Fußballländerspiel Island – Deutschland 2003

Beim Fußballländerspiel Island – Deutschland 2003 handelt es sich um das Fußballspiel in der Qualifikation zur EM 2004 in Portugal am 6. September 2003 zwischen der isländischen und der deutschen Nationalmannschaft in Reykjavík. Das Spiel endete mit einem torlosen Unentschieden. Der Nachwelt blieb das Spiel weniger aufgrund der Geschehnisse auf dem Platz, sondern vielmehr durch ein kurz danach stattfindendes Interview von Waldemar Hartmann mit Rudi Völler in der ARD im Gedächtnis, bei dem sich letzterer in eine Wutrede hineinsteigerte.

AusgangslageBearbeiten

Anfang des Jahres 2002 wurde die deutsche Nationalmannschaft mit der isländischen Nationalelf in eine Gruppe in der EM-Qualifikation gelost. Im Sommer 2002 wurde die deutsche Nationalmannschaft Vizeweltmeister bei der WM 2002 in Japan und Südkorea.

Deutschland gewann sein Auftaktspiel in der EM-Qualifikations-Gruppe 5 in Kaunas gegen Litauen mit 2:0. In den folgenden vier Spielen folgten zwei Siege und zwei Unentschieden, ein 1:1 am 29. März 2003 in Nürnberg gegen Litauen und ein 1:1 in Glasgow gegen Schottland. Mit dieser Bilanz wurde die zwischenzeitliche Tabellenführung verspielt.

Island verlor sein erstes Spiel daheim gegen Schottland mit 0:2, in den folgenden Spielen gab es eine Niederlage und drei Siege. Damit eroberte sich Island die Tabellenführung.

Am 28. August 2003 nominierte Teamchef Rudi Völler seinen Kader für das Spiel gegen Island und einige Tage später gegen Schottland.[1]

SpielverlaufBearbeiten

Die Anfangsphase des Spiels war zerfahren; Deutschland war optisch überlegen und Island defensiv kompakt, wobei Deutschland keine Torchancen generieren konnte.[2] Die deutsche Mannschaft bemühte sich zwar, jedoch kam sie übermotiviert daher und war hektisch.[3] In der 20. Minute gab es die erste Torchance für die deutsche Mannschaft als Michael Ballack mit einem Kopfball am isländischen Torhüter Árni Gautur Arason scheiterte und eine Chance von Oliver Neuville nach Vorarbeit von Miroslav Klose von Indriði Sigurðsson gestoppt wurde.[2] Kurz darauf hatte Eiður Guðjohnsen eine Chance für Island.[3] Die deutsche Nationalmannschaft zeigte sich ideenlos, da aus der eigenen Hälfte lange Bälle nach vorne geschossen wurden, jedoch nicht ihre Adressaten fanden. Defensiv präsentierten sie sich jedoch nicht schlecht.[2] In der 40. Minute kam jedoch Guðjohnsen nach Durchsetzung gegen Christian Wörns und Frank Baumann[2] gefährlich vor das deutsche Tor, doch Oliver Kahn konnte parieren.[3]

Nach der Halbzeitpause war die deutsche Nationalmannschaft offensiv weiterhin harmlos, doch in der 50. Minute gelang es Miroslav Klose, mit einem Kopfball den Pfosten zu treffen.[2] Zwei Minuten später flog ein Freistoß von Eiður Guðjohnsen am linken Tordreieck vorbei und eine Minute später retteten Baumann und Wörns innerhalb von wenigen Sekunden vor der Linie des deutschen Tores.[2] Infolgedessen spielte die deutsche Mannschaft deutlich verhaltener und konnte kaum durchdachte Aktionen generieren. In der 65. Minute kam Sebastian Kehl, und nach dessen Vorarbeit versuchte es der eingewechselte Kevin Kuranyi mit einer Direktabnahme[3] aus halblinker Strafraumposition, wobei diese über das Tor ging.[2] Drei Minuten später kam Carsten Ramelow nach Doppelpass zwischen Bernd Schneider und Kuranyi vor dem isländischen Tor, doch da er zögerte, wurde ihm der Ball noch weggespitzelt.[2] In der 81. Minute kam Jóhannes Karl Guðjónsson nach einem Flankenwechsel mit einem Schuss aus zwölf Meter, jedoch ging dieser über den Querbalken.[2] Das war die letzte sehenswerte Aktion des Spiels.

Island Deutschland
Island 
EM-Qualifikation 2002/2003 (Gruppe 5)
6. September 2003 in Reykjavík (Laugardalsvöllur)
Ergebnis: 0:0
Zuschauer: 7065 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Graham Barber (England  England)
Spielbericht
Deutschland 


Árni Gautur ArasonLárus Orri Sigurðsson, Ólafur Örn Bjarnason, Hermann HreiðarssonÞórður Guðjónsson, Pétur Marteinsson (75. Arnar Grétarsson), Indriði Sigurðsson (84. Arnar Viðarsson) – Jóhannes Karl Guðjónsson, Rúnar Kristinsson, Eiður Guðjohnsen, Heiðar Helguson (78. Helgi Sigurðsson)
Cheftrainer: Ásgeir Sigurvinsson
Oliver KahnArne Friedrich, Christian Wörns, Frank BaumannCarsten Ramelow, Michael Ballack, Sebastian Kehl, Christian Rahn (60. Michael Hartmann) – Bernd Schneider (69. Sebastian Deisler) – Miroslav Klose, Oliver Neuville (46. Kevin Kuranyi)
Cheftrainer: Rudi Völler
  Jóhannes Karl Guðjónsson (87.)   Rahn (5.), Kehl (28.), Klose (47.), Hartmann (88.)

Nach dem SpielBearbeiten

Island blieb Tabellenführer, jedoch wurde die Qualifikation für die Endrunde bzw. zumindest für die Play-offs verpasst, nachdem man das letzte Spiel gegen Deutschland mit 0:3 in Hamburg verlor. Nach dem Spiel in Reykjavík bezeichneten ARD-Moderator Gerhard Delling und Experte Günter Netzer das Spiel als „[absoluten neuen] Tiefpunkt“. Daraufhin rastete Rudi Völler wegen ihrer, seiner Meinung nach, unsachgemäßen und negativen Berichterstattung in einem Interview von Waldemar Hartmann aus. Hartmann, der dies nicht gelten lassen wollte, wurde deswegen von Völler ebenfalls zurechtgewiesen. Völler entschuldigte sich später öffentlich für seine Wortwahl, hielt aber an seiner grundsätzlichen Kritik einer seiner Ansicht nach desavouierenden Berichterstattung fest. Zudem kam der Vorwurf seitens Völler, Hartmann habe „drei Weizenbier getrunken“ und könne somit ganz „locker“ negativ über die deutsche Mannschaft berichten.[4] Die Paulaner-Brauerei griff den vielbeachteten Vorfall kurz darauf in einer Werbeanzeige für Weißbier auf[5] und engagierte Hartmann als langjähriges Testimonial für TV-Werbespots.[6]

Die „Wutrede“ Völlers kam vor allem deshalb zustande, weil sich Völler etwas früher als sonst im Studio eingefunden hatte und so die Vorberichterstattung Netzers und Dellings mitbekam. ARD-Moderator Hartmann erklärte dies später in einem Interview: Normalerweise hätten die Trainer nach dem Spiel immer eine „Cooldown-Phase“, „[a]ber das war ja eher eine Bezirkssportanlage in Reykjavik. Er kam drei Treppchen hoch und drei Treppchen runter direkt ins Studio. Und er konnte erstmals hören, was Günter Netzer und Gerhard Delling zum Spiel gesagt haben“[7]

Deutschland schied bei der EM-Endrunde 2004 in Portugal nach der Gruppenphase aus. Rudi Völler erklärte daraufhin am 24. Juni 2004 seinen Rücktritt als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG (Hrsg.): DFB-Aufgebot: Auch Linksfuß Christian Rahn ist dabei. In: Spiegel Online. 28. August 2003, abgerufen am 30. Juni 2016.
  2. a b c d e f g h i Olympia Verlag GmbH (Hrsg.): Ballack konnte keine Akzente setzen. In: Kicker-Sportmagazin (kicker online). 6. September 2003, abgerufen am 30. Juni 2016.
  3. a b c d Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG (Hrsg.): EM-Qualifikation: Deutsches Team enttäuscht auf Island. In: Spiegel Online. 6. September 2003, abgerufen am 30. Juni 2016.
  4. tz.de: Weißbier-Waldi ist Völler auf ewig dankbar, abgerufen am 10. Oktober 2017
  5. Waldemar Hartmann wirbt für Paulaner, Horizont.net vom 17. September 2003
  6. Völler sei Dank: Sportmoderator „Waldi“ trinkt weiterhin Paulaner, Horizont.net vom 21. Juni 2010
  7. „Käse, Guru, Weizenbier“ - Vor zehn Jahren: Der Wutausbruch von Rudi Völler. tagesspiegel.de, 5. September 2013, abgerufen am 29. Mai 2018.