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Friedrich Weber (Veterinärmediziner)

Führer des Freikorps Oberland und Reichstierärzteführer
Friedrich Weber (zweiter von links) im Kreise der Hauptangeklagten des Hitler-Prozesses (1924). Links von ihm Heinz Pernet, dann nach rechts Wilhelm Frick, Hermann Kriebel, Erich Ludendorff, Adolf Hitler, Wilhelm Brückner, Ernst Röhm und Robert Wagner

Friedrich Weber (* 30. Januar 1892 in Frankfurt am Main; † 14. Juli 1955 in München) war ein deutscher Veterinärmediziner an der Universität München, Führer im Freikorps Oberland und Bund Oberland, Ministerialbeamter und SS-Führer im nationalsozialistischen Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Friedrich Weber schloss seine Schullaufbahn in seiner Heimatstadt mit dem Abitur ab. Er immatrikulierte sich im Sommersemester 1912 an der Tierärztlichen Hochschule München. Im August 1914 trat er ins 1. Schwere-Reiter-Regiment „Prinz Karl von Bayern“ in München ein. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er als Feldhilfsveterinär teilgenommen hatte, beendete Weber 1919 sein Studium. Im gleichen Jahr nahm er unter Franz Ritter von Epp am Sturz der Münchner Räterepublik teil. Im Jahr 1920 erhielt er seine Approbation.

Ab März 1920 nahm Weber als Gruppenführer mit dem Zeitfreiwilligen-Korps Godin an der Niederschlagung von Aufständen im Ruhrgebiet teil.[1] Am 1. Oktober 1920 wurde er Assistent am Tierphysiologischen Institut der Tierärztlichen Fakultät der Universität München. Während seiner Tätigkeit dort wurde er 1922 mit seiner Dissertation Über eine Methode zur Bestimmung des Extraktstickstoffes promoviert. Er war außerdem Stipendiat der Rockefeller-Stiftung.

Weber trat 1921 dem Freikorps Oberland bei, wo er zuletzt Kompanieführer war. Als das Freikorps aufgelöst wurde, nannte sich die Organisation in „Bund Oberland“ um. Weber war ab 1922 dessen Führer und in der Funktion auch am Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 beteiligt. Am 1. April 1924 wurde er wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Das Staatsministerium für Unterricht und Kultus entließ Weber nach seiner Verurteilung sofort aus dem Universitätsdienst. Bereits im Frühjahr 1925 wurde er aus der Haft in Landsberg entlassen.[1] Nach dem vergeblichen Versuch den Bund Oberland an die SS anzugliedern, trat er 1929 von seinem Amt als Bundesführer zurück.

Trotz Vorstrafe erhielt er 1925 sein Kreisexamen und wurde Distriktstierarzt in München und von 1926 bis 1933 in Euerdorf. Ab 1926 war er zudem Assistent am Institut für Vererbungsforschung bei Erwin Baur und zuvor noch kurzzeitig am Tierpathologischen Institut beschäftigt. Er begründete eine Genossenschaft für Schweinezucht.[2]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Weber am 1. Mai 1933 Veterinärmedizinalrat 1. Klasse und politischer Adjutant im Bayrischen Innenministerium. Er behielt engen Kontakt zu Adolf Hitler und wurde am 25. August 1933 Beauftragter der Reichsleitung der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.310.670) zur Gleichschaltung der Tierärzteschaft und Gründung einer Reichstierärztekammer sowie gleichzeitig Vertreter der Tierärzteschaft im neuen Sachverständigenrat für Volksgesundheit. 1933 wurde er zum Bundesführer der Deutschen Gildenschaft gewählt, einer Studentenkorporation, der er schon seit 1923 angehörte.[3] Am 15. Februar 1934 wurde er zum „Reichsführer der Deutschen Tierärzte“ ernannt. Später leitete er auch die Reichstierärztekammer.

Im NS-Staat wurde Weber zuerst ab 1. April 1934 Ministerialrat im Reichsministerium des Innern, danach ab 1. Juni 1935 Ministerialdirigent und schließlich ab dem 20. April 1936 Ministerialdirektor. Weber wurde am 26. Juli 1939 zum Honorarprofessor der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Berlin ernannt. Innerhalb der SS nahm er 1944 den Rang eines Gruppenführers ein.[4] Er war Träger des sogenannten Blutordens und des Goldenen Parteiabzeichens.[2]

Im Mai 1945 wurde Weber durch amerikanisches Militär inhaftiert. Im Spruchkammerverfahren wurde er zuerst am 5. Juli 1948 in die Gruppe I (Hauptschuldige) eingestuft und in ein Arbeitslager eingewiesen. Im Revisionsverfahren am 3. Mai 1949 wurde er zunächst in die Gruppe III (Minderbelastet), letztlich in die Gruppe IV (Mitläufer) eingestuft. Nach dem Zweiten Weltkrieg übte Weber weiterhin seinen Beruf als Tierarzt bis zu seinem Tode aus und baute die Rinderbesamung in Bayern mit auf.

SchriftenBearbeiten

  • Friedrich Weber (1934): Zum Friedmann-Mittel. In: Dtsch. Tierärztebl. 1, 22. ISSN 0724-679X
  • Friedrich Weber (1951): Professor Abelein 60 Jahre. In: Tierärztliche Umschau 6 (13/14), 260. ISSN 0049-3864

LiteraturBearbeiten

  • J. Schäffer, P. Gunther: Dr. Friedrich Weber - Reichstierärzteführer 1934-1945 (Vorbericht). In: J. Schäffer (Hrsg.): Veterinärmedizin im Dritten Reich. Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft, Gießen 1998, S. 276–292.
  • Ralf Fastner: „Reichstierärzteführer“ Dr. Friedrich Weber – Freikorpskämpfer, „Blutordensträger“, Karrierist, in Marita Krauss: Rechte Karrieren in München. Von der Weimarer Zeit bis in die Nachkriegsjahre, Volk Verlag München, 2010, ISBN 978-3-937200-53-8.
  • Weber, Friedrich, Dr. med. vet. In: Alfons Labisch / Florian Tennstedt: Der Weg zum "Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens" vom 3. Juli 1934. Entwicklungslinien und -momente des staatlichen und kommunalen Gesundheitswesens in Deutschland, Teil 2, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf 1985, ISSN 0172-2131, S. 510f.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Stefanie Albrecht; Prof. Dr. Hans Jöchle. Ein Leben für den Hufbeschlag. Dissertation, Hannover 2006.
  2. a b Weber, Friedrich, Dr. med. vet. In: Alfons Labisch / Florian Tennstedt: Der Weg zum "Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens" vom 3. Juli 1934. Entwicklungslinien und -momente des staatlichen und kommunalen Gesundheitswesens in Deutschland, Teil 2, Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf 1985, ISSN 0172-2131, S. 510f.
  3. Helmut Kellershohn: Im „Dienst an der nationalsozialistischen Revolution“. Die Deutsche Gildenschaft und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung. Band 19 (1999–2004). Wochenschau Verlag, 2004, ISSN 0587-5277.
  4. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 657.