Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Franz Sacher

österreichischer Konditor, gilt als der Erfinder der Sachertorte
Franz Sacher
Inserat für die Weinhandlung; 1865

Franz Sacher, auch: Franz Sacher sen. (* 19. Dezember 1816 in Wien, Kaisertum Österreich; † 11. März 1907 in Weikersdorf bei Baden bei Wien, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Koch und Konditor; er gilt als der Erfinder der international bekannten Sachertorte.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Franz Sacher war der Sohn eines im Dienste von Staatskanzler Metternich (1773–1859) stehenden Schlossverwalters.

16-jährig und Lehrling im zweiten Jahr in der Hofküche des Hauses Metternich, als der Herr des Hauses im Jahr 1832 seine Küche anwies, für sich und seine Gäste ein besonderes Dessert zu kreieren. „Dass er mir aber keine Schand’ macht heut Abend!“, sagte er. Doch der Chefkoch war krank, und so musste – zumindest der Legende nach – der Lehrling Franz diese Aufgabe übernehmen. Die von diesem komponierte Schokoladentorte soll den Gästen sehr gemundet haben – womit die Geschichte der Sachertorte begann.

Auch auf seinem zweiten Posten bei einer Gräfin Eszterházy hat der Jungkoch die Unterweisungen von Chefkoch Impère zu befolgen. Als der Lehrer an den Zarenhof nach St. Petersburg berufen wird, lässt sich Sacher an einen anderen Zweig der gräflichen Großfamilie versetzen und kommt an den Landsitz in Zelis.[1]

1840 heiratete Franz Sacher die Wienerin Rosa Wieninger (bisweilen: Veininger). In einem Gesindetrakt des Schlosses von Rosine Eszterházy kommt 1843 ihr zweites Kind, Eduard, zur Welt.[1]

Als ausgelernter Koch machte sich Franz Sacher nach einigen Jahren Berufserfahrung zuerst in Pressburg und dann kurzfristig auf Donauschiffen zwischen Wien und Budapest selbstständig. Er war auch erster Küchenchef im Kasino von István Széchenyi in Pest. Im Jahr 1848 kehrte Sacher nach Wien zurück und eröffnete in der Weihburggasse 4 einen Feinkostladen mit Weinhandlung, wobei sich die „Schokoladetorte des Franz Sacher“ als Verkaufsschlager erwies. Johann Gundel (1844–1915), Gründer des Restaurant Gundel in Budapest, machte in dieser Zeit seine erste Ausbildung bei Franz Sacher. Ab 1. Dezember 1865[2] führte Sacher als Besitzer auch das Grand Hôtel de l’Europe in der Leopoldstädter Asperngasse 2 (heute: Aspernbrückengasse), das er 1871 abgab.[3][4][5]

Franz Sacher ließ sich 1881 in Weikersdorf bei Baden bei Wien nieder, wo er bis zu seinem Tod am 11. März 1907[6] in der heute nicht mehr bestehenden Villa auf Schloßgasse 10 (nunmehr: ON 23) lebte.[Anm. 1] In seinem Heim, zwei Gehminuten von Schloss Weikersdorf, dreizehn von Schloss Weilburg, kochte Sacher immer wieder für Angehörige der ansässigen bzw. örtlich engagierten Hocharistokratie.[7]

Etwa fünf Jahre vor seinem Tod und hochbetagt, erlitt der passionierte Jäger in der Steiermark einen schweren Jagdunfall (Absturz), konnte sich jedoch völlig erholen. Nur das letzte Lebensjahr verbrachte Sacher in Siechtum,[8] gestützt auf die Hilfe seiner langjährigen Wirtschafterin Fräulein Rosa.[9]

Franz Sacher (Testament vom 24. Dezember 1902)[10] wurde im Familiengrab auf dem Helenenfriedhof in Weikersdorf beigesetzt.[11]

NachkommenBearbeiten

Franz Sacher und seine Frau Rosa geb. Wieninger hatten drei Söhne:

  • Franz († 1889; Alter: 48/49),[12] übernahm Mitte der 1860er-Jahre das Geschäft seines Vaters in der Weihburggasse, war später Restaurateur sowie Hotelier in Bukarest, danach Leiter des Marinekasinos in Pola;[8] nach dem Verlust seines Vermögens kehrte er krank in die Heimat zurück, wo er bald darauf bei Baden bei Wien verstarb[13] und auf dem Friedhof St. Helena bestattet wurde; Vormund seiner minderjährigen Kinder, Franz, Johann und Adrienne, wurde Bruder Carl Sacher;[14] die Witwe, Adrienne, wiedereröffnete als Pächterin 1894 an der Drahtseilbahn Feste Hohen-Salzburg ein Restaurant[15]
  • Eduard (1843–1892), der beim k.u.k. Hofzuckerbäcker Demel die Sachertorte vollendete und 1876 das Hotel Sacher in Wien gründete
  • Carl (1849–1929), der 1881 Sacher’s Hotel & Curanstalt im Helenental gründete.[16] In diesem bis heute frequentierten Hotel bzw. Restaurant waren viele bedeutende Persönlichkeiten, unter anderem auch Kaiserin Elisabeth zu Gast.

EhrungenBearbeiten

  • Franz-Joseph-Orden[8]
  • Google zeigte am 19. Dezember 2016 in D-A-CH das animierte Google Doodle 200. Geburtstag von Franz Sacher mit dem zweiten „o“ als Kaffeehaustisch. Auf den Tellern lagen vier Stück Torte, die happenweise bis auf wenige Krümel verschwinden.[17]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Franz Sacher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Das Sacherhaus von Zelis. In: Dietmar Grieser: Der Onkel aus Preßburg. Auf österreichischen Spuren durch die Slowakei. Buchgemeinschaft Donauland, Wien 2010, OBV, s.p.
  2. Hotel de l’Europe. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Beilage zu Nr. 334/1865 (XVIII. Jahrgang), 3. Dezember 1865, S. 9 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  3. (Annonce:) Grand Hotel de l’Europe, Wien, Leopoldstadt. (…). In: Neues Fremden-Blatt, Morgenblatt, Nr. 226/1871 (VII. Jahrgang), 16. August 1871, S. 5 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfb.
  4. Fotografie um 1870 von Oscar Kramer
  5. Das 1857 in Erwartung der Weltausstellung 1873 errichtete Gebäude kam nach Auflassung des Hotelbetriebs 1922 in den Besitz des Bundes und diente lange Zeit als Finanzamtsgebäude, es wurde 1992 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. ([1])
  6. Todesanzeige. In: Badener Zeitung, 13. März 1907, S. 7 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt
  7. Tagesbericht. (…) Franz Sacher †. In: Neues Wiener Tagblatt. Demokratisches Organ, Nr. 70/1907 (XLI. Jahrgang), 12. März 1907, S. 8 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwg.
  8. a b c Kleine Chronik. (…) Franz Sacher sen.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 15286/1907, 12. März 1907, S. 8 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  9. Tages-Neuigkeiten. (…) Der alte Sacher †. Der Chef einer Wiener Hotel-Dynastie. In: Neuigkeits-Welt-Blatt, Nr. 60/1907 (XXXIV. Jahrgang), 13. März 1907, S. 4, Spalte 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwb.
  10. Konvokationen (…). (…) Franz Sacher. In: Amtsblatt zur „Wiener Zeitung“, Nr. 218/1907, 21. September 1907, S. 336, Spalte 2. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  11. knerger.de: Das Grab von Franz Sacher
  12. Badener Local-Chronik. (…) Todesfälle. In: Badener Bezirks-Blatt, Nr. 13/1889 (IX. Jahrgang), 29. Jänner 1889, S. 3, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb.
  13. Kleine Chronik. (…) Sterbefall. In: Wiener Zeitung, Nr. 22/1889, 26. Jänner 1889, S. 7 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  14. Amortisationen. (…) Polizze. In: Amtsblatt zur Wiener Zeitung, Nr. 142/1894, 23. Juni 1894, S. 861, Spalte 3 unten. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.
  15. Eröffnungs-Anzeige. In: Salzburger Volksblatt, Nr. 101/1894 (XXIV. Jahrgang), 3. Mai 1894, S. 5. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/svb.
  16. Local-Nachrichten. (…) Neue Anlagen in Rauhenstein. In: Badener Bezirks-Blatt, Nr. 47/1881 (I. Jahrgang), 19. November 1881, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bbb.
  17. 200. Geburtstag von Franz Sacher Doodle Archive, google.com, 19. Dezember 2016, abgerufen 19. Dezember 2016.

AnmerkungenBearbeiten

  1. 1873 wurde über Auftrag von Franz Sacher, Restaurateur eine Villa in der heutigen Sauerhofstraße 10 (ehedem: Rauhenstein, Eliasgasse 10) erbaut. Der Auftraggeber dürfte Sachers erstgeborener, beruflich ehrgeiziger, jedoch letztlich glückloser Sohn gewesen sein. – Bettina Nezval: Villen der Kaiserzeit. Sommerresidenzen in Baden. 2., erweiterte Auflage, Berger, Horn/Wien 2008, ISBN 978-3-85028-476-9, S. 176. Die Autorin vermerkt fragend hinter dem Namen des Auftraggebers: Erfinder der Sachertorte?