Der Garrotín ist ein Palo des Flamenco, das heißt eine seiner musikalischen und tänzerischen Formen.

GeschichteBearbeiten

Gemeinhin wird behauptet, die Ursprünge lägen in Asturien oder in León.[1][2][3] Es gibt eine Passacaglia aus Asturien mit dem Titel Garrotín.[4] Musikhistoriker bezweifeln dennoch diese These zur Herkunft und vermuten lokale Ursprünge in Andalusien.[2][3] Da es in Andalusien mehrere Einwanderungswellen aus Galicien und León gab, sind die beiden Theorien möglicherweise in Einklang zu bringen: Die Einwanderer brachten die Tänze ihrer Heimat mit, und diese hatten Einfluss auf die lokale Entwicklung in Andalusien.[2]

Es handelte sich ursprünglich um einen Theatertanz. Die flamencisierte Fassung schrieb José Otero 1912 in seinem Tratado de bailes dem Tänzer Faíco zu. Auch das ist jedoch umstritten: Andere Quellen einen Tänzer aus Sevilla namens Caetano oder Cayetano als Urheber.[5]

Seine größte Popularität hatte der Garrotín in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts.[5] Bekannte Künstler wie Amalia Molina[3], Niño Medina[5], Manuel Torre[4], La Niña de los Peines[4] und Pastora Imperio[6] nahmen ihn in ihr Repertoire und entwickelten ihn. Später hielten Carmen Amaya und Antonio Gades seine Tradition hoch und verfeinerten ihn.[5] Gitarristen wie Rafael Riqueni komponierten virtuose Konzertstücke zum Garrotín.[4]

Musikalischer CharakterBearbeiten

Der Garrotín ist mit dem Tango flamenco verwandt. Er erklingt in Dur und folgt dem 2/4-Rhythmus des Tango.[4][3] In der Gitarrenbegleitung ist der Rhythmus lebhafter und variantenreicher als im metrisch vorgetragenen Gesang.[3] Im Gegensatz zu anderen Palos des Flamenco wird der Gesang im Garrotín ohne Melismen vorgetragen.[3]

VerseBearbeiten

Die Strophen des Garrotín bestehen in der Regel aus vier achtsilbigen Zeilen.[4] La Niña de los Peines sang beispielsweise:[7]

A mí me dijo mi mare[8]
que cantara yo y no llorara
que echara la pena a un lao[9],
ay, cuando de ti me acordara

Meine Mutter sagte mir
ich solle singen und nicht weinen
um den Schmerz zu vertreiben,
ay, wenn ich an dich denke.

Juan Vergillos gibt folgendes Beispiel:[10]

Que firmeza no tendría
el querer que use en ti,
que cuando tú me olvidaste
la muerte sentí venir.

Al garrotín, al garrotán,
a la vera, vera, vera de San Juan.

Wäre sie nicht so stark,
die Liebe, die ich für dich hege
so dass, als du mich vergessen hast,
ich spürte, wie der Tod kam.

Zum Garrotín, zum Garrotán,
am Rand Rand Rand von San Juan.

Solche Kehrreime mit Wortwiederholungen, wie im letzten Beispiel, kommen sonst im Flamenco selten vor und sind charakteristisch für den Garrotín.[4]

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. Garrotín. In: flamenco.one. Abgerufen am 2. März 2019 (spanisch).
  2. a b c Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. Signatura Ediciones, Sevilla 2009, ISBN 978-84-95122-84-1, S. 72.
  3. a b c d e f Miguel Ortiz: Garrotín. In: Flamenco Viejo. 15. März 2010, abgerufen am 3. März 2019 (spanisch).
  4. a b c d e f g Faustino Núñez: Garrotín. In: Flamencopolis. 2011, abgerufen am 2. März 2019 (spanisch).
  5. a b c d Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. S. 73.
  6. José Luis Navarro García: Historia del Baile Flamenco. Volumen II, S. 25.
  7. Di Las Tres Gracias: Letras por Garrotín. In: De Palo en Palo. 12. April 2012, abgerufen am 3. März 2019 (spanisch, dort viele weitere Beispiele).
  8. sic, kein Tippfehler
  9. sic
  10. Juan Vergillos: Conocer el Flamenco. S. 142.