Freiluftorgel

Eine Freiluftorgel ist eine selten gebaute Pfeifenorgel, die nicht zum Bespielen eines geschlossenen Raumes dient.

GeschichteBearbeiten

Bereits im römischen Reich gab es zwei Bauformen der Wasserorgel, darunter eine Gattung, die im Zirkus und Theater eingesetzt wurde.[1]

Vor Erfindung der Sirenen diente zuweilen ein Hornwerk als Signalgerät für Ereignisse und Tageszeiten.[2] Als erstes Instrument dieser Art gilt das 1502 errichtete Salzburger Schlosshorn, später Salzburger Stier genannt, welches ursprünglich nur einen F-Dur-Akkord von sich geben konnte. 1550 wurde es um ein mechanisches Spielwerk ergänzt.[3] Später gab es Instrumente, die sogar registrierbar waren.

Claus Spreckels ließ 1915 die weltweit erste, komplexe, konzertfähige Freiluftorgel im Balboa Park zu San Diego (Kalifornien), eine Freiluftorgel mit begehbaren Windladen, von den Austin Brothers bauen.[4]

1931 wurde die so genannte „Heldenorgel“ auf der Festung in Kufstein errichtet, die im Laufe der Zeit mehrmals erweitert wurde.

Als lauteste Freiluftorgel der Welt gilt die „Vox Maris“, ein 2012 gebautes Instrument in Yeosu (Korea).

Bauliche BesonderheitenBearbeiten

Aufgrund der im Aussenraum benötigten Hörbarkeit der Instrumente wird ein deutlich höherer Winddruck als bei Kirchen- und Hausorgeln benötigt. Anstatt der meist üblichen 50 bis 120 mm WS wird ein Druck von etwa 470 mm WS bis zu 100.000 mm WS benötigt. Daraus resultierend müssen die Orgelpfeifen länger gebaut werden und sie werden daher bedeutend schwerer. Zudem müssen die Windladen stabiler und wetterresistenter gebaut werden. Zumeist werden diese Instrumente bei Nichtverwendung mit witterungsdichten Klappen von der Außenwelt abgeschirmt. Daher ist oft kein Prospekt zu sehen.

Instrumente (Auswahl)Bearbeiten

  • „Salzburger Stier“ (Hornwerk)
  • Hornwerk an der Fassade der Stiftskirche des Stiftes Rein[5]
  • Spreckels-Orgel in San Diego
  • „Heldenorgel“, Kufstein
  • „Vox Maris“, Yeosu

LiteraturBearbeiten

  • Walter Salmen: Orgeln im Freien. In: Roland Behrens, Christoph Grohmann (Hrsg.): Dulce Melos Organorum. Festschrift Alfred Reichling zum 70. Geburtstag (= Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde. Band 200). Gesellschaft der Orgelfreunde, Mettlach 2005, S. 443–448.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ein Nachbau von 2006 mit Hörbeispiel in Weißenburg.
  2. Hartmut Krones: Hornwerk. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.
  3. Elisabeth Theresia Fritz: Wien, Musikgeschichte. LIT Verlag, Münster 2006, ISBN 978-3-825-88659-2, S. 105 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Die Spreckels-Orgel auf der Website der GdO, abgerufen am 5. September 2017 (PDF).
  5. Anton Schwob: Zisterziensisches Schreiben im Mittelalter – Das Skriptorium der Reiner Mönche. Peter Lang, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-039-10416-1, S. 333 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).