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Gartenkresse

Art der Gattung Kressen (Lepidium)
Gartenkresse
Gartenkresse (Lepidium sativum)

Gartenkresse (Lepidium sativum)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Kressen (Lepidium)
Art: Gartenkresse
Wissenschaftlicher Name
Lepidium sativum
L.

Gartenkresse (Lepidium sativum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kressen (Lepidium) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es wird vermutet, dass die Gartenkresse aus West- oder Zentralasien stammt; dort kommt sie auch heute noch wild vor. Als Kulturpflanze wird sie vielseitig verwendet.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Zeichnung von allen Pflanzenteilen

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Gartenkresse ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis zu 40 Zentimetern. Die Stängel sind aufrecht, kahl, bläulich grün und nach oben verzweigt. Die Laubblätter sind dünn, hellgrün und wenigstens am Rande des Blattstiels borstlich behaart. Die Grundblätter sind meist leierförmig-fiederschnittig mit meist verkehrt-eiförmigen, eingeschnittenen oder gezähnten, stachelspitzigen Abschnitten. Die unteren Stängelblätter sind meist doppelt bis einfach fiederschnittig, mit gezähnten, stachelspitzigen Abschnitten. Die mittleren und oberen Stängelblätter sind von verschiedener Form, meist etwas fiedrig zerschlitzt, seltener nur gezähnt. Die obersten Stängelblätter sind meist linealisch, ganzrandig und spitz.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die traubigen Blütenstände sind end- oder seitenständig.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier Kelchblätter sind bei einer Länge von 1 bis 1,5 Millimetern elliptisch und auf dem Rücken oft borstig-flaumig. Die vier weißen bis rosafarbenen Blütenkronblätter sind 1,5- bis 1,7-mal so lang wie die Kelchblätter; sie sind länglich-spatelförmig. Die Staubbeutel sind oft violett.

Die Schoten sind meist 5 bis 6 Millimeter lang und 3 bis 4 Millimeter breit, etwas zusammengedrückt und von der Mitte bis zur Spitze deutlich geflügelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]

Systematik und VerbreitungBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Lepidium sativum erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum 2, S. 644.[2][3]

Lepidium sativum kommt ursprünglich in Ägypten, Äthiopien, auf der Arabischen Halbinsel, in der Türkei, in Syrien, im Libanon, in Jordanien, Israel, im Irak, Iran, in Afghanistan und in Pakistan vor.[2] Sie ist ein Neophyt in Kenia, Indien, Japan, China, Australien, Neuseeland, in Kanada, den Vereinigten Staaten, Argentinien, Chile und in Neukaledonien.[2]

Man kann folgende Unterarten unterscheiden:

  • Lepidium sativum L. subsp. sativum
  • Lepidium sativum subsp. spinescens (DC.) Thell. (Syn.: Lepidium sativum var. spinescens (DC.) Jafri, Lepidium spinescens DC.): Sie kommt von Ägypten bis zum Iran vor.[1]
 
Benzylisothiocyanat (unten, blau markiert) bildet sich bei der enzymatischen Umsetzung des Senfölglycosids Glucotropaeolin, einem Inhaltsstoff der Gartenkresse.

EtymologieBearbeiten

Der scharfe Geschmack der Pflanzen, der durch die darin enthaltenen Senfölglycoside verursacht wird, gab der Kresse ihren Namen, abgeleitet vom althochdeutschen Wort cresso ‚scharf‘.[4][5]

NutzungBearbeiten

Gartenkresse schmeckt roh leicht scharf, der Geschmack erinnert an Senf und Rettich, was am Gehalt an Senfölglycosiden liegt. In den Lebensmittelhandel gelangen und in der Küche verwendet werden vor allem die Keimlinge, die etwa eine Woche nach der Aussaat geerntet werden können.

Verwendet werden die Sorten dieser Art frisch für kalte Aufstriche, besonders solche auf Frischkäse- oder Quarkbasis, und für Salate. Manchmal streut man die gehackten Blätter auf warme Speisen, wie Gemüsesuppen oder Eierspeisen. Auch beliebt sind gehackte Gartenkresseblätter auf Butter- oder Schmalzbrot.

Die Gartenkresse gehört zu den sieben Kräutern in der Frankfurter Grünen Soße.

Des Weiteren findet die Gartenkresse Verwendung in der Bioindikation. Bei diesem Kressetest kann anhand des Keimverhaltens eine Belastung von Luft, Wasser und Boden detektiert werden.

GeschichteBearbeiten

Die meistverbreitete einjährige Gartenkresse stammt vermutlich aus dem vorderen Orient, ihre Samen wurden schon in alten Pharaonengräbern gefunden. Auch Griechen und Römer schätzten sie. Karl der Große verordnete ihren Anbau in seinen Kapitularien.

KulturBearbeiten

Die Kultur der Gartenkresse kann auf unterschiedlichen Materialien und Erde stattfinden, wobei das traditionell genutzte Perlitsubstrat ebenso wie Celluloseflocken und geschäumte Kunststoffe zunehmend von Anzucht­vliesen aus Flachs- und Hanffasern verdrängt werden. Als Vorteile werden der geringere Düngebedarf, die rasche Auskeimung und der schnelle Wuchs der Kresse sowie die einfachere Entsorgung der Anzuchtvliese genannt.[6]

Ähnliche ArtenBearbeiten

Neben der Gartenkresse wird in der Küche auch das mehrjährige Pfefferkraut (Lepidium latifolium) verwendet. Zur Brunnenkresse (Nasturtium officinale) der Gattung Nasturtium besteht nur eine Namensähnlichkeit, nicht etwa eine enge Verwandtschaft. Andere Namensvettern siehe unter Kresse.

WirkstoffeBearbeiten

Gartenkresse zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Vitamin C, Eisen, Kalzium und Folsäure aus. Außerdem enthält sie Vitamin B. Leicht zu kultivieren, eignet sich Gartenkresse vor allem im Winter, wenn frisches Obst und Gemüse rar sind, zur Nahrungsergänzung. Ein Stoff, der für den Geschmack der Gartenkresse verantwortlich ist, ist das Isothiocyanat Benzylisothiocyanat,[7] das sich aus dem Inhaltsstoff Glucotropaeolin – ein Senfölglycosid – bildet.

BilderBearbeiten

PoesieBearbeiten

Im Singspiel Dreimäderlhaus von Heinrich Berté kommt das Gedicht vor:

Ich schnitt es gern in alle Rinden ein,

Ich grüb’ es gern in jeden Kieselstein,

Ich möcht’ es sä’n auf jedes frische Beet

Mit Kressesamen, der es schnell verrät,

Auf jeden weißen Zettel möcht’ ich schreiben:

Dein ist mein Herz. Dein ist mein Herz

Und soll es ewig, ewig bleiben.


Hier wird auf den rasch keimenden Samen der Gartenkresse angespielt. Das Gedicht wurde von Franz Schubert vertont.

LiteraturBearbeiten

  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band IV, Teil 1, Carl Hanser Verlag, München 1958, S. 406–409.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 444.
  2. a b c Lepidium sativum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 29. Juli 2017.
  3. Lepidium sativum bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 29. Juli 2017.
  4. Eintrag zu Kressen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 28. Juni 2012.
  5. Gartenkresse Lepidium sativum, Pädagogische Hochschule Karlsruhe. (PDF; 680 kB)
  6. Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche 26, hrsg. von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., Gülzow 2008; S. 198–199, (PDF-Download).
  7. Wolfgang Legrum: Riechstoffe, zwischen Gestank und Duft, Vieweg + Teubner Verlag (2011) S. 19, ISBN 978-3-8348-1245-2.

WeblinksBearbeiten