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Eine der Explosionen aus der Ferne betrachtet

Die Gasexplosion in Kaohsiung 2014 bestand aus einer Reihe heftiger Detonationen in der taiwanischen Hafenstadt Kaohsiung in der Nacht des 31. Juli 2014. Bereits 1997 war ein ähnliches Unglück passiert. Die Detonationen ereigneten sich in den Stadtbezirken Qianzhen (前鎮) und Lingya (苓雅). Bei den Gasexplosionen kamen 32 Menschen ums Leben und 321 wurden verletzt.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf vom 31. Juli 2014 bis 1. August 2014Bearbeiten

 
Stadtplan des Zentrums von Kaohsiung mit den Orten der fünf Explosionen. Rosa Schattiert ist das evakuierte Wohngebiet, schwarz umrandet das ungefähre Gebiet, in dem Verkehrbeschränkungen galten

Um 20:46 Uhr bemerkte ein Anwohner einen Geruch nach Gas. Beunruhigt verständigten andere Anwohner dann die Feuerwehr und meldeten ein Gasleck. Um 21:16 Uhr erschien die Feuerwehr am Einsatzort und spritzte Wasser auf den Boden, um ihn zu kühlen. Nach einer Weile kam es zur ersten Explosion auf der Ruilong Road (瑞隆路). Die Gullydeckel wurden durch die Detonation in die Luft geschleudert. Die Umweltschutzbehörde Kaohsiungs schickte um 22:22 Uhr Experten, um Gasanalysen durchzuführen. Kurz danach ereignete sich die zweite Explosion auf der Gangshan Road (岡山路). Wieder wurden die Kanaldeckel meterhoch in die Luft katapultiert. Die dritte Explosion passierte um 23:00 Uhr an der Kreuzung Sanduo Road (三多一路) und Wuqing Road (武慶三路). Die dritte Detonation war so stark, dass der Boden unter den Straßen und anliegenden Häuser größtenteils absackte. Bei der vierten Explosion an der Kreuzung Ersheng Road (二聖路) und Kaixuan Road (凱旋路) kamen um 23:25 Uhr mehrere Feuerwehrleute ums Leben. Die Stadtregierung hatte inzwischen den betroffenen Stadtteil evakuiert. Bei der fünften Denotation wurde um 23:57 Uhr fast die ganze Ersheng Road (二聖路) zerstört. Dabei wurden Verkehrsteilnehmer getötet und verletzt. Unter allen Explosionen war die fünfte die größte und heftigste. Im Anschluss daran kam es um 00:00 Uhr noch zu weiteren kleinen Explosionen auf der Sanduo Road (三多路) und der Kaixuan Road (凱旋路).[1]

Folgen der ExplosionenBearbeiten

 
Sanduo Road (2014)

Am 1. August 2014 lagen die Straßen in Trümmern und Teile der Straßenzüge waren abgesunken. Die Druckwelle hatte eine Schneise der Zerstörung (ca. 6 Kilometer lang) geschlagen und die betroffenen Straßen entzweigerissen. Motorroller, Autos und sogar Lastwagen waren von den gewaltigen Detonationen durch die Gegend geschleudert und einige Autos sogar auf Hausdächer katapultiert worden. Aufgrund der Explosionen kam es zu Gasabschaltungen und Stromausfällen. Taiwans damaliger Wirtschaftsminister und zuständiger Rettungsleiter Jiang Yi-huah (江宜樺) gab an, dass es mindestens fünf große Explosionen in den Stadtteilen gegeben hatte. 1.100 Einwohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, und in Notunterkünften untergebracht. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig, denn überall konnte sich hochentzündliches Gas gesammelt haben. Aus dem ganzen Land beorderte die Regierung von Taiwan Soldaten zur Unterstützung nach Kaohsiung, um bei der Rettung zu helfen. Die Rettungskräfte gruben sich durch Schuttberge und suchten mit Sonargeräten nach Überlebenden. In Schutzanzüge gekleidete Spezialeinheiten stellten sicher, dass kein explosives Gas mehr austrat.[2]

UrsacheBearbeiten

Am Anfang berichtete der Direktor der Notfallzentrale, Chang Chia-Juch (張家祝), dass die Explosionen durch ein Propangasleck verursacht worden seien. Es wurde vermutet, dass die betroffenen Pipelines des petrochemischen Unternehmen LCY Chemical Corporation (李長榮化學工業) schadhaft gewesen seien. Zwischen 20:40 und 21:00 Uhr wies eine 4-Zoll-Pipeline abnormalen Druck auf. Zwischen 20:00 und 21:00 Uhr strömten 3,77 Tonnen Propangas aus, aber das Unternehmen LCY hatte bis 23:40 Uhr nichts dagegen unternommen. Nach der Untersuchung der Explosion fand die Stadtregierung Kaohsiung weitere Details heraus. LCY erklärte weiter, dass die Firma CGTD (China General Terminal and Distribution Corporation, 華運倉儲) für den Gastransport zuständig gewesen sei. Es sei bei CGTD aber kein abnormaler Druck festgestellt worden und so sei es zu den Explosionen gekommen. Laut LCY war das Unternehmen CGTD somit auch für die Erkennung von Druckverlusten mitverantwortlich und beide Unternehmen, LCY und CGYD, sollten für die Explosion zur Verantwortung gezogen werden.[3]

ReaktionenBearbeiten

Als der Präsident Ma Ying-jeou (馬英九) von der Explosion in Kaohsiung erfuhr, koordinierte er sofort den Rettungseinsatz. Außerdem wurde die Nationalflagge für drei Tage auf halbmast gesetzt, um der Toten zu gedenken. Wirtschaftsminister Chang Chia-juch (張家祝) trat am 10. August 2014 von seinem Amt zurück, obwohl ihm keine persönliche Schuld am Unglück nachgewiesen wurde.[4]

Viele Regierungen sprachen ihr Beileid für die Tragödie in Kaohsiung aus, z.B. die Regierungen von China, Hong Kong, Macau, Frankreich, Japan, Singapur und Großbritannien, sowie der Kommissar der Europäischen Union.

WiederaufbauBearbeiten

 
die Sanierung auf der Sanduo Straße, (2014)

Damit die Opfer schnell zurück ins normale Leben finden konnten, begann die Stadtregierung rasch mit den Aufräumarbeiten. Eine grobe Schätzung der Kosten für beschädigte Straßen und das Kanalsystem belief sich auf ca. 1,9 Milliarden NT$ (zum damaligen Kurs etwa 47 Millionen Euro).[5] In den Tagen nach der Explosion wurden die Aufräumarbeiten durch starken Regen und überschwemmte Straßen behindert. Bereits am 20. November 2014 waren die Straßen wieder befahrbar, ein Teil der Häuser saniert und die Wiederherstellungsarbeiten konnten abgeschlossen werden.

Am 18. Juli 2015 einigten sich die Stadtverwaltung von Kaohsiung mit den zwei verantwortlichen Unternehmen LCY Chemical Corp. (李長榮化工) und China General Terminal & Distribution Corporation (華運倉儲, CGTD) über Entschädigungzahlungen an die Angehörigen der getöteten Personen. Jede Familie eines Verstorbenen sollte 12 Millionen NT$ (etwa 356.000 €) als Entschädigung erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Betroffenen bereits jeweils 9,8 Millionen NT$ aus privaten Spenden aus der Öffentlichkeit und von der Industrie erhalten.[6]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 小宏 Jerry Chu: 高雄市嚴重氣爆的原因---不經一事,不長一智. In: Xuite.net. Abgerufen am 4. Juni 2017 (chinesisch, privater Blogger).
  2. Gas explosion kills 25 and injures over 260. In: The Telegraph. 1. August 2014.
  3. 台灣電力公司 (Taiwan Power Company): 高雄氣爆事件探索. In: SlideShare. 4. August 2014, abgerufen am 4. Juni 2017 (chinesisch).
  4. Woody Duh named new MOEA head. Taipei Times, 11. August 2016, abgerufen am 20. September 2017 (englisch).
  5. nach Währungsrechner: Taiwanesischer Dollar - Euro (TWD in EUR) von finanzen.net, Zugriff 10. Juni 2017
  6. Alan Fong: Kaohsiung agrees to gas blast settlement. The China Post, 18. Juli 2015, abgerufen am 20. September 2017 (englisch).