GameStop

US-amerikanische Einzelhandelskette

Die GameStop Corporation ist eine US-amerikanische, nach eigenen Angaben die weltweit größte Einzelhandelskette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware. Sie hat ihren Sitz in Grapevine, Texas und betreibt mehr als 7.535 Filialen in 18 Ländern, über 1.200 davon in Europa.[3] GameStop ist mit dem Kürzel $GME an der New York Stock Exchange gelistet. Neben dem Einzelhandelsketten vertreibt das Unternehmen auch das Computerspielmagazin Game Informer. Tochterunternehmen sind außerdem EB Games, ThinkGeek (1999 bis 2019), Geeknet (seit 2015), Moviestop, ZiNG Pop Culture und Micromania-Zing.[4]

GameStop Corp.

Logo
Rechtsform Corporation
ISIN US36467W1099
Gründung 2000
Sitz Grapevine, Vereinigte Staaten
Leitung George Sherman,[1] CEO
Mitarbeiterzahl 14.000 (2019)[2]
Umsatz 8,24 Mrd. USD (2019)[2]
Branche Elektronikeinzelhandel
Website http://www.gamestop.com/
Stand: 1. Februar 2020

Verbreitung von GameStopBearbeiten

Niederlassungen von GameStop gibt es in folgenden Ländern: Australien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Irland, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz, Vereinigte Staaten. Damit hat GameStop 5830 Läden weltweit, alleine 1211 in Europa.[2]

GeschichteBearbeiten

Ursprünge und VorgängerBearbeiten

Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf den Software-Einzelhandel Charles Babbage's, der zwischen 1984 und 1994 in den USA aktiv war und von den Harvard Business School-Absolventen James McCurry and Gary M. Kusin betrieben wurde, zurück. Der Name ist dabei Charles Babbage gewidmet.[5] Schnell begann das Unternehmen sich auf Konsolenspiele zu fokussieren. Das Unternehmen fusionierte 1994 mit Software Etc und wurde zur NeoStar Retail Group.[6] Zwischen 1996 und 1999 wurde der Vertrieb unter dem neugegründeten Unternehmen Babbage’s Etc. fortgesetzt.[7] Das Unternehmen wurde 1999 von Barnes & Noble Booksellers für 215 Millionen US-Dollar aufgekauft.[8] Im Mai 2000 kaufte Barnes & Noble das Computerspielhandelsunternehmen Funco für 160 Millionen US-Dollar auf und erwarb dadurch auch die Rechte an dem Computerspielmagazin Game Informer, das seit 1991 veröffentlicht wird.[9] Im Dezember wurde Funco in GameStop umbenannt.[10] Im Februar 2002 wurde GameStop an die Börse gebracht.[11]

Aufschwung (2004 bis 2016) und Kritik an GeschäftspraktikenBearbeiten

2005 erwarb GameStop für 1,44 Milliarden US-Dollar das Computerspielhandels-Unternehmen EB Games und konnte sich dadurch weltweit ausbreiten.[12][13] Im Laufe der Zeit kaufte das Unternehmen auch weitere Handelsunternehmen für Computerspiele auf.[14] Ein wirtschaftlicher Aufschwung gelang dem Unternehmen auch durch den Wiederverkauf und Tausch von gebrauchten Spielen und Hardware zu einem vergünstigen Preis. Dieses Modell wird zum einen von Unternehmen aufgrund entgangener Einnahmen durch den Wiederverkauf[15] und zum anderen von Verkäufern, aufgrund einer geringen Entlohnung im Vergleich zum Wiederverkaufspreis, kritisiert.[16] Das 2017 gestartete Circle of Life-Programm, das darauf abzielte, den Wiederverkauf von Spielen zu erhöhen, geriet in die Kritik, da Angestellte eine bestimmte Quote erreichen mussten und dafür auch lügen durften.[17][18] GameStop verzichtet nach eigenen Angaben nach den negativen Kritiken zu dem Programm auf die Überwachung der Quote der Mitarbeiter.[19] Mitarbeiter berichten allerdings, dass GameStop trotzdem noch ähnlich verwerfliche Geschäftspraktiken betreibt.[20][21] Im Oktober 2017 führte GameStop in den USA ein Abomodell für gebrauchte Spiele ein.[22] In die Kritik geriet das Unternehmen außerdem für Sicherheitslücken bei der Kreditkartenzahlung im Online-Handel.[23]

Abschwung (2016 - 2020)Bearbeiten

Seit 2016 fiel der Börsenwert des Unternehmens.[24] Grund dafür ist überwiegend der vermehrte Online-Handel.[25] Erste Schließungen von mehreren hundert Filialen aufgrund der Auslagerung des Software-Einzelhandels auf den Online-Handel fanden allerdings bereits 2012 statt.[26] Weitere Hunderte Filialen werden seit 2017 geschlossen.[27] Im Jahr 2018 verzeichnete GameStop mit 673 Millionen US-Dollar den bis dato größten Verlust in der Firmengeschichte.[28] Ein Verkauf ist daher seit 2018 nicht ausgeschlossen.[29] 2019 gab GameStop bekannt über 200 Filialen aufgrund gefallener Verkaufszahlen zu schließen.[30][31] Im zweiten Quartal 2019 hat GameStop ein Verlust von 400 Millionen US-Dollar bekanntgeben.[32]

Auch die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 führte zu starken negativen wirtschaftlichen Folgen für das Unternehmen, da in vielen Ländern alle Filialen vorübergehend geschlossen werden mussten.[33] GameStop versuchte sich vorerst dagegen zu wehren und geriet in Kritik für mangelnde Sicherheitsmaßnahmen.[34]

Starker Anstieg des Aktienkurses durch einen Short Squeeze (ab 2021)Bearbeiten

Gleichzeitig nahm die Beliebtheit des Zeitvertreibs mit Computerspielen während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 zu. Hiervon profitierte auch der Aktienkurs von Gamestop, obwohl viele Geschäfte geschlossen bleiben mussten. Ab Mitte Januar 2021 kam es zu einem sehr starken Anstieg des Aktienkurses. Als Grund gilt dafür der Einstieg des aktivistischen Investors Ryan Cohen, der Gamestop stärker im Online-Vertrieb von Videospielen positionieren möchte. Angeheizt durch Diskussionen auf Twitter und in dem Internetforum Reddit stiegen viele Privatanleger in die Aktie ein. Zuvor hatten jedoch Aktienhändler die Papiere von Gamestop leerverkauft, da sie fallende Aktienkurse erwarteten und damit Gewinn erzielen wollten. Im Zusammentreffen mit der großen Nachfrage durch Privatanleger stieg der Aktienkurs hingegen, was die Leerverkäufer dazu nötigte, ihre Positionen aufzulösen. Um die Leerverkaufspositionen wieder aufzulösen, müssen sie Aktien des Unternehmens zurückkaufen - und zwar zu jedem zustande kommenden Preis. Durch die Knappheit der frei handelbaren Aktien und die zusätzlich hohe Nachfrage der Leerverkäufer kam es zu einem Short Squeeze und der Aktienkurs stieg innerhalb kürzester Zeit erheblich.[35]

GameStop Deutschland GmbHBearbeiten

 
GameStop Deutschland GmbH in Memmingen

Die GameStop Deutschland GmbH ist eine Tochtergesellschaft der GameStop Corporation und betreibt 217 Filialen in Deutschland, 29 in Österreich und 19 in der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in Memmingen, der zugleich als Zentrale für ganz Europa fungiert.[36]

GameStop ermöglicht seinen Kunden, gebrauchte Videospiele in Zahlung zu geben. Die so gebraucht angekauften Artikel bietet GameStop ergänzend zu seinem Angebot an Neuwaren an.

WeblinksBearbeiten

Commons: GameStop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. CEO zum 15. April 209, Abgerufen 22. April 2019 (englisch)
  2. a b c GameStop 2019 Annual Report, abgerufen am 9. Juni 2020
  3. GameStop News: GameStop Acquires Micromania, France's Leading Video Game Retailer
  4. 10-K. Abgerufen am 18. April 2020.
  5. Roger W. Roland; David E. Salamis (2005). Jay P. Peterson (ed.). "Game Stop Corp". International Directory of Company Histories. 69. Detroit: St. James Press. pp. 185–189.
  6. Kathryn Jones (August 26, 1994). "Company News; Two Software Peers Combine Their Specialties". The New York Times.
  7. Maria Halkias (November 27, 1996). "Babbage's Software Etc. sold to one of the founders - Judge chooses bid over Electronics Boutique's". The Dallas Morning News.
  8. "Barnes & Noble plans to buy Babbage's for $215 mln". Reuters News. October 6, 1999.
  9. Rebecca Quick (May 8, 2000). "Barnes & Noble Makes Another Play in Video Games --- Funco Purchase Wagers That Future Growth Action Will Be in That Industry". The Wall Street Journal.
  10. Frank Musero (September 10, 2001). "New Game Plan For Barnes & Noble: Spinoff". The IPO Reporter.
  11. Raymond Hennessey (February 14, 2002). "Deals & Deal Makers: GameStop Rises 12% on First Trading Day". The Wall Street Journal.
  12. Jeffrey Ball (April 19, 2005). "GameStop to Buy Videogame Firm For $1.44 Billion". The Wall Street Journal.
  13. GameStop Buys EB Games - IGN. Abgerufen am 18. April 2020 (englisch).
  14. Matt Matthews: In Depth: The State Of GameStop, Part One. Abgerufen am 18. April 2020 (englisch).
  15. GamePolitics News | GamePolitics. Abgerufen am 18. April 2020.
  16. GameStop Is Ripping You Off, And Here's How They Do It. Abgerufen am 18. April 2020 (englisch).
  17. GameStop: "Wir haben Angst um unsere Stellen!" Mitarbeiter über "Circle of Life". 5. Februar 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  18. Schwere Vorwürfe gegen GameStop - Mitarbeiter fühlen sich gezwungen, Kunden zu belügen. 4. Februar 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  19. GameStop ändert häufig kritisiertes »Circle of Life«-Programm. 25. Februar 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  20. GameStop-Skandal - Mitarbeiter klagt an: Verbesserungen bringen nichts. 15. März 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  21. Gamestop-Mitarbeiter packt aus: "Elf Jahre Hölle" - derStandard.de. Abgerufen am 18. April 2020 (österreichisches Deutsch).
  22. GameStop - Führt in den USA Gaming-Flatrate für gebrauchte Spiele ein. 31. Oktober 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  23. GameStop - Angeblich massive Sicherheitslücke bei Kreditkartenzahlung. 10. April 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  24. Emily Bary: Videogame Sales Are Fading and It’s Crushing GameStop. Abgerufen am 18. April 2020 (amerikanisches Englisch).
  25. ERA: 2016 physical games revenue down 16.4% year-on-year, but digital up 12.1%. In: MCV/DEVELOP. 5. Januar 2017, abgerufen am 18. April 2020 (britisches Englisch).
  26. Gamestop: Weltweit werden 200 Filialen geschlossen. 19. November 2012, abgerufen am 18. April 2020.
  27. GameStop: Spielehändler macht jetzt hunderte Filialen dicht. 27. März 2017, abgerufen am 18. April 2020.
  28. GameStop erleidet 673 Millionen Dollar Verlust in 2018. 3. April 2019, abgerufen am 18. April 2020.
  29. René Resch: Gamestop in der Krise - Kette soll verkauft werden. 20. Juni 2018, abgerufen am 18. April 2020 (deutsch).
  30. GameStop stürzt immer weiter ab - viele Filialen schließen noch 2019. 11. September 2019, abgerufen am 18. April 2020.
  31. heise online: Spiele-Retailer GameStop will 200 Filialen schließen. Abgerufen am 18. April 2020.
  32. GameStop schließt 200 Filialen und verzeichnet große Verluste. 12. September 2019, abgerufen am 18. April 2020.
  33. Jan Paul Fori: Gamestop: Folgt nun der Corona-Todesstoß? Abgerufen am 18. April 2020 (deutsch).
  34. GameStop: Mitarbeiter in den USA offenbar besorgt über mangelnde Corona-Maßnahmen. Abgerufen am 18. April 2020.
  35. Videospielehändler: Gamestop-Aktie 145 Prozent im Plus – Privatanleger drängen Shortseller aus dem Markt. Abgerufen am 25. Januar 2021.
  36. GameStop Deutschland GmbH: Expansion