Graner Berg

Berg in Deutschland
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Der Graner Berg ist eine 315 m ü. NHN[1] hohe Erhebung der Ostwaldecker Randsenken bei Wolfhagen im nordhessischen Landkreis Kassel.

Graner Berg
Blick aus Richtung Wolfhagen südwärts zum Graner Berg

Blick aus Richtung Wolfhagen südwärts zum Graner Berg

Höhe 315 m ü. NHN [1]
Lage bei Wolfhagen, Landkreis Kassel, Hessen, Deutschland
Gebirge Ostwaldecker Randsenken im Westhessischen Bergland
Koordinaten 51° 18′ 26″ N, 9° 10′ 27″ OKoordinaten: 51° 18′ 26″ N, 9° 10′ 27″ O
Graner Berg (Hessen)
Graner Berg
Erschließung Fahrweg bis Gipfelbereich
Besonderheiten Graner-Berg-Türme
Drachenhöhle
Flugplatz Wolfhagen-Graner Berg
Blick aus Richtung Bründersen nordwestwärts zum Graner Berg

Der Name der Erhebung stammt vom ehemaligen Kirchdorf Gran, eine Siedlung chattisch-sächsischer Bauern vom Ende des 4. Jahrhunderts[2] oder, anderen Angaben zufolge, aus dem 8. Jahrhundert;[3] beides fällt in die jahrhundertelange Zeit der Christianisierung. Weithin bekannt ist die Erhebung durch den auf ihren Hochlagen gelegenen Flugplatz Wolfhagen-Graner Berg.

Geographische LageBearbeiten

Der Graner Berg liegt im Wolfhager Hügelland im Westteil des Naturparks Habichtswald. Er erhebt sich zwischen der Kernstadt von Wolfhagen im Norden und dessen Stadtteilen Istha im Osten, Bründersen im Südsüdosten und Leckringhausen im Westen. Westlich um die Erhebung herum fließt der Erpe-Zufluss Mühlenwasser. Im dortigen Tal liegen die Wüstung Gran und die Ansiedlung Granfeld. Östlich erstreckt sich am Mühlenwasser das Naturschutzgebiet Glockenborn bei Bründersen (1995 ausgewiesen, 0,23 km² groß),[1] jenseits davon liegt die Wüstung Todenhausen (Ersterwähnung 1074)[4] mit dem Todenhäuser Friedhof.

Geologie und LandschaftBearbeiten

Der Graner Berg besteht aus bankigen Kalksteinen des rund 240 Millionen Jahre alten Muschelkalks. Die Südwest-, West- und Nordhänge seiner flachkuppigen Erhebung sind bewaldet, seine Hochlagen sind eben, großflächig und waldlos (dort liegt der Flugplatz) und die östlichen Hanglagen werden teils landwirtschaftlich genutzt.

Naturräumliche ZuordnungBearbeiten

Der Graner Berg liegt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (Nr. 34) in der Haupteinheit Ostwaldecker Randsenken (341) und gehört im Wolfhager Hügelland (341.3) überwiegend zum Naturraum Isthaebene (341.34), wobei Ausläufer seines Nordhangs bis in den Naturraum Ehringer Senke (341.30) reichen.[5]

Graner-Berg-TürmeBearbeiten

 
Graner-Berg-Türme

Auf dem Graner Berg stehen etwas westlich des Flugplatzes die Graner-Berg-Türme. Die zwei mittelalterlich wirkenden Türme wurden aber erst in den Jahren 1905 bis 1909 errichtet.[6]

Ab 1946 baute Bruno Noll die Türme und vorhandene Barackenteile zu seiner Wohnung aus und richtete auch eine bescheidene Gastronomie ein. Diese verfügte anfänglich weder über Strom- noch Wasseranschluss; anfangs wurde Strom mittels eines Stromaggregats erzeugt.[6] Im Laufe der Jahre konnte er den Gebäudekomplex als Heim für die Segelflieger und als Ausflugslokal ausbauen. 1961 gab er sein Lokal aus Altersgründen auf. Es wurde von Peppi Piretti übernommen. Sein Pachtvertrag endete 1976. In der Folge verfielen die Wohn- und Gastronomiegebäude. Diese wurden, zum Bedauern vieler Wolfhager, abgerissen. Nur die beiden Türme sind noch erhalten.[3]

Derzeit wird die Fläche an den Türmen als Grill- und Bedarfszeltplatz genutzt.

DrachenhöhleBearbeiten

Knapp 300 m südlich vom Gipfel des Graner Bergs breitet sich im Hang zum Mühlenwasser in Richtung der Wüstung Gran und der Ansiedlung Granfeld die Drachenhöhle aus, die Landrat Ludwig von Buttlar Anfang des 20. Jahrhunderts als Steinbruch in den Fels treiben ließ, um dort Baumaterial für die Türme zu gewinnen.[3] Auf einem Schild am Eingang stand Drachenhöhle. Ihr verwinkelter Felsengang führt rund 25 m in das Gestein; ursprünglich reichte er als Fluchttunnel bis zu beiden Graner-Berg-Türmen,[3] doch seit langer Zeit ist die Verbindung dorthin verschüttet. In Bründersen erzählt man sich, dass sich im Krieg in der Höhle Flüchtlinge versteckt haben sollen.[6]

Flugplatz Wolfhagen-Graner BergBearbeiten

 
Flugplatz Wolfhagen-Graner Berg

Die Hochfläche des Graner Bergs wurde bereits in den 1940er Jahren vom Nationalsozialistischen Fliegerkorps (NSFK) genutzt.[3] 1950[3] wurde die Luftsportvereinigung Wolfhagen (LSV Wolfhagen)[7] gegründet. Seit 1951 liegt auf der Erhebung – östlich des Gipfels auf maximal etwa 313 m Höhe – der Sonderlandeplatz (SLP) Wolfhagen-Graner Berg (ICAO-Code: EDGW). Für die Anlage des Flugplatzgeländes wurden etwa 30.000 m³ Erde und Bauschutt (usw.) durch belgische Pioniersoldaten angefahren und planiert.[3] Am 1. Oktober 1951 fand der erste Flugtag vor mehr als 5000 Zuschauern statt.[3] Die laut zuständiger Landesluftfahrtbehörde genehmigte Länge und Breite der mit Gras bewachsenen Start- und Landebahn beträgt 500 x 30 m.[8] Auf dem von der LSV Wolfhagen betriebenen Flugplatz dürfen neben Segelflugzeugen unter anderem auch motorgetriebene Luftfahrzeuge (z. B. Motorsegler) starten und landen; es findet auch der Betrieb von Modellflugzeugen statt.

Verkehrsanbindung und WandernBearbeiten

Auf den Graner Berg gelangt man über einen an der von Wolfhagen nach Ippinghausen führenden Landesstraße 3214 beginnenden Fahrweg (Hinweisschild Sportflugplatz), der letztlich recht steil bergauf zum Gipfel und damit zum Flugplatz verläuft. Über die Erhebung führt der 52 km lange Wanderweg Volkmarser Weg (VolkmarsenFritzlar; Wegzeichen V) im Abschnitt Wolfhagen–Bründersen und der 9,29 km lange Rundwanderweg Granerbergweg (W3). Vorbei an den Graner-Berg-Türmen und der Drachenhöhle verläuft ein Waldpfad.

AussichtsmöglichkeitBearbeiten

Vom Graner Berg kann die Aussicht besonders in östlichen Richtungen unter anderem zu den Hinterhabichtswälder Kuppen mit dem Großen Bärenberg sowie zum Isthaberg und Hohen Habichtswald genossen werden; zudem ist im Norden der Elsbergrücken zu sehen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Gustav Siegel: Geschichte der Stadt Wolfhagen in Hessen, Wolfhagen 1929, Seite 2
  3. a b c d e f g h Informationstafel: Naturpark Habichtswald – Graner Berg, Heimat- und Geschichtsverein 1956 Wolfhagen (2015)
  4. „Todenhausen, Landkreis Kassel“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 111 Arolsen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  6. a b c Artikel Wo der Drache wohnt auf hna.de vom 5. Dezember 2010
  7. Homepage des Luftsportvereinigung Wolfhagen e.V. (LSV Wolfhagen) auf edgw.de
  8. Deutsche Flugsicherung (DFS): AIP VFR Luftfahrthandbuch (Hrsg.)