2 MB) Gemeinschaftskraftwerk hannover. enercity/VW Kraftwerk, abgerufen am 28. Juli 2011.
  3. a b Hermann Otto (Hrsg.): Neue Architektur in Hannover ...die 80er Jahre. Verlag Artforum, Hannover 1991, S. 83–88, ISBN 3-928314-01-7.