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Friedrich Degeler

deutscher Politiker (CDU), MdL

Friedrich Degeler (* 2. August 1902 in Heidenheim an der Brenz; † 9. März 1989 ebenda) war ein deutscher Politiker der CDU und von 1968 bis 1972 Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Friedrich Degeler wurde als jüngstes Kind einer Küferfamilie in Heidenheim geboren. Er wuchs in einem altpietistischen und christlichen Elternhaus auf. Sein Vater war Küfermeister und Weinhändler. Degeler hatte vier Kinder: Walther, Georg, Friedemann und Albrecht Degeler. Albrecht Degeler übernahm später die Weinhandlung Degeler in Heidenheim.

Friedrich Degeler besuchte die örtliche Elementar- und Oberrealschule, die er 1920 mit dem Abitur abschloss. Er schrieb sich an der Hochschule Hohenheim ein, um dort Tiermedizin zu studieren. Nach dem Tod seines älteren Bruders während des Ersten Weltkriegs brach er auf Wunsch der Eltern das Studium ab und erlernte das Küferhandwerk. 1927 legte er die Meisterprüfung ab und übernahm die Weinhandlung der Eltern. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Friedrich Degeler zur Polizei eingezogen.

Mit Wirkung zum 25. November 1940 wurde Degeler als Leutnant der Schutzpolizei der Reserve von der Polizeiverwaltung Heidenheim zu weiterer Schulung und Ausbildung zur Polizeiverwaltung Stuttgart abgeordnet; dabei wurde er "in wirtschaftlicher Hinsicht" der 2. Polizei-Reservekompanie zugeschlagen und gleichzeitig "zur Ausbildung in den verschiedenen Dienstzweigen des Revierdienstes" zum 12. Polizeirevier abgeordnet.[1] Die letztgenannte Abordnung wurde mit Wirkung zum 17. Januar 1941 wieder aufgehoben, Degeler kam zur 2. Polizei-Reservekompanie zurück.[2] Anfang Februar 1941 übernahm er vertretungsweise die Führung der 1. Polizei-Reservekompanie.[3]

Als Leutnant der Schutzpolizei, abgestellt von der Polizeiverwaltung Heidenheim, kämpfte er später im Umkreis von Stalingrad. Er wurde dann im Februar 1943 in dem neu gegründeten I/Pol. 16 (zuvor PB 56) unter Bataillonsführer Major der Schutzpolizei Herbert Furck in der 2. Kompanie zum Kompanieführer im Rang eines Oberleutnants der Schutzpolizei ernannt. Einsatzort war das niederländische Tilburg. In mindestens zwei Fällen, am 31. August 1943 und am 15. März 1944, befehligte er das Begleitkommando bei Transporten vom Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz.[4] Wiederum in Rußland geriet er im Juli 1944 bei Minsk in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 zurückkehrte.

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg nahm Friedrich Degeler eine bedeutende Rolle in der Stadt Heidenheim ein. Von 1932 bis 1935 war er im Gemeinderat tätig, zuletzt als Hospitant der NSDAP. Seit 1928 war er Mitglied des evangelischen Gemeinderats. Er war Mitglied des CVJM, seit 1934 gehörte er der Bekennenden Kirche an. Als aktiver Altpietist war er in der evangelischen Muttergemeinde und im Chor, dessen Leitung er später übernahm, aktiv.

In Folge dieser Tätigkeiten geriet Friedrich Degeler oft in Streitigkeiten mit den Nationalsozialisten und wurde sogar für eine Woche inhaftiert, da er besonders für den christlichen Religionsunterricht in den Schulen, besonders an der "Horst-Wessel-Schule" (Hellenstein-Gymnasium) in Heidenheim zusammen mit dem Religionslehrer Hans Faber eintrat. Dieser Konflikt resultierte aus der Weigerung der Religionslehrer am Hellenstein-Gymnasium dem Mergenthaler-Erlass Zur Gestaltung des Religionsunterrichts[5] zuzustimmen. Friedrich Degeler verlor aufgrund dieses Konfliktes sämtliche Ämter in der Kreishandwerkskammer.

Die meisten dieser Tätigkeiten nahm er nach seiner Rückkehr aus sowjetischer Gefangenschaft wieder auf. 1953 übernahm Degeler für zehn Jahre das Amt des Kreishandwerkmeisters. Im selben Jahr wurde er in den Kreistag und den Gemeinderat und zum Stellvertreter des Oberbürgermeisters gewählt. 1962 wurde er Präsident der Handwerkskammer Ulm und trug dazu bei, dass das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer Ulm entstand. Seit 1958 war er Mitglied im Aufsichtsrat der Heidenheimer Volksbank und seit 1968 Aufsichtsratsvorsitzender. 1968 wurde er Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg.

EhrungenBearbeiten

Der Platz vor dem Rathaus in Heidenheim an der Brenz wurde aufgrund des Standortes seines ehemaligen Privathauses, das sich an der Grabenstraße befand, nach Degeler benannt. Dort findet ihm zu Ehren jedes Jahr im Sommer das Küferfest statt, das an den „Hoidamer“ Küfer Friedrich Degeler der Stadt Heidenheim an der Brenz erinnert und bei dem Weinhändler der Region ihre Weinsorten präsentieren. Ein Ende 2014 nach Bekanntwerden der Rolle Degelers bei den KZ-Transporten durch DKP-Stadtrat Reinhard Püschel gestellter Antrag auf Umbenennung des Platzes wurde von Oberbürgermeister Bernhard Ilg abgelehnt.

LiteraturBearbeiten

  • Schlossblick 3/05
  • Hans Wulz: Heidenheimer Originale. Kopp Verlag 1987.
  • Gerhard Schweier: Namhafte Heidenheimer. Kopp Verlag 1968.
  • Tanja von Fransecky: Flucht von Juden aus Deportationszügen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, 2. Auflage, Metropol-Verlag, Berlin 2014.
  • Tanja von Fransecky: Die Wachmannschaften der Deportationszüge. Frankreich, Belgien und die Niederlande. In: Francia 42 (2015), S. 207–230, hier: S. 220 f.

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tagesbefehl 1940/154,5 betreffend die Zuteilung von Reserveoffizieren im Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand EL 51/1 II c (Landespolizeidirektion Stuttgart II: Kommando-Tagesbefehle, Kommando-Sonderbefehle), Signatur Bü 29 (Digitalisat).
  2. Tagesbefehl 1941/11,5 betreffend die Aufhebung von Abordnungen im Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand EL 51/1 II c (Landespolizeidirektion Stuttgart II: Kommando-Tagesbefehle, Kommando-Sonderbefehle), Signatur Bü 31 (Digitalisat).
  3. Tagesbefehl 1941/23,2 betreffend Stellvertretung im Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand EL 51/1 II c (Landespolizeidirektion Stuttgart II: Kommando-Tagesbefehle, Kommando-Sonderbefehle), Signatur Bü 32 (Digitalisat).
  4. Tanja von Fransecky: Flucht von Juden aus Deportationszügen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, 2. Auflage, Berlin 2014, S. 304.
  5. Amtsblatt des Württembergischen Kultministeriums Nr. 7/1937 vom 21. Mai 1937 (online auf einer Website der Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte).