Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie

Das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP, häufig Research Institute of Molecular Pathology) ist eine biomedizinische Forschungseinrichtung, die anwendungsoffene Grundlagenforschung im Bereich der molekularen Lebenswissenschaften betreibt.[1]

Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie
Logo
Gründung 1985
Trägerschaft Boehringer Ingelheim
Ort Wien, Österreich
Wissenschaftlicher Direktor
Kaufmännischer Direktor
Jan-Michael Peters
Harald Isemann
Mitarbeiter 270
Jahresetat 35 Millionen
Website www.imp.ac.at

Das IMP ist Teil des Vienna Biocenters (VBC) in Wien, Österreich. Das Institut beschäftigt etwa 270 Personen aus 40 Ländern, von denen etwa 230 Wissenschaftler sind. Die Arbeitssprache am IMP ist Englisch. Das IMP wurde 1985 gegründet[2] und wird von dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim sowie durch Projektmittel unterschiedlicher Fördergeber finanziert.[3]

Wissenschaftler des IMP veröffentlichen jährlich etwa 60 bis 90 Publikationen in internationalen Fachmedien[4]. 93 Patente wurden seit 1985 eingereicht und IMP-Wissenschaftler erhielten 13 ERC Grants. Fünf IMP Wissenschaftler wurden mit Wittgenstein-Preisen ausgezeichnet[5].

Das Kernbudget für den laufenden Betrieb des IMP wird von Boehringer Ingelheim zur Verfügung gestellt. Wesentliche weitere Mittel erschließen sich aus Projektförderungen, die von den Arbeitsgruppen lukriert werden. Wichtige Fördergeber sind dabei insbesondere der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF); die österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG); der Wiener Wissenschafts- und Technologiefonds (WWTF); der Europäische Forschungsrat (ERC); das Human Frontiers Science Program (HFSP); und andere nationale und internationale Fördergeber.[6]

ForschungBearbeiten

 
Labor am IMP. Bis zu drei Arbeitsgruppen teilen ein Großraumlabor, was den Austausch zwischen einzelnen Gruppen fördern soll.

Die Forschung am IMP widmet sich molekularen Mechanismen und Prinzipien, die komplexen biologischen Prozessen zugrunde liegen. Sechs Themenschwerpunkte können aus der Arbeit der IMP-Forschungsgruppen abgeleitet werden:[7]

Die Forschung in diesen Feldern wird in 15 unabhängigen Arbeitsgruppen betrieben, geführt von jeweils einem Gruppenleiter:

  • Meinrad Busslinger: Stammzelldifferenzierung und Hämatopoese
  • Tim Clausen: Molekulare Mechanismen von Proteinqualitätskontrolle
  • Luisa Cochella: räumlich-zeitliche Spezifizität von miRNA-Funktion und ihre Bedeutung für die Zelltypspezifikation
  • David Haselbach: Funktion molekularer Maschinen
  • Wulf Haubensak: Netzwerkmechanismen emotionalen Verhaltens
  • David Keays: neuronale Migration und Magnetorezeption
  • Anna Obenauf: Molekulare Mechanismen von Metastasenbildung und Medikamentenresistenz
  • Andrea Pauli: Funktionen von kurzen, translatierten Offenen Leserahmen (Open Reading Frames / ORFs) in der Entwicklung
  • Rushad Pavri: Molekulare Mechanismen der Antikörperdifferenzierung
  • Clemens Plaschka: Ultrastruktur der RNA Regulation
  • Jan-Michael Peters: Mitose und Chromosomenbiologie
  • Alexander Stark: Systembiologie regulatorischer Motive und Netzwerke – Verständnis der Genexpression von DNS-Sequenzen
  • Elly Tanaka: Molekulare Mechanismen von Wirbeltierregeneration
  • Alipasha Vaziri (assoziierter Gruppenleiter): Dynamik gekoppelter biologischer Systeme: Methoden und Phänomene
  • Manuel Zimmer: Neuronale Grundlagen von Verhalten
  • Johannes Zuber: Identifikation und Charakterisierung möglicher Tumortherapeutika mittels fortgeschrittener RNAi-Technologie

Bekannte ehemalige Mitarbeiter sind zum Beispiel Adriano Aguzzi (Postdoc 1989 bis 1992), Angelika Amon (Master-Studentin/Doktorandin, 1989 bis 1993), Adrian Bird (Senior Scientist, 1987 bis 1990), Max Birnstiel (Direktor, 1988 bis 1996), Jürgen Knoblich (Gruppenleiter 1997 bis 2004), Kim Nasmyth (Senior Scientist/Direktor, 1988 bis 2003), Giulio Superti-Furga (Doktorand, 1988 bis 1990) und Martin Zenke (Gruppenleiter, 1988 bis 1995).

GeschichteBearbeiten

 
Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, Außenansicht.

Das IMP wurde 1985 als Gemeinschaftsprojekt der Unternehmen Boehringer Ingelheim und Genentech gegründet. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Max Birnstiel nahm das Institut 1988 seinen Betrieb auf.

1992 zogen fünf Institute der Fakultäten für Naturwissenschaft und Medizin der Universität Wien in ein benachbartes Gebäude, Grundlage für die heutigen Max F. Perutz Laboratories (MFPL). In Folge wurde das Areal als „Vienna Biocenter“ bezeichnet und fortlaufend entwickelt.[8]

1993 übernahm Boehringer Ingelheim alle IMP Anteile von Genentech. 1997 übernahm Kim Nasmyth die wissenschaftliche Leitung des IMP.

2006 nahmen zwei Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ihren Betrieb auf: das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und das Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI), die in Folge beide eng mit dem IMP kooperieren sollten. Im selben Jahr wurde Barry Dickson der Wissenschaftliche Direktor des IMP.

Seit 2013 steht Jan-Michael Peters dem IMP als Wissenschaftlicher Direktor vor, Harald Isemann ist seit 2004 Kaufmännischer Direktor. 2016 zog das IMP in das neue von ATP architekten ingenieure (Wien) integral geplante Gebäude[9], das am 1. März 2017 offiziell eröffnet wurde.[10]

EinrichtungenBearbeiten

 
Forscher arbeiten am IMP neben den Labors auch an Schreibplätzen, die durch eine offene Architektur verbunden sind.

Das VBC PhD Programme ist ein internationales Doktorandenprogramm, das gemeinsam von den vier Forschungsinstituten des Vienna Biocenters (IMP, IMBA, GMI und MFPL) getragen wird. Die Aufnahme in das Programm erfolgt durch einen umfassenden Selektionsprozess zweimal jährlich (April und November). Die Teilnahme am VBC PhD Programme ist eine Voraussetzung dafür, als Doktorand am IMP zu arbeiten.[11]

Das IMP betreibt eine Reihe von kostenintensiven Servicestellen in Kooperation mit IMBA und GMI. Diese stehen den Wissenschaftlern aller Institute als interner Service zur Verfügung und umfassen unter anderen Bioinformatik, Biooptik (Mikroskopie), Vergleichende Medizin, Massenspektroskopie und Proteinchemie, sowie die Max-Perutz-Bibliothek.[12]

Neben den institutseigenen Servicestellen können Forscher des IMP auch die Einrichtungen der Vienna Biocenter Core Facilities nutzen. Diese umfassen neben wissenschaftlichen Servicestellen wie Mikroskopie, Bioinformatik, Elektronenmikroskopie, Histopathologie, Metabolomik, Sequenzierung, Pflanzenkultur, präklinischer Bildgebung, Proteintechnologien und dem Vienna Drosophila Ressource Center auch einen Kindergarten.[13]

Um sein wissenschaftliches Niveau zu überprüfen, stützt sich das IMP unter anderem auf seinen wissenschaftliche Beirat (Scientific Advisory Board oder SAB), der sich aus etablierten Wissenschaftlern zusammensetzt und einmal jährlich tagt. Vorsitzende des SAB ist (Stand 2017) Leslie Vosshall von der Rockefeller University. Die anderen Mitglieder sind Angelika Amon (Massachusetts Institute of Technology); Hans Clevers (Hubrecht Institute); Michael Hausser (University College London); Norbert Kraut (Boehringer Ingelheim); Dan Littman (New York University Langone Medical Center); Ruslan Medzhitov (Yale School of Medicine/HHMI); Tom Rapoport (Harvard Medical School); und Dirk Schübeler (Friedrich Miescher Institute).[14]

WeblinksBearbeiten

Commons: Research Institute of Molecular Pathology (Vienna) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Research Institute of Molecular Pathology: IMP at a glance | Research Institute of Molecular Pathology (IMP). Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  2. Welcome to the Vienna Biocenter. Abgerufen am 21. Juli 2017.
  3. The Research Institute of Molecular Pathology: Funding & Sponsorship | Grants & Donor Bodies | Research Institute of Molecular Pathology (IMP). (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 16. August 2017; abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.imp.ac.at
  4. The Research Institute of Molecular Pathology: Publications | IMP Scientific Papers | Research Institute of Molecular Pathology (IMP). Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  5. FWF Project Finder. Abgerufen am 22. August 2017.
  6. The Research Institute of Molecular Pathology: Funding & Sponsorship | Grants & Donor Bodies | Research Institute of Molecular Pathology (IMP). (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 16. August 2017; abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.imp.ac.at
  7. The Research Institute of Molecular Pathology: Research Institute of Molecular Pathology | Main Research Areas. Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  8. Vienna Biocenter. Abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  9. IMP Neubau, abgerufen am 21. Februar 2018.
  10. Maria Wirth: Der Campus Vienna Biocenter. 1. Auflage. StudienVerlag, Innsbruck, Wien, Bozen 2013, ISBN 978-3-7065-5305-6, S. 178.
  11. Vienna Biocenter PhD Programme. Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  12. Intranet - IMP/IMBA. Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  13. VBCF | Home. Abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).
  14. The Research Institute of Molecular Pathology: Scientific Advisory Board | Research Institute of Molecular Pathology (IMP). (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 21. Juli 2017 (englisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.imp.ac.at (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.


Koordinaten: 48° 11′ 19,6″ N, 16° 24′ 3,1″ O