Hauptmenü öffnen

Galopprennbahn Bremen

Galopprennbahn in Bremen im Stadtteil Hemelingen
Infotafel mit Übersichtsplan

Die Galopprennbahn Bremen oder auch Galopprennbahn in der Vahr befindet sich in Bremen im Stadtteil Hemelingen an der Grenze zur Vahr. Das Gelände befindet sich im Eigentum der Stadtgemeinde Bremen. Auf der rund 30 Hektar großen Fläche an der Ludwig-Roselius-Allee sollen Wohnungen entstehen.[1] Am Karfreitag 30. März 2018 fand das letzte Pferderennen statt.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Historische Tribüne mit viergeschossigem Turm
 
Die Rennbahn

1857 wurde der Bremer Reit-Club – ab etwa 1907 unter dem Namen Bremer Rennverein geführt – von Bremer Kaufleuten gegründet. Wo das erste Pferderennen in Bremen stattfand ist unbekannt. 1858 fanden Rennen auf dem Hastedter Suhrfeld bei der Suhrfeldstraße statt. Der Reit-Club kaufte um 1900 ein Gelände in Hemelingen und baute die Galopprennbahn. Der Kaufmann und Ölimporteur Franz Ernst Schütte trug einen großen finanziellen Anteil zum Bau der Tribüne mit damals 1000 Sitzplätzen bei. Seit 1907 wurden hier die regelmäßigen Rennen veranstaltet.

1967 wurde der Bremer Kaffeekaufmann Walther J. Jacobs Präsident des Rennvereins. Jacobs war dem Pferdesport seit seiner Jugend auf dem väterlichen Hof in Bremen-Borgfeld verbunden. 1958 erwarb er in Sottrum den Fährhof und züchtete dort Hannoveraner und seit 1961 nur noch Englisches Vollblut. Der Galopprennsport in Bremen erlebte durch Jacobs seinen großen Aufschwung. Der Standort wurde zu einem der größten Trainingsplätze in Deutschland. Bekannter Trainer war Adolf Wöhler.[3]

In den 1970er Jahren gab es Planungen zum Verkauf des 30 Hektar großen Geländes für 35 Millionen Mark an die Neue Heimat, die dort Wohnungen bauen wollte. Die Stadt Bremen änderte jedoch den Flächennutzungsplan nicht und bot dem Rennverein stattdessen sechs Millionen Mark, so dass hier die Zukunft des Reitsports gesichert war.[4]

Größere Rennen fanden statt wie unter anderen die Derbyvorprüfung Consul Bayeff-Rennen (später swb Derby Trial). Zahlreiche Sieger in Bremen waren später Teilnehmer im wichtigsten Galopprennen Deutschlands, dem Deutschen Derby in Hamburg; Sieger in beiden Rennen war 1999 Belenus.

1999 gründete der Verein zum Betrieb die Bremer Rennbahn GmbH. Von 2000 bis 2002 wurde die Bremer Galopprennbahn modernisiert und die Tribüne verlängert. Seit 2005 gab es einen Golfplatz und ein Hotel auf der Anlage. Die Pferde wurden im Ortsteil Bremen-Mahndorf trainiert.

2010, nach dem Wegfall von Subventionen der Stadt in Höhe von 830.000 Euro pro Jahr, geriet der Bremer Rennverein in eine Krise, die Verluste konnten danach nur noch teilweise ausgeglichen werden. Die neue Anlage am Stadtrand in Mahndorf, die auch als Alternative zu der bisherigen Anlage in der Vahr vorgesehen war, erwies sich als nicht wirtschaftlich tragfähig.[5]

Der Galopprennsport erlitt in Deutschland einen Rückgang, so z. B. fand auch auf der Galopprennbahn Frankfurt 2015 das letzte Pferderennen statt. Im Rennjahr 2015 wurden in Bremen noch sechs Rennen gestartet, welche insgesamt 13.000 Zuschauer sahen. Zum Erntedank-Renntag kamen jedoch nur rund 2100 Zuschauer.[6]

Es sollen nun auf dem Gelände nach 2019 bis zu 1000 Wohnungen für 2000 bis 3000 Menschen geschaffen werden. Bausenator Joachim Lohse (Grüne) begründete das u. a.: „Wir können es uns nicht leisten, ein so großes Areal mitten in der Stadt weitgehend ungenutzt liegen zu lassen, nur damit dort ab und zu Pferdchen im Kreis herumlaufen“.[7] Der Pachtvertrag wurde deshalb von der Stadt Bremen gekündigt. Eine Bürgerinitiative sammelte erfolglos 5019 Unterschriften für den Erhalt der Rennbahn. Im Oval der Rennbahn betreibt zudem GolfRange eine Golfanlage mit einem Pachtvertrag bis 2034. Bremen hat sich aus diesem laufenden Vertrag herausgekauft. Ab 2020 kann auch diese Fläche für die neue Nutzung verwertet werden.[8]

 
Erntedank-Renntag 2017

2017 fanden mehrere Rennen statt, so auch der Erntedank-Renntag. Für eine Zwischennutzung der Galopprennbahn gibt es einen neuen Betreiber. Ein Gestüt aus Hildesheim will dort seine Pferde trainieren.

Die Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen möchte das Gelände erhalten.[9] Sie hat ein Volksbegehren gegen die Bebauung beantragt. Mehr als 4000 Unterschriften wurden Mitte 2018 dem Wahlamt in Bremen übergeben.[10]

Die AnlageBearbeiten

 
Wetthalle
 
Waagegebäude

Die Galopprennbahn ist 2000 Meter lang. Auf der Bahn finden Rennen auf der Flachbahn, aber auch Jagdrennen mit Sprüngen diagonal durch die Bahnmitte statt.

Die Zuschauer können das Rennen auf einer überdachten, historischen siebenachsigen Tribüne verfolgen mit einem seitlichen viergeschossigen Turm.

 
Führring
 
Führring

Der Führring ist allgemein einsehbar.

Betrieben wird die Anlage durch den Bremer Rennverein von 1857.

Auch Fremdveranstalter nutzen die Anlage an rennfreien Tagen im Inneren des Geläufs für u. a. Public Viewing, Events oder Konzerte sowie als Golfanlage. Am Rande steht seit 2005 ein Hotel mit einem Derby-Restaurant.

Siehe auchBearbeiten

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Galopprennbahn Bremen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Weser-Kurier vom 10. Dezember 2015: Aus für Galopprennbahn ist beschlossen
  2. Kreiszeitung.de vom 30. März 2018: Letztes Pferderennen in Bremen: Ein Abschied mit Musik
  3. Bericht im Weser-Kurier vom 30. März 1977, Seite 9: Weichen für Rennbahnverkauf sind gestellt
  4. Bericht im Weser-Kurier vom 16./17. April 1977, Seite 13: Millionenangebot für Vahrer Bahn
  5. Weser-Kurier vom 16. April 2014: Das Ende der Galopp-Trainingsbahn
  6. Weser-Kurier vom 19. Oktober 2015: Ein Fest für die ganze Familie
  7. Jürgen Hinrichs: Bremer Galopprennbahn: Finale offen. In: Weser-Kurier vom 17. Juni 2017.
  8. Kreiszeitung.de vom 4. Oktober 2017: Bremen kauft Golf-Range aus langfristigem Vertrag heraus.
  9. Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen
  10. Jürgen Hinrichs: Volksbegehren gegen Bebauung: Rennbahn-Freunde nehmen die erste Hürde. In: Weser-Kurier vom 31. Juli 2018.

Koordinaten: 53° 4′ 25,2″ N, 8° 53′ 42,1″ O