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Frans Masereel (* 30. Juli 1889 in Blankenberge; † 3. Januar 1972 in Avignon) war ein bedeutender belgischer Grafiker, Zeichner und Maler sowie Pazifist.

Mosaik von Frans Masereel an einem Werksgebäude von Villeroy & Boch in Mettlach

LebenBearbeiten

Masereel verbrachte seine Kindheit in seiner Geburtsstadt an der belgischen Küste. Er zeigte schon früh musische Talente. Von 1907 bis 1908 besuchte er die Kunstakademie in Gent. 1910 siedelte er mit Pauline Imhoff, seiner späteren Ehefrau, nach Paris über, 1915 in die Schweiz. Dort trat er dem Internationalen Roten Kreuz in Genf bei und schloss sich dem Kreis der Pazifisten um Henri Guilbeaux und Romain Rolland an. Stefan Zweig wurde sein Freund, der ihn u. a. mit Kasimir Edschmid, Rilke, Hermann Hesse, Theodor Däubler und Sternheim bekannt machte.

Erste Radierungen und Holzschnitte von Masereel waren schon ab 1913 in einigen Zeitschriften erschienen, aber erst in der Schweiz erreichte er ein größeres Publikum. Die Zeitschriften "demain", "les tablettes" und vor allem die Zeitung "la feuille" veröffentlichten seine Zeichnungen und Holzschnitte, alleine "la feuille" nahezu tausend Antikriegszeichnungen.

Masereel erlangte Bedeutung für die französischen und deutschen pazifistischen Publikationen während des Ersten Weltkrieg und danach.[1]

Ab 1917 entstanden die ersten Linol- und Holzschnittfolgen und Bildromane - eine völlig neue Ausdrucksform - sowie Illustrationen für Bücher. Zunächst im Selbstverlag und kleineren Verlagen veröffentlicht, engagierten sich bald etablierte Häuser für Masereels Werke, insbesondere Kurt Wolff (Verleger) in München. Seine Bildgeschichte, etwa "Mein Stundenbuch", "Die Sonne", fanden mit Auflagen von 100–150.000 eine weite Verbreitung in Deutschland. So wurde Masereel in der Zwischenkriegszeit einer der berühmtesten Holzschneider und Zeichner, der vielseitige Freundschaften und Bekanntschaften pflegte, darunter Persönlichkeiten wie Romain Rolland, Stefan Zweig, Hermann Hesse, Klaus Mann, Thomas Mann, Carl Sternheim und Thea Sternheim, Henry van de Velde, George Grosz, Kurt Tucholsky, Bert Brecht. Einen Überblick über seine zahlreichen Beziehungen gibt die Broschüre "Frans Masereel und seine Freunde".[2]

Nachdem sich Masereel ab 1922 wieder in Paris niedergelassen hatte, wandte er sich verstärkt der Malerei zu. Inspiriert durch die Pariser Atmosphäre entstanden zunächst seine berühmten Aquarelle, die das nächtliche Paris widerspiegeln, etwa "Rue, la nuit", "Sur le trottoir" & "Jazz nègre". Erste Ausstellungen bei Billiet in Paris erregten großes Aufsehen. Im Küstenort Equihen, nahe Boulogne-sur-Mer kauften die Masereels 1924 ein Fischerhäuschen. Dort verbrachte Masereel bis 1939 regelmäßig die Sommermonate und wandte sich zunehmend der Ölmalerei zu. In drei Jahren entstanden dort rund 100 Bilder, mit denen er als Maler international bekannt wurde. In den Jahren 1929 und 1930 erreichte er den Höhepunkt seines Könnens mit monumentalen Bildnissen wie "Femme assise", "L'Accordéoniste" und Seestücken.[3] Die erste Retrospektive in der Kunsthalle Mannheim 1929 mit 200 Werken bedeutete für Masereel den Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere. Es folgten 11 weitere Einzelausstellungen, sodass 1930 eine Art Masereel-Jahr wurde.[4]

1940 flohen die Masereels aus Paris in den Süden Frankreichs: Aufenthalte in Avignon mit Atelier im Papstpalast und später im Département Lot-et-Garonne. 1949 wurden sie in Nizza sesshaft. Ein Jahr später erhielt Masereel den großen Preis für Grafik der Biennale di Venezia. Auch in den kommunistischen Staaten war er sehr populär: 1957 Besuch in Ost-Berlin anläßlich der Ausstellung in der Deutschen Akademie der Künste, 1958 Reise nach China (Ausstellung in Peking, Shanghai, Wuhan). Nach dem Tod seiner Frau Pauline heiratete er Laure Malclès, seine langjährige Geliebte. Masereel starb 1972. Er ist begraben auf dem Friedhof von Sint-Amandsberg in Gent.

Eine ausführliche tabellarische Übersicht über Masereels Leben und Werk gibt Paul Ritters Ausstellungsbroschüre zum 100. Geburtstag des Künstlers.[5]

WerkBearbeiten

Masereel vertrat in seiner Kunst einen konsequenten Humanismus. Er stellte die Menschen in ihrer Verlorenheit und Verlassenheit in der modernen Zivilisation dar, ohne indessen als Pessimist gelten zu können. Denn gleichzeitig lieferte er Beispiele für Handlungsmöglichkeiten, um dem Menschlichen in einer sich entmenschlichenden Welt den ihm gebührenden Platz zu sichern. Beispiele hierfür sind die 80 Holzschnitte „Das Gesicht Hamburgs oder die 100 Holzschnitte des Zyklus „Die Stadt“ (1925). 1919 erschien seine Folge von 167 Holzschnitten „Mein Stundenbuch“, die in Deutschland 1920 von Kurt Wolff verlegt wurde. 1920 folgte „Die Idee“, eine allegorische Geschichte in 83 Holzschnitten, die in Deutschland 1959 als Nr. 675 im Insel-Verlag, Leipzig, erschien. Darin geht es um die Vorstellung eines Mannes von einer nackten Frau, die sich dann verselbständigt und ob ihrer Nacktheit in Konflikt mit der Obrigkeit gerät. Im Karl Dietz Verlag Berlin wurde das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels als illustrierte Ausgabe mit 11 Holzschnitten von Frans Masereel herausgegeben.[6]

Eine Freundschaft verband Masereel mit Henry Gowa, der ihn nach Saarbrücken holte, wo er von 1947 bis 1951 die Meisterklasse für Malerei an der neugegründeten Schule für Kunst und Handwerk leitete.[7]

Frans Masereel regte am 26. September 1953 gemeinsam mit den deutschen Künstlern HAP Grieshaber, Erich Heckel, Gerhard Marcks, Ewald Mataré, Otto Pankok, Max Pechstein, Karl Rössing und anderen in Zürich an, die „XYLON Societé Internationale des Graveurs sur Bois“ zu gründen. Diese Gründung der Internationalen Vereinigung der Holzschneider XYLON wurde beschlossen und Masereel war ihr erster Präsident.

1956 schuf er ein weiteres großes Holzschnittwerk, 100 Blätter unter dem Titel "Mijn Land". 1964 erhielt Masereel den Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Eine Dauerausstellung von Masereel-Werken gibt es im Frans Masereel Centrum im Kasterlee bei Antwerpen.

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Zweig, Arthur Holitscher: Frans Masereel. Gesamttitel: Graphiker unserer Zeit, Band 1, Axel Juncker Verlag, Berlin 1923.
  • Luc Durtain: Frans Masereel, Paris 1931
  • Stefan Zweig, Pierre Vorms, Gerhard Pommeranz-Liedtke: Frans Masereel, Dresden 1959
  • Pierre Vorms: Gespräche mit Frans Masereel. Verlag der Kunst, Dresden 1967.
  • Roger Avermaete: Frans Masereel, Stuttgart 1976
  • Pierre Vorms: Masereel - Catalogue raisonné, Mercatorfonds Antwerpen 1976
  • Pierre Vorms: Frans Masereel. Verlag der Kunst, Dresden 1978.
  • Paris-Berlin 1900–1933: Übereinstimmungen und Gegensätze Frankreich-Deutschland, München 1979. ISBN 3-7913-0466-6
  • Arnold Bode: Frans Masereel, Katalog zur Ausstellung in der Wandelhalle der Paulskirche, Frankfurt am Main 1970.
  • Paul Ritter: Frans Masereel. Graphische Meisterwerke aus der Sammlung Paul Ritter. Klingspormuseum Offenbach 1989
  • Paul Ritter (Hrsg.): Frans Masereel: eine annotierte Bibliographie des druckgraphischen Werkes. Saur, München 1992, ISBN 3-598-11103-7.
  • Robert Hoozee und Piet Boyens: Vlaams expressionisme in Europese context 1900-1930. S. 344ff. Gent 1990
  • Joris van Parys: Masereel: eine Biografie. Zürich 1999, ISBN 3-85990-001-3.
  • Richard Hamann, Jost Hermand: Epochen deutscher Kultur von 1870 bis zur Gegenwart – Expressionismus. Fischer, 1977, ISBN 3-436-02511-9, S. 26, 71, 104, 109, 185.
  • Frans Masereel: Mein Stundenbuch. 165 Holzschnitte mit einer Einleitung von Thomas Mann. Paul List Verlag, München 1957.
  • Frans Masereel: Das Gesicht Hamburgs. 80 Holzschnitte, Hamburg 1966, Johannes Asmus Verlag
  • Karl-Ludwig Hofmann und Peter Riede (Herausgeber): Frans Masereel. Zur Verwirklichung des Traums von einer freien Gesellschaft. Saarbrücken 1989. ISBN 3-922807-40-2
  • Frans Masereel: La Guerre – Der Krieg. Frans Masereels Bilder gegen den Krieg. FMS, Frans-Masereel-Stiftung, Saarbrücken 2010. E-Book, pdf, 300dpi, 75 MB, 54 S., zahlreiche Abbildungen, anlässlich der Ausstellung vom 2. Juli bis 12. September 2010 in Heidelberg.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Paris-Berlin 1900-1933. Übereinstimmungen und Gegensätze Frankreich-Deutschland. (Ausstellung im Centre Pompidou Paris 1978), München, Prestel 1979. S. 490 ff.
  2. Frans Masereel und seine Freunde, Klingspormuseum Offenbach, 1977
  3. Joris van Parys: Masereel - eine Biografie. Edition 8, Zürich 1999, S. 236.
  4. Joris van Parys, Masereel - eine Biografie, Edition 8, Zürich, 1999, S. 248
  5. Frans Masereel - Graphische Meisterwerke aus der Sammlung Paul Ritter, Klingspormuseum Offenbach, 1989
  6. Dietz-Verlag Berlin
  7. In Bildern erzählen: Frans Masereel

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten