Frau (Altes Testament)

Die Frau kommt im Alten Testament, welches in einer patriarchalen Gesellschaft verfasst wurde, nur am Rande vor.

EtymologieBearbeiten

Bei dem hebräischen Wort „Frau“ (אִשָּׁה ’iššāh) handelt es sich nicht um die feminine Form des Wortes „Mann“ (אִישׁ ’îš). Für beide Begriffe ist eine Herleitung unsicher. אִשָּׁה ’iššāh, deutsch ‚Frau‘ lässt sich vielleicht von der hebräischen Verbwurzel אנש ’nš, deutsch ‚krank / schwach sein‘ ableiten. Möglich ist aber auch, dass es sich um ein Primärnomen handelt, das heißt, dass das Substantiv nicht von einem Verb abgeleitet werden kann. Für אִישׁ ’îš, deutsch ‚Mann‘ wird eine Ableitung von der Wurzel אישׁ \ אושׁ ’îš / ’ûš, deutsch ‚stark sein‘ diskutiert. Eine solche Wurzel ist aber nicht belegt. Wahrscheinlich handelt es sich auch hier um ein Primärnomen.[1]

Das Wort אִשָּׁה ’iššāh besitzt die beiden Hauptbedeutungen „Frau“ und „Ehefrau“. Es bezeichnet zunächst die Frau im Gegensatz zum Mann, dient also der Angabe des weiblichen Geschlechtes (z. B. Koh 7,26 EU). Als „Ehefrau“ beschreibt es die Beziehung der Frau zu ihrem Ehemann, die Bezeichnung konnte auch schon vor der Hochzeit als „Verlobte“ (z. B. Dtn 22,24 EU) oder „Braut“ (z. B. Gen 29,1 EU) verwendet werden. Darüber hinaus dient das Wort „Frau“ als Schimpfwort für feige Männer (z. B. Jer 51,30 EU).[2]

Die Frau im Tanach, bzw. Alten TestamentBearbeiten

Die Familienstruktur im jüdischen Tanach, bzw. im christlichen Alten Testament war patriarchal geordnet. Mit der Heirat erhielt der Mann die Rechtsgewalt über seine Frau. Falls die Vorschrift der Jungfräulichkeit vor der Heirat verletzt wurde, konnte es auch zur Steinigung führen (5 Mos 22,20 ELB). Eine Frau war mit einem einzigen Mann verheiratet, während ein Mann mehrere Frauen heiraten konnte (Polygamie).

Wenn ein Mann mit einem Mädchen intim verkehrte, musste er den Brautpreis bezahlen und sie heiraten.

Bei der Eheschließung wurde eine Verlobung vorgeschaltet. Bis zur Hochzeitsfeier lebte die Braut im Hause ihres Vaters. Fruchtbarkeit und eheliche Kinder stärkten den Familienzusammenhalt, wohingegen Kinderlosigkeit als Tragödie empfunden wurde. Ehebruch stand im Tanach unter Todesstrafe. Die guten Eigenschaften einer Frau werden im Buch der Sprichwörter im letzten Kapitel hervorgehoben (Spr 31,10-31 ELB).

Der Tanach berichtet von einigen Frauen, die als Prophetinnen bezeichnet wurden. Im Tempel hatten Frauen nicht uneingeschränkten Zutritt. Die jüdischen Frauen hatten darin einen eigenen Gebetsraum, der über den Frauenvorhof betreten wurde.[3]

Die Frauen konnten ein Erbe erhalten. Ijobs Töchter erhielten ein Erbteil unter ihren Brüdern (Hi 42,15 ELB). Moses gab Frauen einen Erbbesitz, wenn keine männlichen Geschwister da waren, um das Erbteil zu erhalten (4 Mos 27,1 ELB). Auch der Erwerb war der Frau möglich (Spr 31,16 ELB). Im alttestamentlichen Familienstammbaum werden Frauen nur selten namentlich aufgeführt.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ulrike Sals: Frau (AT). In: Michaela Bauks, Klaus Koenen, Stefan Alkier (Hrsg.): Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (WiBiLex), Stuttgart 2006 ff.
  • N.P. Bratsiotis: Art. אִישׁ, THWAT I, S. 238–252.
  • §3 Gender- und Generationenaspekte, in: Bernd Janowski: Anthropologie des Alten Testaments: Grundfragen – Kontexte – Themenfelder, Tübingen 2019, S. 93–134.
  • Karen Engelken: Frauen im Alten Israel. Eine begriffsgeschichtliche und sozialrechtliche Studie zur Stellung der Frau im Alten Testament (= Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament. 130 = Folge 7, H. 10). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1990, ISBN 3-17-011034-9 (Zugleich: Mainz, Univ., Diss., 1987/88: Die Frau – die Frauen.).
  • G. Karssen: Frau, Mensch und Mutter in der Bibel. (1. Mose 2, 23) (= Telos-Bücher 1088, ZDB-ID 1163108-9). Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1976.
  • Clemens Locher: Die Ehre der Frau in Israel. Exegetische und rechtsvergleichende Studien zu Deuteronomium 22,13–21 (= Orbis biblicus et orientalis 70). Universitäts-Verlag u. a., Freiburg (Schweiz) 1986, ISBN 3-525-53697-6 (Zugleich: Frankfurt (Main), Phil.-Theol. Hochsch. St. Georgen, Diss., 1984).
  • Erhard S. Gerstenberger, Wolfgang Schrage: Frau und Mann (= Kohlhammer Taschenbücher 1013 = Biblische Konfrontationen). Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005067-2.
  • Christl Maier: Die „fremde Frau“ in Proverbien 1–9. Eine exegetische und sozialgeschichtliche Studie (= Orbis biblicus et orientalis 144). Universitäts-Verlag u. a., Freiburg (Schweiz) u. a. 1995, ISBN 3-7278-1017-3 (Zugleich: Berlin, Humboldt-Univ., Diss., 1994).
  • Ernst Modersohn: Die Frauen des Alten Testament. Hänssler, Neuhausen-Stuttgart 1972, ISBN 3-7751-0056-3.
  • Eckart Otto: Zur Stellung der Frau in den ältesten Rechtstexten des Alten Testaments (Exodus 20,14; 22, 15f.). In: Eckart Otto: Kontinuum und Proprium. Studien zur Sozial- und Rechtsgeschichte des Alten Orients und des Alten Testaments (= Orientalia Biblica et Christiana 8). Harrassowitz, Wiesbaden 1996, ISBN 3-447-03835-7, S. 30–48.
  • Gerda Weiler: Das Matriarchat im Alten Israel. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1989, ISBN 3-17-010773-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bratsiotis, N.P.: Art. אִישׁ, THWAT I, S. 238–252, 239.
  2. Bratsiotis, N.P.: Art. אִישׁ, THWAT I, S. 238–252, 240.
  3. Flavius Josephus, Abschnitt 199 Jüdischer Historiker 1. Jahrhundert.