Franz Hörl

österreichischer Politiker und Nationalratsabgeordneter

Franz Hörl (* 4. Dezember 1956 in Zell am Ziller) ist ein österreichischer Gast- und Landwirt, Politiker (ÖVP). Seit April 2016 ist Hörl Landesobmann des Tiroler Wirtschaftsbundes. Von 2006 bis 2013 war er Abgeordneter zum Nationalrat, vom 24. Jänner 2018 bis zum 11. Juni 2019 war er erneut Abgeordneter. Seit dem 23. Oktober 2019 ist er wieder Abgeordneter.

Ausbildung und BerufBearbeiten

Franz Hörl besuchte von 1962 bis 1966 die Volksschule und wechselte 1967 an die Internatshauptschule im Kloster Fiecht in Vomp, die er bis 1971 besuchte. Er absolvierte im Anschluss von 1972 bis 1975 die Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck und leistete seinen Präsenzdienst ab.

Hörl absolvierte Auslandspraktika in der Hotellerie und erlernte den Beruf des Kochs, vor allem in der Schweiz und in Liechtenstein. Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm Hörl 1978 den elterlichen Betrieb, das Hotel Gaspingerhof in Gerlos. Seit 1978 ist er zudem Landwirt. Seit 1979 steht Hörl auch der Schilift-Zentrum-Gerlos als Geschäftsführer vor. Seit Mai 2010 ist er Obmann des Fachverbandes der Seilbahnwirtschaft.

PolitikBearbeiten

Franz Hörl ist seit 1983 Mitglied des Gemeinderates von Gerlos und war zwischen 1986 und 1992 Vizebürgermeister der Gemeinde. 1992 wählte ihn der Gemeinderat zum Bürgermeister. Neben seinen Mandaten ist Hörl seit 1992 Ortsparteiobmann der ÖVP Gerlos und wurde 2004 zum Obmann der Bezirksstelle Schwaz des Österreichischen Wirtschaftsbundes gewählt. Hörl ist zudem seit 2000 Obmann der Bezirksstelle Schwaz der Wirtschaftskammer Österreich.

Franz Hörl vertrat die ÖVP vom 30. Oktober 2006 bis zum 28. Oktober 2013 erstmals im Nationalrat. In der XXIII. Gesetzgebungsperiode war Hörl Mitglied in den Ausschüssen Konsumentenschutz, Wirtschaft und Industrie, Bauten, Familien, Landesverteidigung, Tourismus und Umwelt.

Am 25. April 2016 wurde Jürgen Bodenseer als Landesobmann des Tiroler Wirtschaftsbundes in Igls abgewählt. Mit 55 % der abgegebenen Stimmte wurde Franz Hörl zu seinen Nachfolger gewählt.

Ab dem 24. Jänner 2018 war er erneut Abgeordneter zum Nationalrat, er rückte für Kira Grünberg nach, die ein durch Bildung der Bundesregierung Kurz I freigewordenes Mandat auf der Bundesliste annahm.[1]

ÖVP-Nationalrat Franz Hörl wurde am 18. Feber 2020 in Schwaz bei der 23. Landesgruppenhauptversammlung des Tiroler Wirtschaftsbundes in Anwesenheit von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Landeshauptmann Günther Platter und WKÖ-Präsident Harald Mahrer mit 96,63 Prozent der Delegiertenstimmen (178 anwesende Delegierte) als Landesobmann wiedergewählt.

KritikBearbeiten

Franz Hörl wurde im November 2011 Sexismus vorgeworfen: Auf die Frage der Nationalratsabgeordneten Gabriele Binder-Maier, wie viele Frauen denn im Landwirtschaftsministerium arbeiteten, antworte er mit: „Irgendeine Putzfrau wird es schon geben“.[2]

Hörl wird medial vorgeworfen, mit seinen „ausfälligen Tiraden oft die Schmerz- und Anstandsgrenze“ zu überschreiten sowie zu einseitig als Seilbahn-Lobbyist zu agieren. Die Tageszeitung Der Standard bezeichnete ihn als „Pitbull Terrier der Tiroler Volkspartei“. Anlass dafür war ein untergriffiger Angriff auf eine anerkannte BOKU-Gutachterin, die zuvor als Beauftragte des Bundesverwaltungsgerichts ein gigantisches Seilbahn-Projekt aus gewichtigen Naturschutzgründen abgelehnt hatte.[3]

Am 6. Februar 2019 veröffentlichte Franz Hörl auf seiner Facebookseite ein Video, das Skitourengeher zeigt, die Gämsen offenbar grundlos durch hohen Schnee hetzen. Die Tiere werden von den Wintersportlern eingekreist, bis sie schlussendlich erschöpft entkommen. Es wird suggeriert, dass es sich beim angehängten Videobeitrag um einen aktuellen Beitrag aus Österreich handeln würde. Recherchen des Österreichischen Alpenvereins haben ergeben: Die Original-Version des Videobeitrages wurde nicht in diesem Winter aufgenommen, sondern schon im Februar 2018. Der Clip wurde auch nicht in Österreich gefilmt, sondern in der Nähe von La Molina, also im spanischen Teil der Pyrenäen. Die spanischen Skitourengeher wollten die Tiere aus dem tiefen Schnee retten. Laut Ansicht des ÖAV hatte Hörl mit diesem Beitrag versucht, negative Stimmung gegen Skitourengänger zu verbreiten.[4]

Franz Hörl befürwortet die Sprengung eines gesamten Berggrats, um die Skigebiete Pitztal und Ötztal zu verbinden.[5][6]

Während der COVID-19 Pandemie in Österreich soll er bis zum 12. März 2020 als Interessenvertreter der Seilbahn-Wirtschaft gegen die am 13. März 2020 beschlossene Beendigung der Wintersaison lobbyiert haben. Dies obwohl ihm die vom Tirolurlaub insbesondere in Ischgl ausgehende Infizierung vieler Urlauber bekannt gewesen sei.[7][8] Hörl weißt jede Schuld von sich und nennt die Vorwürfe gegen ihn eine Hexenjagd.[9] Ende März wurden mittlerweile bestätigte SMS Nachrichten von Hörl öffentlich, die nahelegen, dass er einen Ischgler Wirt unter Druck gesetzt hat sein Lokal zu schließen um damit die Wintersaison "zu retten".[10]

Belege/EinzelnachweiseBearbeiten

  1. ÖVP-Bundesmandate gehen nach Tirol und Wien. Artikel vom 16. Jänner 2018, abgerufen am 25. Jänner 2018.
  2. Sexismus-Alarm um VP-Mandatar. (Memento vom 13. November 2011 im Internet Archive) In: heute.at. 10. November 2011.
  3. Steffen Arora: Die postfaktische Welt von ÖVP-Seilbahnsprecher Franz Hörl. In: derStandard.at. Abgerufen am 3. November 2019.
  4. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Oder wie ein Videobeitrag Tourengeher in Verruf bringen kann. In: alpenverein.at. Februar 2019, abgerufen am 3. November 2019.
  5. Nindler Peter: Geplante Gletscherehe Pitztal-Ötztal als Kraftprobe. 16. Oktober 2019, abgerufen am 3. November 2019.
  6. Jetzt unterzeichnen: Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal! In: aufstehn.at. Abgerufen am 3. November 2019.
  7. Après-Ski mit bösem Erwachen in den Tiroler Bergen. In: derstandard.at. Abgerufen am 21. März 2020.
  8. Seilbahner wussten frühzeitig um die Corona-Bombe Ischgl. VP-Nationalrat Franz Hörl warnte Wirt des "Kitzloch" in SMS Tage vor Sperre von Ischgl vor möglichem Saison-Aus. In: kurier.at. Abgerufen am 21. März 2020.
  9. Politiker wehrt sich: „Ich habe nichts vertuscht!“ Abgerufen am 3. April 2020.
  10. SMS-Verkehr bringt Tiroler Seilbahner und Touristiker unter Druck - derStandard.at. Abgerufen am 3. April 2020 (österreichisches Deutsch).

WeblinksBearbeiten