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Friedrich Heckmann (Soziologe)

deutscher Soziologe

Friedrich Heckmann (* 6. März 1941) ist Leiter des Instituts europäisches forum für migrationsstudien (efms)[1] an der Universität Bamberg und Professor (em.) für Soziologie in der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Hauptgebiete seiner Forschungs-, Lehr- und Beratertätigkeiten sind Migration und Integration. Heckmann leistete zusätzlich einen wesentlichen Beitrag zur Institutionalisierung dieser Forschung in Deutschland: erstens innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie durch die Initiierung einer Sektion Migration und ethnische Minderheiten (1985) und zweitens durch die Mitbegründung des efms im Jahre 1993 als eines der ersten Forschungsinstitute in Deutschland für Migration und Integration. Zugleich etablierte Heckmann das Fachgebiet als Studienschwerpunkt im Bereich der Bamberger Soziologieausbildung.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Heckmann studierte Soziologie, Geschichte und Ökonomie in Münster, Kiel, Lawrence, USA und Erlangen-Nürnberg. Zu seinen Lehrern gehörten Helmut Schelsky (Münster), Gerhard Wurzbacher (Kiel; Erlangen-Nürnberg) und Gary M. Maranell[2] (Lawrence). Als Fullbright Stipendiat erwarb er 1967 einen Master of Arts in Soziologie an der Staatsuniversität von Kansas in Lawrence. Während seiner Assistententätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg promovierte er 1972 mit einer Arbeit zur Sozialisationsforschung. Heckmann war auch Forschungsleiter am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum der Universität in Nürnberg und Lehrbeauftragter an der Universität Bamberg. 1980 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Bundesrepublik als Einwanderungsland an der Universität Bamberg. 1982 erhielt er einen Ruf an die Hochschule für Wirtschaft und Politik (heute Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik) und 1992 an die Universität Bamberg. Seit der Gründung des efms ist Friedrich Heckmann u. a. in der Politikberatung und als Gutachter für die Bundesregierung, die Europäische Kommission, Landesregierungen, Städte, Stiftungen und weitere gesellschaftliche Organisationen engagiert.[3]

Beiträge zur Migrations- und IntegrationsforschungBearbeiten

Nach Arbeiten im Bereich der Sozialisations- und Familienforschung sowie zur Geschichte der Soziologie konzentrierte sich die Forschungs- und Lehrtätigkeit Heckmanns mit der Habilitationsschrift (Die Bundesrepublik: Ein Einwanderungsland? Klett-Cotta, Stuttgart 1981) auf das Gebiet der Migrations- und Integrationsforschung. Über sozialstrukturelle Analysen wurde der Zugehörigkeitsstatus der so genannten Gastarbeiter und ihrer Familien gezeigt und mit Hilfe international und historisch vergleichender Arbeit frühzeitig nachgewiesen, dass die Bundesrepublik zu einem Einwanderungsland geworden war. In konzeptuellen und theoretischen Arbeiten entwickelte Heckmann u. a. eine Theorie ethnischer Minderheiten, das Konzept der ethnischen Kolonie, Dimensionen der Sozialintegration von Migranten sowie Bausteine zur Theorie von Vorurteilen als Einstellungen und gesellschaftlichen Ideologien. In dem auch als Lehrbuch genutzten Werk von 1992 Ethnische Minderheiten, Volk und Nation. Soziologie inter-ethnischer Beziehungen (Enke Verlag Stuttgart 1992) werden diese theoretischen Arbeiten systematisch dargestellt. 2015 veröffentlichte Heckmann das Buch „Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung“, eine Gesamtdarstellung der Integrationsforschung, die sich an Studierende, Praktiker in Verwaltungen und Zivilgesellschaft sowie eine interessierte Öffentlichkeit wendet.

Seit der Gründung des efms leitet Heckmann zahlreiche empirische Forschungs- und Praxis bezogene Projekte und arbeitet an diesen forschend mit. Sie liegen im Bereich der Migrationstheorie, der Migrationsberichterstattung, der Migrationspolitik, der Staatsangehörigkeit, der Integration in Städten, der Integration im Bildungswesen, der Diskriminierung sowie der Evaluation von Praxismaßnahmen (siehe näher hierzu link auf efms.de). Ein großer Teil der Projekte wird in europäischer Zusammenarbeit durchgeführt.

Er ist Mitglied des Rat für Migration.[4]

Integration – ein ProzessBearbeiten

Heckmann hat den sozialen Prozess der Integration[5] wie folgt definiert: "Integration ist der Mitgliedschaftserwerb von Zuwanderern in den Institutionen, sozialen Beziehungen und sozialen Milieus der Aufnahmegesellschaft. Integration als Prozess der Mitgliedschaftswerdung und Angleichung der Lebensverhältnisse entwickelt sich schrittweise entlang der Dimensionen der strukturellen, kulturellen, sozialen und identifikativen Integration. Sie erfordert Integrationsleistungen der Migranten und bedarf der Offenheit und Förderung seitens der Aufnahmegesellschaft. Sie ist somit ein wechselseitiger, wenngleich nicht gleichgewichtiger Prozess, der über Generationen verläuft. Integration als Zustand und Ergebnis soll heißen, dass volle und gleichberechtigte gesellschaftliche Mitgliedschaft einer zugewanderten Gruppe in der Aufnahmegesellschaft besteht und sich die Lebensverhältnisse angeglichen haben. Ethnische Herkunft und Migrationshintergrund spielen für Ressourcenverteilung und die Strukturierung sozialer Beziehungen keine Rolle mehr."[6]

Die vier Dimensionen deer Integration erläutert Heckmann wie folgt[7]:

  • Strukturelle Integration: Die tatsächliche Partizipation in den Institutionen, insbesondere Bildung, berufliche Qualifizierung, Arbeitsmarkt, rechtlicher Status.
  • Kulturelle Integration: Prozesse, die sich auf das Lernen kognitiver Fähigkeiten und der Kenntnis der Kultur des Einwandererlandes beziehen. Das betrifft insbesondere Sprache; auch kulturelle Praktiken.
  • Soziale Integration: Soziale Kontakte und Gruppenmitgliedschaften des Individuums. Dies betrifft Freundschaften, Vereinsmitgliedschaften, Eheschließungen.
  • Identifikatorische (auch: identifikative[8]) Integration: Subjektive Gefühle und Definition der Zugehörigkeit einer Person zu einer ethnischen oder nationalen Gemeinschaft.

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-06979-7,
  • Willkommenskultur – Was ist das, und wie kann sie entstehen und entwickelt werden? Europäisches Forum für Migrationsstudien, Bamberg 2012. (empf paper 12/7. PDF, 1 MB)
  • mit Doris Lüken-Klaßen: Intercultural Policies in European Cities.[9] European Union Foundation, Dublin 2010.
  • mit Dominique Schnapper (Hrsg.): The Integration of Immigrants in European Societies. National Differences and Trends of Convergence. Lucius und Lucius, Stuttgart 2003.
  • mit Veronica Tomei (Hrsg.): Freizügigkeit in Europa. Migrations- und europapolitische Aspekte des Schengen Vertrags.[10] Europa Union, Bonn 1995.
  • mit Wolfgang Bosswick (Hrsg.): Migration Policies: a Comparative Perspective. With a foreword by Richard v. Weizsäcker.[11] Enke, Stuttgart 1995.
  • Ethnische Minderheiten, Volk und Nation. Soziologie inter-ethnischer Beziehungen. Enke, Stuttgart 1992, ISBN 3-432-99971-2.
  • mit Friedhelm Kröll: Einführung in die Geschichte der Soziologie. Enke, Stuttgart 1984, ISBN 3-432-94081-5.
  • Die Bundesrepublik: ein Einwanderungsland? Zur Soziologie der Gastarbeiterbevölkerung als Einwandererminorität. Habilitationsschrift. Klett-Cotta, Stuttgart 1981, ISBN 3-12-912090-4.
  • Die Analyse von Sozialisationsprozessen in Ausbildungskursen: Beschreibung, Theorie und methodische Verfahren, dargestellt am Beispiel der Sozialisation von Entwicklungshelfern. Dissertation. Universität Nürnberg, 1972, DNB 730600971.

QuellenBearbeiten

  1. Europäisches Forum für Migrationsstudien, abgerufen am 21. April 2012.
  2. Deutsche Forschungsgemeinschaft, abgerufen am 21. April 2012.
  3. europäisches forum für migrationsstudien, abgerufen am 18. September 2016
  4. https://rat-fuer-migration.de/mitglieder/
  5. Interview bei 3sat
  6. Heckmann: Integration von Migranten. Einwanderung und neue Nationenbildung. Springer VS, Wiesbaden 2015, S. 82 abgerufen am 3. November 2013.
  7. Friedrich Heckmann: Integration und Integrationspolitik in Deutschland. efms-Paper, Nr. 11, 1997.
  8. Friedrich Heckmann: Integration von Migranten. Springer, 2015.
  9. Lüken-Klaßen, Doris, Heckmann, Friedrich: Intercultural policies in European Cities, abgerufen am 1. Mai 2012.
  10. European Economic and Social Committee, abgerufen am 26. April 2012.
  11. University Centre of the Westfjords, abgerufen am 26. April 2012.

WeblinksBearbeiten